2. Februar 2012
Herrmann auf erster Rekordfahrt
„Maserati“ ist auf dem Weg von Cadiz nach San Salvador
CADIZ. Seit Donnerstag (2. Februar) um 12.50 Uhr und acht Sekunden läuft
die Zeit: Genau dann startete Hochseesegler Boris Herrmann als Navigator des
italienischen Skippers Giovanni Soldini mit der 21 Meter langen
Hightechyacht „Maserati“ seine erste von drei Rekordfahrten auf dem
Atlantik. Bei starken Nordwestwinden verließ die achtköpfige, internationale
Crew den spanischen Hafen von Cadiz und nahm Kurs auf San Salvador/Bahamas.
Die 3.884,8 Seemeilen (mehr als 7.000 Kilometer) entfernte Karibikinsel soll
in etwa zwölf Tagen erreicht werden. Im April will der 30-jährige
Oldenburger, der voriges Jahr als erster Deutscher beim Barcelona World Race
non-stop um die Welt Fünfter wurde, mit dem Team den prestigeträchtigsten
Streckenrekord von New York nach Lizard Point (Großbritannien) angreifen und
den Atlantik von West nach Ost in sechs Tagen überqueren.
„Die Bedingungen sind ideal. Der Wind hat auf Nordwest gedreht und weht mit
Stärke sechs. Das Boot läuft rund 20 Knoten“, meldete Boris Herrmann kurz
nach dem Start, der vormittags noch einmal um zwei Stunden verschoben worden
war, weil auf den Durchzug einer Kaltfront gewartet wurde. Als Navigator ist
Herrmann für die Wetteranalyse zuständig und hatte den günstigsten Zeitpunkt
für Donnerstagmittag identifiziert. Erst zwei Tage zuvor war die „Maserati“
aus Italien überführt worden, wo sie über Winter für die Rekordfahrten
getunt worden war. Die ehemalige VO70-Yacht „Ericsson 3“ ist leichter
geworden und hat einen längeren Kiel bekommen.
Skipper Giovanni Soldini, der für das Projekt außerdem die Hauptpartner
„BSI“ und „Generali“ gewann, gilt als bester und bekanntester Hochseesegler
Italiens. Mit seinem ehemaligen Gegner aus der Class 40-Bootsklasse, Boris
Herrmann, ist er seit vielen Jahren befreundet und schätzt dessen nautische
Fähigkeiten: „Boris hat das richtige, strategische Gespür und Know-how für
solche Langstrecken. Wir waren uns sofort einig, dass wir jetzt losmüssen.
Denn das Azorenhoch hat sich so positioniert, dass es uns eine schnelle
erste Hälfte ermöglichst.“ Der Auftakt gab ihnen schon mal Recht. Die bisher
meist als Solosegler oder in Zweimanncrews aktiven Soldini und Herrmann
werden vom America’s Cup-erfahrenen Brad Van Liew aus den USA und dem
Spanier David Vera als Wachführern sowie vier Italienern unterstützt.
Die Rekordfahrten werden vom World Speed Sailing Record Council WSSRC
offiziell überwacht. Es hatte eigens eine Abordnung nach Cadiz entsandt, die
eine Startlinie auslegte und die Zeit nahm. Bislang steht auf der Strecke,
die Christopher Columbus am 3. August 1492 segelte, als er einen neuen
Handelsseeweg nach Indien entdecken wollte, noch keine Rekordzeit für
Einrumpfboote zu Buche. Einziger Wegpunkt ist Gran Canaria; die Kanarische
Insel muss an Backbord passiert werden. Die Bestzeit durch Frank Cammas
Trimaran „Groupama“ mit knapp siebeneinhalb Tagen aus 2007 ist nicht
vergleichbar, da die Mehrrumpfboote bauartbedingt schneller sind. Hier wird
die „Maserati“ für den ersten Eintrag sorgen.
Gleiches gilt für die zweite Strecke über 947 Seemeilen von Miami/Florida
nach New York, die im März angegangen werden soll. Die größte
Herausforderung wartet dagegen auf dem Nordatlantik. Exakt 2.925 Seemeilen
ist die Strecke vom Ambrose-Leuchtturm vor New York nach Lizard Point, der
Südwestecke Großbritanniens, lang. Sechs Tage, 17 Stunden, 52 Minuten und 37
Sekunden sind zu unterbieten, 18,05 Knoten im Schnitt, aufgestellt 2003 von
der doppelt so langen, britischen Mega-Yacht „Mari Cha IV“. Außerdem haben
Soldini und Herrmann den 24-Stunden-Weltrekord im Visier. Den hält der
Brasilianer Torben Grael seit 2008 mit der VO70 „Ericsson 4“, als er 596,6
Seemeilen, das sind 1.100 Kilometer, an einem Tag schaffte. Die
Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 24,85 Knoten, entsprechend fast 46 km/h.
Die Rekordfahrt der „Maserati“ ist im Internet unter www.maserati.soldini.it
zu verfolgen. News werden auch über den Twitter-Account und die
Facebook-Seite von Boris Herrmann verbreitet.
(Ende)
Andreas Kling
Boris Herrmann Racing
PR
www.BorisHerrmannRacing.com
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