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Überführung Lagoon 44 - ein sachlicher Bericht
D'Olonne (Nähe La Rochelle nach Fethiye/Türkei
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2670 Nautische Meilen (nm) - also genügend Strecke um den Katamaran mit 14m Länge und über 8m Breite ausgiebig in wechselnden Revieren (Biskaya, Atlantik, und fast dem gesamten Mittelmeer) zu testen. Das einzige was fehlte war Zeit. Der Eigner (an Bord) wollte sein Schiff in 30 Tagen am Ziel haben. Bei einer Atlantiküberquerung (fast dieselbe Strecke) hätte ich genickt - kein Problem. Bei wechselnden Winden vor allem im Mittelmeer ist dies aber nicht selbstverständlich und wird ein Wettrennen mit der Zeit - irrig also der Eigner der glaubt (er hat bisher nur gechartert) - da ein Badestopp, dort ein kleines Manöver und dann laufen wir noch den Hafen an um etwas frisches Brot zu holen. Bevor aber die Geschichte Eigner und Skipper an Bord beginnt, sollte man die "Hauptperson" etwas beschreiben.
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Lagoon 44
Laut dem Hersteller: Schiffbautechnik CN Bordeaux ist er für den Hochseeeinsatz konzipiert und bietet mit 13,61m Länge und 7,68m Breite doch ordentlich Platz. Der Tiefgang von 1,30 ist wie bei allen Katamaranen mit Festkiel natürlich ideal um Flachwasser anzufahren oder Trocken zu fallen - Höhe am Wind ist aber damit seine Stärke nicht. Das leere Boot mit kompletter (Grund)-Ausrüstung und gefüllten Wasser- / Dieseltanks wiegt bereits über 14 (!)Tonnen - das benötigt schon einen Lufthauch um bewegt zu werden - oder wie bei dieser Option 2x 52 PS Yanmar Diesel Saildrive Antriebe.
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Das innovativste (so die Messeankündigung) sei der neu konzipierte Ruderstand, auf und vor dem Cockpit- / Salondach. Kommt man also aus seiner Kabine, klettert man die ersten 4 Stufen in den Salon und von dort über das Cockpit im weiteren Kreisel wahlweise SB oder BB noch eine Etage höher um sich auf einer 4m breiten Sitzgruppe hinter die Steuereinheit und Winschkonsolen setzen zu können. Mit Sonderzubehör (wie bei diesem Schiff) wird der Weg dorthin mit LED-Lampen an jeder Stufe, im Cockpit und der Steuerzeile beleuchtet. Dies dürfte aber wohl mehr ein "Optic-gag" für die Marina sein, als eine beleuchtete Steighilfe auf See. Sie nimmt die Nachtsicht durch die Reflexion des weißen Gelcoats komplett und lässt sich nur im Salon abstellen. Hoch oben angekommen findet man ein großes Steuerrad, die übliche Schaltmimik der beiden leistungsstarken (und auch recht lauten) Maschinen, sowie fast die gesamten für das Segeln nötigen Schoten, Fallen und Trimmleinen. Bei schlechtem Wetter kann nun noch ein Bimini ausreichend Schutz vor Salzspritzer oder Regentropfen bieten (wenn man trocken bis dorthin gelangt!). Für eine frei Voraussicht also wie geschaffen (und das Hin- und Hergerenne von 2 Steuerständen entfällt); leider sieht man aber durch die begehbare Cockpitabdeckung nicht mehr nach hinten ,und damit auch nicht die beiden Heckrümpfe mit Badestufen, und bei einem klassischen römisch-katholischen Anlegemanöver (Buganker und 2 Heckleinen) muss eine weitere Person den Abstand zur Mole hochrufen - einsehen ist schlichtweg nicht möglich. Als Option gibt es dafür aber eine Videokamera. Wie hoch also der Baum angeschlagen sein muss, um gefahrfrei als Patenthalse durchzuschwingen, dürfte nun klar sein und gibt dem Schiff doch ein etwas eigenwilliges Aussehen.
Der 17m hohe Mast (Diamantverstagt) und mit je 2 Wanten angeschlagen kommt ohne Achterstag aus und wird nach vorn mit einer sehr hoch angeschlagen Rollgenua gestützt. Bei diesem Schiff war ein Ein-Leinen-Reff-System mit 3 Reffs und Lazybag vorgesehen. Ein Anschlagen der Segel ist dabei aber nur Menschen über 2,20 Größe möglich. Sehr sinnig sind auch die Lazyjacks oben im Mast fixiert - auf alle Fälle sind erst Menschen mit 2,50m in der Lage in den Lazybag zu blicken und die Dirk wird zum Unikum, da die Lazyjacks den Baum eh oben halten. Diese Version war ohne Baumniederhohler ausgerüstet - ein vernünftiges Trimmen also trotz 3m Traffelerschine kaum möglich, da es das durchgelattete, modern geschnittene (also oben mit Bauch) Großsegel auf stolze 71 m² bringt. Leider fehlte auch ein Spi-Baum, der die 43 m² Genua etwas bei achterlichen Winden ausbaumen könnte. Der mitbestellte Parasail-spi war dagegen mit 140 m² eindeutig untersetzt und so hat er bei raumen Wind mit 15kt der (nichtausgebaumten) Genua nur 1,5 kt abgenommen - sprich 5,5 kt mit Genua gegen 7 kt mit dem Spi.
Die Stärke dieser Takelung und Segel liegt bei Am Wind Kursen - so war es möglich bei 8 kt Wind, Genua und 1.Reff (ein komplettes Durchsetzten war nicht möglich = die Mastspur war zur Fixierung der baumelnden Antenne zugeklebt s.Bericht) auf fast 6kt zu beschleunigen. Sobald aber der Kurs / Wind auf Halben Wind drehte wurden aus 8 kt Wind jämmerliche 3,5 kt. Falls nun bei Raumen und Achterlichen Wind der Holepunkt der Genua mittels an der Mittelklampe befestigter Rollen weit nach außen gebracht wird sind wieder 4-5kt möglich. Das Groß muss dabei komplett geborgen werden - es scheuert bei 30° Baumaustellung bereits mit den Segellatten an den Wanten. Ja - wo sind denn die Wahnsinnswerte die diese Kats alle laufen sollen - davon im folgende Bericht mehr - aber soviel sei verraten, ein eingeräumter Hochseekat (Weltumsegelungsfertig) ist keinen Knoten schneller als ein vergleichbarer Mono - dafür fällt er aber auch garantiert nicht um.
Die Lagoon 44 spricht aber ab 10kt wahren Wind sehr willig und zügig an und eine Halbierung der Windgeschwindigkeit ist bei richtigem Trimm als Fahrtwert zu erzielen (Beispiel: Fock und Groß bei Halbem Wind mit 12kt = 6,5kt Fahrt). Unter Maschine, auf Strecke wird nur ein Motor eingesetzt, läuft der Kat bei einer Drehzahl von 1800 U/min bei leichter See bereits 5,5kt und verbraucht dabei nur 2 L/h. Durch eine Erhöhung der Drehzahl auf 2200 U/min (so das Optimum der Werft) sind es 6,2 kt aber weit lärmintensiver. Das Zuschalten der 2ten Maschine bringt nur 1 kt mehr Fahrt und ist somit ineffizient. Sie wird nur für Hafenmanöver eingesetzt (und ist dort auch dringend nötig)
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Der Wohnraum (besonders bei einer Eignerversion) ist bei diesen Großkatamaranen natürlich fast schon wie eine kleine Wohnung. Helles Holz, gut durchdachte Raumaufteilungen, viele Luken zum Lüften und sauber verlegte Leitungen und Rohre begeistern einen evtl. nötigen Bootsbauer oder Elektriker. Nur der Mechaniker wird (wie gewohnt) über einen sehr beengten Arbeitsplatz jammern. Leider ist aber mit dem Salontisch, den man mit seinen soliden Füßen auch ins Cockpit stecken kann, dieses auch so versperrt, dass die Gäste dann über die Sitzgelegenheiten krabbeln müssen. Für ein Beiboot war im Moment kein Kapital vorhanden - billig aber ist die teilweise sehr eigentümlich gehaltene Ausstattungsvariante dieses Eigners (gekauft für eine Weltumsegelung) mit weißen Echtledersitzen im Salon, natürlich nicht. Allein die Navigationselektronik der doppelten Raymarine Kartenplotter E120 plus Radar und Lot oben und unten in der Navigation -28000 Euro, incl. Autopilot und MP3 Radio, aber Videoauge, passende Detailkarten oder ein Funkgerät (?) sind nicht in diesem Komplettpaket. Na dann lasst uns doch mal segeln!
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Über Paul (Mupfel), einen technikbegeisterten und sympathischen Kat-Cruiser (sprich einem Mensch der wirklich auf seinem Schiff lebt) wurde ich an Franz D. vermittelt. Das erste Email fiel auch recht knapp aus - ob ich seinen Kat als Skipper oder Berater (er wollte dabei sein) über den gesamten August von Frankreich in die Türkei bringen könne. Irrig er meine mit Frankreich das Mittelmeer (Marseille...) rieb ich mir die Hände - endlich mal keinen Schrotthaufen von einer Seite der Erde auf die andere bringen. In weiteren Emails und kostenlosen Internettelefonaten (skype) bekam ich weitere Details - aus Osteuropa oder Thailand - gesehen habe ich den Eigner vor dem Reisetag nie. Da bis zum Starttermin fast noch 4 Monate Zeit waren bot ich ihm an, mich etwas um die Ausrüstung zu kümmern. Ich bekam einen Vorschuss und stöberte ständig die Discounterketten und Seglershops sowie ebay durch, um das Schiff zumindest überführungsfähig auszurüsten. Uschi (meine Strandnixe) setzte in Punkto Küchenausstattung farbige und sehr, sehr günstige Akzente. Wie lange eine Ausrüstungsliste für Cruiser aussehen kann gibst in diesem download.
Checkliste
Jetzt wurde mir von Paul auch gesteckt, dass es um ein nagelneues Schiff mit Auslieferungshafen La Rochelle in der Biskaya geht. Wuuups - das sind aber ungleich mehr Meilen und selbst im August kann der Atlantik und die Meerenge von Gibraltar eine sehr raue Geschichte sein.
Am 26.07. aber war es soweit und der aufgeregte, jugendlich wirkende Mitt-50er, Wahl-Münchner (born in Berlin) war schon eine Stunde vor der ausgemachten Zeit bei mir. Über eine halbe Tonne Ausrüstung wurde in den Renault Megan gepfercht und wir kamen zum erstenmal auf dem Törn recht gut ins Schwitzen. Uschis Begrüßungslächeln fror aber fest als sie den Schweinestall sah - den der Porschefahrer Franz D. im Bad nach seiner Dusche hinterließ. Wie peinlich - auf seinem Schiff war unter allen Umständen eine sterile Sauberkeit einzuhalten und unser Maat, (seine Ukrainische Freundin) hielt neben Lustgewinn als Nachtwache oder Putzfrau her.
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Sehr professionell hat am Auslieferungssteg von Lagoon in D'Olonne der Subunternehmer Andreas für den Exporteur Siggi Traub das Schiff in einem halben Tag (incl. Probemotoren /-segeln) übergeben und dabei einige hilfreiche Tipps weitergegeben. Willkommen auf dem Kat "Miss Goodnight".
In der Annahme Franz könne mit meinem PDA Navigationsrechner umgehen, der uns souverän bis fast an den Steg von Lagoon navigiert hatte, lieh ich ihm mein Gerät aus um seine Freundin vom Flughafen abholen zu können. Am nächsten Morgen lag das Gerät auf der Navigationslade - deleted - bis auf das ROM alles gelöscht. Keine Chance die nötige Software hier wieder aufzuspielen und ich hatte mir doch soviel Mühe gemacht alle Karten bis in die Türkei auf dieses Format zu bekommen. Detailkarten hatte er nur für das Westliche Mittelmeer und die Biskaya gekauft (und da schon kräftig geschnaubt, was so ein kleiner Chip des Navionics Gold Systems kosten kann). Dass die finanzielle Luft schon sehr dünn sei gab er unumwunden zu und so soll erst vor Reisebeginn (in einem halben Jahr) ein Beiboot mit Motor gekauft werden. Na ja - legen wir halt wenn nötig an (falls möglich).
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Gehörig aufgeregt legte die Dreier-Crew nach storen der nötigen Lebensmittel und Wasser am Montag Früh ab. Es geht auf einen mäßig bewegten Abschnitt des Atlantiks mit Wegepunkt Kap Finestre. Der hier oft anzutreffende starke NW Wind wird taktisch also etwas stärker angeluvt und man fährt einen Bogen mit Kurs WSW, dann drehend auf SW um nach ca. 370 nm am Kap anzukommen. Günstige aber sehr schwache NE Winde treiben uns vorwärts. Für 24 h kommt sogar der Parasail-Blister zum Einsatz. Der Eigner ist selig - sein Schiff schiebt elegant wie auf Schienen, teilweise unter Motor, Spaniens NW Ecke entgegen. Die erste Missstimmung kommt am Kap auf. Kap-Winde sind tückisch und bei 25kt wird das erste Reff des Einleinenreffsystems angeschlagen. Der Wind nimmt weiter zu und nun soll das 2te Reff gesetzt werden. Da aber die bemängelte Einsicht ins Lazybag nicht gegeben ist, wird dieses Manöver sehr unglücklich durchgeführt. Das Unterliek ist viel zu weit oben durchgesetzt und die unteren Segeltaschen füllen sich bei Böen mit bis zu 35kt Wind schnell mit Luft. Dem Druck hat das Lazybag nichts entgegenzusetzen und die Naht reißt aus. Während ich diese kleine Blessur notdürftig zubinden möchte fährt Franz eine Patenthalse. Der vorher gesetzte Bullenstander war für das Reffen herausgebunden worden. Eigentlich auch kein Drama - leider bricht (wie eine Materialprüfung später ergibt) dabei die Umlenkrolle des Großfalls und das Segel saust herab. Das Großfall ist als Flaschenzug im Top befestigt und holt mit einer Rolle das Segel hoch. Ein eigener Seilzug wird benötigt um das Segel herabziehen zu können - da ja, wie bereits erklärt, kein Mensch zur Baumnock greifen kann (es sind aber 4 Maststufen zum Einhängen des 3ten Reffs montiert). Nun schwingt also das Fall bis kurz unter dem Anschlag des 7/8 Riggs. Allein mit der gerefften Fock, sind wir mit 6kt dabei das Kap zu runden. Vorwurfsvoll wird mir zur Last gelegt dieses Vorkommen verschuldet zu haben, bzw. ich musste es voraussehen können.
Leider ist es nicht der einzige Anlass um einen Disziplinverstoß der Crew im Logbuch einzutragen. Ständig wird ohne Anweisung des Skippers (noch ich!) Segelstellung, Kurs und Motoreinsatz geändert - "man wird doch mit seinem Eigentum mal was ausprobieren dürfen!" Was würden sie als Skipper nun machen?
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Einen der ersten Portugiesischen Häfen Varzim, laufen wir an um nach diesen wenigen Tagen, die Verpflegung zu ergänzen und 600 (Sechshundert!) Liter Wasser aufzunehmen - sprich den 700 L Tank wieder zu füllen. Das Einlaufen an die Box-Tankstelle der kleinen Marina klappt selbst bei gutem Strom des Flusses ohne Probleme - aus meiner Sicht. Franz reklamiert einen tiefen schwarzen Kratzer in seinem neuen Boot - den "tiefen" Kratzer kann ich mit meinem Daumen rückstandslos wegwischen - eine nasse Schliere des Tankstellenpollers. Aber diese ständigen Angriffe auf die Schiffsführung gehen mir gewaltig auf den Magen. Auf alle Fälle winsche ich Franz mit dem Spifall nach oben - in das Top könnten wir eh nicht.
Das Großfall hängt oben und die Dirk kann nicht ausgehängt werden - da die Lazyjacks an der 2ten Saling festgeschlagen sind. Er bringt ohne Probleme das Fall mit herab und wir stellen den Bruch des Bügels fest. Die Spi Anlage aber hat völlig überflüssig 2 gleich große Rollen und so behelfen wir uns mit einer dieser Rollen (diesmal Harken). Die Lazybagtasche repariere ich provisorisch und markiere alle Reffeinstellungen mit einem dicken Ring eines wasserfesten Filzschreibers. Die 2 großen Bier im Jachtclub habe ich mir sehr wohl verdient und schwitze bei gut über 30°. Stolz kommt die Crew mit weiterem Salat zurück und klagt über das Preisniveau von Portugal - der Liegeplatz ist aber für den 4 Stunden Aufenthalt umsonst.
Weiter - Auflage des Eigner - nie unter 5kt Fahrt. Dies ist aber bei den schwachen Achterlichen Winden meist nur mit Motoreinsatz möglich - was ihm natürlich auch missfällt und auf die Laune schlägt. Ich verbiete weitere Eingriffe in Navigation und Schiffsführung, da ich sonst für jeden Kratzer haftbar gemacht würde. Mit gut 20000 Seemeilen Einhand (ca. 60000 nm gesamt) auf allen Meeren ist es für mich auch kaum ein Problem diesen Kat allein zu fahren. Die Crew ist also zum Sonnenanbeten und für die Menüs verbannt, bejubelt spielende Delfine und Wale oder wundert sich über Ascheflocken des brennenden Portugals.
Kurz vor dem SW Kap von Portugal bei fast Null Wind und bei sehr sanfter Dünung möchte Franz nochmals in den Mast. Die Befestigungsmutter der VHF Antenne hat sich herausgedreht und die Antenne baumelt am Mast herum (an die Antenne ist kein Gerät angeschlossen - an Bord sind nur 2 VHF Handfunkgeräte). Das Großfall wird also wieder ausgehängt und Franz ins Top gewinscht - ausgerüstet mit ausreichend Klebeband. Was aber auch leichteste Dünung in 21m Höhe mit einem Menschen in einem Bootsmannstuhl machen können zeigt sich als Franz gegen einen der Salinge geschleudert wird. Das Boot ist voll Blut und ich lege einen quasi Klammerverband auf die klaffende Wunde am Schienbein - mehr ist bei der Ausrüstung von einem KFZ Verbandskasten, der großspurig von SVB als Marine Erste-Hilfe-Satz verkauft wurde nicht möglich - zu einem Arzt nach Lissabon möchte er aber nicht - weiter.. .
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Am 08. August wird mit auflaufender Tide, Westlichem Wind von bis zu 25kt der Sprung vom Atlantik ins Mittelmeer gemacht. Das permanent laufende Radar würde bei nebliger oder diesiger Sicht rechtzeitig vor fremden Schiffen warnen. Wir entschließen uns den ersten geplanten Stopp anzulaufen - Gibraltar. Nach VHF Kontakt mit den Hafenbehörden wird der Transitkai angelaufen. Direkt zur Tankstelle. Svetlana wird gebeten den ersten Kontakt Schiff-Pier mit einem der beiden Kugelfender abzufangen. Ganz sanft gleitet der Seeschlitten gegen 20kt Wind auf die Tankstelle zu. Leider reagiert die Fenderdame überhaupt nicht und harrt der Begegnung mit der Pier, sitzend im Trampolinnetz - Ergebnis ein leichter Kratzer am Bug - natürlich meine Schuld. 270 Liter Diesel fließen in den Tank (Zollfrei 63 Eurocent/l). Einen Liegeplatz für dieses Monster aber haben die Behörden oder Marinas leider nicht.
Also gleich weiter und auch der nächste Hafen an der Spanischen Küste ist für diese Großplattform bereits voll (Hochsaison). Erst über Nacht kann ich zur "Marina del Este" segeln (motoren) und bekomme dort einen Liegeplatz. Franz geht shoppen und lässt seine Wunde nachbehandeln. Derweil bin ich für den 50h Check und Ölwechsel der Motoren verantwortlich. Auch Wasser möchte ich bunkern - nach 200 Litern macht die Leitung schlapp - Wasser ist sehr knapp hier. Bier nicht und so geh ich auf meine Kosten Essen und Trinken nach Herzenslust. Ich feiere meinen Atlantiktörn allein und entlasse mich schriftlich (Logbuch) als verantwortlicher Skipper. So einen Scheiß brauch ich mir nicht antun - denn das schlägt mir auf meinen sonst recht guten Appetit. Franz wird erst einmal blass als ihn der Ölwechsel 150 Euro kostet und der halbe Tag im Hafen wird mit 90 Euro verrechnet. Vor die Wahl gestellt, bittet er mich als "Berater" weiter mitzufahren und schwupp di wupp motore ich den Kat aus der Box aufs offene Meer - Richtung Ost.
Die Borddame Svetlana hat scheinbar verpennt ihrem Ukrainischen Boss mitzuteilen, dass der Törn etwas länger dauert und so wird die Algerische Küste bei Algier angelaufen. Glück - ihr Provider hat einen Vertrag mit der dortigen Telekom. Schwache Winde oder ein leichter Gegenwind bringen uns zum Tunesischen Kap. Eine der Flauten wird genutzt um an einem ausgeworfenen Rettungsring Anlegemanöver zu üben (wohlgemerkt - Windstill). Na da dürften aber noch einige Motorstunden nötig sein! 3-4 m übers Ziel beim Heckmanöver hinausgeschossen geht bestimmt nicht mit einem "Kratzer" ab. An der vor dem Kap gelegenen Insel Galite werden Ankermanöver geübt - incl. einbinden eine für Kats so wichtigen Hahnepotts. Hier ist die Winsch gefragt - auf Sonderwunsch ist ein 35kg Edelstahl-Bügelanker mit 50m Edelstahlkette (13mm) montiert. Per Hand geht da gar nichts mehr. Auf das Ausbringen seines 15kg Kobra Zweit-Ankers (Alu) und 8m (10mm) Kette verzichte ich aber lieber für den Augenblick.
Die Stimmung wird natürlich nicht viel besser - jetzt will er entgegen der Planung an die Nordspitze von Sizilien. Ich zeige ihm auf dem Bildschirm (Papier Karten gibt es auf dem Schiff nicht - bis auf meine im Skipperkoffer) den Umweg. Unter Blister wird also einsichtig doch zum Sizilianischen Süd Kap gesegelt. Der Wind frischt auf und bei 25kt kommt die Blase weg. Ich zeige ihm wie man sich die Breite des Kats zunutze machen kann und mit einer weiteren Rolle wird der Trimmpunkt der Fock über die Mittelklampe weit nach außen verlegt. Fast wie ausgebaumt. Warum wir aber noch 2 Mini Marinas anlaufen müssen ist mir nicht klar - Platz ist da für diesen Kat eh nicht. Also doch zum Planungsziel und wir laufen den Stadthafen von Siracus bei Nacht an. 2 Liter Frischwasser sind noch an Bord.
Uschi hat neben den, wann immer möglichen Handykontakten, das aktuelle Wetter vermittelt und sogar die Telefonnummer der Marina in Siracus herausgefunden - kein Platz. Aber im Stadthafen kann ich Römisch-Katholisch (Anker und Heckleine) anlegen. Eine bezaubernde Stadt mit malerischer Kulisse und Hunderten von Schaulustigen die an der Mole entlang flanieren - Hurra jetzt können wir mal die Stufenbeleuchtung prahlerisch einsetzten. Klappt jetzt zwar der Palstegknoten nach 12 Übungstagen schon - das Belegen einer Klampe wird wohl weiter ein Geheimnis bleiben. Um beim Schwell nicht an die Pier zu knallen bringen die Beiden 2 Fender aus. Einer davon wird am nächsten Tag von einem türkischen Kapitän zurückgebracht. Verfluchte Knoten. Ich grinse und bleibe den ganzen Abend bei den Türken. Gelächter, Geschichten und ein herrliches Abendessen auf einer Güllet. Warum habe ich nicht solch eine Crew?
Kaum ist am 2ten Tag (es kostet ja nix hier bis auf Wasser und Strom) die Borddame auf dem Weg nach Hause, beginnt der letzte Nonstop Törn in die Türkei. 360nm Richtung Ost zur Südlichen Ecke des Peloponnes und weitere 310 quer durch die ganze Ägäis. Wind SW 5kt - viel zu wenig um zu segeln also weiter motort. Erst in der 2.ten Nacht erreicht der Wind konstante 10-15kt. Bei dem Eigengewicht der Lagoon 44 kein Wunder das sie unter 10 kt kaum auf Wind reagiert (eher mit einem Einfallen der Segel). Bis zu diesem Windwert nimmt ein Mono leichter Fahrt auf - bei 13kt Wind aber sind wir bis zu 7kt schnell. Langsam bekommt Franz sein Schiff etwas in den Griff und freut sich, wie bei richtigem Trimm seine "Miss Goodnight" eine doppelte Schaumspur unter Vollmond durch das Ionische Meer zieht. Hatten wir bis dahin fast täglich Delfine neben oder vor dem Kat spielen - fehlen sie in diesem Teil des Mittelmeeres gänzlich (?).
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Auch die Ägäis überrascht und die angedrohten 5-6 Windstärken müssen weitestgehend mit Motorkraft ersetzt werden - sie sind auf klägliche 5-6 kt zusammengesunken. Glatte See, spiegelnder Vollmond oder strahlende Sonne bescheren sehr geruhsames Segeln.
Bild 20
Die Notaustiegsluke des Eigners tropft nicht (sonst musste jede Stunde ein nasses Tuch ausgerungen werden) und bis auf eine nötige Kalibrierung all der Anzeigen (= Mäusekino) kommen wir weit schneller als geplant in Richtung Ziel.
Es wird Zeit auch die Uhr umzustellen. Hier rechnet man im Sommer mit UTC +3h. An den Sonnenauf/ - untergängen merkt man das wir vom Westl. Portugal bis in die West Türkei von 10° W bis nach 30° Ost gesegelt (Entschuldigung mit 160h pro Maschine wohl mehr motort) sind. Erst kurz vor Rhodos beginnt es mit bis zu 25kt aus NW (also optimal) zu blasen. In der Bucht von Fethiye flaut er ab und dreht auf S. Zeit noch einmal das ParaSail Manöver durchzugehen - Das Segel steht bei scheinbarem Wind bei genau 90° zur Schiffsachse immer noch und zieht das Schiff bei 10kt Wind mit über 6 kt in den Hafen von Fethiye.
Um 17.00 am 24.08 liegt das Schiff sicher in der der ECS Marina.
Resümee: dieser 2670nm auf der Lagoon44 - Die Endkontrolle bei Lagoon ist, wie bei vielen Werften miserabel; denn bei diesem Schiffswert darf man erwarten das Schranktüren richtig schließen, nicht jede dritte Schraube lose oder überdreht ist. Das Erscheinungsbild mag ungewohnt sein, der "spritzige" Steuerstand auch - sie segelt prima (wenn man weiß wie!), ist sehr komfortabel eingerichtet und gut verarbeitet. Bei soviel achterlichen Winden (wie meist bei Weltumseglungen auch) waren wir mit dem Blister und dem Umbau des Holepunktes der Fock gut beraten - damit aber immer 5kt drin sind, muss motort werden - wir haben es auf schlappe 320 (Dreihundertzwanzig) Stunden während des Törns gebracht.
Schade dass so manche Möchtegern-Playboys zwar auf ihrer Website z.B. gern als Skipper auftreten, nur würde ich mir (auch als Segellaie) doch wünschen, dass der verantwortliche Schiffsführer mehr als nur einen Knoten machen kann, Seemannschaft praktiziert und Sicherheit nicht ignoriert. Wie wichtig es sein mag auf der Hochsee auch bei Nacht die Deutschlandflagge zu zeigen (aus Faulheit nicht hereingenommen) sei dahingestellt, das gesetzlich zu führende Logbuch gänzlich zu missachten und durch Fehlen jeder Nautischen Ausrüstung nur noch auf den Kartenplotter zu setzten ist fahrlässig - drum prüfe vorher - was dein Schiff und wer dein Kapitän!
Nachdem ich auch noch meine Heimreise selbst organisieren musste würde mir zu so einem Eigner neben sehr deftigen Bayrischen Wörtern nur eines einfallen - "Mieser Kunde".
August 26.08.05 bei einem frischen Weißbier (und des hab i bestimmt verdient)
Skipper UDO
www.skipper-udo.de
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