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The Global Challenge 2004/05
Portsmouth-Kap Hoorn-Kapstadt-Portsmouth
03.10.2004 - 17.07.2005
www.globalchallenge2004.com - zur Übersicht
Wegepunkt Alpha passiert - Tim Johnston evakuiert
Leg 2 - 20.12.2004
Die 12 Crews der Global Challenge Amateur Weltumsegelungs Regatta haben den psychologisch wichtigen Wegepunkt inmitten des Pazifiks, bei 120°W und 52°S passiert. Er diente dazu, dass die Yachten auf der Suche nach dem kürzesten Weg nicht zu weit südlich in eisberggefährdetes Gebiet segeln. Psychologisch gesehen sind damit die letzten 2400sm und ca. 14 Tage ein "Sprint zum Ziel". Gestern, am 19.12., wurde der Verletzte Tim Johnston von der Yacht Team Stelmar in der südlichsten Stadt der Welt, Ushuaia/Argentinien, evakuiert und ins Krankenhaus gebracht. Team Stelmar gibt überraschenderweise nicht auf und wird weiterhin an der Etappe teilnehmen. Trotz ca. 14 Tage Rückstand zur führenden Yacht.
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Spirit of Sark mit dem Rheinländer Jürgen Dieris segelt weiterhin einer unglaublichen Start bis Ziel Führung entgegen. 30 Seemeilen ist der Vorsprung zur zweitplatzierten Yacht, den sie erfolgreich verteidigen. In der aus drei Yachten bestehenden zweiten Gruppe, mit Abständen von 30 bis 36sm zu Spirit of Sark befindet sich auch BP Explorer mit dem Thüringer Holger Bindel. In der aus fünf Yachten bestehenden dritten Gruppe, mit Abständen zwischen 69 und 74sm zur führenden Yacht, befindet sich auch die Bremerhavenerin Birgit Obermüller mit Me To You. Auf Platz 10 und 11 sind die Yachten Imagine IT done. und Pindar mit jeweils 102 und 221sm zur Führung. Wohlgemerkt nach inzwischen 22 Tagen auf See. James Allen, Skipper von Birgit Obermüllers Yacht Me To You Ein so knappes Rennen gab es noch nie in der 12-jährigen Geschichte der Global Challenge, bei der alle 12 Yachten absolut baugleich sind.
Team Stelmar, die auf Grund eines Verletzten Vordeckmannes nach Argentinien zurückgekehrt sind, haben Tim (Flash) Johnston in Ushuaia an die Notärzte übergeben. Er hat sich während eines sehr stürmischen Segelwechsels einen komplizierten Oberarmbruch zugezogen. In einer weisen und schweren Entscheidung entschieden sich Skipper und Crew umzukehren und 8 Tage lang mit Motorunterstützung nach Argentinien zurückzusegeln. Tim Johnston wurde nach einer Erstbehandlung per Flugzeug in eine Krankenhaus nach Sao Paulo geflogen. Team Stelmar hat in Ushuaia neuen Proviant und Diesel mit an Bord genommen und segelt nun unter Motorkraft, für ca. 6 Tage, zurück zu exakt dem Punkt, wo sie umgekehrt sind. Dort werden sie dann an der Regatta wieder teilnehmen. Die Regeln erlauben das, obwohl es natürlich bedeutet, dass sie ca. 14 Tage hinter der Flotte sind. Das ist natürlich ein großes Sicherheitsrisiko, denn sie werden den stürmischen Südpazifik alleine durchsegeln und keine Chance auf irgendeine Hilfe haben, sollte was weiteres passieren. Kommerzielle Schifffahrt gibt es in diesen Breitengraden kaum. Clive Cosby, Skipper von Team Stelmar ist aber eine Person, der viel Wert auf Sicherheit legt. Sie werden deshalb eine etwas nördlichere und nicht so stürmische Route wählen. Die Stimmung an Bord ist aber sehr gut. Die Crew hat diese Entscheidung gefällt, weil eine Pazifik Überquerung unter Motor eh nicht möglich ist, da die 2000 Liter Diesel nur für ca. 1/3 der Strecke reichen würden. Da sie nicht aufgeben, werden sie für diese Etappe auch nicht Null, sondern drei Punkte für den letzten Platz bekommen. Vielleicht sehr wichtige drei Punkte, denn Team Stelmar gehörte definitiv zu den Titelaspiranten.
Das Wetter im Südpazifik ist derzeit recht wechselhaft. Stürmische See und hoher Wellengang mit Windgeschwindigkeiten von 25 bis 35 Knoten, in Böen bis 40, wechseln sich alle zwei Tage ab mit Flauten von fünf bis zehn Knoten. Die sehr schnell durchziehenden Tiefdruckgebiete sorgen für einen unglaublich schnellen Wetterwechsel. Ein Crew Mitglied berichtet: "Zum Wachende hatte wir 30 Knoten Wind, haushohe Wellen, drei Reffs im Groß und Sturmfock. 4 Stunden später, zu Beginn der nächsten Wache, waren es 15 Knoten, ruhige See, volles Groß und Cruising Fock. Man traut seinen Augen nicht!"
Weihnachten steht auch bei den Crews der 12 Yachten vor der Tür. Es ist jedoch nicht ganz einfach an Bord auf Weihnachtsstimmung zu kommen. Es hängen jedoch selbstgebastelte Adventskalender an der Wand und auf vielen Yachten muss jeden Abend ein Crew Mitglied ein Weihnachtslied vorsingen. Auch stehen aus Papier gebastelte Weihnachtsbäume auf dem Tisch und die Maskottchen, meist Teddybären, haben eine rote Weihnachtsmütze auf. Da die Engländer erst am 25ten Weihnachten feiern, ist der 24ten ein gewöhnlicher "Arbeitstag". Am 25ten wird es aber auf jeder Yacht eine kleine Feier geben. Es wird ein spezielles Weihnachtsmenü, welches von den Skippern und Wachführern gekocht wird. Es wird versucht werden, mit den begrenzten Materialien und Möglichkeiten an Bord ein Festessen zu produzieren. Dabei werden hochtrabende französische Begriffe benutzt. Höhepunkt wird aber die "Kurzwellen-Funk-Konferenz/Xmas-Chatshow" der Yachten untereinander sein, wo alle Yachten von ihren Weihnachtsfeierlichkeiten erzählen und es zum Teil auch eine kulturelle Showeinlagen gibt. Z.B. eine Weihnachtsgeschichte angepasst an die Regatta, eine Challenge Weihnachtsgedicht, ein selbstgedichtetes Weihnachtslied etc.
Eine Woche nach Weihnachten steht dann Silvester auf See vor der Tür. Sicherlich kein Ereignis mit Feuerwerk und Sekt. Es besteht mehr aus einem Jubelschrei und zuprosten mit heißem Tee. Erstmals in der Global Challenge Geschichte könnte dieses Mal aber Silvester und die Überquerung der Datumslinie (180er Längengrad) bei einigen Yachten zusammenfallen. D.h. es kann passieren, dass im Laufe des 31. Dezember die Datumslinie überquert wird und es plötzlich schon der 1. Januar ist, ohne das Silvester stattgefunden hat. Eine schreckliche Vorstellung für viele an Bord, aber wie Birgit Obermüller von Bord berichtet hat, "kann es auch ein unvergessliches Erlebnis sein, ein Jahreswechsel ohne Silvester zu erleben!". In diesem Falle wird Silvester sicherlich in Wellington/Neuseeland nachgefeiert.
Positionen am Tag 24, Montag Abend (20.12.2004 um 19:44 GMT)
Pos. Yacht sm bis Ziel Abstand zur Führung
1 Spirit of Sark 2351 0
2 BP Explorer 2381 30
3 BG Spirit 2386 35
4 Sony VAIO 2387 36
5 Me To You 2420 69
6 Barclays Adventurer 2421 70
7 Team Save the Children 2424 73
8 SAIC La Jolla 2425 74
9 Samsung 2425 74
10 Imagine IT. Done. 2466 115
11 Pindar 2622 271
12 Team Stelmar 4264 Etappe unterbrochen, nimmt in Kürze Regatta wieder auf (siehe Text)
Text: Rainer Seifert
Copyright aller Fotos dieser Seite: Challenge Business Ltd.
Mehr deutsche Informationen und Fotos unter www.rainerseifert.de/gc2004/.
Offizielle englische Regattaseite: www.globalchallenge2004.com
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