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Der Milliardär und der Mechaniker
Autorin: Julian Guthrie
Delius Klasing -ISBN 978-3-7688-3779-8
Buchvorstellung
Leseprobe
Das Comeback - 19.-25.September
'..... USA-17 fuhr deutlich vor ihnen vorbei, und das sogar mit größerem Abstand als zuvor. Das Spektakel auf der San Franzisco Bay war atemberaubend. Die Regatta, die 1851 mit eleganten Monohulls begonnen hatte, die man nur als Punkte am Horizonzt ausmachen konnte, involvierte nun Katamarane des Weltraumzeitalters, die in Ufernähe auf Tragflächen übers Wasser flogen. Vorstadtmütter jubelten gemeinsam mit ihren Kids, Finanzmakler hielten neben Fahrradboten gebannt inne, und selbst die amerikanischen und neuseeländischen Fans, die ihre Teams anfeuerten, mussten diese Szene würdigen, mit der berühmten Golden-Gate-Brücke als Rahmen,diesen fantastischen Katamaranen auf dem Wasser und dem erbitterten Wettkampf der Nationen.
Als Zeuge des stetig wachsenden Vorsprungs der Amerikaner auf dem Kreuzkurs gab Ken Read gegenüber Gary Jobson schließlich zu:"Speed, Speed,Speed, der beste Freund eines Taktikers."
Bis zuletzt hatte Read an seinem Mantra festgehalten: "Gewinne den Start, und du gewinnst die Wettfahrt." Aber Barker hatte die beiden letzten Starts gewonnen und war dennoch auf der Kreuz überholt worden. Team USA baute die Führung auf 160 Meter aus und raste ein letztes Mal Richtung Luv-Gate, aber sie nahmen nichts als selbstverständlich hin. Vor der nächsten Begegnung sagte Ainslie:"So geht's , Jungs. Reißt euch den Allerwewrtesten auf." Team USA foilte nun andauernd auf der Kreuz.
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Die letzten technischen Anpassungen, die an dem Boot gemacht wurden, ermöglichten diesen Modus - der entscheidende Faktor, wie sich an den beiden letzten Tagen des 34. America's Cup herausgestellt hatte. "Setz dich ab, Jimmy", ermahnte Ainslie, als der Vorsprung schon 260 Meter betrug. "Großer Vorteil, großer Vorteil", freute sich Ainslie, nur um ein paar Sekunden später mehr Wind voraus auszumachen und zu warnen: "Mehr Last, mehr Last!" Team USA rundete das Luv-Gate 26 Sekunden vor den Kiwis.
Tugsy Turner beobachtete das Geschehen und fragte sich insgeheim, ob die Klebestelle am Kontrollarm halten würde. Auf der Vorwindstrecke wuchs der Vorsprung von Team USA auf fast 700 Meter an, als das Bott mit rund 40 Knoten die letzte Bahnmarke ansteuerte und Jimmy ein Lächeln aufsetzte, das so groß war wie die Führung. Ken Read, der die Sünde einer verfrühten Siegesfreude witterte, warnte:"Noch nicht lächeln, Jimmy!"
Aber Spithill lächelte nicht über den Vorsprung, sonerdn weil Kyle Langford nach hinten ausrutschte und die Kontrolle über die Schot des Wings verlor, jene Leine, mit der der Anstellwinkel justiert wird. Reflexartig hatte Langford jedoch in letzter Sekunde mit einer Hand nach der losen Schot gegriffen und damit das drohende Desaster abgewendet. In diesem Sekundenbruchteil, mit der Ziellinie vor und Jahren von Arbeit und Schweiß hinter ihnen, hätte das Boot kentern können. Jimmy war sich bewußt, dass der Todesengel sie noch einmal verschont hatte. Sein Lächeln signalisierte Erleichterung, und er klopfte Langford auf die Schulter. "Gut gemacht, mein Freund. Halt die Ohren steif, wir sind gleich zu Hause." USA-17 machte den Rechtsschlenker an der letzten Bahnmarke in dieser 19.Wettfahrt. Das Ziel war in Sicht. Die Fernsehzuschauer, die den America's Cup auf NBC und in den Livestreams auf der ganzen Welt verfolgten, sahen das Sternenbanner, das elektronisch auf das Wasser projiziert worden war. Es war nicht der Tag für Neuseelands blaue Flagge mit den vier Sternen des Kreuzes des Südens. Weniger als eine Minute später, als die Amerikaner zum letzten Mal die Ziellinie kreuzten, hatten die Kiwis noch 760 Meter zurückzulegen.Es war vorbei. Team USA hatte die achte Wettfahrt in Folge gewonnen und damit das vollbracht, was viele als das größte Comeback in der Geschichte des Sports bezeichneten.'
gez.Julian Guthrie
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