Pressemitteilung zum Rekordversuch von Boris Herrmann und Giovanni Soldini
1. November 2011
6 Segeltage über den großen Teich?
Getunter 70-Füßer soll Fabelzeit einer 140-Fuß-Yacht schlagen
www.BorisHerrmannRacing.com
Wie schnell kann ein Segelboot den Atlantik überqueren? Schneller als die
meisten Frachter jedenfalls, behaupten Boris Herrmann und Giovanni Soldini,
zwei Hochseehelden aus Deutschland und Italien. Skipper Soldini und Herrmann
als Navigator greifen mit einer zehnköpfigen internationalen Crew auf der
speziell für dieses Ziel getunten 70-Fuß-Yacht „Maserati“ an. Weitere
Hauptsponsoren sind „Generali“ und die Schweizer Bank „BSI“ aus der
Unternehmensgruppe des Versicherers. In höchstens sechseinhalb Tagen will
das Team es im April von New York nach England schaffen und damit einen
neuen Rekord für diese prestigeträchtige, fast 3.000 Seemeilen (5.400 km)
lange Strecke aufstellen. Die Hintergründe und Herausforderungen der
Hochseejagd gaben Herrmann und Soldini am Dienstag (1. November) auf der 52.
Internationalen Bootsausstellung hanseboot in Hamburg bekannt.
„Der Kampf allein gegen die Uhr in einem selbstgewählten, idealen
Wetterfenster, das macht den besonderen Reiz im Vergleich zum üblichen
Regattasegeln aus, wo der Wind zu nehmen ist, wie er gerade kommt, und die
Gegner die Taktik mitbestimmen“, erklärt Boris Herrmann seinen nächsten
Coup. Im April dieses Jahres hatte der geborene Oldenburger mit Standbeinen
in Hamburg und München, der derzeit in Barcelona lebt und für den Kieler
Yacht-Club startet, als erster Deutscher überhaupt eine Regatta nonstop um
die Welt erfolgreich beendet und war beim Barcelona World Race mit Ryan
Breymeier (USA) auf dem Open 60 „Neutrogena“ Fünfter geworden. Die
Rekordjagd mit Soldinis Mannschaft dient Herrmann auch als Winterprogramm in
Vorbereitung auf die Vendeé Globe, das härteste Einhandrennen ohne Halt rund
um den Globus, welches im November 2012 in Frankreich beginnt.
Bis dahin stehen drei verschiedene Atlantikrouten im Focus. Bereits im
Januar will die Zehner-Crew so schnell wie möglich vom spanischen Cadiz in
die Karibik nach San Salvador (Bahamas) segeln, das sind 3.884 Seemeilen. Im
März geht es von Miami/Florida über 947 Seemeilen nach New York. Während es
auf diesen beiden Strecken offiziell beim World Speed Sailing Record Council
WSSRC, das über alle Rekorde wacht, nur Mehrrumpf-Bestzeiten aus 2007 durch
Frank Cammas Trimaran „Groupama“ gibt, wartet die eigentliche
Herausforderung auf dem Nordatlantik von West nach Ost: Exakt 2.925
Seemeilen vom Ambrose-Leuchtturm vor New York nach Lizard Point, der
Südwestecke Großbritanniens. Sechs Tage, 17 Stunden, 52 Minuten und 37
Sekunden sind zu unterbieten, 18,05 Knoten im Schnitt, aufgestellt 2003 von
der doppelt so langen, britischen Mega-Yacht „Mari Cha IV“.
Doch Bootsdesign und -technik haben sich seitdem rasant weiterentwickelt.
Das Geschwindigkeitspotential der gut 21 Meter langen „Maserati“ ist enorm.
Ursprünglich als VO70-Yacht mit 30-Meter-Karbonmast, Wasserballast,
Schwenkkiel und Seitenschwertern konzipiert, wurde sie in den vergangenen
drei Monaten auf einer Werft in Genua „frisiert“. „Das Schiff ist jetzt zehn
Prozent leichter als vorher und hat durch Verlängerung der Kielfinne ein
größeres aufrichtendes Moment“, erklärt Soldini, der von einem „Lebenstraum“
spricht, wenn er über den Bruch des Transatlantikrekords philosophiert.
Außerdem wurde der Gewichtsschwerpunkt der Yacht nach hinten verlagert. Das
soll der „Maserati“ höhere Geschwindigkeiten vor dem Wind erlauben als der
VO70-Klasse.
Und die ist bereits rekordverdächtig schnell, löschte sie doch 2005 den
damals zwei Jahre alten 24-Stunden-Weltrekord der „Mari Cha IV“ von 525,7
Seemeilen aus. Der Brasilianer Torben Grael schraubte diesen 2008 mit der
VO70 „Ericsson 4“ inzwischen auf sagenhafte 596,6 Seemeilen, das sind 1.100
Kilometer, also Deutschland von Nord nach Süd an einem Tag. Die
Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 24,85 Knoten, entsprechend fast 46 km/h.
„Natürlich haben wir die magische 600er-Marke auch im Auge“, so Boris
Herrmann, „wenn das Wetter stimmt, sollte das im Bereich des Möglichen
liegen.“
Als Navigator wird es zunächst seine Aufgabe sein, Wetter- und
Windstatistiken der Vergangenheit auszuwerten, um daraus ein Wunschszenario
für eine Rekordfahrt zu entwerfen. Steht die „Maserati“ in den Startlöchern,
muss dieses Szenario anhand der aktuellen meteorologischen Entwicklungen
vorhergesagt sowie der günstigste Zeitpunkt für den Startschuss gefunden
werden. „Beim Wetterrouting helfen uns zwar modernste Software und viele
Daten“, erläutert Herrmann, „aber die persönliche Erfahrung und ein Gespür
für Wind und Wetter sind unabdingbar.“ Sein Skipper hat dazu allein 30
Atlantiküberquerungen in die Waagschale zu werfen.
Im Wettkampf mit anderen haben beide sich mehrfach bewiesen. Giovanni
Soldini, 45 Jahre alt, ist spätestens seit dem Gewinn der Einhand-Regatta
Around Alone 1999 ein Star des weißen Sports, nicht nur weil er unterwegs
auch noch die Französin Isabelle Autissier aus Seenot rettete. Schon 1996
schlug er einhand mit der nur 50 Fuß langen „Kodak“ beim Rennen Europe 1
Star am Wind bis auf einen alle 60-Füßer. Boris Herrmanns Stern ging 2008
auf, als er – 15 Jahre jünger – hinter eben diesem italienischen Überflieger
Soldini Zweiter im Artemis Transat über den Atlantik wurde. Seitdem kennen
und schätzen sich die beiden Hochseeartisten. Mehr noch. „Giovanni war unser
Mentor, als ich 2009 mit Felix Oehme das Portimăo Global Ocean Race gewann“,
sagt Herrmann voller Stolz.
Immer wieder kreuzten sich ihre Wege; beide haben inzwischen zweimal die
Welt umrundet, segelten aber meist allein oder in Zweimann-Crews. Nun kämpfn
sie gemeinsam gegen die Zeit. Die volle Mannschaft soll in den nächsten
Wochen bei ersten Trainings in Italien zusammengeschweißt werden. Noch vor
dem Jahreswechsel erfolgt die Überführung nach Cadiz, wo das Team im Januar
auf Stand-by für die erste Passage geht. Für Boris Herrmann wird es eine
ganz neue, spannende Erfahrung: „Das Segeln mit großer Mannschaft, wo jede
Position individuell besetzt ist, reizt mich enorm, auch wenn das nächste
große Ziel danach eine Einhandregatta ist.“ Denn die Vorbereitungen für
seine Vendeé-Kampagne laufen parallel auf Hochtouren.
(Ende)
Andreas Kling
Boris Herrmann Racing
PR
www.BorisHerrmannRacing.com
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