Volvo Ocean Race 2001/2002

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Tagesberichte

4. Januar 2002
illbruck Challenge nach dramatischem Zweikampf-Sieg mit viertem Platz zufrieden
„News Corp“ im Matchrace-Stil bezwungen / „Assa“ vor „Amer One“ und „Tyco“ vorn

Auckland – Er gilt als undankbarer Platz und doch ist das illbruck Challenge-Team mit dem vierten Rang in der dritten Etappe des Volvo Ocean Race zufrieden. Denn nach zwei sensationellen Etappensiegen zum Auftakt verteidigte die Mannschaft um Skipper John Kostecki damit die Führung in der Gesamtwertung mit 21 Punkten vor der „Amer Sports One“ (Finnland/Italien). Sie kommt nach ihrem zweiten Platz in Auckland auf 18 Zähler und ist jetzt härtester Verfolger. Skipper Grant Dalton löste das nun drittplatzierte australische „Team News Corp“ (16) ab, das in einem dramatischen Finish am Freitag Vormittag um 9.22 Uhr Ortszeit (Donnerstag 21.22 Uhr in Deutschland) von der „illbruck“ bezwungen wurde. Den Etappensieg holte die schwedische „Assa Abloy“ (15) und rückte auf Rang vier vor, gefolgt von der „Tyco“ (Bermudas/12), die sich in einem Dreikampf mit der „illbruck“ und der „News Corp“ den dritten Platz auf dem Podium gesichert hatte.
„Letztlich sind wir glücklich und zufrieden“, brachte John Kostecki auf den Punkt, was wohl alle an Bord dachten. Obwohl sie die „Medaillen“ diesmal verpasst haben, zählte allein der hauchdünne Sieg gegen die „News Corp“. Nach 2.050 Seemeilen und mehr als acht Tagen war das deutsche Boot am Ende ganze zwei Minuten und 13 Sekunden eher im Ziel. „Es war ein spannendes, hartes und knappes Rennen von Anfang bis zum Ende“, so der „illbruck“-Skipper weiter, „und wir haben hier und da ein paar Fehler gemacht. Aber unterm Strich sind wir weiter vorn. Das war uns wichtig.“
Mehrere hundert Zuschauer hatten bei strömenden Regen auf einer Großleinwand in der Hobson Wharf das Herzschlag-Finale verfolgt. Zunächst war die „Tyco“ eine halbe Seemeile zurück ausgebrochen und hatte ihr Heil auf einem Kurs außen um die Insel Tiritiri herum gesucht und gefunden. Während „illbruck“ und „News Corp“ unter Spinnaker dicht an dicht lagen und „News Corp“-Skipper Jez Fanstone immer wieder durch Halsen Angriffe startete, segelte sein Pendant Kevin Shoebridge einen verloren geglaubten Dreikampf zum Erfolg. Vier Minuten und zwei Sekunden Vorsprung standen im Ziel zu Buche.
Wenige hundert Meter vor dem Ziel kam die „News Corp“ dagegen bis ans Heck der „illbruck“ heran und lag wenig später auf dem anderen Bug fast gleichauf. Am Steuer der „illbruck“ zu dem Zeitpunkt Wachführer Mark Christensen: „Nein, nervös war ich nicht. Ich war ziemlich zuversichtlich, dass wir den Angriff abwehren können.“ Als die Boote um die Landzunge North head kamen, fiel die Entscheidung. Die „News Corp“ geriet auf der Innenseite in die größere Windabdeckung, wurde langsamer und sackte achteraus.
Seit Mittwoch Abend war der Dreikampf bereits so knapp gewesen, das meist alle Mann an Deck blieben und keiner mehr zur Freiwache kam. „Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal länger als 20 Sekunden geschlafen habe“, meinte der Hamburger Tony Kolb, „das muss schon 36 Stunden her sein.“ Der Vorschiffsmann wurde vor allem bei den zahlreichen Segelwechseln gebraucht, weil die Winden ausgesprochen wechselhaft war. In den Morgenstunden fielen Böen bis Stärke sieben ein, die allen Crews schwer zusetzten. Bei einer Halse unter großem Masttoppspinnaker lief auch die „illbruck“ kurz aus dem Ruder, war aber nach wenigen Minuten wieder auf Kurs.
Als die siegreiche „Assa Abloy“ in die Hobson Wharf von Auckland eingelaufen war, hatte der Himmel seine Pforten geöffnet, und es regnete in Strömen. Dennoch waren am frühen Morgen einige hundert segelverrückte Neuseeländer zum Hafen gekommen, um mit dem schwedischen Team zu jubeln. Kaum am Dock und beglückwünscht musste Skipper Neil McDonald auch schon ein unfreiwilliges Bad im Hafenbecken nehmen. Seine Crew warf ihn schlicht über Bord. „Assa Abloy“ war als Mitfavorit in die härteste Segelregatta gestartet, allerdings in den ersten beiden Etappen deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben.
Auf Platz sechs lief die norwegische „djuice“ ein, während die Frauen der „Amer Sports Too“ nach Bruch des Vorstags und Ruderproblemen im ersten Teil der Etappe von Sydney nach Hobart für ihren Weg nach Auckland noch bis Sonntag brauchen werden. Ihnen bleibt der Lohn des siebten und vorletzten Platzes, da die „SEB“ (Schweden) wegen Ruderbruchs frühzeitig aufgeben musste.
Zurück an Land wurden bei allen nochmals die Erinnerungen an den ersten Abend der Etappe wach, als ein Wirbelsturm durch das Teilnehmerfeld des Sydney-Hobart-Race zog, das den ersten Abschnitt der Teilstrecke nach Auckland bildete. John Kostecki: „Es war wie in einem Film, einfach unglaublich, was sich da abspielte.“ Obwohl der Tornado nach verzweifelten Ausweichmanövern der „illbruck“ knapp vorbeizog, erlebte die Mannschaft bis zu 63 Knoten Wind. Das ist mehr als Orkanstärke.
Den außergewöhnlichen Sturm mit einer turbulenten Wasserhose folgte zwei Tage später eine große Flaute vor der Einfahrt in die Storm Bay nach Hobart. „Dort haben wir uns auch taktisch etwas verkalkuliert und parkten lange Zeit ein“, erklärte Kostecki. Von der Spitze fiel die „illbruck“ auf den sechsten Platz zurück und musste nach einem dreieinhalbstündigen Kurzstop eine Aufholjagd starten. Doch mit ihrer Strategie, einen nördlichen Kurs zu steuern, waren die „Assa Abloy“ und „Amer Sports One“ frühzeitig davongezogen. „Wir werden aus diesen Fehlern lernen und am Start der vierten Etappe stärker denn je sein“, so John Kostecki abschließend.
Das Volvo Ocean Race führt über insgesamt 32.700 Etappen einmal rund um die Welt. Die weiteren Stationen nach Auckland sind Rio de Janerio/Brasilien, Miami und Baltimore-Annapolis/USA, La Rochelle/Frankreich und Göteburg/Schweden. Ziel ist am 9. Juni 2002 Kiel an der Ostsee. Alle Etappe werden nach Punkten gleich hoch bewertet; der Sieger bekommt acht Zähler, der Zweite sieben usw.

Gesamtstand nach drei von neun Etappen:
1. illbruck 21 Punkte
2. Amer Sports One 18
3. News Corp 16
4. Assa Abloy 15
5. Tyco 12
6. SEB 11
7. djuice 10
8. Amer Sports Too 5

Volvo Ocean Race Position Report, Day 10, 0400 GMT
Yacht Latitude Longitude DTF CMG SMG TFHR DTL DTL-C ETA PO
ATOO 35 29.00S 169 52.36E 00354 103 13.5 12.9 00000 +00000 05 JAN 02 21:07-- 5

OVERALL POSITIONS AFTER THREE LEGS PENDING PROTESTS
Yacht Name Leg 3 Points Arrival Time Elapsed Time Combined Time Race Points Race Standings

1 ASSA ABLOY 8 03 JAN 02 17:20:42 008d 11h 50m 42s 066d 04h 33m 46s 15 4
2 Amer Sports One 7 03 JAN 02 19:09:06 008d 13h 39m 06s 062d 17h 50m 14s 18 2
3 Tyco 6 03 JAN 02 20:18:39 008d 14h 48m 39s - 12 5
4 illbruck 5 03 JAN 02 20:22:41 008d 14h 52m 41s 062d 10h 34m 56s 21 1
5 News Corporation 4 03 JAN 02 20:24:54 008d 14h 54m 54s 063d 22h 09m 40s 16 3
6 djuice 3 03 JAN 02 23:16:49 008d 17h 46m 49s 068d 18h 31m 17s 10 7
7 Amer Sports Too 2 5 8 SEB 1 - - - 11 6

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