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The Global Challenge 2004/05
Portsmouth-Kap Hoorn-Kapstadt-Portsmouth
03.10.2004 - 17.07.2005
www.globalchallenge2004.com - zur Übersicht
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28.03.2005
Skipperin Dee Caffari weiterhin in Führung
Leg 4 - 28.03.2005 (Ostermontag)
Nach knapp einem Monat auf See und über 5300 zurückgelegten Seemeilen haben die 12 Crews der Global Challenge den phychologisch wichtigen Wegepunkt Bravo in mitten des Indischen Ozeans passiert. Die aus zwölf Yachten bestehende Flotte der Amateurweltumsegelung Global Challenge befindet sich derzeit auf der Etappe vier von Sydney nach Kapstadt. Die letzten drei Wochen waren die schwersten Wochen für die jeweils 18 Crewmitglieder auf jeder der zwölf baugleichen 72 Fuß Stahlyachten. Sie erlebten Windgeschwindigkeiten von meist über 30 Knoten, häufig 40 und in Böen sogar bis zu 50 Knoten. Die eiskalte See war hoch und rauh mit bis zu 25 Meter hohen Wellen. Auf der verbleibenden ca. 1500sm langen und etwa acht Tage dauernden Route vom Wegepunkt Bravo nördlich der Kerguelen Inseln bis nach Kapstadt wird es wieder etwas ruhiger mit windstillen Hochdruckgebieten und gelegentlichen Spinnakereinsatz, aber auch stürmischen Tiefdruckgebieten.
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Fotos:Challenge Business Ltd. bzw. On Edition The Photographers
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Wie schwer die See in den letzten Wochen war, zeigte sich an Bord der Yacht Me To You mit der Bremerhavenerin Birgit Obermüller. Während eines Segelwechsels bei mehr als 35 Knoten Wind brachen sechs Stangen (stanchions), an denen die Relingsdrähte befestigt sind. Ohne Reling ist es auf dem Vordeck sehr gefährlich. Die Crews benötigen die Reling als Sicherheit, damit sie nicht bei der Arbeit auf dem Vordeck beim starker Krängung von Bord fallen. Desweiteren benötigt man die Reling, um bei einem Segelwechsel das an Deck geholte bzw. das gerade eingeholte Segel kurzzeitig zu lagern und daran zu befestigen. Ein Focksegelwechsel ohne Reling ist auf einer Challenge Yacht fast unmöglich. In einer nicht ganz ungefährlichen und mehrere Stunden dauernden Aktion wurden die Stangen nachts gegen Ersatzstangen gewechselt. James Allen, Skipper von Me To You, sagte "Wenn die Reling nicht so überlebenswichtig wäre, hätten wird es bei dem Seegang und der Krängung niemals gemacht."
Am 22. März passierte die Yacht Imagine IT. Done mit der einzigen weiblichen Skipperin Dee Caffari ls erste Yacht den Wegepunkt Bravo nördlich der Kerguelen Inseln im indischen Ozean. Die auf dem letzten Platz der Gesamtwertung liegende Yacht segelt einem Start-Ziel Sieg entgegen. Selten hat sie auf dieser Etappe die Führung abgegeben und sich höchstens auf Platz zwei befunden. Stärkster Konkurrent war anfangs die Yacht BP Explorer mit dem Thüringer Holger Bindel. Sie liegt in der Gesamtwertung auf Platz zwei. Kurz nach dem Wegepunkt Bravo konnte aber die Yacht Spirit of Sark mit dem Rheinländer Jürgen Dieris kurzzeitig die Führung übernehmen. In einer erstaunlichen Aufholjagd haben sie sich in den letzten 14 Tagen von Platz sechs kontinuierlich nach vorne gearbeitet. Imagine IT. Done gibt aber nicht auf und konnte am Karfreitag wieder in Führung gehen. Die Abstände sind aber denkbar knapp Zwischen der ersten drei Yachten liegen nur 26 Seemeilen. Für Imagaine IT. Done, die in der Gesamtwertung auf den letzten Platz liegen, wäre eine Etappensieg ein Achtungserfolg. Für BP Explorer (Holger Bindel) ist eine gute Platzierung unter den ersten Dreien wichtig, um BG Spirit, derzeit auf Platz Zehn, von Platz Eins der Gesamtwertung zu verdrängen. Aber auch Spirit of Sark (Jürgen Dieris) kann mit einem Podiumsplatz bei dieser Etappe vom vierten auf den dritten Platz der Gesamtwertung hochklettern. Die letzte Woch bleibt also spannend.
Nur auf Platz neun ist derzeit die Yacht Me To You mit Birgit Obermüller. Zu Beginn der Etappe, nach dem Eindrehen in den südlichen Ozean, lag sie kurzzeitig in Führung. Auf der recht südlichen Route verloren sie aber ständig wertvolle Meilen. Noch ist aber alles Möglich, denn es fehlen nur elf Seemeilen zum achten und 58 Seemeilen zum 6ten Platz.
Team Save the Children die in Hobart/Tasmanien ein verletztes Crewmitglied evakuieren musste konnte sich in den letzten Tagen vom letzten auf den vorletzten Platz vorarbeiten. Allerdings mit der Unterstützung der Yacht Sony VAIO mit dem italienischen Skipper Amadeo Sorrentino, die wenige Tage vor dem Wegepunkt Bravo einen gewagten Kurs gen Norden mit über 200 Seemeilen Abstand zur restlichen Flotte gegangen sind. Skipper Sorrentino: "Wir haben nichts zu verlieren, außer einen Punkt, als müssen wir etwas wagen." Skipper Paul Kelly von Team Save the Children schrieb in einer Email: "Man darf nie aufgeben. Irgendwann macht jemand einen Fehler, den wir ausnutzen können."
Inzwischen sind die Wetterbedingungen deutlich besser geworden. Die seit gut 3 Wochen andauenden See- und Lufttemperaturen von knapp über Null Grad und einer gefühlten Temperatur von ca. minus sechs Grad sind vorbei. Inzwischen liegen die Temperaturen wieder bei plus acht bis zehn Grad. Vorbei die Zeiten, wo es der Rudergänger trotz modernster Segel- und Thermobekleidung maximal nur 30 Minuten an Deck aushalten konnte. "Händeklatschen gehörte zur Routine an Deck, denn nur so sind die Finger nicht ganz erfroren", berichtete ein Crew Mitglied.
Ostern an Bord wurde auf allen Yachten natürlich gefeiert. Ostereiersuchen fand jedoch nicht statt. Die Schokoosterhasen und zusätzlichen Schokoladenrationen wurden von den Crews nach den Strapazen der letzten vier Wochen so gierig verschlungen, dass die auch auf einer Regattayacht sonst üblichen traditionellen Zeremonien ausblieben.
Der finnische Skipper Eero Lethinen von SAIC La Jolla liegt immer noch viel im Bett und erholt sich nur langsam von seinen schmerzhaften Hämoriden, die er sich in den ersten paar Tagen dieser Etappe zugezogen hat. Er hat aber eine fantastische Crew, die in der Lage ist, das Geschehen an Deck ganz alleine zu handeln. Derzeit liegen sie auf den siebten Platz und führen hinter Barclays Adventurer das Mittelfeld an.
Die voraussichtliche Ankunft der ersten Yachten in Kapstadt wird für den fünften bis siebten April erwartet. Besonders freuen werden sich die beiden Deutschen Teilnehmer Birgit Obermüller und Holger Bindel, deren Eltern sie in Kapstadt empfangen werden. Auch Birgit Obermüllers Freund, der schon bei der Abfahrt in Sydney dabei war, wird nach einer Tour durch Australien pünktlich zum Einlaufen der Yachten in Kapstadt ankommen.
Positionen am Tag 29, Ostermontag (28.03.2005 um 08:02 GMT)
Pos. Yacht sm bis Ziel Abstand zur Führung
1 Imagine IT. Done. 1404 0
2 Spirit of Sark (Jürgen Dieris) 1418 14
3 BP Explorer (Holger Bindel) 1430 26
4 Team Stelmar 1463 59
5 Pindar 1464 60
6 Barclays Adventurer 1516 112
7 SAIC La Jolla 1530 126
8 Samsung 1563 159
9 Me To You (Birgit Obermüller) 1574 170
10 BG Spirit 1580 176
11 Team Save the Children 1756 352
12 Sony VAIO 1971 567
Text: Rainer Seifert
Copyright aller Fotos dieser Seite: Challenge Business Ltd. bzw. On Edition The Photographers
Mehr deutsche Informationen und Fotos unter www.rainerseifert.de/gc2004/.
Offizielle englische Regattaseite: www.globalchallenge2004.com
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