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Bernt Lüchtenborg: Projekt Sail2Horizons - 65000sm nonstop
mit und gegen den Wind
www.sail2horizons.com - Übersicht

Die Strandung der SY Horizons in Feuerland
Dienstag, 08.06.2010
Nachdem in der Nacht in Lee der Isla Noir bei Orkanböen der Anker 2x aus dem Grund bricht, auch keine Wetterbesserung in Sicht war, beschliesse ich vor dem Wind 160sm nach Ushuaia/Arg. im Beagle Kanal abzulaufen, um dort die Aries Windfahnensteuerungsanlage zu reparieren und mit meiner Hand/Armverletzung einen Arzt aufzusuchen. Bei Winden um 40kn aus Nordwest erreiche ich nach einem sicheren 12 Std. Törn die Bahia Cook auf 55°11S,70°15’W und warte beidreht unter Genua mit genügend Raum auf das Morgenlicht, um in den Brazo Sudoeste, einem Seitenarm des westlichen Teils des Beagle Canals, nach Ushuaia zu fahren. In der Nacht nimmt der Wind weiter ab, zudem liege ich in Lee der Berge.
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Um den Versatz des Schiffes durch die Strömung (Tidengewässer) und den in die Bucht setzenden Schwell des Pazifiks durch eine alte Sturmsee auszugleichen, habe ich die Genua eingerollt und den Motor gestartet. Unter langsamer Motorfahrt bei ca. 800-1000Umdrehungen navigiere ich nach der Detailkarte Bahia Cook mit genügend Abstand zu den umliegenden Felsen, die im leichten Dämmerlicht in Sicht sind.
Während der Fahrt „stirbt“ der Motor mit einem Ruck ab. Nach dem erfolglosen Starten des Motors, leuchte ich das Heck aus und entdecke einen langen Teppich von Kelppflanzen, der sich unter dem Schiff verfangen hat und achteraus treibt.
Horizons geht mit der Strömung und dem vom Pazifik in die Bahia Cook setzenden Schwell auf Drift in Richtung der Felsen. Meine einzige Chance ist bei 4 Grad Wassertemperatur unters Schiff zu gelangen, um das Kelp aus der Welle und dem Propeller zu schneiden. Durch die starke Strömung ist es nicht möglich, den Propeller zu erreichen, fühle das Kelp, gleite ab und erwische im letzten Moment das Hilfsruder der Aries, wodurch ich mich an der Anlage zurück an Bord ziehen kann.
Rufe mehrmals über Kanal 16 und den Kurzwellen Notrufkanal Mayday ohne eine Antwort zu erhalten. In der Hoffnung auf Wind, setze ich wieder die Segel, um mich von den Felsen freikreuzen zu können. Abgesehen von einigen umlaufenden Böen, ist es schwachwindig. Ein Ankermanöver ist nicht möglich, da die Tiefe in der Bahia Cook von 250m abrupt zum Inselsockel ansteigt. Horizons bleibt manövrierunfähig. Machtlos muss ich mit ansehen, wie das Schiff in Richtung des Inselsockels treibt, wo es zu ersten Grundberührungen kommt.
Der auflaufende Schwell vom Pazifik, sowie die Flut heben das Schiff Stück für Stück über die Felsen auf den Inselsockel, wo Horizons an einem größeren Felsen von der Stb-Seite aufgerieben wird. Über Satellitentelefon informiere ich Bremen Rescue, schildere die Situation und stelle einen ersten Wassereintritt mittschiffs und am Heck fest. Kurz darauf war kein telefonischer Kontakt mehr möglich, weil das eintretende Wasser bereits die Batterien und die technische Verkabelung der Navigations- und Satellitentelefoneinrichtung unter Wasser gesetzt hat.
Berge einige persönliche Sachen vom Schiff ab und warte an Land auf Hilfe. Das Betreten des Schiffes war anschl. nicht mehr möglich, weil das auflaufende Wasser und ein hoher Schwell der in die Bucht läuft, das Schiff zwischen den Felsen zerschlägt. In der Felsenbucht entdecke ich an Land armdickes Kelp und auch angespülte Bojen, Fischerleinen und Netze. In der Region gehen die Fischer saisonal auf Lobsterjagd. Es ist von daher auch möglich, dass sich neben dem Kelp, auch Reste einer Fischerleine oder eines Netzes um die Schraube gewickelt haben könnten.
4 Std. später taucht ein chilenisches Fischerboot vor der Unglückstelle auf und geht in Lee der Insel vor Anker, da an meiner Position durch die Felsen eine Abbergung nicht möglich ist. 2 Fischer marschieren quer über die Insel, um mich abzuholen. Zur gleichen Zeit trifft ein Kontrollboot der Küstenwache (Armada de Chile) ein und nimmt mich an Bord. Bitte den Kommandanten des Kontrollschiffes um den Versuch Horizons vom Felsen zu ziehen. Nach Aussage des Kommandanten der Armada besteht keine Chance, ein Abschleppseil über den Felssockel zur gestrandeten Yacht auszubringen, weil die Unglückstelle von der freien Seeseite über den Felssockel per Boot nicht zu erreichen ist. Zudem sei das Schiff nicht mehr zu retten.
An Bord der Küstenwache verlasse ich die Unglückstelle und werde nach Puerto Williams/Chile transportiert. Dort wird ein Protokoll der Strandung der SY Horizons aufgenommen und eine ärztliche Untersuchung vorgenommen. Die Hand/Armverletzung, die ich mir einige Tage vorher auf Horizons bei schwerem Wetter zugezogen habe, erweist sich durch eine Röntgenaufnahme als Splitterbruch der Elle. Da eine Operation in Puerto Williams nicht möglich ist, transportiert man mich ins Militärhospital der Armada de Chile nach Punta Arenas. Dort folgt die Operation der gebrochenen Elle.
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