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Volvo Ocean Race 2001/2002
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Tagesberichte
7. Tag der 3. Etappe des Volvo Ocean Race
1. Januar 2002
Doch sportlich machte die „illbruck“ Neujahr einen Platz gut und ist jetzt
Vierter
Auckland – Es sollte ein bisschen gemütlich werden um Mitternacht an
Sylvester – auch auf der Leverkusener Hochseeyacht „illbruck“, die derzeit
in der dritten Etappe des Volvo Ocean Race von Sydney nach Auckland
segelt. Doch pünktlich zum Jahreswechsel legte der Wind von vier auf
sieben Beaufort zu und bescherte der Crew einen arbeitsreichen Start ins
Jahr 2002. Immerhin machte sie dabei Boden gut und lag am Neujahrsmorgen
vier Seemeilen vor der „Tyco“ (Bermuda) und nur eine hinter der „News Corp
“ (Australien) auf Platz vier. Rund 700 Seemeilen vor dem Ziel führte die
„Assa Abloy“ (Schweden) klar vor der „Amer Sport One“ (Italien).
„Die Wunderkerzen waren feucht geworden und die Zigarren mies“, berichtete
Richard Clarke von Bord der „illbruck“. Der Smutje hatte sich eine kleine
Feierzeremonie ausgedacht, doch der auffrischende Wind hatte diese jäh
zunichte gemacht. „Irgendwie läuft unsere Maschine diese Etappe nicht rund
“, so der Steuermann und Segeltrimmer weiter. Nach einer langandauernden
Führung im ersten Teil beim Sydney-Hobart-Race war die „illbruck“ kurz vor
dem Zwischenstop in einer Flaute hängen geblieben, und musste das Rennen
als Sechster wieder aufnehmen. Später lief sie in einer Sturmbö heftig aus
dem Ruder und musste 20 Minute klariert werden, bevor weitergesegelt
werden konnte.
Obwohl die Mannschaft um Skipper John Kostecki und den Hamburger
Vorschiffsmann Tony Kolb die Hoffnung auf eine mögliche Flaute für die
vorderen beiden Boote nicht aufgegeben hat, konzentriert sie sich seit
drei Tagen auf dem Zweikampf mit der „News Corp“, die in der Gesamtwertung
mit vier Punkten Rückstand härtester Verfolger ist. Skipper Jez Fanstone
deckt das deutsche Boot konsequent ab und reagiert auf jede noch so kleine
taktische Kursänderung sofort. Am Cape Reinga, der Nordspitze Neuseelands,
soll es nochmals Überholmöglichkeiten geben. In Auckland werden die Boote
zwischen dem 3. und 4. Januar erwartet.
Weitere Informationen:
Andreas Kling
Tel: 0061/439/894241
(0172/2578817)
akling@illbruck-Challenge.com
http://media.illbruck-Challenge.de
http://www.illbruck.com
Nachfolgend der Bericht von Richard Clarke zum Jahreswechsel an Bord der
„illbruck“:
Nächstes Jahr, versprochen...
1. Januar 2002, 3.24 Uhr
Ein frohes neues Jahr, liebe Regattafans!
Der Fluch dieser Etappe, der auf uns zu liegen scheint, hat sich
vergangene Nacht fortgesetzt, als meine sorgfältigen Pläne für den
Jahreswechsel platzten. Es scheint, dass wir unseren Rhythmus nicht finden
können. Das Wetter macht selten das, was wir vorhersehen. Und auch auf
unserem Boot funktioniert einiges nicht wie gewohnt. Das war vorige Nacht
nicht anders...
Weil ich für das Essen an Bord verantwortlich bin, kann ich ab und zu ein
paar Extras in die Verpflegungstaschen packen. Wenn zum Beispiel jemand
von der Crew Geburtstag hat, geben die Partner mir meist einige
Kleinigkeiten mit (erinnert Euch an Rays 30.). Um das Neue Jahr feierlich
zu begrüßen, hatte ich mir auch etwas ausgedacht. Weil wir ja immer streng
auf zusätzlichen Ballast verzichten müssen, blieben Champagner und Kavier
an Land, aber Wunderkerzen und Zigarren kamen mit. Der Plan war, kurz vor
Mitternacht unter Deck zu gehen, einige Wunderkerzen anzuzünden und mit
dem Ruf „Happy New Year“ aus dem Niedergang herauszuspringen. Dann wollte
ich jedem eine Zigarre reichen, diese ebenfalls entfachen und mit allen
über die guten Vorsätze fürs neue Jahr plaudern.
Um 23 Uhr sah es gut aus und lief nach Plan. Moderate Brise, Code Zero
gesetzt, Bedingungen wie beim gemütlichen Fahrtensegeln. Doch um 23.15 Uhr
nahm der Wind von 15 auf 18...20...22...24 und schließlich 25 Knoten zu.
Dadurch hatten wir natürlich jede Menge zu tun. Zunächst wechselten wir
auf den asymmetrischen Spi, dann kurz vor Mitternacht auf dem
Masttop-Spinnaker (ich werde direkt nach diesem Wechsel zu den
Wunderkerzen kommen, dachte ich noch). Dann nahm der Wind von 25 auf 30
Knoten weiter zu und blies in Stärke sieben für den Rest meiner Wache.
Irgendwann kurz nach Mitternacht schaute ich Cheese (Dirk de Ridder) an
und sagte „Happy Bloody New Year“ (wobei ich ein anderes Wort als ‚bloody’
benutzt habe). Zumindest kündigte sich das neue Jahr mit Schwung an.
Also blieb mir nichts anderes übrig, als am Ende meiner Wache zwei
Wunderkerzen und eine Zigarre zu holen, und leise zu versuchen, sie
anzuzünden. Aber wer hätte das gedacht, sie wollten nicht brennen. Erst
nachdem ich beinahe das ganze Boot in die Luft gesprengt hätte und fast
das gesamte Butangas aus dem Brenner in der Pantry verbraucht hatte,
gelang es mir, eine Wunderkerze zu entzünden. Wir reichte etwas herum, was
sich als miserable Zigarre entpuppte, und ich verkroch mich lieber in
meine Koje.
Ein positiver Aspekt ist, dass heute alles besser zu laufen scheint. Wir
sind zurück auf einem knappen Halbwindkurs bei Starkwind, was zwar nie
komfortabel ist, doch es sieht so aus, als wenn wir gegen ‚Tyco’ und ‚News
Corp’ Boden gut machen. Wir hatten das richtige Segel oben, als es
gebraucht wurde, und scheinen allmählich in einen Fluss zu kommen. Es ist
ein schönes Gefühl, wenn die Maschine rund läuft und wir in die
gewünschten Bewegungen hinein kommen, anstatt hin- und hergebeutelt zu
werden.
Im Namen von uns allen auf der ‚illbruck’ wünsche ich Euch ein friedliches
und glückliches neues Jahr. Und meiner Frau Andria: Nächstes Jahr,
versprochen.
Richard Clarke
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