18 Dec 2007
Rolex Sydney Hobart Yacht Race
Sydney/Hobart, Autralia
Welche Yachttypen dabei sind
Wie schon der Gouverneur von Tasmanien, Sir Guy Green, bei der Preisverleihung des Rennens
2001 anmerkte, ist diese Regatta in der Tat ein Event für jedermann. Sie steht nicht nur Yachten
von 30 Fuß (9 m) bis 98 Fuß (30 m) offen, sondern hier segeln neben den Wochenendcrews auch
bekannte America’s Cup- und Volvo Ocean Race-Größen.
Das Rolex Sydney Hobart Yacht Race 2007 ist ein klassisches Langstreckenhochseerennen für
jeden, der eine für diese Herausforderung zugelassene Yacht besitzt, die alle Sicherheitsvorschriften
nach Kategorie 1 erfüllt.
In den Anfangsjahren des Sydney Hobart Race waren die Boote ausnahmslos aus Holz, schwere
Kutter, Slups, Yawls, Schoner und Ketschen, die eigentlich eher für das Fahrtensegeln ausgelegt
waren als für den Regattasport.
Als der 628-Seemeilen-Kurs nach Hobart zwischen Weihnachten und Neujahr jedoch immer mehr
Teilnehmer anzog, kamen damit auch neue Designs und Innovationen in Bootsbau, Besegelung und
Rigg. Dacron-Segel und Aluminiummasten lösten in den frühen 50er-Jahren Segeltuch und Holz ab,
dann die ersten Boote aus GFK (glasfaserverstärkter Kunststoff), besser bekannt als Fiberglas. Dann
folgten Aluminium, Stahl (zumeist als Eigenbau) und sogar eine Maxiyacht aus Stahlbeton.
Innovative australische Yachtdesigner wie die Halvorsen-Brüder Trygve und Magnus und die
verstorbenen Allan Payne und Bob Miller (Ben Lexcen) bauten schnellere Yachten. Seither gibt es
die Unterscheidung zwischen Gewinnern nach gesegelter und nach berechneter Zeit. Auch mit Prof.
Peter Joubert, Gelegenheitsdesigner von robusten Cruiser-Racern, und John King bauten wiederum
Australier Siegerboote für das Sydney Hobart. In ihren Fußspuren folgen derzeit erfolgreiche
Designer wie Iain Murray und seine Partner Andy Dovell und Ian „Fresh“ Burns, aber auch Scott
Jutson, David Lyons und Robert Hick.
Der Neuseeländer Bruce Farr begründete schließlich den Trend zu leichten Yachten und hat
damit als bei weitem erfolgreichster Designer Siegerboote in unterschiedlichen internationalen
Handicapsystemen in das Sydney Hobart Yacht Race geschickt, zunächst IOR (International
Offshore Rule) und dann IMS (International Measurement System), welches mittlerweile von der IRC
(International Rule Club 2000) abgelöst wurde.
Die Raumfahrtära hat dann auch den Yachtsport entscheidend beeinfl usst, zuerst im America’s
Cup, danach in Design und Konstruktion von Hochseerennyachten. Durch sie hielten
Kompositkonstruktionen Einzug, bei denen die Bootsrümpfe aus Kevlar und anderen Kunstfasern in
High-tech-Autoklaven (Öfen) geformt wurden.
Seit einigen Jahren wird Kohlefaser sowohl für Rümpfe, Masten und Bäume benutzt als auch in der
Konstruktion der gebräuchlichen Segel wie Großsegel und Genua oder Fock. Die Supermaxi „Wild
Oats XI“ ist das aktuellste Beispiel. Bei ihr wurde für Rumpf, Mast, Baum und Beseglung beinahe
ausschließlich Kohlefaser verwendet.
Fast alle teilnehmenden Yachten im Rolex Sydney Hobart Yacht Race sind slupgetakelt (Großsegel und
ein Vorsegel, Genua oder Fock). Lediglich einige Maxis mit einem großen Dreieck zwischen Vorstag,
Deck und Mast nutzen auf Halbwindkursen zwei Vorsegel, was sie theoretisch zu Kuttern macht.
2005 umfasste das Feld sowohl die kleinen 30-Füßer „Toecutter“, „Tow Truck“ und die Mount Gay 30
„Toll Shipping Prion“, als auch die Einheitsklasse Sydney 38 mit der „Challenge“ und der „Chutzpah“,
dann die Grand-Prix-IRC-Boote der 40 bis 66-Fuß-Kategorie mit bekannten Booten wie „Loki“,
„Quantum Racing“ und „Yendys“ bis zu dem Supermaxis „AAPT“, „Skandia“, „Konica Minolta“, „Alfa
Romeo“ und der Vorjahressiegerin „Wild Oats XI“, eine Reichel/Pugh 98. Dazu kommen quasi als
Stammgäste die Club-Cruiser/Racer, die fast jedes Jahr teilnehmen.
Ein besonderes Kennzeichen des Rennens 2006 war die überwältigende Resonanz von klassischen
Booten mit den drei ehemaligen Gesamtsiegern „Koomooloo“ (1968), „Love & War“ (1974 und 78) und
„Illusion“ (1988) sowie einem ehemals schnellsten Schiff nach gesegelter Zeit, der „Fidelis“ (1966).
Sie wurden von einer ganzen Reihe bekannter Yachten aus der gleichen vergangenen Zeit begleitet
– „Polaris of Belmont“, „Impeccable“, „Bacardi“, „Phillip’s Foote Witchdoctor“, „Magic“ und „BSG on Tap“.
Mehrere Skipper, die das Rennen schon einmal gewonnen haben, werden wieder dabei sein, um
ihr Glück erneut zu versuchen. Dazu gehört auch der zweimalige Gesamtsieger Lou Abrahams aus
Australien. Der 80-jährige Segler bereitet sich auf sein 44. Rennen vor, diesmal als Skipper seiner
Sydney 38 „Challenge“. Damit würde er den Rekord von John Bennetto (†) aus Tasmanien für die
häufi gste Teilnahme einer Einzelperson am Rolex Sydney Hobart Yacht Race einstellen. Auch Tony
Cable, Crewmitglied auf der Davidson 42 „Phillip’s Foote Witchdoctor“ peilt dieses Jahr sein 44.
Rennen an.
Der spannende Kampf um die herausragende Ehre, Erster im Ziel zu sein, verspricht wieder ein
atemberaubendes Schauspiel moderner Technologie von drei 30-Meter-Schwenkkiel-Maxis zu
werden, die sich zum Sturm auf die Bass Strait vorbereiten.
Als Titelverteidiger nach gesegelter und berechneter Zeit sowie Halter des Streckenrekords von
einem Tag, 18 Stunden, 40 Minuten und 10 Sekunden will Bob Oatley mit seiner „Wild Oats XI“ die
Geschichtsbücher neu schreiben, indem er zum dritten Mal in Folge Erster im Ziel ist. Und das, obwohl
er beim Maxi Yacht Rolex Cup in Porto Cervo auf Sardinien (Italien) einen schweren Rückschlag
hinnehmen musste, als der Mast brach.
Mike Slades brandneue Maxi „ICAP Leopard“ aus Großbritannien wird alles daran setzen, einen
Dreifacherfolg der „Wild Oats XI“ zu verhindern. Nachdem er im August bei schwerem Wetter das Rolex
Fastnet Race nach gesegelter Zeit gewonnen hat, hofft Slade nun darauf, mit einem Sieg beim Rolex
Sydney Hobart Yacht Race 2007 seinen zweiten Traum wahr zu machen.
Eine bedeutende Regeländerung aus dem Jahr 2005, der Wegfall der oberen Handicapgrenze, wird
beibehalten. Das ermöglicht allen Booten, ohne jegliche Handicaprestriktion zu segeln, die in der
Vergangenheit bei einigen eine Begrenzung der Segelfl äche, den Verbot von Wasserballast oder
Schwenkkielen oder sogar eine limitierte Masthöhe bedeutete. Nach den neuen Regeln müssen die
Boote mit Schwenkkielen auch keine Beschränkung im Neigegrad mehr berücksichtigen, so dass
sie den Kiel bis an die jeweils vom Design abhängige Grenze maximal schwenken dürfen.
Insofern stehen die Chancen auf einen neuen Kursrekord wieder gut, obwohl das letztlich von den
Windbedingungen abhängt – dafür müssten auf dem Großteil der 628 zu segelnden Seemeilen
Raumschots- oder Vorwindbedingungen herrschen.
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