Velux 5 Oceans - Alone-Round the World Yacht Race
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26.04.2007
Die unglaubliche Geschichte von Graham Dalton im VELUX 5 OCEANS:

- 21. Dezember 2005: Grahams Sohn Toby stirbt an Krebs. In Graham keimt der Traum, in einem neuen Boot noch einmal alleine um die Welt zu segeln.
- 19. Oktober 2006: Die Salinge am Mast werden im Sturm beschädigt, so dass er den Start in Bilbao verpasst.
- 27. Oktober: Startet eine Woche nach dem offiziellen Start in Bilbao, meidet dadurch aber den schlimmsten Biskaya-Sturm seit langem, der die anderen Teilnehmer beutelt.
- 3. November: Erster Stopp: Läuft Porto Santo an um Ruder zu reparieren.
- 19. Dezember: Zweiter Stopp: Läuft die Kerguelen Inseln an um Treibstoff zu bunkern und um das kaputte Vorsegel zu reparieren.
- 21. Dezember: Jahrestag von Tonys Tod, alleine auf See.
- 24. Dezember: Trifft auf den schwersten Sturm des Rennens und bangt um sein Überleben.
- 25. Dezember: Weihnachten alleine auf See.
- 2. Januar 2007: Ziel der ersten Etappe erreicht: Kommt als vierte Yacht in Fremantle an und erfährt, dass seine Frau Robbie eine Brustamputation wegen Krebs durchführen lassen musste.
- 14. Januar: Start der zweiten Etappe von Fremantle nach Norfolk
- 27. Januar: Dritter Stopp: Läuft Bluff in Neuseeland an um Vorräte aufzufrischen, die wegen eines Lecks in der Dieselleitung verdorben waren.
- 13. Februar: Bricht sich zwei Finger, nahe des Ortes, wo im Around Alone 2002 sein Großbaum brach.
- 21. Februar: Vierter Stopp: Läuft Port Stanley in den Falkland Inseln an, um Diesel zu bunkern und Kopfbrett zu reparieren
- 14. März: Fünfter Stopp: Ruderlager beschädigt, läuft Fortaleza in Brasilien an.
- 19. März: Entdeckt, dass seine Kielbombe abgefallen ist, nachdem er schon eine Lebensmittelvergiftung hatte und ausgeraubt worden war.
- 4. April: Verlässt Brasilien, nachdem er in einer lokalen Werft eine neue Kielbombe hat bauen lassen.
- 19. April: Sechster Stopp: Läuft Bermuda an, mit zerrissener Genua und um Autopiloten zu reparieren.
- 25. April: Erreicht Norfolk, aber zu spät um die letzte Etappe zu starten ohne die Regattaregeln zu verletzen.

GRAHAM DALTON Erreicht norfolk
Er hat zwei Etappen des VELUX 5 OCEANS gesegelt, kann für die letzte Etappe nicht mehr am Rennen teilnehmen, wird aber dennoch alleine nach Bilbao segeln um seine Reise zu beenden.

Am Mittwoch, den 25 April um 02.57 Uhr lokaler Zeit (06.57 GMT) erreichte der mutige Einhandsegler Graham Dalton 101 Tage nach seinem Auslaufen in Fremantle, Westaustralien, endlich das Ziel in Norfolk, Virginia. Diese Reise wird als eine der dramatischten in die Annalen des Hochseesports eingehen. Damit hat Dalton auch die zweite Etappe des VELUX 5 OCEANS beendet, wird aber nach den Regattaregeln an der dritten und letzten Etappe nicht mehr teilnehmen können und als "nicht gestartet" gewertet werden. Damit wird er auch nicht offiziell das VELUX 5 OCEANS 2006-07 beendet haben. Dennoch wird der entschlossene Segler nach Bilbao segeln, nach einer unglaublichen Reise um den Globus, die Fans und Segler in aller Welt fasziniert und inspiriert hat.

Dies ist ein brutaler Schlag für den erfahrenen Segler, der das Rennen im Gedenken an seinen 2005 an Krebs verstorbenen Sohn Toby beenden wollte. Dieses Mal wollte er endlich die monumentale Herausforderung bestehen, nachdem er im letzten Rennen 2002 nach dem Runden von Kap Hoorn seinen Mast verlor. Dalton segelt eine Open 50, die nach seinem Sohn benannt ist, hatte aber von Anfang an einer Reihe von Problemen zu leiden, die ihn zu insgesamt sechs Zwischenstopps zwangen. Auf See segelte A SOUTHERN MAN AGD schnell, wurde aber immer wider von schweren Stürmen heimgesucht, die jedem der Teilnehmer zu schaffen gemacht hätten.

Die Regeln schreiben vor, dass ein Teilnehmer 72 Stunden in Norfolk verbringen und die dritte Etappe binnen einer Woche nach dem offiziellen Start antreten muss. Die anderen Teilnehmer verließen Norfolk um 12.20 am Mittwoch, den 18. April. Um die 72-Stunden-Regelung zu erfüllen, hätte Dalton bis 12.20 am Sonntag in Virginia eintreffen müssen. Doch obwohl er das Rennen nun nicht mehr offiziell beenden kann, hat er immerhin eine Einhand-Weltumsegelung beendet. Denn die Qualifikation für die Teilnahme am Rennen war es, Einhand von Norfolk nach Bilbao zu segeln. Seine Ankunft in Norfolk, Virginia, schließt also den Kreis, den er im September 2005 begonnen hatte.

Zunächst sah es noch so aus, als könne Dalton Norfolk noch rechtzeitig erreichen. Bis ihn wieder einmal das Pech einholte und in einem Sturm seine Vorsegel zerfetzt und die Autopiloten beschädigt wurden, so dass er Bermuda anlaufen musste. Die Regeln schreiben weiterhin vor, dass jeder Teilnehmer nach einem Zwischenstopp eine 48-stündige Zeitstrafe bekommt. Damit hätte A SOUTHERN MAN AGD die letzten fast 600 Seemeilen in etwas mehr als 24 Stunden segeln müssen, um noch rechtzeitig einzutreffen.

Dalton sagte dazu in Norfolk: "Das Feuer brennt in mir immer noch lichterloh. Einerseits bin ich froh darüber, endlich hier zu sein, aber auf der anderen Seite bin ich einfach nur unglücklich. Vor fünf oder sechs Wochen war ich nur noch 3000 Seemeilen von Norfolk entfernt und es sah ganz danach aus, als würde ich 1000 Seemeilen vor Robin hier eintreffen. Dass ich die dritte Etappe nun nicht mehr starten darf ist sehr enttäuschend, aber so ist es nun einmal. Ich kann nichts mehr daran ändern und muss mich mit der Situation so gut es geht arrangieren."

"Du gibst niemals auf. Das sehe ich als Charakterschwäche. Man kann es immer wieder sehen, im Segeln, in anderen Sportarten: wenn jemand nicht gewinnt, gibt er eben auf. Das ist reine Schwäche, Mangel an Rückgrat. Du musst es nehmen wie es kommt, du hast nun einmal deine guten und auch deine schlechten Tage."

"Dieses Rennen zu beenden war seit 40 Jahren mein Ziel und ich habe mein Leben lang darauf hin gearbeitet. Nicht nur die zweite Etappe, sondern 40 Jahre. Alles, was ich in meinem Leben getan habe war irgendwie auf dieses Ziel ausgerichtet. Aber solche Dinge passieren eben. Ich segele dennoch nach Spanien, denn ich habe es schon vorher gesagt und sage es auch jetzt wieder: Es wird am Äquator schneien bevor ich aufgebe. Ich kann ja nichts an einer administrativen Entscheidung ändern, aber ich kann meine Reaktion darauf ändern. Und meine Reaktion ist einfach: Ich bin hier um das zu tun was ich tun muss und daher werde ich nach Spanien segeln."

Der Renndirektor David Adams sagte: "Es ist ein so tragisches Ende für einen so entschlossenen und unverzagten Teilnehmer. Aber trotz unseres Mitgefühls für Grahams Situation müssen wir uns an die Regeln halten, die in der Ausschreibung zum Rennen festgelegt sind. Damit müssen wir ihn leider disqualifizieren und als DNF einstufen. Graham würde dennoch gerne weiter segeln und das Ziel in Bilbao erreichen und wir werden ihn dabei so gut es geht unterstützen."

"Dieses Rennen ist nun einmal die "Ultimate Solo Challenge" und tatsächlich eines der härtesten Sportveranstaltungen der Welt, die uns physisch, psychisch und emotional auf die härtesten Proben stellt. Grahams Geschichte in diesem Rennen hat Menschen in der ganzen Welt in ihren Bann gezogen und wir möchten allen für die vielen aufmunternden und unterstützenden Nachrichten danken, die wir alle an Graham weiter geleitet haben. Sein ultimatives Ziel war es, dieses Rennen im Andenken an seinen Sohn zu beenden und dabei auch die unerledigte Arbeit von 2002 zu beenden. Tragischerweise wird dies nun nicht mehr möglich sein, aber dennoch sollten wir alle uns von seinem Willen und seinem Durchhaltevermögen inspirieren lassen, nämlich trotz schier unüberwindlich erscheinender Schwierigkeiten niemals aufzugeben. Ich hoffe sehr dass wir ihn in vier Jahren wieder sehen werden und dass er eines Tages dieses Rennen wird beenden können."

Daltons Geschichte des VELUX 5 OCEANS war eine Achterbahnfahrt der Gefühle, voller Drama und schlichtem Pech. Dennoch hat der Neuseeländer niemals aufgegeben, trotz der Stürme, den Schäden an seinem Schiff A SOUTHERN MAN AGD und den vielen anderen Problemen.

Graham meldete für das Rennen mit einem neuen Boot, aber ohne Titelsponsor. Stattdessen benannte er sein Schiff nach seinem Sohn Toby, der im Dezember 2005 so tragisch an Krebs verstarb. Er erreichte Bilbao gerade eben noch rechtzeitig zum Regattastart, nach einer besonders schweren Reise über den Atlantik, in der er eines seiner Ruder beschädigte.

Dalton verpasste den eigentlich Start dann doch noch, wegen eines Sturmes, der kurz vor dem Start die Salinge seines Schiffes beschädigte. Allerdings verpasst er dadurch auch jenen furchtbaren Biskayasturm, der den anderen Teilnehmern das Überleben so schwer machte. Eine Woche nach dem Start segelte auch er in Bilbao los und kam gut voran, bevor ein kaputtes Ruderlager ihn nach Porto Santos, bei Madeira, zwang.

In der harten Etappe im Südlichen Ozean konnte Dalton mit seinem kleinen Schiff gut mit einigen der größeren 60-Füßer mithalten. Dann wurde er abermals zum Stoppen gezwungen, diesmal in den entlegenen Kerguelen Inseln, um ein kaputtes Vorsegel zu reparieren und um neues Diesel aufzunehmen. Als Dalton gegen Ende der ersten Etappe schon bei der Ansteuerung von Westaustralien war, wurde er von einem der schlimmsten Stürme überhaupt gebeutelt. Zwei Tiefdruckgebiete hatten sich am Weihnachtstag vereint, und ein verletzter und seekranker Graham Dalton rief seine Familie an um sich zu verabschieden, in der festen Überzeugung, dass er diesen Sturm nicht überleben würde. Trotzdem schaffte er es, und trotz zwei Stopps und vieler Schäden erreichte der tapfere Segler Fremantle sogar an vierter Stelle, einen Tag vor Unai Basurko aus dem Baskenland.

Bei seiner Ankunft musste Dalton erfahren, dass bei seiner Frau Robbie Brustkrebs diagnostiziert worden war und dass sie sich einer Brustamputation hatte unterziehen müssen. Glücklicherweise wurde der Krebs erfolgreich entfernt und Robbie sagte es Graham erst bei dessen Ankunft in Fremantle. Ihre Begründung: wenn sie es ihm schon vorher gesagt hätte, wäre er sofort an Land gesegelt und sie wollte seinen Traum nicht in Gefahr bringen. Dalton hatte zudem nur sehr wenig Zeit, um sein Schiff auf die lange und mühsame Etappe nach Norfolk, Virginia, vorzubereiten, schaffte es aber rechtzeitig zum Start.

Nach einem guten Start und beeindruckenden Geschwindigkeiten in den ersten Tagen ruinierte ein Leck in der Dieselleitung seine Vorräte, so dass er schon wieder einen Zwischenstopp einlegen musste, diesmal in seiner Heimat Neuseeland, in Bluff an der Südspitze der Südinsel. Als er das Rennen wieder aufnahm, hatten ihn Sir Robin Knox-Johnston und Unai Basurko eingeholt und so wurde daraus ein Verfolgungsrennen quer durch den stürmischen und eiskalten Südlichen Ozean bis nach Kap Hoorn. Obwohl er gut segelte, musste Dalton dann die Falkland Inseln anlaufen um das gebrochene Kopfbrett des Großsegels zu reparieren.

Kurz darauf kam der schlimmste Schlag, als sich die Ruderhalterung an Backbord auflöste und ihn nach Fortaleza in Brasilien zwang. In diesem Hafen erkrankte er an einem heftigen Anfall von Lebensmittelvergiftung, während er sich davon erholte, wurden ihm alle elektronischen Geräte für die Kommunikation und Navigation von Bord seines Schiffes gestohlen. Allen dessen zum Trotz bereitete Dalton sich entschlossen auf die Weiterfahrt vor - nur, um herauszufinden, dass seine Kielbombe abgefallen war. Noch immer gab Dalton nicht auf, sondern baute sich in einer kleinen Werft eine neue Kielbombe.

Es war fast unglaublich, dass Dalton es schaffte, am 4. April mit einer neuen Kielbombe und nur sehr rudimentärer Elektronik das Rennen wieder aufzunehmen. Es sah lange so aus als könne er Norfolk rechtzeitig für die dritte Etappe erreichen, besonders weil der Start dort wegen schlechten Wetters um einige Tage verschoben worden war. Doch dann war es die zerrissene Genua und der kaputte Autopilot, die seinen Traum tatsächlich beendeten.

Kojiro Shiraishi, SPIRIT OF YUKOH:
"Ich weiß dass Dalton es schon zum zweiten Mal versucht. Ich respektiere die Geisteshaltung, mit der er diese Herausforderung annimmt. Er gibt niemals auf und versucht selbst gegen schier unüberwindbare Hürden noch, zu gewinnen."

Sir Robin Knox Johnston, SAGA INSURANCE:
"Es ist sehr traurig, dass Graham das Rennnen aufgeben musste, nachdem er soweit gekommen ist. Aber der Abstand zwischen ihm und dem Rest des Feldes ist einfach zu groß. Er hatte ja vom Start weg Probleme, ist dort schon eine Woche zu spät ausgelaufen, aber wann immer sein Boot in Ordnung war, hat er gezeigt dass es sehr schnell und sehr konkurrenzfähig ist. Vielleicht hat er beim dritten Versuch mehr Glück, im Jahre 2010?"

- ENDE - Tim Kelly / Justine Ozoux
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