Der Hamburger Boris Herrmann, der als erster
Deutscher überhaupt an einer Weltregatta für die 18,29 Meter langen
Rennziegen der Klasse IMOCA Open 60 teilnehmen wird, brach mit dem
US-Amerikaner Ryan Breymaier auf der „Neutrogena“ am Mittwochabend (1.
Dezember) aus Frankreich nach Barcelona auf. Damit ging eine rund einjährige
Vorbereitung beim Team Kaïros in Concarneau in der Bretagne zu Ende.
„Die vergangenen Monate im französischen Rennstall von Roland Jourdain waren
sicher die lehrreichsten in meiner bisherigen Laufbahn als Hochseesegler“,
meinte Boris Herrmann respektvoll vor dem Überführungstörn. In der
Talentschmiede traf der 29-jährige Sieger des Portimão Global Ocean Race
(2009 mit Felix Oehme) auf seinen neuen Crewpartner Ryan Breymaier. Der
34-jährige gehört zur Stammmannschaft im Team Kaïros und kennt das Boot, die
vormalige „Veolia Environnement“, aus dem Effeff. Jourdain hatte es mit
Jean-Luc Nélias bei der Premiere des Barcelona World Race 2007-08 gesegelt.
„Ich habe großes Vertrauen in die beiden Jungs“, lobte Jourdain den Einsatz
des Duos während der gesamten Vorbereitung, sie haben sich richtig
reingekniet und das Zeug, beim Rennen eine sehr gute Figur abzugeben.“
Während die seglerischen Aufgaben an Bord von beiden Skippern zu gleichen
Teilen wahrgenommen werden, ist Herrmann mehr für die elektronischen
Arbeiten zuständig, Breymaier für die mechanischen. Er war bei Jourdain
nicht nur als Rigger für Mast und stehendes Gut (Verstagung) verantwortlich,
sondern segelte auch bei einigen Regatten selbst mit. „Ich liebe diese Boote
genauso wie den Wettkampf und freue mich auf die Herausforderung mit Boris“,
so Breymaier, für den es die erste Weltumseglung sein wird. „Das Barcelona
World Race gibt mir die Chance, mir in der IMOCA Open 60-Szene einen Namen
zu machen.“
Große Namen im internationalen Hochseezirkus machten sich zeitgleich mit der
„Neutrogena“ auf den Weg nach Barcelona. Aus La Rochelle/Frankreich segelt
die Mixed-Crew Dominique Wavre (Schweiz) und die Französin Michèle Paret mit
der „Mirabaud“ ins Mittelmeer; ebenfalls aus Frankreich ist die „Président“
der französisch-spanischen Mitfavoriten Jean Le Cam und Bruno Garcia
unterwegs. Der Engländer Alex Thomsen startete mit seinem Co-Skipper Andrew
Meiklejohn (Neuseeland) auf der „Hugo Boss“ aus Gosport/Großbritannien. „Wir
fliehen mit Volldampf vor dem nordeuropäischen Winter“, beschrieb Thomsen
die harschen äußeren Bedingungen.
Auch Herrmann und Breymaier hatten Eis an Deck der „Neutrogena“, als sie in
Concarneau die Leinen loswarfen. Vor der Küste nahm das Schiff schnell zwölf
Knoten Fahrt mit Kurs Biskaya auf. „Wir wollen vor dem heranziehenden
Sturmtief durch die Straße von Gibraltar sein“, erklärte Boris Herrmann die
Wetteraussichten, von daher werde die Überführung kein Spaziergang. Die
fünfköpfige Crew rechnet mit einer Reisezeit von sieben bis acht Tagen.
Unterwegs sollen vor allem die technischen Systeme noch einmal getestet
werden. Dazu gehören unter anderem der Hydrogenerator, ein winziges, aber
effizientes Wasserkraftwerk unterm Rumpf, aber auch die Selbststeueranlagen
sowie die Navigationsgeräte bis hin zur Meerwasserentsalzung. Aber auch die
Erstellung und Übermittlung von Videos, Audiointerviews, Fotos und
Erlebnisberichten von Bord gehört zum Tages- und Nachtprogramm an Bord der
„Neutrogena“.
Dass es auch bei solchen Touren richtig zur Sache gehen kann, erlebten Boris
Herrmann und Ryan Breymaier während eines 2.000 Seemeilen langen
Qualifikationsrennens, als ein orkanartiger Sturm und unangenehme Kreuzseen
herrschten. Während andere Mitbewerber bei den Bedingungen aufgeben mussten,
hielt die neue deutsch-amerikanische Freundschaft auch dem Schlechtwetter
stand und ging gestärkt daraus hervor. „Ein Platz unter den ersten fünf ist
unser großes Ziel“, stapelt das Team Neutrogena gar nicht erst tief.
Unterdessen akklimatisierten sich die Topfavoriten der Regatta schon vor Ort
in Barcelona. Die extremen Neubauten „Foncia“ von Michel Desjoyeaux und
François Gabart sowie „Virbac-Paprec 3“ von Jean-Pierre Dick und Loïck
Peyron (alle Frankreich) waren nach der berühmten Einhandregatta Route du
Rhum gemeinsam per Frachter nach Barcelona verbracht worden. Das Rennen
hatte jedoch Roland Jourdain mit seiner zweiten, neueren, aber nicht neuen
„Veolia Environnement“ gewonnen. „Es reicht nicht, wenn nur die Boote bei
bestimmten Bedingungen schneller sind. Langzeitstrategie und Kleinraumtaktik
sowie das Material nicht überzustrapazieren sind genauso wichtige
Erfolgsfaktoren“, weiß Jourdain. Auch das gab er Boris Herrmann und Ryan
Breymaier mit auf den Weg zum Barcelona World Race 2010-11.
Die Teilnehmer am Barcelona World Race 2010-11
Central Lechera Asturiana : Juan Merediz / Fran Palacio (beide Spanien)
Estrella Damm : Alex Pella / Pepe Ribes (beide Spanien)
Foncia : Michel Desjoyeaux / François Gabart (beide Frankreich)
Fòrum Marítim Català : Gerard Marín / Ludovic Aglaor (Spanien/Frankreich)
Fruit : Kris Owczarek / Armand Coursodon (Polen/Frankreich)
GAES Centros Auditivos : Dee Caffari / Anna Corbella
(Großbritannien/Frankreich)
Groupe Bel : Kito De Pavant / Sébastien Audigane (beide Frankreich)
Hugo Boss : Alex Thomson * / Andrew Meiklejohn (Großbritannien/Neuseeland)
Mirabaud : Dominique Wavre* / Michèle Paret* (Schweiz/Frankreich)
Neutrogena : Boris Herrmann / Ryan Breymaier (Deutschland/USA)
Président : Jean Le Cam / Bruno García (Frankreich/Spanien)
Renault : Pachi Rivero / Antonio Piris (beide Spanien)
Virbac-Paprec 3 : Jean-Pierre Dick* / Loïck Peyron (beide Frankreich)
We are Water : Jaume Mumbrú (ESP) / Cali Sanmartí (beide Spanien)
www.iker-xabi.com: Iker Martínez / Xabi Fernández (beide Spanien)
* diese Skipper haben auch am ersten Barcelona World Race teilgenommen
Andreas Kling
Deutsche PR
Barcelona World Race
www.barcelonaworldrace.org
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