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Urlaubstörn von Marmaris nach Antalya - Seite 2
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Zwischendurch eine kleine Auffrischung des befahrenen Küstenabschnittes
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Am Samstag, dem 5. 9. 1998 ist die Hälfte unseres Törns um und wir freuen uns, daß wir uns alle auf dem Schiff so gut eingewöhnt haben. Morgens wollen wir im Hafen von Kas Vorräte bunkern. Beim freundlichen Hafenmeister (nur 5 DM für den Vormittag) bestellen wir den Tankwagen und sehen uns, solange die Sonne noch nicht so brennt, das Amphitheater mit seinem schönen Blick auf die Bucht von Kas und die Insel Kastellorizon an.
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Nachmittags erreichen wir Kekova Adasi, wo wir in der hübschen Tersane-Bucht ankern wollen. Wegen des großen Andrangs sehen wir fast kein Wasser mehr, daher fahre ich nach kurzer Diskussion gleich nach Üçagiz weiter. Vom Yachtführer Horn/Hoop weiß ich, daß Restaurantchef Hassan eine gute Fischsuppe zubereitet und auch verschiedene Dienste für Fahrtensegler anbietet. So legen wir an seinem Steg an und Hassan erfüllt uns tatsächlich alle Wünsche: er organisiert für den nächsten Tag eine Fahrt nach Myra, die Überfahrt mit seinem Boot nach Kale Köy/Simena und seine Fischsuppe heute abend ist ausgezeichnet. Als Vorspeise bekommen wir einen Leckerbissen von Transocean-Mitglied Karlheinz Eisner serviert: Thun Sushi, eine japanische Zubereitung von rohem Thunfisch. - Während des Abendessens entdecken wir, daß der Bootssteg zunehmend unter Wasser steht. Was im Mittelmeer selten ist; das Wasser steigt hier in der Bucht bei Tiden-Hochwasser um ca. 50 cm.
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Sonntag ist Ruhetag! Deshalb sind wir heute auch nur 4 sm auf dem Wasser unterwegs, dafür um so mehr auf dem Land. Heute morgen fahren wir mit Hassan´s Kleinbus nach Kale/Demre, dem antiken Myra. Hier werden wir reichlich für die nicht zustande gekommene Besichtigungsfahrt auf dem Dalyan-Fluß nach Kaunos entschädigt. Wir sehen lykische Felsengräber, die wie eine in Fels gehauene Totenstadt aussehen, und ein imposantes römisches Theater mit Bühnengebäude. Wir besuchen auch die Bischof Nikolaus von Myra geweihte Basilika. In Andriake, dem antiken Hafen von Myra, treffen wir erneut auf "Spuren" des Apostels Paulus: Hier ist überliefert, daß er ein Schiff zu seiner letzten Fahrt nach Rom bestieg.
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Zurück in Üçagiz werden wir nach dem Mittagessen mit Hassans Boot nach Kale Köy/Simena gefahren, wo sich der "schwimmende" Sarkophag und auf der Anhöhe Reste einer mittelalterlichen Festung befinden.
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Von oben hat man einen herrlichen Rundblick über die Inseln und Buchten bei Kekova Adasi. Nachmittags fahren wir in einer halben Stunde zur Gökkaya Limani, wo uns beim üblichen Schwimmen nach dem Ankern in der NW-Bucht gegenüber dem Restaurant eine Überraschung erwartet: Bei der Runde um unser Schiff wird es uns abwechselnd warm und kalt! Unterwasserquellen sprudeln kaltes Wasser heraus: "Kneippen" beim Schwimmen!
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Heute, am Montag, haben wir vor, von Gökkaya Limani aus mit Ostkurs die Bucht von Finike zu queren und direkt auf Taslik Burnu (Kap Gelidonya) zuzuhalten. Nach meinen nautischen Führern ist auf dieser Strecke mit südlichen Sommerwinden zu rechnen, was einen schönen Halbwindkurs ergeben würde. Im Prinzip bekommen wir dann auch einen schönen Segelwind, nur kommt der Wind aus OSO! Wir kreuzen mit zunehmender Windstärke Richtung Kap Gelidonya. Der Wind bläst uns kräftig durch die "Düse" zwischen dem Kap und der vorgelagerten Inselgruppe entgegen und frischt bis über 25 kn auf. Kurz bevor wir das Kap erreichen, lasse ich die Segel wegnehmen, da ich Kapeffekt und zusätzlich Düsenwirkung erwarte. Unter Motor läßt sich dann die Durchfahrt problemlos an, der Wind wird am Kap doch nicht stärker. Kurz darauf ankern wir nach ca. 40 sm Strecke in der Çavus Limani.
Am nächsten Morgen sieht Angelika beim Schwimmen in der Bucht in der Nähe kurz ein gelbliches "Seeungeheuer" auf- und wieder abtauchen. Unser Staunen dauert nicht lange: Wir entzaubern das Ungeheuer als eine Meeresschildkröte.
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An diesem Dienstag wollen wir gleich mehrere alte Städte, bzw. was davon übrig geblieben ist, besuchen. Zuerst fahren wir zur Bucht von Olympos (Çirali Limani). Heute haben wir wieder keinen Wind, was den Vorteil hat, daß wir ziemlich dicht am Strand ankern und zum Strand schwimmen können. Der lange sichelförmige Kiesstrand zaubert in dieses schöne Fleckchen Erde ein wenig Südseeatmosphäre.
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Nach kurzer Besichtigung der Ruinen von Olympos, die malerisch auf einem Hügel direkt am Strand liegen, verlassen wir wieder die Bucht von Olympos. Wir gehen im Südhafen der antiken Stadt Phaselis (nahe Tekirova) vor Anker, nachdem wir zwischen den versunkenen Molen hindurch gefunden haben. Hier nehmen wir Izzet, einen türkischen Freund von Volker und Monika, der in der Nähe wohnt, an Bord. Nach herzlicher Begrüßung fahren wir mit ihm zum Strand vor der Kleinstadt Kiris zwischen Phaselis und Kemer. Weil das Wetter beständig ist und nur leicht windig, wage ich es, direkt vor dem ungeschützten Strand zu ankern.
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Izzet fährt uns am Mittwoch nach Phaselis und führt uns durch die antike Stadt mit den drei Häfen. Wir finden eine sehr gut erhaltene Stadtanlage vor, die eine bewegte Geschichte hat: Phönizier, Griechen (690 v.Chr.), Piraten (100 v.Chr.) und schließlich die Römer haben sich hier niedergelassen. Überragt von dem gewaltigen, 2366 m hohen Tahtali Dag (dem lykischen Olymp) ist in der auf einer Halbinsel erbauten Stadt heute noch ein Teil der Stadtmauer, die gepflasterte Hauptstraße, ein Theater mit schönem Blick auf den "Olymp", einige Häusergrundmauern und ein Aquädukt zu sehen. Am Nachmittag segeln wir nach Kemer, wo wir durch Vermittlung von Izzet im Berufsschiffahrtshafen gratis Wasser bunkern.
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Am heutigen Donnerstag begrüßt uns die Sonne am frühen Morgen so schön, daß ich einfach nicht widerstehen kann, und diesen (romantischen? kitschigen?) Moment, in dem die Sonne das Meer in flüssiges Gold verwandelt, festhalten muß.
Heute fährt uns Izzet nochmals zum Einkaufen von Reisemitbringseln nach Kemer.
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Dann müssen wir uns verabschieden und fahren an Kemer vorbei bis zur Insel Siçan Adasi, ein paar sm südlich von der Setur Marina Antalya. Dort werfen wir zwischen der Insel und dem Festland Anker. Der Ankergrund Sand mit Kraut hält gut, und wir genießen wie üblich unseren "Anleger". Eine dreiviertel Stunde später empfiehlt uns ein türkischer Gulet-Skipper, das Schiff für die Nacht lieber mit Buganker und Heckleine zur Insel abzusichern. Nachdem wir sehen, daß er es ebenso macht, gehen wir auch ankerauf und folgen sicherheitshalber seinem Beispiel.
Der Freitag, der als Reservetag eingeplant war, kann nun ganz gemütlich angegangen werden, nachdem uns keine widrigen Umstände unterwegs veranlaßt haben, unsere zuhause geplanten Tagesstrecken abzuändern. Eigentlich wollen wir heute einen Segelmanöver-Tag einschieben, aber es ist fast windstill und so motoren wir einfach eine halbe Stunde Kurs E - in der stillen Hoffnung, weiter draußen etwas Wind zu finden -, aber es tut sich nichts. Wir stellen den Motor ab, lassen uns ca. 3 sm vor der Küste treiben und halten Siesta. Dann fahren wir direkt zur Setur Marina Antalya. Ein Serviceboot der Marina geleitet uns zur Dieseltankstelle, danach zu unserem Liegeplatz und hilft das Boot festzumachen. Der kostenlose Marinabus bringt uns abends nach Antalya. Dort feiern wir den Törnabschluß in der angenehmen Atmosphäre des Gartenlokals "Sandal Balik Lokantasi" in der Eski Lara Yolu zusammen mit Abdullah. Ohne ihn, den wir nachmittags im Marina-Restaurant getroffen haben, hätten wir diese Oase im Grünen sicher nicht gefunden.
Damit sind wir am Schluß des Törns angekommen und auch am Schluß des Reiseberichts. Rückblickend sind wir dankbar für die vielen Erlebnisse, welche die Schönheit der Landschaft und die Freundlichkeit ihrer Bewohner bleibend in unser Gedächtnis schrieben, so daß wir zuletzt sogar den fehlenden Wind verschmerzt haben.
(c) Gerhard Mössner
eMail: Moessner@t-online.de
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