

|

Volvo Ocean Race 2001/2002

zurück zur Übersicht
1. Oktober 2001
Spannung pur in der Spitzengruppe der „Magic five“
Nach knapp 1.700 Seemeilen weiter nur fünf Seemeilen auseinander
Spannender geht es nimmer: Am achten Tag der ersten Etappe des Volvo Ocean
Race ist die Spitzengruppe der ersten fünf Yachten wieder dichter
zusammengerückt. Nur fünf Seemeilen trennen die Leverkusener „illbruck“
und die „News Corp“ aus Australien von der führenden „Tyco“ (Bermudas).
Dazwischen liegen noch die schwedische „Assa Abloy“ und die finnische
„Amer Sports One“. Bei leichten, häufig wechselnden Winden kämpfen die
Teams um jeden Meter, um als Erste den ersehnten Nordost-Passat zu
erreichen, der sie auf dem Weg von Southampton nach Kapstadt Richtung
Brasilien bringen soll, wo die erste von zwei Wendemarken liegt.
„Wir haben häufig einen Mann im Mast, um die Entwicklung der Brise in der
Umgebung früher zu erkennen. Wir beobachten jede Wolke mit Argusaugen, um
nicht unter ihr einzuparken. Das ist stressiger als jeder Sturmtag bei
Eiseskälte im Southern Ocean“, schrieb Ross Field („News Corp“), der das
Rennen 93/94 gewonnen hatte. Auch auf der „illbruck“ ist die Anspannung
nicht gewichen. „Der Puls schlägt rund um die Uhr so hoch, dass wir kaum
ruhig schlafen können“, so Wachführer Stuart Bannatyne.
Auch die drei Boote am Ende des Felds sind noch längst nicht verloren. Auf
dem Schlusslicht „SEB“, die nach einen Materialbruch zurückgefallen war,
wagt Skipper Gunnar Krantz einen Ausbruch und geht als Einziger zwischen
den Inseln Teneriffa und Gran Canaria hindurch, während die anderen weit
außen auf dem Atlantik die Kanaren umfährt. Am Montag Abend hatten die
Schweden jedoch noch 145 Seemeilen aufzuholen, drei mehr als die
Frauenmannschaft der „Amer Sports Too“ und 35 mehr als die „djuice“
(Norwegen), die ebenfalls frühzeitig Materialprobleme hatte.
Anbei die vollständige Email von Bord von Wachführer Stuart Bannatyne:
Da sind wir wieder – dicht beieinander wie gehabt!
Sonntag, 30. September 2001, 21.04 Uhr
Da sind wir nun wieder in Sichtweite von drei anderen Booten und einem
weiteren direkt hinterm Horizont. Das scheint die Geschichte dieses
Rennens zu werden und folgt dem Trend der Trainingsregatten, sich auch
über lange Distanzen immer wieder dicht an dicht mit den Gegnern zu
messen. Wie wir es alle erwartet haben ist und bleibt es wohl zweifelsfrei
ein Rennen, indem Gewinne und Verluste mit jeder neuen Tabelle (6
Stunden-Report) eher in Metern als in Meilen gemessen werden.
Vielleicht ist es jetzt nach einer Woche an der Zeit, die bisherigen
Ereignisse der ersten Etappe zu rekapitulieren:
Es war toll, mit dem Wind im Rücken zu starten und mit einer guten
Geschwindigkeit aus dem Solent zu segeln. In der letzten Woche vor dem
Start war jeder voller Enthusiasmus, dass es nun endlich losging. Obwohl
wir unsere Familien und Freunde vermissen würden, seufzte jeder in
Erleichterung auf, als wir endlich aus dem Solent fuhren und unserem Job
nachkamen, nämlich ein Rennen nach Kapstadt zu fahren.
Nach einer frustrierenden Periode ohne Wind fingen alle in stetig
zunehmendem Wind an zu kreuzen, – nicht gerade die bequemste Art, in eine
lange Offshorestrecke zu starten. Als die See durch den Wind immer mehr
aufgetürmt wurde, war es einfach unmöglich zu schlafen. Es war eher, dass
man „bewusstlos“ geschlagen wurde wenn man gegen die Decke geknallt ist,
als dass man eingeschlafen wäre. Vielleicht war diese Art Bewusstlosigkeit
eine bessere Methode sich auszuruhen, weil die kurzen Nickerchen immer
abrupt und brutal abgebrochen wurden, sobald das Boot auf die nächste
große Welle traf.
Ab und zu bei einer dieser Begegnungen mit den Wellen, wurde es ganz ruhig
als das Boot fast senkrecht stand, und ich dachte mehr als einmal, dass
mit Sicherheit unser Mast gebrochen ist, oder eine andere Katastrophe
geschehen ist. Ein paar Augenblicke später als mein Puls sich wieder
beruhigt hatte und die Yacht ihr Gleichgewicht wieder hatte, fing die
Schlacht in diesem unerbittlichen Bombardement aus Wind und Wellen wieder
an.
Natürlich hörte dies auch irgendwann wieder auf. Und wir waren auf
Halbwindkurs beim großen Code Zero-Segel angekommen. Wie auch immer der
Stress-Pegel ging nicht runter, und wir waren wieder kurz davor, das
Valium auszupacken.
Der Druck und die Lasten auf diesen Booten ist auch mit diesen übergroßen
bis zum Masttopp gehenden Genuas beängstigend. Obwohl wir nur 13 bis 14
Knoten Wind (Stärke vier) hatten, segelten wir immer am Anschlag und
hofften von Stunde zu Stunde wieder, dass alles halten würde. Wir hatten
Sicherheitsreserven für die Sicherheit ausgelegt, so paranoid waren wir
darüber, durch einen Schaden und die daraus folgende Ausfallzeit in der
nächsten Tabelle möglicherweise viel verloren haben zu können.
Jetzt wird es Zeit für mich zu gehen, um die nächste Wache zu schieben.
Ich bin mehr als glücklich, berichten zu können, dass die Bedingungen
draußen sehr angenehm sind. Eine leichte Brise weht ohne jeglichen das
Boot gefährdeten Druck, um den wir uns sorgen müssten. Aber wir versichern
Euch, die Spannung wird wieder steigen, wenn wir versuchen, unseren Weg
durch erneuten Abend mit Gewittern zu finden. Jedes Einzelne könnte uns
aufhalten und einen großen Verlust bedeuten, wenn wir im Flautenkern
hängen bleiben.
Stu Bannatyne
Wachführer
Weitere Informationen:
Andreas Kling
0172/2578817
akling@illbruck-Challenge.com
http://media.illbruck-Challenge.de
|
Copyright © 1996-2016 - SEGEL.DE
|
|
|