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Volvo Ocean Race 2001/2002
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Nachtflaute parkte „illbruck“ ein / Re-Start als Sechster
„Assa Abloy“ gewinnt Sydney-Hobart-Race / Knapp 47 Minuten Rückstand
Hobart – Einen dramatischen Wirbelsturm hatten sie überstanden und hart am
Wind bei zehn Meter hohen Wellen geführt. Dann wurde die Leverkusener
Hochseeyacht „illbruck“ auf der dritte Etappe des Volvo Ocean Race am Ende
des Sydney-Hobart-Race in einer Flaute gefangen gehalten und musste sich
beim Kurz-Stop auf Tasmanien mit Platz sechs zufrieden geben. Mit knapp 47
Minuten Rückstand hinter dem Sieger der Teilstrecke, „Assa Abloy“
(Schweden) starteten Skipper John Kostecki und seine Crew am Sonnabend
Nachmittag von Tasmanien Richtung Auckland/Neuseeland, wo die 2.050
Seemeilen lange Etappe am 3./4. Januar zuende geht.
„Es war ausgesprochen frustrierend, als erste in das Flautenloch
hineinzufahren“, berichtete Kostecki während des Pit-Stops in Hobart.
„Zunächst schlossen fünf andere Volvo-Boote zu uns auf, die dann kurz nach
Sonnenaufgang auch noch alle vor uns wieder losfuhren.“ Das passierte nach
mehr als 600 Seemeilen teils extremer Bedingungen nur rund 20 Seemeilen
vor dem Ziel. Für rund acht Stunden war die „illbruck“ eingeparkt und
bewegte sich kaum. „Zum Glück haben wir ja noch zwei Drittel vor uns“, so
Kostecki weiter, „und auch solche Flauten gehören halt zum Hochseesegeln.“
Zu keiner Zeit hatte sich die „illbruck“-Crew jedoch gehen lassen, kämpfte
auch bei ein bis zwei Knoten Wind mit diversen Segelwechseln um jeden
Meter. „Wir haben gearbeitet wir die Löwen“, meinte der Hamburger Tony
Kolb, „auch wenn das bei fast totaler Flaute widersinnig klingt.“ Auf der
Zielgeraden gab es noch ein Zweikampf mit der australischen „News Corp“,
die hinter illbruck Challenge in der Gesamtwertung des Volvo Ocean Race
auf Rang zwei liegt. Eine Minute und fünf Sekunden lag der Gegner um kurz
nach halb elf Uhr vormittags in Hobart (nach Mitternacht in Deutschland)
vorn, das waren nur 80 bis 100 Meter nach dem Re-Start. „Das Rennen ist
noch völlig offen“, gab auch der führende „Assa Abloy“-Skipper Neil
McDonald zu, der sein Boot beim Start am 2. Weihnachtstag als Allerletzter
aus Sydney heraus gesteuert hatte.
Während die anderen Teilnehmer des Syndey-Hobart-Race den Zieleinlauf mit
Bier und Champagner feierten, mussten sich die Weltumsegler mit Wasser und
Cola zufrieden geben, zu denen Volvo Ocean Race-Chef Helge Alten
persönlich ein paar Pizzas an Deck reichte. Die strengen Pit-Stop-Regeln
erlaubten den Mannschaften auch keinerlei Materialtausch, obwohl es einige
Schäden gegeben hatten. Nur Navigator Juan Vila erhielt die Erlaubnis, von
Bord zu gehen. Er musste zum Zahnarzt. Eine bösartige Schwellung entpuppte
sich als Entzündung – zwei Zähne wurde gezogen.
Bevor der geborene Spanier zurück an der Pier war, hatte der Holländer
Dirk de Ridder schon seine Geburtstagstorte angeschnitten. Zum 29. gab es
nicht nur Sahnestücke, sondern auch ein „Happy Birthday“-Ständchen der
kleinen Gruppe mitgereister Fans sowie der eigenen Crewmitglieder. Der
Leckerbissen schmeckte ihm nach eingehender Seekrankheit, wie sein
Wachführer Mark Christensen von Bord berichtete, besonders gut. Auch die
gegrillten Hähnchenschenkel, die letzten für eine weitere Woche auf hoher
See, fanden reißenden Absatz.
In der wärmenden Sonne bei leichter Brise dachte die Mannschaft nochmals
an den unheimlichen Wirbelsturm zurück, der sie in den ersten 24 Stunden
des Rennens nur knapp verfehlte. „Ich war auf dem Vorschiff und nahm die
Genua zwei so schnell es ging runter“, erinnerte sich Tony Kolb. „Das
Wasser flog nur so durch die Luft. Wir wussten auch nicht, was wirklich
passiert wäre, wenn wir da mitten rein geraten wären. Ich dachte schon an
einen schlechten Film, in dem alles, wirklich alles hochgesogen wird.“ Der
Schwede Ludde Ingwal, Skipper der Maxi-Yacht „Nicorette“, die genau im
Zentrum des Tornados war, erzählte von den schrecklichsten Minuten seinen
Lebens: „Die Yacht lag ohne Segel mit dem Mast flach auf dem Wasser. Ich
klammerte mich mit beiden Armen irgendwo fest, während die Beine vom
starken Sog nach oben gezogen wurden. Es müssen 120 oder vielleicht noch
mehr Knoten Wind gewesen sein.“
Deutlich zu erkennen waren auch die Spuren an Bord der „illbruck“. Der
Windanzeiger (Windex-Anlage) am Masttopp war nur noch ein Pfeil ohne
Richtungswinkel, die Flicken am Großsegel hervorgehoben. Und es hatte
wieder einen Wassereinbruch gegeben. „Es war wieder die Inspektionsluke im
Bug“, sagte Kolb, „doch diesmal hatte sich der gesamte Rahmen gelöst.“
Wieder musste der gelernte Bootsbauer eine Stück Bodenbrett aussägen –
„das gerade zuvor ersetzte“, so Kolb augenzwinkernd – und mit Dichtmasse
das Leck schließen, nachdem die Crew das Wasser ausgeschöpft hatte.
Gestärkt und erfrischt machte sich die „illbruck“-Zwölf auf die
Verfolgung. Bei auffrischender südlicher Brise aus dem Derwent River vor
Hobart heraus verwickelte sie die „News Corp“ sofort in einen Zweikampf.
Gleichzeitig nahmen beide Teams zehn Minuten nach dem Re-Start die großen
Code Zero-Vorsegel herunter und wechselten auf eine normale Genua. Vor
ihnen fuhr die norwegische „djuice“ noch länger ihr Code0, der Vorsprung
schien jedoch zu schmelzen. Die zweitplazierte „Amer Sports One“, die als
Einzige in der Storm Bay einmal wenden musste, sah sich im Matchrace mit
der „Tyco“ (Bermuda) wieder. Ausgesprochen wechselhafte Wetterverhältnisse
mit viel Leichtwind soll das Rennen auch über den Jahreswechsel hinaus
spannend halten.
Grüße an alle
Crusty
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