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The Global Challenge 2004/05
Portsmouth-Kap Hoorn-Kapstadt-Portsmouth
03.10.2004 - 17.07.2005
www.globalchallenge2004.com - zur Übersicht
14.12.2004
Kap Hoorn passiert, Team Stelmar gibt auf und ein verdammt enges Rennen
Leg 2 - 13.12.2004
In den letzten 11 Tagen dieser Global Challenge Regatta, seit dem letzten Bericht, ist sehr viel geschehen. Das Kap Hoorn wurde von allen Yachten passiert, zuerst von Spirit of Sark mit dem deutschen Jürgen Dieris. Kurz vorher musste Team Stelmar ein krankes Crew Mitglied evakuieren. Parallel mit der Rundung von Kap Hoorn gab es eine Verlobung zwischen 2 Crew Mitgliedern an Bord verschiedener Yachten und ein Crew Mitglied wurde Vater. Die Abstände der Yachten sind so klein wie noch nie zuvor in der 12-jährigen Geschichte dieser Regatta. Und soeben kam die Meldung rein, dass Team Stelmar, die erst vor wenigen Tagen ein Crew Mitglied evakuieren mussten, auf dem Weg zurück nach Südamerika sind, um ein weiteres Crewmitglied nach einem Unfall an Deck zu evakuieren.
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Am Nikolaus Tag, den 6. Dezember um 20:33 GMT passierte Spirit of Sark mit dem Rheinländer Jürgen Dieris als erste das berühmt-berüchtigte Kap Hoorn. Wind und Wellen waren erwartungsgemäß stark und fast haushoch. Als zweite Yacht passierte BP Explorer mit dem Thüringer Holger Bindel Kap Hoorn mit nur wenigen Meilen Abstand. Einige Stunden später konnte die Bremerhavenerin Birgit Obermüller auf Me To You als 4te Yacht von sich behaupten, um Kap Hoorn gesegelt zu sein. Nach einem interessanten Rennen entlang der südamerikanischen Küste verringerten sich bei der Passage durch die Le Maire Street die Abständer der Yachten erheblich. Zwischen der ersten und der zehnten Yacht lagen nach zehn Tagen auf See gerade mal 24 Seemeilen. Dies war teilweise bedingt durch die Flaute und der positiven oder auch negativen Tidenströmung von bis zu 10 Knoten in der Le Maire Street.
Knapp ein Tag zuvor musste die an 5ter Stelle liegende Yacht Team Stelmar ihren Kurs ändern und den chilenischen Hafen von Puerto Williams anlaufen, um das schwer erkrankte, 35-jährige, Crew Mitglied Karen Smith zu evakuieren. Sie wurde von der chilenischen Marine in Empfang genommen, ärztlich versorgt und 2 Tage später nach England ausgeflogen. Obwohl diese Evakuierung sie knapp 24 Stunden aus der Regatta warf und sie somit als vorletzte Yacht Kap Hoorn passierten, schafften sie es zeitweise wieder auf Platz 5 der 12 Yachten starken Flotte. Doch soeben, Montag Abend, 21 Uhr deutsche Zeit, kam die Meldung rein, dass Team Stelmar den Kurs um 180 Grad geändert hat, um erneut Chile, allerdings unter Motor anzulaufen. Der Vordeck Mann Tim Johnston hat sich bei einem Vordeckmanöver einen komplizierten Oberarmbruch zugezogen und benötigt dringend ärztliche Versorgung, um bleibende Schäden zu verhindern. Team Stelmar wird etwa drei bis vier Tage benötigen, bis sie rettendes Land erreichen werden. Die Yacht bekommt weder für diese, noch für die vorherige Evakuierung eine Zeitgutschrift. Die Regattaregeln sehen eine Zeitgutschrift nur für die Hilfe anderer Yachten oder Schiffbrüchigen vor. In der englischen Fachpresse wird über diese Regel, obwohl sie schon für diese Regatta seit 12 Jahren so gilt, heftigst debattiert.
Aber es gibt auch positive Nachrichten von der Regatta. Als BP Explorer als zweite Yacht Kap Hoorn passierte, wurde das Crew Mitglied Laura Alexander von Graham Thompson auf der an 12ter Position liegenden Yacht Pindar per Funk angerufen. Während ein BP Crew Mitglied kniend vor Laura saß, bat Graham von Yacht Pindar um ihre Hand. Sie war völlig überrascht und sagte sofort "Ja" und erhielt von dem vor ihr knienden Crew Mitglied den Verlobungsring. Dieses rührende Ereignis wurde an Bord BP Explorer mit Sekt gefeiert und auf dem Foto sieht man Holger Bindel, wie er am Ruder stehend, es "begießt".
Ein weiteres rührendes Ereignis fand zwei Tage später an Bord Save the Children statt. Crew Mitglied Ian Parr wurde zum ersten mal Vater. Seine Frau und Tochter sind wohlauf in einem Bangkoker Krankenhaus. Wie viel Enthusiasmus benötigt man, um freiwillig an der "schwersten Regatta der Welt" teilzunehmen und gut 60.000 Euro dafür zu bezahlen, wenn die Frau zum ersten Mal hochschwanger ist? Nur an solchen Beispielen kann man erkennen, wie viel es den über 200 Teilnehmern bedeutet, an dieser Regatta teilzunehmen, was wahrscheinlich das größte Ereignis ihres ganzen Lebens sein wird.
Aber nach diesen emotionalen Ereignissen zurück zur Regatta. Nach über 14 Tagen auf See befinden sich viele Yachten immer mal wieder in Sichtkontakt. Zwischen den ersten 9 Yachten liegen derzeit mal gerade 69 Seemeilen. Verglichen mit einem Formel 1 Auto Rennen (Länge und Zeit in Verhältnis gesetzt) liegen die ersten 9 Yachten keine 3 Minuten auseinander, d.h. es gab unter diesen noch keine Überrundungen. Noch vor drei Tagen waren es unter 35 Meilen zwischen den ersten 8 Yachten. Nach der Passage der Le Maire Street mit den sehr starken, bis zu 10 Knoten, Tidenströmen waren die Yachten wieder nahe zusammen. Danach teilten sie sich in eine südliche und nördliche Route. Trotz 30 bis 35 Knoten Wind und bis zu 8 Meter hohen Wellen ist das Wetter derzeit recht ruhig. Hoch- und Tiefdruckgebiete reichen sich da unten derzeit die Hand, so dass die Crews innerhalb weniger Stunden alles erleben, von Sturm mit über 45 Knoten, Starkwind mit 30 Knoten, Cruising mit 15 Knoten, aber auch Flauten mit 5 Knoten und weniger.
Wetterbedingt werden alle Yachten derzeit nach Norden gedrängt, so dass sich die horizontalen Abstände stark verringern. Bei 120° West und 52° Süd gibt es dazu noch einen imaginären Wegeuinkt, den die Yachten nördlich passieren müssen. Grund dafür ist, dass die Yachten nicht auf der Suche nach dem kürzesten Weg zwischen Kap Hoorn und Neuseeland zu nah an die Antarktis geraten und damit Gefahr laufen, gefährlichen oder gar tödlichen Kontakt mir Eisbergen zu erleiden.
Das Wetter und die See sind erwartungsgemäß stürmisch. Windgeschwindigkeiten von 35 Knoten und eine bis zu sieben Meter hohe See sind keine Seltenheit. Aber auch ruhigere Abschnitte mit nur 5 bis 15 Knoten Wind fanden die Crews im "Stillen" Ozean schon vor.
Die Crews werden noch ca. 3 Wochen bis Neusseeland benötigen. Weihnachten und Silvester wird auf See gefeiert.
Positionen am Tag 17, Montag Abend (13.12.2004 um 19:44 GMT)
Pos. Yacht sm bis Ziel Abstand zur Führung
1 Spirit of Sark 3360 0
2 BG Spirit 3379 19
3 Sony VAIO 3387 27
4 BP Explorer 3399 39
5 Team Save the Children 3411 51
6 Me To You 3413 53
7 Barclays Adventurer 3416 56
8 Samsung 3426 66
9 SAIC La Jolla 3433 73
10 Imagine IT. Done. 3474 114
11 Pindar 3632 272
12 Team Stelmar Aufgegeben
Text: Rainer Seifert
Copyright aller Fotos dieser Seite: Challenge Business Ltd.
Mehr deutsche Informationen und Fotos unter www.rainerseifert.de/gc2004/.
Offizielle englische Regattaseite: www.globalchallenge2004.com
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