Hanseboot Hamburg
Vom 25.10.-02.11.2008
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Hanseboot Hamburg 2008
Hamburg, 30. Oktober 2008 Einmalig: Zwei klassische „Zwölfer“ auf der hanseboot

49. Internationale Bootsausstellung Hamburg noch bis zum 2. November 2008 auf dem Gelände der Hamburg Messe und im hanseboot-Hafen

Eigentlich sollten die legendären Zwölfer „Anitra“ und „Sphinx“ nur restauriert werden. Es wurden jedoch fast Neubauten. Die über 21 Meter langen Yachten sind erstmals auf einer Bootsausstellung zu sehen. hanseboot-Besucher können vom 25. Oktober bis 2. November 2008 in der Halle B4 eine Zeit erleben, als Segeln noch der „weiße Herrensport“ war.

„Anitra“
Als auf der Yacht- und Bootswerft Martin in Radolfzell am Bodensee im Frühsommer der 21,10 Meter lange klassische Zwölfer „Anitra“ vom Stapel lief, war so etwas wie ein neues Kapitel deutscher Yachtbaugeschichte geschrieben worden. Der Grund: Die neue, hochglänzende Mahagoni-Yacht mit ihren eleganten Überhängen an Bug und Heck ist eigentlich 80 Jahre alt, aber nicht einmal 20 Prozent der damaligen Bausubstanz sind erhalten geblieben. Was als Restaurierung einer 1928 in der Bremer Werft Abeking & Rasmussen (A & R) gebauten, klassischen Rennyacht geplant war, entwickelte sich zu einem fünfjährigen Neubauprojekt – exakt nach den ursprünglichen Vorgaben. Dabei hatte der eigentliche Neubau bei A & R vor 80 Jahren nur fünf Monate gedauert. Die wahren Ausmaße der altersbedingten und durch schlechte Pflege entstandenen Schäden an der 26 Tonnen verdrängenden Yacht hatten sich erst gezeigt, als mit den Restaurierungsarbeiten begonnen wurde.

Die langjährige Wiederentstehung der „Anitra“ ist nur von Menschen zu verstehen, deren Herzen höher schlagen, wenn sie die bis heute eleganten Linien alter Zwölfer betrachten. Zu ihnen gehört der Werftchef Josef Martin. Für ihn sind klassische Zwölfer „die Krönung aller faszinierenden Yachten“, und als er im Januar 2003 erfuhr, dass einer dieser Zwölfer zum Verkauf stand, wurde er aktiv. Martin, der in der Bootsbranche und bei seinen Kunden als Perfektionist gilt, blieb sich auch bei der eher privaten Restaurierung des Zwölfers treu – auch als sich die Arbeiten fast als das berühmte Fass ohne Boden erwiesen.

Stück für Stück wurde die „Anitra“ auseinander gebaut. Der Werftbericht über die Restaurierung liest sich wie eine endlose Folge von Enttäuschungen, denen aber mit großem Elan und dem handwerklichen Können der Bootsbauer begegnet wurde. So waren alle tragenden Teile wie Schotten und sogar die stählernen 68 Spanten der Yacht verrottet. „Das war eine unangenehme Überraschung für uns“, erinnert sich Josef Martin. Auch der einst hochwertige Edelholzausbau entpuppte sich bei genauerer Untersuchung nach dem Ausbau als erneuerungsbedürftig. Insgesamt wurden acht Kubikmeter Edelholz und allein 2,6 Tonnen Stahl für neue Spanten verbaut, damit sich der Zwölfer perfekt wie vor 80 Jahren präsentieren und segeln lässt.

„Sphinx“
Oliver Berking, Geschäftsführer der Flensburger Silbermanufaktur Robbe & Berking und in Klassikerkreisen als Liebhaber zeitloser, klassischer Yachten bekannt, war der Initiator der Rettungsaktion des 1939 bei A & R gebauten Zwölfers „Sphinx“. Ein Mann wie Berking konnte nicht mit ansehen, dass die „Sphinx“, die von 1958 bis 2004 in Flensburg als Ausbildungsschiff „Ostwind“ für Offiziere der Bundesmarine eingesetzt war, aus Deutschlands nördlichster Stadt verschwinden sollte. Die Bundesmarine hatte den 21,50 Meter langen, in die Jahre gekommenen Zwölfer zur Versteigerung freigegeben. Der von Berking initiierte Freundeskreis „Sphinx“ ersteigerte die Yacht für exakt 173.001 Euro. Allerdings wurde die Freude darüber bei genauerer Untersuchung des 70 Jahre alten Schiffes getrübt. Im Nachhinein wussten die Flensburger, dass sie eigentlich nur das Recht erworben hatten, den Namen „Sphinx“ weiterzuführen.

Der Freundeskreis hatte für die Restaurierung eine eigene Zeltwerft errichtet. Seit Februar 2006 wurde intensiv mit Hilfe von Bootsbauern und Unternehmen der Bootsbranche an dem Zwölfer gebaut. Wie die „Anitra“ bei Josef Martin wurde die „Sphinx“, die damals mit Stahlspanten und Mahagoniplanken ein moderner Kompositbau war, Stück für Stück auseinander genommen und dann mit neuen Spanten und Planken wieder zusammengefügt. Der ursprüngliche Plan, möglichst viele Originalteile wieder zu verwenden, musste schnell aufgegeben werden. Als die letzte von Henry Rasmussen gebaute 12-m-R-Yacht im Frühsommer erstmals wieder auf der Förde schwamm, waren mehr als 80 Prozent erneuert worden. Geblieben sind fast nur einige Planken, der 27 Meter lange Mast, der Baum und Kleinigkeiten wie Skylights. Wie bei der „Anitra“ war die Restaurierung der 12-mR-Yacht eigentlich ein Neubau.

Pullmannbetten und Rohrkojen
Der Entwurf der „Anitra“ stammt vom 1878 geborenen William Starling Burgess, der sich in den 20er Jahren in Amerika auch einen Namen als Flugzeugkonstrukteur gemacht hatte. Wie die „Sphinx“ war sie als reine Regattayacht gebaut worden. Allerdings zeigt sich die Entwicklung der Klasse in der zehn Jahre jüngeren, von Henry Rasmussen konstruierten „Sphinx“. So präsentiert die originalgetreu wiederhergestellte „Anitra“ unter Deck eine geräumige Einrichtung in Edelholz mit zwei getrennten Eignerkabinen, zwei Waschräumen, einem sehr großen Salon mit Pullmannbetten und Navigationstisch, großer Pantry und einem in Amerika üblichen Kühlschrank. In der wieder aufgebauten „Sphinx“ bestimmt dagegen ein fast nackter Rumpf mit sichtbaren Stahlspanten das Bild. Es gibt nur Pantry, Nasszelle, Rohrkojen und einen Tisch.

In Flensburg hofft man, mit der „Sphinx“ an alte Regattaerfolge anknüpfen zu können. Das Schiff war ursprünglich von namhaften Sponsoren finanziert für den Norddeutschen Regatta Verein (NRV) gebaut worden, um bei den geplanten Segelwettkämpfen der Olympischen Spiele 1940 in Helsinki zu siegen. Der Kriegsausbruch verhinderte, dass Henry Rasmussens letzter Zwölfer international seine Schnelligkeit beweisen konnte. Allerdings hatte sich die „Sphinx“ in der damaligen Zwölferflotte Deutschlands als das schnellste Schiff erwiesen. Im Gegensatz zu den älteren Zwölfern war die „Sphinx“ nach der letzten Regeländerung in die International Rules hineingebaut worden, was durch eine längere Wasserlinie und einen tieferen Ballastschwerpunkt deutlich wird.

Aufgrund der Regattaambitionen hat man in Flensburg schon bei der Beschlagsausrüstung mehr Wert auf Effektivität als auf originalgetreue Nachbildung gelegt. Die „Sphinx“ erhielt moderne Winschen und Blöcke sowie einen Coffee Grinder, Rod-Wanten und High-Tech-Tücher zum sportlichen Segeln. Oliver Berking hofft, dass sich Flensburg als neues Zentrum klassischer Zwölfer in Deutschland etablieren wird und dass weitere Eigner ihre Yachten in der Stadt im Norden dauerhaft stationieren.

Martins „Anitra“ ist schon da.
Technische Daten
„Anitra“
Typ: 12-Meter-R-Yacht Konstrukteur: William Starling Burgess, USA
Bauwerft: Abeking & Rasmussen
Baujahr: 1928
Baunummer: 2366
Bauweise: Komposit
Länge: 21,10 m
Breite: 3,75 m
Tiefgang: 2,58 m
Masthöhe über Deck: 26 m
Verdrängung: 26 t
Ballast: 14,5 t
Segelfläche am Wind: 181 qm
Maschine: nachträglicher Einbau

„Sphinx“
Typ: 12-Meter-R-Yacht
Konstrukteur: Henry Rasmussen
Bauwerft: Abeking & Rasmussen
Baujahr: 1939
Baunummer: 3312
Bauweise: Komposit
Länge: 21,50
Breite: 3,60 m
Verdrängung: 30 t
Ballast: 16 t
Segelfläche am Wind: 193 qm
Maschine: keine

Red.: Saskia Ostermeier, Tel.: 040 3569 2445, Fax: 040 3569 2449, E-Mail: saskia.ostermeier@hamburg-messe.de

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