18 Dec 2007
Rolex Sydney Hobart Yacht Race
Sydney/Hobart, Autralia
Rolex Sydney Hobart Yacht Race 2007
Meilensteine in der Geschichte der Veranstaltung
1945
Was für neun Boote als gemeinsamer Segeltörn nach Tasmanien am Zweiten Weihnachtstag
begann, wurde schnell zu einer echten Regatta. Starke Böen aus Süd-Südwest am zweiten Tag
nach dem Start in Sydney verstreuten das Feld. Außer John Illingworths „Rani“ suchten alle Yachten
zu irgendeinem Zeitpunkt Schutz. Die nachfolgend immer wieder erzählten Abenteuergeschichten
führten zwangsläufig zu einer Wiederholung des Rennens.
1977
Das Rennen bot ein Paradebeispiel für die wechselhaften Bedingungen: Es begann bei leichtem
Wind. Am zweiten Morgen herrschten westliche Winde von 20 Knoten. Diese drehten am
Nachmittag auf Südost und verstärkten sich auf 30 bis 40 Knoten mit schwerer See. Einige Yachten
erlebten Windstärken bis zu 50 Knoten von unterschiedlicher Dauer. Bis zum Abend hatten 18
Boote aufgegeben. Am zweiten Tag kamen weitere 15 dazu. Die Windstärke betrug zwar nur noch
20 Knoten aus Südost, die See war aber immer noch rau. Nachts drehte der Wind auf Südwest mit
25 bis 35 Knoten. Erst am 29. beruhigte er sich auf 12 Knoten aus Süd, dann Südost und wurde
schließlich zu einem leichten Nordostwind. Leichte Winde bis Flauten plagten die Nachzügler, von
denen einige jedoch am 1. Januar noch einmal von 85 Knoten durchgeschüttelt wurden.
1980
Der Start fand in leichten Ostwinden statt, die sich bis zum ersten Nachmittag hielten. Dabei kam
es zu den seit vielen Jahren schwersten Einfl üssen durch Zuschauerboote vor den Sydney heads.
Östliche Winde blieben die erste Nacht über leicht, frischten aber am zweiten Tag auf 15 bis 18
Knoten auf, so dass es bei bedecktem Himmel zu einem schnellen Halbwindkurs entlang der Küste
von New South Wales kam. Der Wind drehte langsam zurück auf Nordost und frischte im Laufe
der zweiten Nacht weiter bis zu 25 Knoten auf. Das sorgte für eine schnelle Überquerung der Bass
Strait. Entlang der tasmanischen Küste blieb der Wind am dritten Tag bei 20 Knoten aus Nordost.
Für die Führenden schien ein neuer Rekord in Reichweite zu sein. Der Wind und die Hoffnungen
auf einen Rekord schwanden aber am dritten Tag mit leichten, wechselnden Winden und schwerem
Regen. Am Morgen des vierten Tages frischte der Wind von Süden her auf 20 bis 30 Knoten auf und
drückte die Sieger ins Ziel. Dann starb die Brise langsam und ließ die kleineren Boote in leichten,
wechselnden Bedingungen die tasmanische Küste hinab segeln, über die Storm Bay und den
Derwent River hinauf.
1990
Starke Winde, schnelle Vorwindkurse, anstrengendes Kreuzen gegen den Wind, Kontroversen
an Land – das 46. Sydney Hobart Yacht Race brachte alles andere als einen neuen Rekord. Ein
stattliches Feld von 106 Yachten setzte im Sydney Harbour in einer guten Südostbrise Spinnaker für
einen schnellen Start. Die ersten Ausfälle gab es bereits wenige Stunden nach dem Start, weitere
folgten am nächsten Tag, als die Flotte unter Spinnaker vor dem Wind herpreschte und dieser auf
Nordost drehte, bis auf 30 Knoten auffrischte und manche Yachten mit Böen von bis zu 50 Knoten
traf. In der Bass Strait geriet der Maxi „Rothmans“ in ein tückisches Tief. In Lee der tasmanischen
Ostküste legten sich allerdings die Winde und zerstörten die Chance der „Rothmans“ auf einen
Rekord. Sie überquerte die Ziellinie schließlich mit einer gesegelten Zeit von 2 Tagen, 19 Stunden,
7 Minuten und 2 Sekunden, der drittschnellsten Zeit in den zurückliegenden 46 Jahren. Erste nach
gesegelter Zeit zu sein und ihr vorläufi ger zweiter Platz bleiben der „Rothmans“ allerdings nicht
erhalten. Die Regattaleitung verhängte gegen die britische Yacht eine Strafe von zehn Prozent auf
die berechnete Zeit und nahm ihr den Platz der ersten Yacht im Ziel. Grund: Sie hatte die Regel 26
verletzt, indem ein Spinnaker mit einem unerlaubten Werbelogo gesetzt worden war. Dadurch wurde
die „Ragamuffi n“ als Erste im Ziel gewertet, und der erste Platz in der Gesamtwertung ging an die
„Sagacious V“.
1994
Das 50. Sydney Hobart zog ein riesiges Feld von 371 Teilnehmern aus aller Welt an, die das
Jubiläumsrennen begehen wollten. Unter ihnen mit der „Archina“ und der „Winston Churchill 2“
auch zwei Yachten, die das allererste Rennen mitgesegelt waren, an Bord auch einige ehemalige
Crewmitglieder.
Der Windgott meinte es am Zweiten Weihnachtstag gut und gewährte der 50-Jahre-Flotte im Sydney
Harbour einen Start unter Spinnaker, zweifellos der spektakulärste Start, der je bei einer großen
Hochseeregatta zu sehen war. Ab dann war es jedoch ein zähes Geschäft. Einmal durch die heads
hindurch, musste die Flotte die Küste von New South Wales entlang gegen den Wind ankämpfen,
der aus Südost auffrischte. Am nächsten Tag hatte die Brise wieder auf Ost und Nordost gedreht
und bescherte den Maxis und dem Großteil des Feldes ein Rennen unter Spinnaker in die Bass
Strait und für die Vorderen auch über diese hinweg bei rekordverdächtigen Geschwindigkeiten.
Die zweite Hälfte des Feldes wurde jedoch von einer Sturmfront aus Südwest zerstreut, wobei die
meisten von einem „Bass Strait Roller“ vorgewarnt worden waren, einer sich drehenden Wolkenrolle,
die sich von Horizont zu Horizont erstreckt. Die zweite Windfront mit bis zu 50 Knoten richtete den
meisten Schaden an. Sie begrub jede Hoffnung auf einen Rekord und zwang die Maxis unter der
Ostküste Tasmaniens zu reffen oder anzulanden. Rund 40 Yachten suchten Schutz in Eden. Der
Sturm aus Südwest hielt an, als die führenden Maxis sich über die Storm Bay kämpften, bis sie in Lee
des Mount Wellington auf dem Derwent endlich aufatmen konnten. Der Rest der Flotte wurde weiter
vom Südwest geprügelt, aber es gab nur noch wenige, die jetzt aufgaben. Von den 371 gestarteten
erreichten 308 Boote Hobart und belegten Constitution Dock und Sullivan’s Cove komplett, um den
50. Geburtstag des Sydney Hobart groß zu feiern.
1998
Trauriges ereignete sich beim Sydney Hobart 1998. Der schlimmste Sturm in der 54-Jährigen
Geschichte des Rennens traf die Teilnehmer, als die meisten der 115 Yachten nach einem
rekordverdächtigen Sprung entlang der australischen Ostküste bereits in der Bass Strait waren.
Das Rennen hatte mit einer günstigen Nordströmung von vier Knoten begonnen und sah stärker
werdende nördliche Winde von 25 bis 35 Knoten, die vor der Küste vorherrschten.
Doch am frühen Morgen des 27. Dezembers bewegte sich in der Höhenluft ein massiver
Kaltluftstrom schnell nordwärts nach Victoria und sorgte auf der Rückseite der Kaltfront für zu dieser
Jahreszeit ungewöhnliche Schneefälle in den australischen Alpen. In Verbindung mit der Einführung
einer tieferen Schicht kalter Luft über Victoria formierte sich ein neues kleines Tief und begann, sich
südlich von Wilson’s Promontory über der Bass Strait zu vertiefen. Der zentrale Luftdruck in diesem
sich schnell verstärkenden Tief sank rasch auf annähernd 980 Hektopascal. Das Tief bewegte sich
zunächst in nordöstlicher Richtung, aber drehte dann am späten Vormittag des 27. Dezember mit
einer Geschwindigkeit von 25 Knoten mehr nach Osten. Am Mittag passierte es südlich von Gabo
Island und hielt seine Stärke.
Über der östlichen Bass Strait und den Küstengewässern vor dem südlichen New South Wales
entwickelten sich Winde aus West bis Südwest, die Sturmstärke erreichten und diese für 36 Stunden
beibehielten. Mindestens zwölf Yachten registrierten West- und Südwestwinde von bis zu 80
Knoten und 15 Meter hohe Seen, häufi g sogar 20 Meter und mehr, als diese „Bass Strait-Bombe“
explodierte. Ein Drittel des Felds berichtete von durchschnittlichen Windstärken über 60 Knoten. Ein
Crewmitglied beschrieb: „Die See war wie ein weißes Tuch, das aus den Windböen herauskam.“
Mehrere Yachten wurden durchgekentert, einige mehrmals. Von den 115 gestarteten Booten gaben
71 auf. Nur 44 kämpften sich unter Trysegel und Sturmfock, manchmal nur mit Sturmfock oder
sogar allein unter Topp und Takel über die Bassstraße. In einer dramatischen Rettungsaktion wurden
56 Segler von Helikoptern und Booten aus insgesamt neun angeschlagenen Yachten oder deren
Rettungsinseln geborgen. Es gab eine Mann-Über-Bord-Situation. Alles in allem brauchten insgesamt
16 Yachten Hilfe. Sieben Boote wurden aufgegeben. Fünf sanken während des Sturms, die meisten,
nachdem sie von einer gigantischen See überrollt und mitgerissen wurden, so wie sich die meisten
Yachten, die in Schwierigkeiten waren, überschlagen hatten.
Traurigerweise starben sechs Segler in dieser schlimmsten Tragödie in der langen Geschichte des
Sydney Hobart. In Hobart gaben die, die es ins Ziel geschafft hatten, denen, die im Sydney Hobart
Race 1998 auf See geblieben waren, am Constitution Dock einen bewegenden Abschied, das
„Yachties Farewell“: Glyn Charles von der „Sword of Orion“, Bruce Guy and Phil Skeggs von der
„Business Post Naiad“ sowie Jim Lawler, Mike Bannister und John Dean von der „Winston Churchill“.
2005
Eine Regeländerung schaffte 2005 jegliche Geschwindigkeitsbegrenzung ab, indem alle
Boote unabhängig vom Handicap zugelassen wurden. Das öffnete die Tür für leistungsfähige
Supermaxis mit Schwenkkielen, die auch allesamt in Sydney an der Startlinie waren, um den Kurs
herauszufordern. Am Ende, nach einem mutigen, taktischen Zug unter Land, war es Bob Oatleys „Wild
Oats XI“ aus Australien, ein 98-Füßer von Reichel/Pugh, der das „Triple“ gewann: Erster im Ziel, Sieger
nach IRC-Handicap und eine neue Rekordzeit von einem Tag, 18 Stunden, 40 Minuten und zehn
Sekunden für den 628-Seemeilen-Kurs. „Wild Oats XI“ war erst das sechste Boot in der 61-Jährigen
Geschichte, das sowohl Erster im Ziel war, als auch nach berechneter Zeit den Gesamtsieg holte.
Rolex Sydney Hobart Yacht Race 2007
Historische Fakten von 1945 bis 2006
Der erste Gewinner des Rennens
Rani
Kapitän John Illingworth RN (Vereinigtes Königreich)
Design: Barber 35’ Kutter
Gesegelt und berechnet vorn
Vorjahressieger (2006) – IRC-Gesamtwertung
Love & War, Skipper: Lindsay May (Australien) | Typ: S&S 47
Doppelsiege nach gesegelter und berechneter Zeit
Rani (Großbritannien) – 1945
American Eagle (USA) – 1972
Kialoa (USA) – 1977
New Zealand (Neuseeland) – 1980
Sovereign (Australien) – 1987
Wild Oats XI (Australien) – 2005
Mehrfache Sieger nach gesegelter Zeit
Morna / Kurrewa IV (Australien) – 7 Rennen
Bumblebee IV, Ragamuffi n (Australien) – 3 Rennen
Astor (Australien) – 3 Rennen
Margaret Rintoul (Australien) – 2 Rennen
Solo (Australien) – 2 Rennen
Kialoa III (USA) – 2 Rennen
Sayonara (USA) – 2 Rennen
Wild Oats XI (Australien) – 2 Rennen
Mehrfache Gesamtsieger nach Handicap
Freya (Australien) – 3 aufeinander folgende Rennen
Love & War (Australien) – 3 Rennen
Westward (Tasmanien) – 2 Rennen
Siandra (Australien) – 2 Rennen
Solo (Australien) – 2 Rennen
Ausmaid (Australien) – 2 Rennen
Schnellstes Rennen
Das schnellste Rennen war 2005
Offene Klasse
Wild Oats XI (Australien, Bob Oatley, Mark Richards), 1 Tag, 18:40,10 Stunden
Kialoa III (USA) hielt den Rekord für 21 Jahre,
Morning Glory (Hasso Plattner/Walldorf) für drei.
Langsamstes Rennen
Das langsamste Rennen war 1945
Wayfarer – Peter Luke (Australien), 11 Tage, 6:20,56 Stunden
Rolex Sydney Hobart Yacht Race 2007
Historische Fakten von 1945 bis 2006 (Fortsetzung)
Knappster Zieleinlauf:
1982 – Condor of Bermuda schlug Apollo nur mit sieben Sekunden
2001 – 47 Minuten trennten die ersten sieben Boote
Die meisten Teilnahmen – Yachten
Philip’s Foote W Witchdoctor – 26 Rennen
Mark Twain – 25 Rennen
Impeccable – 23 Rennen
Bacardi – 22 Rennen
Polaris of Belmont – 22 Rennen
Margaret Rintoul II – 21 Rennen
Die meisten Teilnahmen – Segler
John Bennetto (Tasmanien) – 44 Rennen
Lou Abrahams (Australien) – 43 Rennen
Tony Cable (Australien) – 43 Rennen
Richard (Sightie) Hammond (Australien) – 40 Rennen
Bernie Case (Australien) – 40 Rennen
Tony Ellis – 40 Rennen
Die meisten Teilnahmen – Seglerinnen
Adrienne Cahalan (Australien) – 16 Rennen
Rekordfelder
371 Starter in 1994 – das 50. Rennen
179 Starter in 1985
151 Starter in 1984
Das Teilnehmerfeld im Vorjahr (2006)
78 gestartet
69 im Ziel
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