The Global Challenge 2004/05
Portsmouth-Kap Hoorn-Kapstadt-Portsmouth
03.10.2004 - 17.07.2005
www.globalchallenge2004.com - zur Übersicht

19.10.2004
Unglaubliches Kopf an Kopf Rennen südlich der Kap Verdischen Inseln und Heuschreckenplage an Bord
Leg 1 - 19.10.2004

Nach knapp 2.5 Wochen und 3000 gesegelten Meilen gibt es ein spannendes Kopf-an-Kopf Rennen zwischen den 12 Global Challenge Yachten mit täglichen oder fast stündlichen Positionswechseln. Es ist fast Halbzeit auf dem Weg nach Buenos Aires und mehrere Yachten sehen sich noch immer am Horizont oder auf dem Radar.

Die Passage durch die Inselgruppe der Kap Verdischen Inseln verlief für einige gut, für andere schlecht. Pech hatte Me To You mit der Bremerhaverin Birgit Obermüller. Sie gerieten bei der nächtlichen Passage in eine Flaute und standen für 2 Stunden fast still während Pindar mit 2sm mehr Abstand zur Küste an ihnen vorbeiziehen konnte. Trotzdem geben sie sich seit einem Tag ein Kopf-an-Kopf Rennen mit weniger als 1sm Abstand. Skipper James Allen von Me To You erzählte in einem Telefoninterview, dass dieses Match Race einen unglaublichen Motivationsschub für die Crew gab und sehr hilft den Frust des Abrutschens auf den vorletzten Platz zu verdauen.

Noch vor drei Tagen waren die Yachten Spirit of Sark mit den Deutschen Jürgen Dieris und Barbara Sturdy und BP Explorer mit dem Deutschen Holger Bindel seit fast einer Woche immer in Sichtweite. Doch dann änderte Spirit of Sark den Kurs überraschenderweise in leicht östliche und anscheined schlechtere Richtung. Sie zogen kräftig an BP Explorer vorbei. Doch dann konnte BP Explorer wieder punkten, indem sie, im Gegensatz zu Me To You knapp einen Tag später, mitten durch die Kap Verdischen Inseln segelten. Das normalerweise zu erwartende Windloch durch die bis zu 1000 Meter hohen Berge blieb aus und sie haben sich inzwischen wieder einen Vorsprung von 13sm erarbeiten können.

In Führung liegen seit einigen Tagen Samsung vor Barclays Adventurer, SAIC La Jolla und Sony VAIO. Auch Samsung und Barclays haben sich in Sicht und führen seit Tagen ein Match Race inmitten des Atlantiks aus. Zwischen den ersten 4 Yachten liegen nur 14 sm, zwischen den ersten acht nur 72sm. Die anderen 4 Yachten liegen zwischen 125 und 308sm hinter der führenden Samsung.

Die Stimmung an Bord der 12 Yachten ist sehr gut. Allerdings macht die unglaubliche Hitze mit Außentemperaturen von über 35°C im Schatten (aber wo ist schon Schatten an Bord?) und Saunatemperaturen von über 50°C unter Deck den Crews schwer zu schaffen. Müdigkeit macht sich breit, denn wer kann schon in einer Sauna schlafen und dann auch noch frisch und munter aufwachen?

Aber von Schlafen kann auf den meisten Yachten eh nicht die Rede sein. Die starken Winde der letzten Tage bei unruhiger See hat viele Spinnaker Segel zerfetzen lassen. Diese müssen per Nadel und Faden wieder mühselig zusammengenäht werden. Nähmaschinen sind nicht erlaubt. Ein zerfetztes Spinnaker benötigt ca. 30 bis 60 Meter Naht. Das dauert zwischen 12 und 36 Stunden, wenn abwechselnd ständig 3 Personen nähen. Bei Focksegeln ist meist nicht soviel zu nähen, aber dafür ist das Material deutlich dicker, so dass es mindestens genauso lange dauert. Ein Trost an alle zu Hause gebliebenen Ehefrauen und Freundinnen. Wenn ER bisher keinen Knopf annähen konnte, so kann er es spätestens jetzt!

Einsam ist es auf den Challenge Yachten derzeit nicht. Alle bekommen viel Besuch von der Tierwelt . Anfangs waren es nur Delfine, aber inzwischen sind es vor allem die fliegenden Fische. Sie landen nicht nur ständig an Deck, sondern landen auch durch geöffnete Luken und Ventilationsöffnungen unter Deck. Eine sofortige Entfernung der Fische ist notwendig, denn deren Verwesungsgestank ist katastrophal. Aber auch Tintenfische sind, wie auch immer an Deck gelandet.

Viel mehr Sorgen machen sich die Crews aber derzeit um die Heuschrecken. Trotz mehr als 300sm Abstand zur afrikanischen Küste landen diese nicht gerade sehr kleinen Insekten dutzendweise an Bord. Eine echte Plage und nicht sehr angenehm, wenn sie sich in die Kojen verkriechen. Nicht vorstellbar wie die Plage an Land aussehen muss!

Probleme bereiten aber auch die vielen kleinen Schäden an Bord die immer wieder behoben und repariert werden müssen. Durch fast 2 Wochen Spinnaker Segeln bei sehr starken Wind kann ein Nylon Seil ein metallschäkel fast komplett durchscheuern.

In ca. ein bis 2 Tagen werden die Yachten die Doldrums/ITCZ (Kalmen) erreichen. Das ist eine windstille Zone zwischen den Nord- und Südpassatwinden. Die ITCZ erstreckt sich entlang der nördlichen Seite des Äquators und ist sehr wechselhaft. Sie ist zwischen 2 und 30sm breit, arbeitet sich in Schlangenlinien entlang des Äquators und kann sich von einem Tag auf den anderen über 250sm nord/südlich verschieben. Wer Pech hat kann 2 bis 3 Tage drin stecken bleiben, wer aber Glück hat, bekommt vielleicht gar nichts davon mit. D.h. bis Ende der Woche könnte sich die Rangliste nochmals komplett verändern.
Text: Rainer Seifert

Copyright © 1996-2016 - SEGEL.DE





Segeln blindes gif
Segeln blindes gif