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Sönke Roever : Zu Zweit von Deutschland nach Neuseeland
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09.06.2007 - Puzzeltage
Heute sind wir nur knapp einer kleinen Katastrophe entgangen.
In der Kornwerderzandschleuse - dem Tor zum IJsselmeer - schlägt plötzlich unser Nachbar von der gegenüberliegenden Seite quer, weil er der Meinung ist, dass er sein Schiff bei fünf Windstärken von vorne locker mit der Hand festhalten kann. Sein zügig auf unsere Schiffsmitte zukommender Bug überzeugt ihn zwar schnell vom Gegenteil, änderte aber leider nichts an seiner Überforderung.
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Wir haben alle Mühe seinen Bug von unserem Rumpf frei zu halten, während er mit dem Heck immer wieder in die Schleusenwand donnert und versucht eine Leine zu befestigen.
Nach kurzer Zeit wähnen wir uns in Sicherheit. Zu zweit können wir das Querschläger-Boot gut abhalten. Ein Trugschluss. Zunehmend energischer vernehmen wir plötzlich von der Yacht vor uns laute und deutliche "Hey Hippopotamus! Your ropes!"-Rufe. Verdammt! In der Aufregung haben wir übersehen, dass das Wasser in der Schleuse so schnell fällt, dass wir dringend unsere Leinen lösen müssen. Glücklicherweise bekommt Judith das fix hin, sonst hätten wir unser Schiff an der Kaimauer aufgehängt. Sönke hält derweil den Nachbarn auf Distanz, der immer noch mit seinem Heck unangenehm hörbar an der Kaimauer schrammt.
Wir sind froh, als endlich die Schleuse öffnet und alle Schiffe auslaufen können. Mit aller Kraft drücken wir unseren Nachbarn weg, damit er losfahren kann. Er löst seine provisorische Heckleine, gibt aus irgendeinem Grund aber kein Gas. Das tut er erst, als er quasi schon erneut in unserer Bordwand hängt. Diesmal dafür allerdings richtig. Mit Vollgas schießt er haarscharf an uns vorbei, rammt noch fast die Kaimauer und verlässt dann endlich die Schleuse. Glück gehabt.
Nun sind wir auf dem IJsselmeer. Wenn wir ehrlich sind, mit gegensätzlichen Gefühlen. Zum einen freuen wir uns sehr auf dieses tolle Binnenrevier. Eine Woche haben wir eingeplant, um es zu erkunden. Im Grunde genommen ein perfekter Zeitraum, an dessen Ende die faszinierende Metropole Amsterdam wartet. Was will man mehr? Zum anderen treibt uns seit ein paar Tagen die Sehnsucht nach dem großen weiten Meer. Tiefes Wasser, Wind und Wellen, keine Beschränkungen und dazu dieser unwiderstehliche Geruch von Salz und Algen. Einfach mal ein paar Tage durchsegeln. Auch wenn es in den Fingern juckt, lassen wir uns das IJsselmeer nicht nehmen. Im Anschluss daran sehen wir noch genug weite See.
Doch nun zur eigentlichen Überschrift dieses Logbucheintrages "Puzzeltage". Wir haben diesen Reiseabschnitt so genannt, weil wir in den vergangen Tagen vorwiegend am Boot rumgepuzzelt haben. So nennen wir basteln in einer langsameren Gangart. Ohne Zeitdruck, mit Nickerchen, Stadtbummel und Grillvergnügen. Trotzdem haben wir viel aufgeholt. Endlich geht unsere elektrische Ankerwinde, lädt der Windgenerator die Batterien, kennt das UKW-Gerät unsere Position, können wir DVDs gucken, ist der Cockpittisch montiert, zeigt uns der Batteriewächter die Energiereserven an, bugsiert das Schlauchboot uns von A nach B, besitzt Sönke neue Wanderschuhe und vermittelt das Radargerät einen gesunden Rund-Um-Blick. Letzteren hätten wir vermutlich schon eher gehabt, wenn Sönke nicht zwei Tage vor der Abfahrt beim Bohren abgerutscht wäre und dabei das Radarantennenkabel getroffen hätte. Nützt ja nichts…
Ach ja, selbst unser Bordnilpferd "Flodhäst" hat inzwischen seinen festen Platz an Bord gefunden. Aber das guckt ihr euch anhand der Bilder am besten selbst an.
Liebe Grüße
Judith und Sönke
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