Boris Herrmann Nordostpassage - Tageskurznachrichten

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12.09.2015
Von hier könnte man zu Fuß zum Nordpol laufen

Wir haben es fast geschafft. Zehn eisige Tage und über 2.000 frostige, mühsam erkämpfte Meilen liegen hinter uns. Dennoch, das Schwerste kommt noch, glaube ich.

In der Nacht von Sonntag auf Montag, wenn Ihr da draußen die Tagesschau guckt über Flüchtlinge in Europa und euch von der ersten Herbstkühle zu Hause wärmt, hat der Wind für uns auf Ost gedreht. Gegenan. Auf 175 Grad östlicher Breite und 74 Grad Nord stehen wir dann voraussichtlich bei -1 Grad Wassertemperatur, 30 Knoten Wind und 3 Meter See gegenan. Wird alles noch mehr vereisen?
Vereistes Cockpit der China QingdaoWir kreuzen. Können die Dünung aus Südwest deutlich spüren. Manchmal zittert der Trimaran. Wir sind am Rand des Eismeeres angekommen, dort, wo das ewige Eis beginnt. Heute Vormittag hatten wir plötzlich dieses Eis vor uns. Eine Barriere bis zum Horizont. Wir mussten wenden und uns durch Growler schlängeln. Die Fock war zu einem Brett gefroren. Es hagelt Eisklumpen von vorne aus dem Segel.

Das See-Eis schimmert grünlich unter Wasser. Man möchte es berühren. Von hier könnte man zu Fuß zum Nordpol laufen. Leider keine Eisbären getroffen. Doch schnell sind wir wieder allein unter unseren Wolken. Allein mit uns sechs und dem Boot. Jochen und ich sind auf Wache. Es ist gespenstisch. Feiner Eisregen. Wir segeln mit 12 Knoten durch die Finsternis. Sehen nicht viel. Das Radar ist gut. Aber die kleinen Klumpen, die wir vorhin überall um uns hatten? Im Eis vertrauen wir auf unseren Instinkt

Vereiste Schoten Die Windinstrumente sind eingefroren. Windrichtungsmessung sitzt fest. Woher der Wind kommt, müssen wir jetzt erspüren. Wir kreuzen in dunkler Nacht und instabilen Winden so gut es geht.
Ein kurzer Moment Stress: Wir treiben rückwärts. Winddreher und Steuerfehler. Wir verlieren die Kontrolle. Es ist manchmal total schwer, den Wind zu fühlen. Die Segel schlagen leicht. Der Wind ist ja noch nicht stark. Alles kein Problem, aber von oben krachen Eisstücke aus den Segeln herunter. Wir zwei fliehen unter Deck. Noch nie gehört von so etwas. Wieder Fahrt aufnehmen. Nach vorne schauen. Tränen laufen aus den Augen. Man will das Gesicht nicht lange in den Wind stecken. Dieser Ort ist verwunschen

Boris vor grünlichem See-Eis Die Nächte sind kurz hier. Bald wird es Licht geben. Die Routine geht weiter. Die Müdigkeit und Erschöpfung dosieren. Etwas Zeit zum Fotografieren, Schreiben und Filmen abknapsen. Erhaschen des wenigen Lichtes, wenn es mal durch die Wolken kommt. Dann beginnen die Farbschattierungen. Die Lichtnuancen. Die Räumlichkeit. Die Verwunschenheit dieses Ortes, den zu erleben wir nun so weit gereist sind. Es lohnt sich immer wieder, der Neugierde nachzugehen.

In mir angeregt ist eine Fantasie der Abenteurer damals und der Unternehmensabenteurer heute. Von den Damaligen kennen wir einige. Von den heutigen wissen wir wenig. Shell hat hier in nahen Umkreis fünf Milliarden investiert und dann abgeschrieben. Die Operationen als zu riskant eingestuft. Die Leute haben Nerven. Wir auch, mit unserem kleinen roten Rennboot. Neben einer Ölborinsel mag es anmuten wie ein Spielzeug. Dennoch reizvoller das Versprechen, als erster motorloser Segler in der Nordost-Passage in die Geschichte einzugehen denn als erster Ölbohrer. Moderner, finde ich. Mehr Nutzung unserer – dieser unendlichen temperamentvollen, mühseligen – kleinen Windkraft. Dann können wir das Öl im Boden lassen, wo es hingehört!
Die Polarlichter über uns zucken auf und nicken das Statement ab. E-Mail senden. 13 Comments

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