Das Abenteuer des Jahrtausends'
Das vierte Rennen hat die Erfolge der vorangegangenen bestätigt.
13 kipper waren es beim ersten Mal 1989, nocheinmal 13 im Jahr 1992, 15 in 1996 und jetzt haben sich 25 Wettbewerber auf das Rennen 2000/2001 vorbereitet.
Solo Überseerennen schienen immer eine Angelegenheit der Franzosen zu sein. Doch diese Vorherrschaft ist beendet, seit diesmal die Hälfte der Wettbewerber aus anderen Ländern kommt: 12 Skipper aus 6 Nationen: United Kingdom, Switzerland, Italy, Spain, Russia, Belgium werden an der Startlinie in Les
Sables d'Olonne am 5. November 2000 sein, mit einer realen Siegchance.
Der Medienerfolg und seine Popularität des Vendee Globe hat seinen Grund in dem einfachen und extremen Konzept des Rennens: ein Skipper, ein Monohull-Boot, Nonstop um die Welt ohne Hilfe von außen.
Dieses Sportereignis reiht sich damit ein in die Geschichte der extremen menschlichen Abenteuer.
Kein anderer wettkampf dauert so lange, keiner der Skipper kann einen Moment wirklich ausruhen - keine Stunde bei Tag oder Nacht. Sie müssen das Boot immer in bester Verfassung halten um den bestehenden Rekord von 106 Tagen zu brechen.
Jeder Skipper muss ein erfahrener Segler sein, mit Jahren von Navigation und tausenden von Meilen auf dem Buckel. Diese Erfahrungen werden ihnen zugute kommen, wenn sie sich draußen auf See jeder Situation stellen müssen: Die Doldrums, die Stürme des Südozeans, die Winde in den 50er und 60er Breitengraden. Jeder Skipper muss immer und gleichzeitig ein Experte sein für:
Wetter, Mechanik, Elektrik, Segelmacher, Doktor, Computerfachmann, genauso wie Journalist, Kameramann, Fotograf, um der Öffentlichkeit einen direkten Zugang zum Verlauf diese modernen epischen Abenteuers zu ermöglichen.
Darin liegt auch der Erfolg dieses Rennens.
Hier muss alles gut vorbereitet sein und durchgestanden werden. Die Erfahrungen der vergangenen drei Rennen kommnen uns nun zugute. Vor jedem SDtart haben wir alle aufgetretenen Probleme oder Unfälle analysiert und ihre Ursachen erkundet um eine Wiederholung auszuschließen.
Das letzte Vendee Globe 1996/97 war sicherlich reich an Unfällen, Kenterungen, Rettungsmaßnahmen und belastet durch den Verlust von Gerry Roufs.
Alle Erfahrungen wurden in Zusammenarbeit mit den Skippern, Schiffbauern und den Rettungsdiensten in Australien zusammengefaßt und dokumentiert. Sie haben Eingang in die Rennregeln für das Vendee globe 2000 gefunden.
Unter den vielen Sicherheitsaspekten sind folgende hervorzuheben:
Jedes Boot muss (durch Auftriebskörper u.ä.) 130% Auftrieb haben und damit unsinkbar sein.
Nach Kenterung muss das Boot sich selbst wieder aufrichten.
Dies wird praktisch geprpüft, indem das Boot(ohne Mast und mit Skipper im Boot) im Hafen mit Hilfe eines Kranes kieloben gebracht wird. Der Skipper muss zeigen, dass er das Boot wieder aufrichten kann.
Am Bootsheck befindet sich ein spezielle Überlebenseinrichtung mit einer Notluke, die dem über Bord gespülten Skipper ermöglicht wieder an Bord zu kommen. Außerdem mehrer Handgriffe an beiden Seiten des Bootes sowie Befestigungseinrichtungen für Sarsat, VHF Antennen und Radar.
Deraustralische Rettungsdienst hat geschildert, wie schwer es ist einen in Seenot geratenen Skipper zu lokalisieren und mit ihm zu kommunizieren. Deshalb müssen alle Ruder, der Kiel und Teile des Decks mit fluoreszierendem Orange getrichen sein. Und das VHF Radio muss unsinkbar sein. Jedes Boot muss zwei Rettungsinseln des höchsten Standards besitzen.
Diese Sicherheitsvorschriften sind für ältere Boote besonders wichtig. Dank der von größeren Werften durchgeführten Umbaumaßnahmen befinden sich bei diesem Start alle Boote in einem hervorragenden Zustand.
Im Südozean, wo die extremsten Bedingungen herrschen, ist die Sicherheit durch die Anwesenheit von Eisbergen, die mehrere Kilometer Länge und hunderte Meter Breite besitzen können, gefärdet. Nur 1/8 ihrer Höhe ist über der Wasseroberfläche sichtbar. Wenn auch diese Eisberge vom Bordradar registriert werden, so ist dies bei den kleineren Blöcken - den Growlern - nicht immer der fall, sodass sie - bei ihrer größeren Geschwindigkeit - den Ozean zu einem Minenfeld machen können.
Je mehr man sich der Antarktis nähert - um den direkteren Kurs zum Kap Hoorn zu nehmen, desto größer ist das Risiko diese eisberge und Growler zu treffen. Beim ersten Vendee Globe 1989 gab es noch keine Limits für den Kurs. Einige von uns wollten den kürzesten WEeg nehmen und fanden uns bei 63 Grad Süd in einem Ozean von Eisbergen wiede, die einge Meilen lang waren.
Ich erinnere mich an die Momente der Angst, die wir erlebt haben. 9 Tage lang registrierte das Radar der "Credit Agricole" permanent Radarechos von bis zu 5 Eisbergen. Im schlimmsten fall zählte ich 17 Eisberge in einem Umkreis von 15 Meilen. Da ging es nicht mehr um das Rennen oder die Navigation - da ging es nur noch ums Überleben. Man musste die notwendige Segelzeit bis zum nächsten Eisberg kalkulieren und die ohnehin kurzen Schlafpausen auf ein Minimum reduzieren. Wenn ein Eisberg 4 Meilen entfernt war und das Boot 14 Knoten lief, hatte man 17 Minuten bis zum Treffpunkt. Das ließ 14 Minuten Schlaf zu um dann sofort auf Deck zu springen und das Boot um den Eisberg zu manövrieren - ganz zu schweigen von der Masse der tonnenschweren Growler, die den Eisberg umgaben.
Kaum war so ein Eisberg passiert, war es oft Zeit sich auf den nächsten vorzubereiten, und so gönnten wir uns immer wieder nur 10-20 Minuten Schlaf.
In diesen 9 Tagen war meine längste schlafpause 25 Minuten. Es herrschte bei diesem eisberg-rip zwischen allen Skippern eine reale Solidarität. Alle 4 Stunden sprachen wir miteinander über Radio, gaben unsere Position an und einen Eisbergbericht. Wenn einer nicht mit beim Radio Rendezvouz war, war klar, dass er mit einem Eisberg kollidiert war und wir nach ihm sehen würden. Der Kurs des Vendee Globe ist zwar ein schwieriger, sollte aber kein gefährlicher Kurs sein, der sich in ein Russisches Roulett verwandeln könnte. Beim Update der Rennregeln wurden deshalb entschieden, Markierungspunkte entlang des 60.Breitengrades einzuführen, die jeder nördlich passieren musste. Im 3.Rennen wurden diese "Waypoints" bereits eingerichtet. Im jetzigen 4.Rennen wurden die Waypoints nocheinmal auf 57 Grad Süd zurückgenommen. Mit Rücksicht auf die Lage des dichten Eisbergfeldes wurde die Route auf Wunsch des australischen Rettungsdienstes auch näher an die autralische Südküste verlegt. Dadurch verkürzen sich die Rettungszeiten der Schiffe und es vergrößern sich die Operationsräume der Flugzeuge, die sich nur 1000 Meilen von ihrer Basis entfernen dürfen.
In der Region vom Indischen zum Pazifischen herrscht einsame Leere - eine riesige Wasserwüste ohne Schiffs- und Flugverkehr, in der die Skipper völlig allein und ohne Hilfe sind - so wie es Gerry Roufs zum Verhängnis wurde.
Das hatte ich in den Gedanken, als ich für dieses Mal ein internes Hilfssystem aus technischen Vorkehrungen und Kommunikation schuf. Neben den schon beschriebenen Vorkehrungen muss jeder Skipper einen Überlebens- und Medizinkurs absolvieren. Das Vendee Globe hat seine eigene Form der Kameradschaft und gegenseitigen Hilfe geschaffen. Der australische Rettungsdienst weiß, welche Fortschritte wir in letzter Zeit erreicht haben und haben uns weiterhin ihres Beistandes versichert.
Die Leistungsfähigkeit der Boote hat sich nicht geändert, wenn auch bei einigen etwas Blei im Kiel hinzukam.
Hier einige Daten der vergangenen Vendee Globe Rennen:
Vendée Globe 89 : Titouan Lamazou, 109 days 8 hours
Best day : Philippe Jeantot 309 miles/24 H
Vendée Globe 92 : Alain Gautier, 110 days 2 hours.
Best day : Yves Parlier 325 miles/24 H
Vendée Globe 96 : Christophe Auguin, 105 days, 2 hours.
Best day : Yves Parlier 325 miles/24 H
Die bisherigen Rekorde:
Während des Around Alone überbot Marc Thiercelin mit seiner 'Somewhere' 8 Mal den 24-Stundenrekord, der vorher 374 nm/24hrs betrug, gehalten von Christophe Auguin, um diesen Rekord schließlich auf 396.5 nm/24h zwischen zwei "Argos-Messpunktten" zu bringen. Diesen Rekord gilt es nun zu brechen.
Seitdem hat nur der britische Skipper Mike Golding mit "Team Group 4" während des double-handed Transat Jacques Vabre diesen Rekord verbessert: 412nm/24h.
10 der 24 Wettbewerber sind Vendée Globe Veteranen, Yves Parlier zum dritten Mal. Andre haben verschiedene Around-Regatten - solo mit stopovers, oder mit Crews gesegelt.
Thomas Coville in der Crew von Olivier de Kersauzon gewann die Jules Verne Trophy, Michel Desjoyeaux in der Crew beim Whitebread, Mike Golding (Around Alone; ehemaliger Rekordhalter Around-'wrong' way, Roland Jourdain (Whitbread crew), Fedor Konyoukhov(der russische Reinols Messmer) 1xsolo-um die Welt und Around-Alone, Ellen MacArthur (1/2 around the world on maiden voyage,half solo), Dominique Wavre (3 Whitbreads als Crew), Josh Hall (Around Alone mit 50ft-Boot und Around the World Race auf 60ft-Boot, Javier Sanso (versch. Expeditionen rund Kap Hoorn und die Antarctis). Die Summe ergibt für alle Skipper 30 Around-Trips.
Alles dies zusammen macht es sicher, dass dieses rennen, das ins nächste Jahrtausend führt, außergewöhnlich sein wird.
Die Rennleitung wird täglich daran arbeiten, die Erlebnisse, Erfahrungen und Gefühle diese Abenteuers der modernen Zeit auf Ihren Bildschirm zu bringen.
Ein guter Wind für alle !
Philippe Jeantot
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