Pressemitteilung der illbruck Challenge vom Start der 6. Etappe des Volvo
Ocean Race
14. April 2002
„illbruck“ im Massenfrühstart – dennoch mit vorne
Sechs von acht Booten über der Linie / Duell mit „Assa Abloy“ entbrannt /
Proteste drohen
Miami – Das Volvo Ocean Race Round the World 2001-2002 hat am Sonntag in
Miami/USA den wohl ungewöhnlichsten Start in der 29-Jährigen Geschichte
der härtesten Segelregatta der Welt erlebt. Nach zehn Minuten war das Feld
der acht Hochseeyachten auf der sechsten Etappe nach Baltimore im
US-Bundesstaat Maryland bereits drei Seemeilen auseinandergezogen. Der
Grund: Sechs Boote verursachten einen Massenfrühstart und mussten
umkehren. Die Crew der Leverkusener „illbruck“ war auch darunter, merkte
den Fehler jedoch als Erste und drehte sofort ab, um die Startlinie
nochmals zu überqueren. So nahm sie als Dritte die Verfolgung der Frauen
der „Amer Sports Too“ (Finnland/Italien) auf, die erstmals bei der Regatta
an der Spitze des Felds lagen und vor der „Assa Abloy“ (Schweden) führten.
Beim Positionsreport in der Nacht zu Montag waren sie jedoch leicht
zurückgefallen und das Duell an der Spitze mit der „illbruck“ knapp hinter
der „Assa Abloy“ voll entbrannt. Beide Boote haben bisher alle fünf
Etappensiege unter sich ausgemacht und liegen auch in der Gesamtwertung
vorn. Mit der Zielankunft wird am Mittwoch (17. April) gerechnet.
Der segeltechnischen Dramatik bot sich eine Kulisse a la Miami Vice:
Hellblauer Himmel vor Haufenwolken im Hintergrund, tiefblaues Wasser und
weiße Schaumkronen bei Windstärke vier aus Südost. Allein neun
Hubschrauber verfolgten das spannende Geschehen aus der Luft, als die
„illbruck“ (36 Punkte) schon während der Vorstartphase in einen Zweikampf
mit dem härtesten Verfolger in der Gesamtwertung, „Assa Abloy“ (28),
verwickelt war. Obwohl das deutsche Boot das bessere Ende für sich zu
haben schien, gab es beim Wenden Probleme mit der Fockschot und einem
Backstag. Dabei setzte die vier Seemeilen starke Strömung die „illbruck“
frühzeitig über die Startlinie. Beim Startschuss um Punkt 13 Uhr Ortszeit
(19 Uhr deutscher Zeit) wusste Skipper John Kostecki offensichtlich
bereits von dem Fauxpas.
Statt den bereits zu zwei Dritteln gehissten Spinnaker ganz zu setzen,
wurde das große Vorsegel wieder geborgen und das Boot auf der Stelle
gewendet. Als viele den Top-Favoriten schwer verwundet wähnten, hörte
Navigator Juan Vila unter Deck über UKW-Funk von der Wettfahrtleitung
bereits die ganze Wahrheit. „Die anderen fünf sind auch alle drüber“, rief
der Spanier ins Cockpit – und plötzlich war „illbruck“ schon Dritter. Denn
die anderen merkten ihren Fehler erst später, waren bereits unter Spi und
verloren auf dem Rückweg gegen die Strömung viel Zeit. Die australische
„News Corp“ zerriss beim Wendemanöver auch noch ihren Spinnaker, während
die Frauen vorne offenbar zunächst schneller als „Assa Abloy“ unterwegs
waren.
Der kuriose Start dürfte noch ein vielfältiges Nachspiel am grünen Tisch
in Baltimore haben. „Assa Abloy“ informierte die Regattaleitung, dass sie
wegen einer Vorstartsituation einen Protest gegen die „illbruck“ planen.
„Amer Sports One“ (Finnland/Italien), die anfangs Vierter waren,
protestieren gegen „djuice“ (Norwegen), die offenbar eine Regel verletzten
und bereits eine 720-Grad-Strafdrehung gemacht haben. Und „Tyco“
(Bermudas) will wegen des Re-Starts an sich eine Wiedergutmachung von der
Regattaleitung.
Die packende erste halbe Stunde erlebte illbruck Challenge-Chef Michael
Illbruck an Bord, bevor er sich winkend mit einem Hechtsprung vom Heck der
grün-weißen Rennyacht in den Atlantik verabschiedete und vom Begleitboot
aufgefischt wurde. „Das waren phantastische Bedingungen und erlebnisreiche
Minuten, die viel zu schnell vorbei gingen“, bedauerte der 42-Jährige,
dass entgegen früheren Plänen nicht die gesamte Etappe mitsegeln konnte.
VIP-Gäste der Firma illbruck erlebten den atemberaubenden Start von
Zuschauerbooten aus und waren begeistert, als die Yachten unter Spinnaker
vor dem gefüllten Miami Beach entlang segelten.
Für den 875-Seemeilen-Sprint in die Chesapeake Bay haben sich die jüngsten
Wettervorhersagen deutlich verbessert. Hatte illbruck
Challenge-Meteorologe Chris Bedford drei Tage zuvor noch eine hohe
Flautenwahrscheinlichkeit vorausgesagt, wurde der Einfluss einer kräftigen
Hochdruckgebiets über Neufundland immer größer. Der mäßige bis frische
Ostsüdost-Wind soll südlich drehen, aber durchstehen und das Feld mit
guten Geschwindigkeiten unter Spinnaker mit dem Golfstrom nordwärts
tragen. Auf den letzten rund 150 Seemeilen in der weiten Chesapeake Bay
vor Baltimore könnte der Wind allerdings doch wieder schwächer werden.
„Mit etwas Glück bleiben die Teilnehmer dort vor längeren Flauten
verschont, so dass die Positionen vom Eingang der Bucht nicht nochmals
völlig durcheinander geworfen werden“, meint Bedford.
„Wir müssen schon in den ersten 24 bis 48 Stunden vorne dabei sein“,
glaubt auch Skipper John Kostecki, „denn wir wissen nicht, ob es danach
noch viele taktische Möglichkeiten geben wird.“ illbruck Challenge segelt
diese Etappe wieder mit zwei Navigatoren , die rund um die Uhr über Radar
und Internet dem günstigsten Wind auf der Spur sein sollen. Ian Moore, der
bereits zum erfolgreichen Auftakt von Southampton nach Kapstadt an Bord
war, ist für den Segeltrimmer und Steuermann Noel Drennan dabei. „Wir
waren von Beginn an 13 Mann in der Race Crew, also einer in Reserve, und
entscheiden uns jedes Mal von neuem nach den Anforderungen der jeweiligen
Etappe“, erklärte Kostecki den Wechsel.
Unterdessen hat illbruck Challenge am Montag offiziell seine
Herausforderung zum XXXI. America’s Cup mit dem Düsseldorfer Yacht-Club
zurückgezogen. Geschäftsführer Glenn Bourke informierte das Challenger of
Record Management (CORM), dass das Syndikat nicht an den
Ausscheidungsrennen um den Louis Vuitton Cup teilnehmen wird, die am 1.
Oktober in Auckland/Neuseeland beginnen. Die Finanzierung der ersten
deutschen AC-Kampagne in der 151-Jährigen Geschichte der ältesten
Sporttrophäe der Welt war mangels zusätzlicher Sponsoren nicht möglich.
illbruck Challenge konzentriert sich jetzt ganz auf das Volvo Ocean Race
(früher Whitbread Race), das noch niemals von einem deutschen Boot
gewonnen wurde.
Miami, USA, April 14th, 2002
Dramatic start in Miami for leg six of the Volvo Ocean Race
In an extraordinary start in Miami today, six of the eight boats racing in
leg six of the Volvo Ocean Race from Miami to Baltimore were OCS (on
course side) at the sound of the starting cannon and had to return and
re-cross the line.
As the fleet charged towards the start line at 1300 local time, all but
Amer Sports Too and Assa Abloy were on the wrong side of the course. VHF
radio, a gun signal and flag X recalled the boats OCS. A 13-knot
southeasterly breeze had kicked up a one-metre swell as the countdown
began and the incidents occurred.
Lisa McDonald’s team of ladies onboard Amer Sports Too made a perfect
start and led the fleet under spinnaker from Assa Abloy, reaching the
first turning mark 200 hundred metres ahead. Illbruck, the first boat to
realise her error, made a quick correction, returned to the line,
re-crossed and passed the first turning mark in third position,
immediately chipping away at Assa Abloy in second.
In fourth place was Amer Sports One, also very quick to understand what
was going on and return to the line. SEB was in fifth, followed by
Djuice, the only boat to carry a 13th crewmember, allowed under the rules
to sail for media purposes on this leg. Tyco followed Djuice and News
Corp, who appeared to have made the best start, and sailed the furthest,
wrapping her spinnaker tightly round the mast whilst turning back towards
the line and eventually re-crossed in last position.
Earlier overcast skies had greeted the race crews as they made their final
preparations, bade farewell and left the dock to make their way to the
starting area. Monsignor Franklyn Casale, the President of St Thomas
University, the Reverend Raymond Otto – Lutheran Chaplain and Rabbi
Solomon Schiff, gave the traditional blessing of the fleet.
The dock was packed six deep as heavy rain swept across the Race Village.
SEB left the dock as her supporters fired green flares and Assa Abloy
departed complete with Miami High School cheerleaders dancing on the bow
and holding a big banner reading ‘Thank you Miami’.
The fleet paraded down through Government Cut, alongside one of the
biggest luxury cruise liners in the world and out to the start line off
Miami Beach with its colourful hotels outlined against the bright blue sky
less than a quarter of a mile from the committee boat end of the line. On
either side of the start corridor, spectator boats mixed with cruise
liners, sports boats and sailing catamarans to get the best view. Nine
helicopters filled the air and sea was a bright blue with small white
horses glistening in the heat.
The Met Office weather forecast for Miami area and 400 nm towards
Baltimore is very similar to that of yesterday with a high off
Newfoundland expected to slowly east-southeast in to the central north
Atlantic.
Wind: East-southeast force 4 occasional force 5 becoming more
south-southeast later.
Seas: Moderate open waters off Miami, and then moderate or rough in the
more exposed Atlantic waters, north of the Bahamas.
Weather: Scattered showers, locally thundery, most frequent over/near
land, but a few expected over open waters.
The fleet is expected to finish the 875 nm leg to Baltimore on Wednesday
17th April.
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