The Global Challenge 2004/05
Portsmouth-Kap Hoorn-Kapstadt-Portsmouth
03.10.2004 - 17.07.2005
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. Bei den Bildern bitte unbedingt das Copyright nennen (dieses mal immer Challenge Business). Es wäre nett, aber nicht zwingend notwendig, als Textautor meinen Namen zu nennen. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung. Nur noch 500sm bis Buenos Aires - erbitterte Positionskämpfe im ganzen Feld
Leg 1 - 02.11.2004

Eigentlich hatte man gedacht, dass sich nach der Äquatorüberquerung und dem damit verbundenen Passieren der oft windstillen Doldrums (Kalmen) die Positionen gefestigt hätten. Aber die 12 Crews sind sehr motiviert und geben alles, um noch den einen oder anderen Platz gut zu machen.

Samsung ging als Sieger aus den Doldrums hervor, konnte diese Führung aber nicht lange halten. Denn wieder waren taktische Wetterentscheidungen, wie schon rund um den Kapverdischen Inseln, wo sich die Flotte teilte, wichtig. Samsung entschied sich für die weitere östliche Route in der Hoffnung auf stärkere Winde, VAIO und Barclays folgten mehr der Großkreisroute. Das machte sich bezahlt und VAIO konnte in Führung gehen. Doch schon wenige Tage später machte VAIO einen taktischen Fehler. Kurz vor Rio wollten sie einem Hoch ausweichen und entlang der Küste segeln. Die für die Jahreszeit sehr ungewöhnlichen schnellen Wetteränderungen und wechselnden Windrichtungen machten den Plan aber zu nichte und Barclays Adventurer übernahm die Führung, dicht gefolgt von Samsung. VAIO gab aber nicht auf und konnte am Morgen des 2.11., durch eine erneute küstennahe Route, den zweiten Platz mit 16sm Abstand zu Barclays zurückerobern und Samsung 44sm hinter sich lassen.

Aber auch im Mittelfeld gibt es Positionskämpfe. Seit den Kapverdischen Inseln, also nunmehr seit über 14 Tagen, geben sich die 3 Yachten BP Explorer (mit Holger Bindel), BG Spirit und Spirit of Sark (mit Jürgen Dieris und Barbara Sturdy) ein Kopf-an-Kopf Rennen mit fast täglich wechselnden Führern. Vor wenigen Tagen führte BP Explorer die Dreiergruppe deutlich an, verlor dann aber über Nacht 20sm an BG Spirit.

In einer Email berichtet ein BP Explorer Crew Mitglied von "der schlimmsten Nacht und Tag" des Rennens. Mehrere plötzliche Windänderungen in Stärke und Richtung, aus 10 Koten Rückenwind wurden innerhalb von 15 Minuten 35 Knoten Gegenwind und umgekehrt, zwangen sie zu unzähligen Segelwechseln. Dabei hätten sie beinahe ihr wichtigstes Spinnaker (Flanker) zersört, als es sich um den Vorstag wickelte. Außerdem hatte sich beim einem Spinnakerhissen der Spinnakerschlauch losgerissen und sich im Ruderblatt verfangen. Es dauerte mehrere Stunden das Ruder zu befreien, während die Yacht ohne Segel manövrierunfähig bei 15 Knoten Wind dümpelte. Die Option, mitten in der Nacht einen Taucher ins Wasser zu schicken, wurde aus Sicherheitsgründen nicht gewählt. Sie verloren über Nacht 20sm auf BG Spirit und büßten einen Platz ein.

Aber heute am 2.11. hat sich BP Explorer mit Holger Bindel wieder den 4ten Platz knapp zurückgeholt. Spirit of Sark mit Jürgen Dieris und Barbara Sturdy geben aber nicht auf und kämpfen weiter um Platz 3.

Im hinteren Mittelfeld hat die Yacht Imagine it. Done. mit der einzigen weiblichen Skipperin Dee Caffari durch gute wettertaktische Entscheidungen und harter Arbeit Team Stelmar von Platz 8 verdrängt.

Aber auch Me To You mit Birgit Obermüller hat in den letzten 10 Tagen hart und erfolgreich die Segel getrimmt. Sie konnten ihre ständigen Verfolger endlich Pindar abschütteln, die jetzt 154sm hinter ihnen sind. Außerdem sind sie auf Schlagdistanz zu Imagine it. Done. und Team Stelmar gekommen, so dass sie sich von Platz 10 noch auf Platz 8 vorarbeiten könnten. Alle drei Yachten haben einen relativ weiten West-Ost Abstand, so dass sie sehr unterschiedliches Wetter haben könnten und kräftig Meilen gut, aber auch viele Meilen verlieren können. In einer Email schreibt Birgit Obermüller aber, dass sie ihr wichtigstes und stärkstes Spinnaker (Flanker) so sehr zerschossen haben, dass eine on-board Reparatur nicht mehr machbar ist. D.h. sie setzen auf den letzten 700sm auf möglichst viel am Wind segeln.

Wettermäßig war der letzte Teil dieser Etappe sehr ungewöhnlich. Statt konstanten Spinnakersegelns mit T-Shirts und Shorts mussten die Crews häufig in ihr Ölzeug wechseln und sich bei über 25 Knoten Wind und 30° Schräglage durch die Wellen schlagen. Ein Vorgeschmack auf die nächste Etappe rund um Kap Hoorn, obwohl dort die Temperaturen knapp 30° niedriger sein werden.

Die Stimmung auf allen 12 Yachten ist hervorragend. Aber alle freuen sich auf die Ankunft in Buenos Aires, wo es erst mal viel Bier, ein riesiges Steak, eine richtige Dusche und ein weiches Bett geben wird.

Die ersten Yachten werden Freitag früh in Buenos Aires erwartet, BP Explorer und Spirit of Sark gegen Freitag Mittag und Me To You am Samstag Nachmittag. Die letzte Yacht Team Save the Children liegen mit fast 700sm abgeschlagen am Ende und werden erst für Montag erwartet.

Positionen am Dienstag Morgen (02.11.2004 um 01:44 GMT)
Pos. Yacht sm bis Ziel Abstand zur Führung
1 Barclays Adventurer 495 0
2 VAIO 511 16
3 Samsung 555 60
4 BP Explorer 563 68
5 BG Spirit 565 70
6 Spirit of Sark 586 91
7 SAIC La Jolla 629 134
8 Imagine it. Done. 714 219
9 Team Stelmar 718 223
10 Me To You 750 255
11 Pindar 904 409
12 Team Save the Children 1193 698

Text: Rainer Seifert

Weitere Berichte folgen - Mehr Fotos (auch HiRes) in der Galerie. Offizielle Regattaseite: www.globalchallenge2004.com

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Segeln blindes gif
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