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Volvo Ocean Race 2011/2012 - Leg 7 - Miami - Lissabon - Start 20.05.2012
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1. Juni 2012
Hochseedrama pur vor Lissabon
„Puma“ Etappen- und Gesamtdritter
„Groupama“ vorn / „Telefoníca“ halbe Bootslänge vor „Camper“
LISSABON. Der Kieler Michael Müller springt mit der US-Hochseeyacht „Puma“
aufs Podium, und nach sieben Etappen rund um die Welt hat in der Nacht zu
Freitag (1. Juni) beim Volvo Ocean Race 2011-2012 erstmals die Führung
gewechselt. Neuer Spitzenreiter ist das französische Segelteam Groupama.
Skipper Franck Cammas löste Olympiasieger Iker Martínez und die spanische
„Telefoníca“ ab, die seit dem ersten Zwischenstopp in Kapstadt/Südafrika am
26. November geführt hatte.
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Foto: Paul Todd
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Den Franzosen reichte auf dem drittletzten Teilstück von Miami/USA nach Lissabon/Portugal ein zweiter Rang hinter der
bis dahin sieglosen „Abu Dhabi“ von Ian Walker. Ihr Vorsprung beträgt nun
drei Punkte vor den Spaniern, die in einem dramatischen Schlussspurt bei
totaler Flaute eine halbe Bootslänge vor der neuseeländischen „Camper“ von
Chris Nicholson Vierte wurden.
„Puma“ folgt weitere neun Zähler zurück,
Camper insgesamt nun schon 21. Alle sechs Boote waren nach 3.590 Seemeilen
(mehr als 6.600 Kilometer) innerhalb von weniger als viereinhalb Stunden im
Ziel. Die härteste Regatta der Welt wird am Wochenende 9./10. Juni nach
Lorient in Frankreich fortgesetzt und endet am 7. Juli mit einem Hafenrennen
im irischen Galway.
„Das ist unglaublich, einfach verrückt. Das hat mich nochmals 30 Jahre
meines Lebens gekostet“, beschrieb „Puma“-Skipper Ken Read die wohl
nervenaufreibendste Etappe überhaupt in der 39-jährigen Geschichte des
ehemaligen Whitbread-Rennens. „Unser Ergebnis ist großartig. Wir hätten
gewinnen, aber auch Letzter werden können, und das millionenfach im Wechsel.
Zum Schluss haben wir schon wieder die Positionslichter der beiden Verfolger
hinter uns gesehen. Das war hart, denn wir wurden vor dem Ziel in einer
Flaute immer langsamer. Das war eine Etappe zum Überleben.“
Und weiter zur
möglichen Endabrechnung: „Wir sind ganz dicht dran, mitten unter den vier
besten Teams. Es gibt noch genügend Punkte zu gewinnen, der Gesamtsieg
bleibt für alle drin.“
Diese Transatlantiketappe wird in die Geschichtsbücher des Hochseesegelns
eingehen, denn selten zuvor war ein Rennverlauf so spannend gewesen. Der
Zweikampf der „Camper“ mit der „Telefoníca“ auf der Zielgeraden war kaum zu
überbieten. Ein packendes Matchrace – bei praktisch keinem Wind. Einmal
mussten die Boote sogar dicht unter Land ankern, um nicht von der Strömung
im Kanal von Lissabon rückwärts getrieben zu werden. Morgens um halb vier
auf der Ziellinie waren es nicht mehr als zehn Meter, die den Ausschlag zu
Gunsten der Spanier gaben. Für diese „Strecke“ brauchte die „Camper“ sage
und schreibe 102 Sekunden länger!
Schon direkt nach dem Start hatte der erste Tropensturm der Hurrikansaison
2012 das Feld erheblich durcheinander gewürfelt. Über elfeinhalb Tage lagen
sechs Boote aber selten mehr als 100 Seemeilen auseinander. Am Ende ging es
wieder um wenige hundert Meter. Schon zwischen dem Etappengewinner „Abu
Dhabi“ und „Groupama“ auf Platz zwei hatten nur fünf Minuten und 27 Sekunden
gelegen. „Wir hätten gerne gewonnen, gönnen es aber den bisher arg
gebeutelten Siegern“, meinte Franck Cammas, „für uns ist die Gesamtführung
trotzdem ein Traum.“
Die „Puma“ konnte ihren Podiumsplatz vergleichsweise gelassen einfahren,
spürte aber dennoch ähnlich viel Druck. „Allein die letzten Stunden vor
Lissabon haben gezeigt, wie furchtbar schwer es war, die Position zu
verteidigen“, so Ken Read, „deshalb sind wir wirklich hochzufrieden mit
unserem dritten Platz. Nach zwei Etappensiegen klingt das vielleicht
unglaubwürdig, aber dies war ein Rennen zum Verlieren. Brutal hart. Und wir
haben zwei unser drei direkten Konkurrenten geschlagen. Damit müssen wir
zufrieden sein, auch wenn wir drei Viertel der Etappe Zweiter waren.“
So gehörten die „Raubkatzen“ in der langen Nacht von Lissabon mit zu den
Feierbiestern. Den Festzug führte der Brite Ian Walker an, der sich nach
sieben enttäuschenden Monaten rehabilitiert sah. „Alle wissen, dass wir ein
Problem mit dem Bootsspeed haben. Wir sind das langsamste von allen neuen
Booten. Deshalb mussten wir auf anderem Weg beweisen, dass die Crew
erstklassig ist und alle schlagen kann. Das ist uns nun gelungen, obwohl wir
jederzeit den Atem den anderen im Nacken gespürt haben. Ich bin sehr stolz
auf meine Mannschaft und einfach nur überglücklich“, sagte der Skipper der
„Abu Dhabi“, die im Gesamtklassement dennoch nicht über einen fünften Platz
hinauskommen wird.
Die rote Laterne ging einmal mehr an den zweifachen Gesamtsieger Mike
Sanderson auf der chinesischen „Sanya“, die allerdings auch nur eine
Viertelstunde später ins Ziel kam. Das beweist, dass auch das einzige Boot
aus dem vorigen Rennen, die Ex-„Telefoníca Blue“, unter bestimmten Umständen
mithalten kann. Die nächste Gelegenheit, das zu beweisen, gibt es am
Sonnabend, dem 9. Juni, beim Hafenrennen in Lissabon. Einen Tag später
startet die vorletzte Etappen in den französischen Atlantikhafen Lorient.
(Ende)
Ergebnis der siebten Etappe von Miami/USA nach Lissabon/Portugal:
1. Abu Dhabi (Ian Walker/Abu Dhabi) 11 Tage, 4 Std., 23 Min, 53 Sek. 30
Punkte
2. Groupama (Franck Cammas/Frankreich) 5 Min., 27 Sek. zurück 25
3. Puma (Ken Read/USA) 2 Std. 2 Min., 58 Sek. zurück
20
4. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien) 4 Std., 4 Min. 34 Sek. zurück
15
5. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland) 4 Std., 6 Min., 16 Sek. zurück 10
6. Sanya (Mike Sanderson/China) 4 Std., 20 Min., 33 Sek. zurück
5
Zwischenstand nach sieben von neun Etappen
1. Groupama (Franck Cammas/Frankreich) 183 Punkte
2. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien) 180
3. Puma (Ken Read/USA) 171
4. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland) 162
5. Abu Dhabi (Ian Walker) 104
6. Sanya (Mike Sanderson/China) 32
Andreas Kling
German Media Manager
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