

|
Via Gotland in den Götakanal - Öland-Gotland
Bei Kitklippan haben wir die schwedische Küste in Sicht, und inzwischen ist der Wind wieder einmal so stark abgeflaut, daß wir motoren müssen. Als wir an der nicht enden wollenden Ostküste von Öland den Kreuzungspunkt des 56.Breitengrades mit dem 16.Längengrad überfahren, ist das für uns ein triftiger Grund, einen kräftigen Schluck aus der Sherryflasche zu nehmen.
Wir beobachten die Küste und andere Schiffe, lassen uns von der Sonne bräunen und merken dabei nicht, daß ein entgegenkommendes Containerschiff einen ziemlichen Schwell verursacht - es war zu spät für vernünftige Reaktionen, und so waren wir aufeinmal alle pudelnaß - einschließlich Keksdose.
Am nächsten Tag lösen wir uns endlich von der Nordspitze Ölands und nehmen bei auffrischendem SO-Wind Kurs auf Gotland, das wir alle noch nicht kennen. Im schon rötlichen Licht der Abendsonne fahren wir an den Karlsöinseln vorbei und dann taucht auch die Steilküste von Gotland vor uns auf, und wir legen doch lieber zunächst in Klintehamn an, weil die Hafeneinfahrt von Visby bei diesem Wind für uns problematisch werden könnte.
Als wir aufwachen, weht uns ein steifer SO-Wind um die Nase, sodaß wir unsere zwei Damen mit dem Bus nach Visby vorrausschicken, die Sturmfock, unser "Handtuch mit Stagreitern" setzen und dann mit raumem Wind und 6 Knoten Fahrt an der einsamen Steilküste entlang Richtung Högklint - dem weithin sichtbaren Huk vor Visby - segeln.
Beim Anblick von Visby vor uns müssen wir unwillkürlich an die alten Seeleute der Hansezeit denken, die sich wohl auch wie wir auf den Landgang gefreut haben.
|
| |
In Visby bummeln wir zunächst durch die berühmte Rosengasse, besuchen dann einige der alten Kirchen aus dem 13.Jahrhundert und statten selbstverständlich der imposanten, auf langer Strecke noch zusammenhängenden Stadtmauer einen Besuch ab. Am Nachmittag fahren wir mit Fahrrädern durch lichte Kiefernwälder nach Süden zur Villa Kunterbunt, dem Schauplatz der Pippi-Langstrumpf-Geschichten, und genießen am Toftastrand einen entspannten Blick auf die weit vor uns ausgestreckte Ostsee, die uns hier schon die Ferne von der Heimat spüren läßt.
|
 |
|
Auf der Nachtfahrt von Visby nach Färösund müssen wir bei einem frischen Nordwind jede Welle einzeln abreiten und kommen am nächsten Morgen ziemlich durchnäßt dort an. In Slite übernehmen wir noch ein Crewmitglied, das mit der Fähre von Travemünde nachgekommen ist und genießen dann bei der Fahrt durch den Färösund den eigenartigen Reiz dieser heilen Natur.
Wir fahren auch zu den "Raukas", bizarr geformten Kalksteinklippen am Strand von Langhammershammeren und wagen uns für die Filmaufnahmen und Fotos mit der Lotstange bis auf 20m an den Strand heran.
|
Bevor wir nach Norden Richtung Stockholm aufbrechen, erleben wir noch einen phantastischen Sonnenuntergang, den wir in allen Phasen mit seinem auf der Kompaßkugel blitzenden Licht in Film und Foto festhalten. Die Nachtfahrt genau nach Norden wird zum Schönsten, was ich auf See erlebt habe. Der Skipper sagte zu mir nur:"Halte den Polarstern immer zwischen dem Mast und dem Backbordwant". Und so fuhr ich durch eine sternenklare schwedische Nacht dem Polarstern entgegen - es bleibt unvergeßlich.
Abschnitt Stockholm
|
|
|