Volvo Ocean Race 2001/2002 Tagesberichte
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24. Mai 2002

„illbruck“ holt Wetterstrategen für Kurzstrecke
Ed Adams als Taktiker neu im Team / „Assa Abloy“ muss das deutsche Boot schlagen La Rochelle – Der US-Amerikaner Ed Adams wird die Crew der Leverkusener Hochseeyacht „illbruck“ auf der vorletzten und vielleicht schon entscheidenden Etappe des Volvo Ocean Race Round the World als Taktiker und Wetterstratege verstärken. Mit der Neubesetzung will Skipper John Kostecki den besonderen Anforderungen der Kurzstrecke über 1.160 Seemeilen von La Rochelle/Frankreich nach Göteborg/Schweden Rechnung tragen, die am Sonnabend (25. Mai) um 17 Uhr gestartet wird. illbruck Challenge liegt in der Gesamtwertung der härtesten Segelregatta der Welt mit acht Punkten vor „Assa Abloy“ (Schweden) in Führung und könnte bereits für eine vorzeitige Entscheidung sorgen. „Wir waren über unsere Leistungen auf den bisherigen kürzeren Etappen etwas enttäuscht“, erklärte Kostecki den Wechsel, „Ed Adams soll mit seinen Fähigkeiten diese Schwäche ausmerzen.“ Der 45-Jährige war selbst Starboot-Weltmeister, Coach der Starboot-Olympiasieger von Sydney 2000 und ist Amercia’s Cup-erfahren. Adams gehörte bereits während der Vorbereitungszeit zum illbruck Challenge-Team. Mit ihm gewann die Mannschaft das Fastnet Race 1999. Familiäre Gründe bewogen Ed Adams dann, nicht mit um die Welt zu gehen. Seine Rückkehr ins Teams kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt. Denn die achte Etappe verspricht, eine der anspruchsvollsten überhaupt zu werden. Nicht nur der Kurs von La Rochelle durch die Biscaya an Brest vorbei in den Englischen Kanal, und von dort durch die Nordsee in den Skagerak zu einer Bahnmarke südlich von Norwegen bis ins Ziel nach Göteborg birgt jede Menge Schikanen. Auch die Wettervorhersage hat es in sich: Ein kräftiges Sturmtief westlich von Irland wird mit seinen Fronten durch das Feld ziehen. Hinzu kommt eine starke Gezeitenströmung und lebhafte Berufsschifffahrt an zahlreichen Engpässen. „Schon am Sonnabend Abend erwarten wir stürmische Südwest-Winde mit schweren Sturmböen“, sagt illbruck Challenge-Meteorologe Chris Bedford. Hinzu kommt eine hohe Dünung, die sich seit Tagen in der Biscaya aufgebaut hat. Diese Bedingungen könnten die Yachten bereits am Donnerstag (30. Mai) vor die schwedische Küste tragen, wo dann nochmals leichte Winde die Karten neu mischen dürften. „Die taktischen Herausforderungen sind immens “, meint Skipper Kostecki, „wir müssen auf der Hut sein.“ Sein Augenmerk gelte natürlich dem härtesten Verfolger, „Assa Abloy“, „aber zunächst müssen wir unser eigenes Rennen segeln.“ Wenn die „illbruck“ die Schweden erneut schlägt, steht das Leverkusener Boot als erster deutscher Gesamtsieger in der 29-Jährigen Geschichte des Round the World Race vorzeitig fest. Hat die „Assa Abloy“ den Bug vorn, beginnt das große Rechnen. Mindestens ein weiteres Boot müsste sie zwischen die „illbruck“ und sich bringen, um das Rennen bis zur letzten Etappe offen zu halten. Denn kämen Kostecki & Co. direkt hinter der „Assa“ ins Ziel, zum Beispiel als Zweiter, könnten die Schweden im Schlussspurt nur noch nach Punkten gleichziehen. In dem Fall zählt jedoch die sogenannte Majorität der Plätze (Wer hat mehr Erste, Zweite und so weiter). Und da behielte „illbruck“ mit vier Siegen und einem zweiten Rang bislang gegenüber zwei Siegen und einem Zweiten der „Assa Abloy“ das bessere Konto. „Wir wollen uns auf diese Rechenspiele gar nicht einlassen“, so Kostecki weiter, „unser Ziel ist ein Platz auf dem Podium in Göteborg.“ Damit würden die Chancen der Gegner höchstens noch theoretischer Natur sein. Der neue 24-Stunden-Weltrekords, den die „illbruck“ mit 484 Seemeilen am 30. April während der vorigen Etappe aufgestellt hatte, motiviert die Mannschaft zusätzlich. „Wir wissen, dass wir schnell sind und das Boot auch in Extremsituationen im Griff haben“, sagte ein selbstbewusster Vorschiffsmann Tony Kolb. Für den 25-Jährigen Münchner wäre ein Sieg beim Volvo Ocean Race der größte Erfolg in seiner noch jungen Karriere. Die Crew der „illbruck“ auf der achten Etappe: Ed Adams (Taktiker), Stuart Bannatyne (Wachführer), Stu „Waffler” Bettany (Vorschiff), Mark “Crusty” Christensen (Wachführer), Richard Clarke und Ray “Hooray” Davies (Segeltrimmer/Steuermann), Dirk “Cheese” de Ridder (Segeltrimmer), Jamie Gale/Mast, Ross “Rosco” Halcrow (Segeltrimmer und Segelprogramm-Manager), Tony Kolb (Vorschiff) sowie Skipper John Kostecki und Navigator Juan Vila.

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