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Volvo Ocean Race 2001/2002
www.VolvoOceanRace.org
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4. Dezember 2001
Über eine Stunde vor der „SEB“ im Ziel
Weiße Weste im Gesamtklassement
Sydney – Die Sonne Australiens warf ein Glanzlicht auf die grün-weiße
Hochseeyacht „illbruck“ aus Leverkusen, als sie unter dem frenetischen
Jubel zahlreicher Begleitboote vor der einmaligen Kulisse des Opernhauses
von Sydney über die Ziellinie der zweiten Etappe der härtesten
Segelregatta der Welt fuhr. Um exakt 11.22 Uhr und 26 Sekunden Ortszeit,
da war es in Deutschland weit nach Mitternacht, feierten Skipper John
Kostecki und seine internationale Crew mit dem Hamburger Tony Kolb einen
grandiosen Comeback-Sieg beim Volvo Ocean Race. Zweite wurde die
schwedische „SEB“, eine Stunde, 13 Minuten und 19 Sekunden zurück, vor der
„News Corp“ aus Australien. Nach dem Auftakterfolg in der ersten Etappe
baute illbruck Challenge die Führung in der Gesamtwertung mit den maximal
möglichen 16 Punkten vor „News Corp“ und „Amer Sports One“
(Finnland/Italien) aus, die beide 12 Zähler aufweisen.
Der berechnende Stratege und Taktiker John Kostecki hatte Tränen in den
Augen. 22 Tage, 13 Stunden, 22 Minuten und 26 Sekunden standen ihm ins
Gesicht schrieben. Denn schon in der ersten Nacht nach dem Start am 11.
November in Kapstadt/Südafrika hatte die „illbruck“ einen Wassereinbruch
gehabt und musste das Feld über 6.550 Seemeilen von hinten aufrollen.
Kostecki: „Der Bug hing so tief unter Wasser. Wir hatten bereits damit
abgeschlossen, nach nur 43 Seemeilen schon wieder zurück in den Hafen zu
müssen.“ Erst nach zwei Stunden war das Leck repariert. Mit schier
unbändigem Kampfgeist und einer vorbildlichen Moral trotzten sie Eisbergen
und schweren Stürmen im Südpolarmeer, um sich nach einer ersten,
kurzzeitigen Führung am 20. November erst vergangenen Sonntag endgültig an
die Spitze des Felds zu setzen.
„Das ist schon fantastisch, was die Jungs machen“, meinte Syndikats- und
Firmenchef Michael Illbruck (41), der zuhause in Deutschland bis in die
späte Nacht wachgeblieben war, um seiner Mannschaft per Telefon zu
gratulieren. Er konnte nicht nach Sydney kommen, „aber spätestens in
Auckland bin ich wieder dabei.“ Fast vier Jahre nach der Bekanntgabe der
Teilnahme von illbruck Challenge am Round the World Race in Düsseldorf
erntet das Projekt als Image- und Sympathieträger seines internationalen
Unternehmens aus der Bauindustrie jetzt den Lohn für die gewissenhafte
Vorbereitung.
Dabei drohte schon wenige Stunden nach dem Start in Kapstadt alles vorbei
zu sein. Hunderte Liter Wasser waren ins Vorschiff eingedrungen. „Ich habe
mit der Eisensäge ein Stück Kunststoff aus dem Fußboden gesägt und das
offene Loch mit Akkubohrer und Dichtmasse geschlossen“, beschrieb der
gelernte Bootsbauer Tony Kolb die provisorische Reparatur. Der 15
Zentimeter im Durchmesser große Drehverschluss einer Inspektionsluke am
Vorstag ganz vorne am Bug war bei stürmischen Böen und hohen Wellen
schlicht herausgeflogen. Die gesamte Bugsektion des mit wasserdichten
Schotten unterteilten Boots war voll Wasser gelaufen. „Noch fünf Minuten,
und wir wären richtig in Schwierigkeiten gekommen“, meinte Wachführer Mark
Christensen.
Der Doktor an Bord der „illbruck“ musste anschließend auch eine Platzwunde
an der Stirn des zweiten Vorschiffsmanns Stu Bettany nähen. Damit nicht
genug: Das Steuerpodest zerbrach, als eine Monsterwelle den Steuermann
umspülte, Spinnaker rissen ein und wurden unter Deck geflickt, und, und,
und. „Ich war schon häufiger im Southern Ocean, aber dieses Mal war das
Schlimmste“, berichtete der weitere Wachführer Stuart Bannatyne. „Es war
kalt und nass und nass und kalt“, brachte es Kolb auf den Punkt, „aber
genau so wie ich es erwartet hatte.“ Mastmann Jamie Gale; der zuletzt
seine angeschwollenen, steifen Finger morgens kaum noch bewegen konnte,
machte es noch kürzer: „Es war die Hölle.“
Nach einer schnellen letzten, der 22. Nacht auf See, als die „illbruck“
mit rund 15 Knoten im Durchschnitt (mehr als 25 km/h) dem Ziel
entgegenrauschte, spannte sie Familien, Freunde und Fans nochmals mächtig
auf die Folter. Der Wind war vor Sydney Harbour eingeschlafen und zögerte
die Triumphfahrt unter der legendären Harbour Bridge hindurch hinaus.
Indes füllte sich die Promenade von Darling Harbour, der Schokoladenseite
der Olympiastadt 2000, mit segelbegeisterten Einheimischen. Mütter mit
ihren Kindern waren mit einem Wassertaxi gestartet und jubelten ihren
Männern und Vätern bereits auf dem Wasser zu, die sie wenig später in die
Arme schlossen und nicht wieder hergeben wollten.
Der deutsche Generalkonsul von Australien, Mattias Wertell, übergab mit
Regattachef Helge Alten als Erster an Bord die Kristalltrophäe für den
Etappensieg. Als John Kostecki den Korken der Magnumflasche Champagner
knallen ließ und das köstliche Nass in einer weißen fontäne über seine
Crew ausbreitete war es offiziell. Fast zeitgleich passierte die „SEB“ die
Ziellinie und rehabilitierte sich für den sechsten Platz in der ersten
Etappe. Die Crew von Skipper Gunnar Krantz hatte im Südpolarmeer einen
neuen Klassenweltrekord aufgestellt, in dem sie 460,1 Seemeilen in 24
Stunden zurücklegte. Den Sieg vergab sie bei einem missglückten Manöver in
der drittletzten Nacht, als sie völlig aus dem Ruder lief, ein Spinnaker
zerriss und die „illbruck“ mit Top-Speed vorbeizog.
Der Abschnitt durch das Südpolarmeer machte seinem Ruf als vielleicht
härteste der neun Etappen alle Ehre. Nicht nur „illbruck“, die in der
ersten Nacht auch noch die Windmessinstrumente vom Masttopp verlor und
„mit Gespür“ durch den Southern Ocean segeln musste, erlitt mehrere
Schäden. Am schwersten traf es die „Tyco“ (Bermuda), die mit Ruderbruch
aufgeben und zurück nach Südafrika musste. Auf der „Amer Sports One“ wurde
Crewmitglied Keith Kilpatrick von der Seenotrettung abgeborgen, nachdem er
zunächst aus der Luft mit Medikamenten bei Verdacht auf einen
Darmverschluss versorgt wurde.
„Natürlich ist unser Ergebnis bisher optimal, aber bei sieben ausstehenden
Etappen ist alles andere als eine Vorentscheidung gefallen“, sagte Skipper
Kostecki abschließend. Das Volvo Ocean Race führt über insgesamt 32.700
Seemeilen in neun Etappen über die weiteren Stops Auckland/Neuseeland, Rio
de Janeiro/Brasilien, Miami und Baltimore/Annapolis (USA) sowie La
Rochelle (Frankreich) und Göteborg/Schweden zu segeln. Ziel ist am 9. Juni
2002 in Kiel. Das Rennen kann im Internet unter
http://www.illbruck-Challenge.de direkt verfolgt werden.
illbruck Challenge ist ein hochkarätiges, internationales Segelprogramm,
das durch die PINTA schon seit 30 Jahren Erfolge auf verschiedenen
renommierten Regatten gefeiert hat. Das Racing Team verkörpert die
gleichen leistungsorientierten Qualitäten der Firmenphilosophie: Erfolg
durch Motivation, Flexibilität und Teamgeist. illbruck Challenge ist das
Imagemedium und Leitbild für illbrucks globale und internationale
Unternehmensidentifikation. Nun nimmt illbruck Challenge an zwei Regatten
teil, die beide zu den „Kronjuwelen“ des Sports gehören: das Volvo Ocean
Race als härteste Hochseeregatta der Welt und der America’s Cup, die
Top-Matchrace-Regatta und älteste Sporttrophäe der Welt. illbruck
Challenge repräsentiert den Düsseldorfer Yachtclub in Deutschlands erster
America’s Cup-Herausforderung überhaupt.
illbruck wurde am 1. Oktober 1952 gegründet und ist ein privatgeführtes
internationales Unternehmen, das weltweit mit Standorten vertreten ist. Im
Kerngeschäft werden innovative Bausysteme entwickelt, produziert,
vertrieben, montiert und gewartet. Die Palette umfasst
anwenderorientierte, komplexe und hochwirksame Systemlösungen vom
Badewannenträger bis zu Fenster- und Fassadenabdichtungen. Dabei wird
großer Wert auf das Angebot kompletter Dienstleistungen vom Planen und
Projektieren bis zum Abwickeln gelegt. Die internationalen Aktivitäten
sind in die unabhängigen Geschäftsbereiche Abdichtungssysteme,
Sanitärsysteme und Raumakustik sowie die zusätzlichen Geschäftsfelder
Filter- und Isolationssysteme aufgeteilt.
5. Dezember 2001
John Kostecki: „Diese Etappe war brutal“
Ein Interview mit dem illbruck Challenge-Skipper nach dem Sieg in Sydney
Nach einem erneut famosen Endspurt gewann die Leverkusener Hochseeyacht
„illbruck“ auch die zweite Etappe des Volvo Ocean Race Round the World
2001-2002. Am Ende der 6.550 Seemeilen langen Strecke von Kapstadt nach
Sydney hatte die Crew zum zweiten Mal auf dem letzten Seemeilen einen
knappen Vorsprung herausgearbeitet, nachdem sie bereits in der ersten
Nacht durch einen Wassereinbruch in ernsthafte Schwierigkeiten geraten
war. Wir fragten Skipper John Kostecki (37) nach den Schlüsselsituationen
auf der vielleicht härtesten der neun Etappen einmal rund um die Welt:
Frage: „Herr Kostecki, die Crew wirkt kaputt und müde, aber zufrieden. Wie
hart war der Trip durch den Southern Ocean nach mehr als 22 Tagen?“
Kostecki: „Es war hart, sehr hart. Es war mit Sicherheit die härteste
Regattaetappe, die ich je rund um die Welt gesegelt bin. Dieses Rennen ist
brutal, und der Körper muss dem Tribut zollen.“
Frage: „Was war das Schlimmste da draußen auf hoher See?“
Kostecki: „Sicherlich die Kälte. Es war immer kalt, ein Tag kälter als der
andere. Und nass dazu. Das ist unheimlich brutal und zehrt. Wir konnten
uns erst am Tag vor dem Zieleinlauf aufwärmen, als wir endlich in wärmeres
Wasser segelten.“
Frage: „Beinahe wäre ihnen die Strapaze ‚erspart’ geblieben, denn sie
hatten schon in der ersten Nacht etwa 43 Seemeilen nach dem Start einen
gravierenden Wassereinbruch. Wie haben sie das gemerkt?“
Kostecki: „Wir hatten gerade das Vorsegel gewechselt, als der Bug
irgendwie zu tief im Wasser hing. Ich sagte zu unserem Wachführer Stuart
Bannatyne, der steuerte: ‚Das sieht nicht normal aus’ und er antwortete:
‚Und das fühlt sich auch nicht normal an’. Wir schickten Ross Halcrow
unter Deck, um zu prüfen, ob da vielleicht Wasser hereinläuft. Er öffnete
die Durchgangsluke ins vordere Schott, da kam ihm das Wasser auch schon
entgegen.“
Frage: „Wo kam das Wasser her und wie haben sie den Einbruch gestoppt?“
Kostecki: „Das war schwierig, da wir zunächst gar nicht wussten, wo das
überhaupt herkam. Das Boot ließ sich bald gar nicht mehr steuern, und im
Sturm brachen die Wellen über dem Bug zusammen. Wir haben dann alles
Gewicht nach hinten verlagert und das Boot gedreht. Als wir merkten, dass
der Schraubverschluss der Inspektionsluke am Vorstag weggeflogen war,
deckten wir das Loch an Deck mit einem Segel ab und begannen unter Deck zu
Pumpen und zu Schöpfen. Tony Kolb hat es anschließend mit einem
ausgesägten Stück Bodenbrett provisorisch repariert.“
Frage: „Hatten Sie Angst, zu sinken?“
Kostecki: „Es war schon eine sehr brenzlige Situation, aber aufgrund der
hervorragenden Bauweise dieser Boote laut Vorschrift ist dieses Schott
wasserdicht. Aber wir hatten auf jeden Fall befürchtet, dass die Etappe
für uns vorbei sei und wir zurück nach Kapstadt in den Hafen müssten.“
Frage: „Jeder Freizeitsegler wäre wahrscheinlich so oder so umgekehrt.“
Kostecki: „Wir sind Profis und haben nur ein Ziel vor Augen: Wir wollen
das Volvo Ocean Race gewinnen. Die gesamte Crew hat sich gegenseitig
motiviert und das Superteam der illbruck Challenge an Land hat uns Mut
gemacht, auf die Aufholjagd zu gehen. Wir hatten ja dadurch gleich 20
Seemeilen Rückstand.“
Frage: „Und keine Windinstrumente mehr.“
Kostecki: „Ja, die sind leider auch in der sehr rauen ersten Nacht vom
Mast gekommen. Weil die gesamte Halterung weggebrochen war, haben dann
unsere Ersatzinstrumente am Heck montiert. Dort messen sie aber lange
nicht so gut wie auf der Mastspitze. Also mussten wir uns dann im
Südpolarmeer überwiegend auf unsere Gespür für den Wind verlassen.“
Frage: „Darauf können sie sich offenbar verlassen. Oder was hat es
ausgemacht, diese Etappe nach solchen Problemen sogar noch gewinnen zu
können?“
Kostecki: „Wir haben einfach ein fantastisches Team, das unermüdlich
gekämpft hat.“
Frage: „Wann waren Sie sich sicher, dass die Etappe gewonnen ist?“
Kostecki: „Erst ganz zum Schluss, als wir in den Hafen von Sydney
eingebogen sind. Draußen an Küste kam mächtig Wind auf, und wir mussten
ein paar Mal halsen. Da kann immer noch etwas Unvorhergesehenes bei
passieren.“
Frage: „Sicher sind alle froh, wieder an Land zu sein. Freuen Sie sich
überhaupt, am 2. Weihnachtstag wieder in See zu stechen, oder graut Ihnen
davor?“
Kostecki: „Klar sind wir richtig happy, unsere Familien und Freundinnen
wiederzusehen und mit ihnen ein paar schöne Tage in Sydney zu genießen.
Aber gerade das Sydney-Hobart-Race mit der Fortsetzung nach Auckland wird
ein besonderes Erlebnis und ein wichtiger Teil der gesamten Regatta.
Voriges Jahr war es sehr hart, und wir hoffen zumindest, dass wir den
stürmischen Wind diesmal nicht von vorn sondern vielleicht von hinten
haben werden.“
Kurzbiografie:
John Kostecki, Skipper
Als Skipper trägt Kostecki die sportliche Gesamtverantwortung des Projekts
illbruck Challenge. Das reicht von der Crewauswahl und den
Trainingsmaßnahmen im Vorfeld bis zur Strategie während des Rennens. Er
stützt sich dabei auf seine enorme Erfahrung als Olympischer
Silbermedaillengewinner, zweimaliger America’s Cup-Taktiker, zehnfacher
Weltmeister verschiedener Einheitsklassen und Whitbread-Teilnehmer.
Geboren am 7. Juni 1964 in Pittsburgh/USA
Ledig, wohnt in Leverkusen
Soling-Weltmeister 1986 und 88
Soling-Silber Olympia 1988
Eintonner-Weltmeister 1994
Mumm 36-Weltmeister 1996, 97 und 98
Whitbread Race 97/98, „Chessie Racing“
America’s Cup 1995, „Young America“-Taktiker
America‘s Cup 2000, „AmericaOne“-Taktiker
Weitere Informationen sowie Foto- und Filmmaterial über:
Andreas Kling
0061/439/894241
(0172/2578817)
akling@illbruck-Challenge.com
http://media.illbruck-Challenge.de
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