Rolex Sydney Hobart Yacht Race 2006
Übersicht
Pressemitteilung vom 62. Rolex Sydney Hobart Yacht Race
29. Dezember 2006
Erster Wiederholungssieg seit 42 Jahren
„Wild Oats XI“ wieder Erste im Ziel / Rekord verfehlt

Hobart. Die letzten Seemeilen den Fluss Derwent hinauf nach Hobart waren ein Genuss für die 23 erschöpften Crewmitglieder und Eigner Bob Oatley. Das Team der australischen Hochseeyacht „Wild Oats XI“ kostete das Ende des 62. Rolex Sydney Hobart Yacht Race am späten Donnerstagabend (28. Dezember) Ortszeit wie eine Triumphfahrt aus. Zum zweiten Mal nacheinander war die schlanke, silbergraue 30-Meter-Maxi bei der berüchtigten Segelregatta über 628 Seemeilen als Erste im Ziel. Das war zuletzt der einheimischen „Astor“ von Peter Warner 1963 und 64, also vor 42 Jahren gelungen. Entsprechend frenetisch wurde die Siegermannschaft von zahlreichen Schaulustigen am Constitution Dock von Hobart bejubelt.

In der Abenddämmerung hatte die „Wild Oats XI“ das Leuchtfeuer Iron Pot passiert und für die letzten Seemeilen ins Ziel erstmals seit dem Start am Zweiten Weihnachtstag den Spinnaker gesetzt. Die Ziellinie bei der Castray Esplanade in Hobart überquerte sie um 21.52 Uhr und 33 Sekunden. Damit hatte die Crew mehr als 14 Stunden länger benötigt als bei ihrem Streckenrekord in 2005, als sie außerdem Gesamtsiegerin nach berechneter Zeit geworden war und den begehrten Tattersall’s Cup gewann. Das war jedoch kein Wunder angesichts der ungünstigen Winde von vorn, die neun Konkurrenten zur Aufgabe zwangen, darunter zwei mit Mastbruch und ein gesunkenes Boot.

Der "Alte" hatte recht
Fotos: Carlo Borlenghi/Rolex


Wild Oats XI an den Organ Pipes
Bei der Zielankunft lobte „Wild Oats“-Skipper Mark „Ricco“ Richards seine Crew, zu der Weltumseglerin Adrienne Cahalan als Navigatorin und der ehemalige America’s Cup-Skipper Iain Murray gehörten: „In den vergangenen Tagen ist mein Team durch einige wirkliche harte Bedingungen gegangen. Ich bin stolz, mit dieser großartigen Mannschaft dieses schwere Rennen so bravourös gemeistert zu haben.“

Nach einem schnellen Lauf aus den Hafen von Sydney heraus, als die Bootsgeschwindigkeit bis zu 23 Knoten erreichte, stand auf der „Wild Oats XI “ in der ersten Nacht schon die kritischste Entscheidung des Rennens an. Das Team ließ die niederländische „ABN AMRO One“ weiter draußen auf See ziehen, wo mehr Wind und mehr Strömung herrschte, aber eben auch erheblich gefährlicherer Seegang. Während die Siegerin des Volvo Ocean Race 2005-2006 vom stürmischen Wind und hohen Wellen gebeutelt wurde, steuerte die „Wild Oats“ bei ruhigerem Wasser und nur Windstärke sechs unter der Küste entlang.

Richards erklärte: „Wir haben oft Dampf herausgenommen. Ich stand unter strikter Anweisung von Bob [Oatley], abzubremsen, wenn es nötig schien. Er hat es mir nur etwa 500 Mal gesagt! Es sprach einiges dafür, weiter draußen auf See zu sein. Normalerweise kannst du dort viel gewinnen. Aber bei viel Wind und dem derart rauen Seegang wollten wir einfach nicht da draußen sein. Wir bevorzugten den sichereren Weg und hielten uns aus der stärksten Strömung und damit aus den größten Wellen heraus. Wir haben das Boot in der Nacht lieber geschont.“

Zwischendurch sorgte die gewählte Taktik an Bord für einigen Gesprächsstoff, nachdem es schien, dass Mike Sanderson auf der „ABN AMRO One“ die bessere Entscheidung getroffen hatte, als er vorübergehend die Führung übernahm. Aber dann brach der Mast der Volvo Open 70. Dazu Adrienne Cahalan: „Es war nur ‚ABN’, die da draußen segelten, und deshalb ließen wir sie ziehen. Alle anderen lagen unter Land. Und wir wussten genau, dass es richtig schwierig werden würde, die Bedingungen dort draußen mit den steilen Wellen ohne Schäden zu überstehen.“

Der einzige Schaden, den die „Wild Oats XI“ erlitt, war ein Riss in ihrem größten und schwersten Vorsegel (Genua 1). „Wir hatten zwei Mann unter Deck, die das Segel zwölf Stunden nonstop repariert haben. Und wir haben genau die Fock am letzten Tag den ganzen Nachmittag wieder gesetzt gehabt“, sagte Richards.

Die Bedingungen verlangten auch von der Crew ihren Zoll. „Es war ziemlich rau“, fuhr Richards fort, „zwei Jungs wurden ziemlich hart gegen Seerelingstützen gespült. Das ist nicht ungefährlich, kommt aber vor beim Segeln, leider.“

Cahalan gab zu, dass das Geschaukel beim Überqueren der Bass-Straße nicht besonders angenehm war: „Ich musste ein- oder zweimal an Deck gehen, um frische Luft zu schnappen. Und die Mannschaft wird sehr müde, wenn sie die ganze Zeit zum Trimmen auf der hohen Kante sitzt. Dabei war es nämlich auch noch sehr, sehr kalt. Das gibt einem den Rest.“

Nach dem Mastbruch der „ABN AMRO One“ führte die „Wild Oats XI“ das Feld für die verbleibende Rennzeit ununterbrochen an. Eine Leichtigkeit war das jedoch nicht. Ein Spiel mit vielen Fallen entwickelte sich zwischen den verbliebenen Kandidaten auf den Sieg nach gesegelter Zeit. Die „Wild Oats“ hatte ihre Führung schon auf 40 Seemeilen ausgebaut, nur um nördlich der Flinders-Insel für vier Stunden in der Flaute eingeparkt zu werden. Allerdings hatte die Navigatorin das kommen gesehen, und die nachfolgenden „Skandia“ und „Ichi Ban“ (beide Australien) konnten rechtzeitig gedeckt werden.

Grant Wharingtons „Skandia“ kam bis auf fünf Seemeilen an die führende Yacht heran. Doch als es noch mal spannend zu werden schien, brach bei den Verfolgern ein Steckschwert, und sie verloren wieder an Boden. Am Ende wirkte sich das so negativ aus, dass die Crew der Maxiyacht auch noch Platz zwei um 16 Minuten an die kleinere Volvo Open 70 „Ichi Ban“ abgeben musste, die rund vier Stunden nach der Siegerin ins Ziel kam.

Die Entscheidung über den Gesamtsieg nach berechneter Zeit (IRC-Handicap) fällt beim 62. Rolex Sydney Hobart Yacht Race erst am Wochenende, wenn die kleineren Yachten mit günstigerem Rating im Ziel sind. In der Zwischenwertung sah es am Donnerstagabend nicht so aus, als könnten die Großen auch diese Ehre für sich verbuchen. (ENDE)
Radiointerviews vom Rolex Sydney Hobart Yacht Race sind im Internet zu hören unter: www.regattanews.com.
Weitere Informationen über das Rolex Sydney Hobart Yacht Race 2006 einschließlich aktueller Positionsberichte (alle 10 Minuten) auf der Eventwebsite www.rolexsydneyhobart.com.
Weitere Informationen:
Andreas Kling
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