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61. Rolex Sydney Hobart Yacht Race 2005/2006
www.rolexsydneyhobart.com - Übersicht Hobart Race

1. Januar 2006
Rolex Sydney Hobart Yacht Race
Sydney, AUS
Historischer Dreifach-Sieg für die "Wild Oats XI"
Wenige Tage vor dem Start des 61. Rolex Sydney Hobart Yacht Race hatte der australische Skipper der brandneuen Maxiyacht "Wild Oats XI", Mark Richards, noch gesagt, dass der Gesamtsieg nach berechneter Zeit der wahre Sieg sei. "Es ist weit schwieriger für ein Boot, die Handicap-Wertung zu gewinnen als Erster im Ziel zu sein. Um den Triumph ,First Ship Home' kämpfen in diesem Jahr genau genommen nur vier oder fünf Schiffe. Um den Handicap-Sieg segelt das gesamte Feld. Das ist das Ziel, das jedermann anstrebt. All die Köpfe auf den Bildern an den Wänden im CYCA-Clubhaus, das sind die Handicap-Gewinner. Aus Sicht des Seglers ist der Tattersalls Cup die wichtigste Trophäe überhaupt."
Rund eine Woche später dürfte Richards realisiert haben, dass er der erste Skipper überhaupt seit dem Sieg der "Rani" im ersten Sydney-Hobart-Rennen in 1945 war, der das Triple gewonnen hat: nicht nur Erster im Ziel, sondern auch der Sieg nach Handicap und ein neuer Streckenrekord. Viele Experten waren im Zweifel, ob Bob Oatleys neuer Maxi es überhaupt bis Hobart schaffen würde. Und das war keine übertriebene Skepsis. Denn an sich tauft niemand die technisch komplexe, modernste Segelyacht der Welt nur drei Wochen vor einem Hochseerennen, das einen in die berüchtigtsten Gewässer der Erde führt - und erwartet keinerlei Probleme, geschweige denn, das Rennen zu gewinnen.
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Fotos: Carlo Borlenghi/Rolex

Matteo Mazzanti, Rolex SA presents Rolex Yachtmaster to Bob Oatley, owner & Mark Richards, skipper, Wild Oats XI

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Deshalb war die "Alfa Romeo" aus Neuseeland, nahezu baugleich mit der "Wild Oats XI", auch der Favorit bei den Buchmachern. Denn der Eigner und Skipper Neville Crichton hatte fünf Monate damit verbracht, sein Reichel/Pugh-Design zu tunen. Und als die beiden Schwesterschiffe in den Kurzrennen der Rolex Trophy vor dem Hochseeklassiker erstmals aufeinander trafen, hatte die "Alfa Romeo" auch fast immer den Bug vorne.
Und trotzdem, abgesehen von Crichtons Vorbereitung, galt es keineswegs als gesichert, dass die "Alfa Romeo" die gesamten 628 Seemeilen nach Hobart schaffen würde. Nur eine untypisch freundliche Wettervorhersage für das 85 Boote starke Feld würde die meisten Zweifel ausräumen, dass die beiden nagelneuen Maxis die Distanz schadlos überstehen könnten. In Lauerstellung lagen die drei führenden Konkurrenten des vorigen Rennens, "Konica Minolta", Skandia" und der Sieger von 2004 "Nicorette", inzwischen in neuem "Kleid" in den Farben der Telefongesellschaft "AAPT".
Aber die Wettergötter waren gnädig und schickten eine der freundlichsten Wettervorhersagen, die die Regatta seit vielen Jahren gesehen hatte, Sean Langman, Skipper der "AAPT", sagte, dies sei ein Traumszenario für die Top-Maxis. "Die Vorhersage offenbart in diesem Jahr eine fantastische Gelegenheit für einen Dreifach-Sieg. Das Triple mit dem Sieg nach gesegelter und nach berechneter Zeit sowie einen neuen Streckenrekord, der auch schon eine ganze Weile besteht."
Vor tausenden Zuschauern, die am Zweiten Weihnachtstag im Hafen von Sydney an Land standen, und hunderten von Begleitbooten sowie einem Schwarm von Fernsehhubschraubern über ihnen, wurde das Rennen gestartet. Das beste Ende hatte Mark Richards erwischt, der die "Wild Oats XI" zwei Bootslängen vor der "Alfa Romeo" aus dem famosen Sydney Harbour heraussteuerte.
Direkt hinter den Maxis zog Skipper Alex Thomsen und die Crew der "Hugo Boss" die Aufmerksamkeit der Kameras auf sich, indem sie am Start Schlips und Kragen trugen. Nick Moloney, der bekannte australische Weltumsegler, war auch mit an Bord. Weiter hinten im Feld ehrte die Mannschaft der "Quest" ihren Skipper John Bennetto, der in der Woche vor dem Start verstorben war, indem sie an der Rolex-Wendemarke einen Kranz ins Wasser warf, bevor sie den Kurs nach Süden Richtung Hobart änderte, dem Geburtsort von Bennetto. Der großartige Segler hält den Rekord von 44 Teilnahmen am Sydney-Hobart, ein bemerkenswertes Testament über seine Einstellung zu dem Rennen.
Nicht lange nach dem Start hatte die "Alfa Romeo" die "Wild Oats" überholt, weil sie die Vorsegel früher wechselte. Es schien so, als zahle sich die größere Vertrautheit der Crew mit ihrem Boot aus, während die Mannschaft der "Wild Oats" noch während der Regatta lernte. Mark Richards und sein Team hatten kaum mehr als 300 Seemeilen zusammen auf der Yacht gesegelt, bevor sie an den Start gingen.
Am folgenden Morgen jedoch hatte die "Wild Oats XI" den Spieß nach einem strategisch cleveren Zug unter Land umgedreht, der den Co-Navigatoren Adrienne Cahalan und David Dickson zuzuschreiben war. "Wir sind unter Land gegangen, und das hat den Unterschied ausgemacht", kommentierte Cahalan am Satellitentelefon, "wir sind dadurch dichter an die Anliegelinie nach Süden gekommen, und von dort hat der Wind für uns eingesetzt. Bei Gabo Island bekamen wir noch eine günstige Winddrehung, und ich glaube, dort haben wir den entscheidenden Schritt vorwärts gemacht. Wir hatten etwas mehr Wind als erwartet. Die ganze Nacht hatten wir zumindest etwas Wind, den die anderen wohl nicht gehabt haben."
Sicher würde es nur eine Frage der Zeit sein, bevor die größere Erfahrung von Crichtons Crew, zu der die Cracks Ben Ainslie und Adrian Stead im Afterguard gehörten, den Vorsprung zunichte machen sollte. Die Positionsberichte zeigten jedoch, dass die "Wild Oats" sich sogar langsam weiter von der "Alfa Romeo" absetzte. Aber wie so oft in solchen Situationen durften die Führenden den Tag nicht vor dem Abend loben, als sie in die letzte Rennphase kamen. 40 Seemeilen vor dem Ziel in der Sturmbucht, brach der Baumniederholer am Mast. Und dann zehn Seemeilen vor der Ziellinie eingangs des Flusses Derwent bei 30 Knoten Wind (Stärke sieben) verfing sich ein Backstag hinter dem Ende der obersten Lattentasche des Großsegels, riss sie ein und die Segellatte heraus. Das Großsegel begann sofort zu flattern und zu schlagen, so dass die Crew gezwungen war, das Groß zu bergen und allein unter Vorsegel ins Ziel zu kriechen. Indes "Kriechen" hieß bei diesem High-tech-Racer immer noch zwölf Knoten Bootsgeschwindigkeit am Wind n ur unter Genua - ein eindrucksvoller Beweis für die Effizienz dieser enormen Rennyacht.
Steuermann Mark Richards jubilierte, als er die 98 Fuß (rund 30 Meter) lange Reichel/Pugh-Konstruktion zehn Sekunden nach acht Uhr morgens in Hobart über die Ziellinie steuerte. Bob Oatleys Team war nicht nur Erster im Ziel, sondern hatte mit einem Tag, 18 Stunden und zehn Minuten auch einen neuen Streckenrekord für die 628 Seemeilen aufgestellt. Die alte Marke der dänischen Volvo 60 "Nokia" aus 1999 hatten sie um mehr als eine Stunde unterboten.
"Eine große, große Genugtuung"; empfand Richards in einer ersten Reaktion noch außer Atem. "Wir haben ein nahezu fehlerfreies Rennen gesegelt. Leider hatten wir auf den letzten zehn Seemeilen noch große Probleme, aber das ist Hochseesegeln." "Alfa Romeo" erreichte Hobart eine gute Stunde nach der "Wild Oats", und Neville Crichton konnte seine Enttäuschung über die Niederlage nicht verbergen. "Sie haben uns smart besiegt", sagte er an Land. "Wir haben unser Bestes gegeben. Wir lieben es zu gewinnen, aber am Ende des Tages wurden wir von einem anderen Boot geschlagen, und das müssen wir rekapitulieren. Wir haben sie in sechs von sieben Wettfahrten geschlagen, sie uns in einer. Aber das war die Wichtigste."
Einige Stunden später erreichten die drei anderen Maxi-Yachten Hobart. Die "Skandia" war Dritte im Ziel, obwohl sie einen Maschinenschaden hatte und gezwungen war, ihren Schwenkkiel in der Mittelstellung festzusetzen. "Konica Minolta" war Vierter und hatte ein problemloses Rennen. "AAPT" brach den Großbaum und segelte die letzten hundert Seemeilen ohne ihn. Was für Probleme sie auch immer gehabt hatten, der Wind war letztlich ein Vorteil für die Großen. Die Maxis vermieden das Schlimmste einer Leichtwindzone, die die mittleren und kleineren Boot in der Bass-Straße aufgehalten hatte. Und als das Hauptfeld weiter nach Süden vorankam, musste es auch noch bis zu 40 Knoten Wind (Stärke neun) überstehen.
Die DK 46 "Quantum Racing" wäre in einem typischen Rolex Sydney Hobart Yacht Race nach Handicap weit vorne erwartet worden. Aber trotz einer hervorragenden Vorbereitung und dem Sieg in der Rolex Trophy als gelungene Generalprobe schaffte es Ray Roberts nicht, der berechneten Zeit der "Wild Oats" auch nur nahe zu kommen. "Ich glaube kaum, dass wir besser hätten segeln können", so Roberts, "aber das harte Halb- und Vorwindsegeln kommt diesem Boot nicht so zu pass. Deshalb waren wir diesmal nicht ,am Silber'."
Wie beinahe jedes Boot hatte die "Quantum Racing" unterwegs ihre Probleme. "Eines unserer Steuerkabel brach, und wir haben mitten in der Bass Strait einen unfreiwilligen 360-Grad-Kringel gedreht, als wir Ersatz installierten. Wir lagen ganz auf der Backe und zerstörten dabei auch noch einen Spinnaker. Der Zwischenfall hat uns etwas Zuversicht gekostet, aber die Jungs haben einen guten Job gemacht, das repariert und weitergearbeitet."
Für die meisten Teilnehmer waren die Bedingungen besser als der Durchschnitt der Rolex Sydney Hobart Yacht Races, belegt durch die Tatsache, dass nur fünf der 85 Boote das Rennen aufgaben. Einer davon war der Hamburger Dirk Wiegmann mit seiner Beal 45 "Conergy" nach Wassereinbruch durch eine defekte Ruderdichtung. Einige sagten zwar "nie wieder", als sie auf Tasmanien wieder festen Boden unter den Füßen hatten, aber das sollte nicht allen geglaubt werden. Nach Beendigung seines 37. Rennens nach Hobart wunderte sich die australische Regattalegende Syd Fischer erneut, warum er immer wiederkommt. "Ich muss verrückt sein", sagte er schroff, "es ist wie die Geburt eines Kindes für die Frauen, nach einer Weile vergessen sie es wieder."
Für Lou Abraham war es schon das 43. Hobart. Und der 78 Jahre alte zweimalige Gewinner hat nichts von seinem Ehrgeiz eingebüßt. Er segelte seine Sydney 38 Challenge auf den ersten Platz der IRC Division C und versprach, dass er nächsten Mal wieder dabei sein werde.
Ein ganz besonderes Boot, das Hobart erreichte, war die "Berrimilla". Die Ankunft markierte das Ende eines außergewöhnlichen Abenteuers für Alex Withworth und Peter Crozier, die - beide Anfang 60 - damit eine 30.000-Seemeilen-Weltumseglung in einer nur 33 Fuß langen Fahrtenyacht beendeten. Ihr Abenteuer begann voriges Jahr, als sie an dem sehr windigen und welligen Rolex Sydney Hobart Yacht Race teilnahmen. Nach dem Rennen setzten sie bald ihre Reise nach Großbritannien fort, um dort am Rolex Fastnet Race teilzunehmen, das als Schwester des Sydney-Hobart gilt. Das Leichtwind-Fastnet erfolgreich beendet machten sie kehrt zurück nach Australien und erreichten Sydney wenige Tage vor dem Start der 61. Regatta nach Hobart.
Es war nicht gerade das schönste Ende einer solchen Reise, als der Derwent River sich wie ein Ententeich präsentierte und die "Berrimilla" für die letzten zehn Seemeilen mehrere Stunden brauchte. Aber Sylvesternachmittag waren sie da und ließen nur noch ein einziges Boot draußen auf dem Kurs, die kleine "Gillawa", die am 2. Januar erwartet wurde.
Bei der Siegerehrung am Dock von Hobart wurde die "Wild Oats XI" für ihren dreifachen Triumph gebührend ausgezeichnet. Matteo Mazzanti von Rolex SA übergab Skipper Mark Richards und Eigner Bob Oatley zwei Armbanduhren vom Typ Rolex Yachtmaster Rolesium, je eine für den Sieg nach gesegelter und nach berechneter Zeit. "Das ist ein Moment, den wir nie vergessen werden", meinte Richards, als seine Crew auch die beiden begehrtesten Trophäen dieses Hochseeklassikers jubelnd in die Luft hielt, die JJ Illingworth Trophy und der Tattersalls Cup. Eigner Bob Oatley, der nicht an Bord war, aber das großartige Team zusammen mit den zahlreichen Zuschauern in Hobart begrüßte, hat selbst sehr oft versucht, das Rolex Sydney Hobart Yacht Race zu gewinnen. Er fixierte die JJ Illingworth Trophy mit der Plakette, die die Namen vieler großer Hochseesegler zierte. "Viele dieser Segler hier sind meine Freunde", so Oatley. Aber der Sieger bat auch alle Anwesenden, an diejenigen zu denken, die zu dem Zeitpunkt noch draußen auf See wa ren, besonders an die "Gillawa".
Für "Gillawa's" Skipper Dave Kent und seine Mannschaft - von denen Einige blutige Anfänger in diesem Sport waren - ist das Dabei sein alles: "Ich finde, Rolex fasst es mit einem seiner Regattaslogans treffend zusammen. Wir haben einen Aufkleber unter Deck auf dem steht: ,Das Rolex Sydney Hobart... Es erinnert dich daran, wer du bist.' Es ist gar nicht besser auszudrücken. Es gibt viele Regatta, aber dieses Rennen steht und spricht für sich selbst."
Das Finale war eine offizielle Preisverleihung im Royal Yacht Club von Tasmanien, bei der in alle Divisionen die drei Besten Trophäen erhielten. Außerdem wurden zahlreiche Sonderpreise verteilt, meist gegeben von einheimischen Seglern Tasmaniens.
Top 10 nach gesegelter Zeit
1. Wild Oats
2. Alfa Romeo
3. Skandia
4. Konica Minolta
5. AAPT
6. Loki
7. Coogans Stores
8. Seriously 10
9. Hugo Boss
10. ABN AMRO
Gesamtergebnis nach IRC<
1. Wild Oats XI
2. Alfa Romeo
3. Konica Minolta
4. Chieftain
5. Skandia
6. Wedgetail
7. Loki
8. Hardy Secret Mens Business
9. Quantum Racing
10. Wot's Next
Sieger der IRC-Divisionen
Gesamt: Wild Oats XI (Aus, Qld/NSW) - Bob Oatley, Mark Richards
IRC Division A: Wild Oats XI (Aus, Qld/NSW) - Bob Oatley, Mark Richards
IRC Division B: Chieftain (Irland) - Gerard O'Rourke
IRC Division C: Challenge (Aus, Vic) - Lou Abrahams
IRC Division D: Wot's Next (Aus, NSW) - Graeme Wood
IRC Division E: Ray White Koomooloo (Aus, Qld) - Mike Freebairn
PHS: Pekljus (Aus, NSW) - David Ferrall
Sydney 38: Challenge (Aus, Vic) - Lou Abrahams
Der Streckenrekord
Beim Sieg in diesem Jahr schraubte die "Wild Oats XI" den neuen Streckenrekord auf eionen Tag, 18 Stunden und 40 Minuten und unterbot den bisherigen der "Nokia" von 1999 um mehr als eine Stunde.
Radiointerviews mit einigen Teilnehmern sind im Internet zu hören unter:
www.regattanews.com
Weitere Informationen:
Internationale Presseinformationen:
Key Partners (KPMS)
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Rolex Sydney Hobart Media Team
Nicole Browne
Ph: +61 (0)414 673 762
Nicole_browne@hotmail.com
Anna Wallin
Ph: +61 (0)408 632 657
anna.wallin@ozemail.com.au
Honorarfreie, hochauflösende Fotos des vorigen Rolex Sydney Hobart Yacht Race 2005 im Internet unter www.regattanews.com
Wir würden und freuen, wenn Sie den vollen, offiziellen Namen der Regatta, Rolex Sydney Hobart Yacht Race, nennen.
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