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2. Juli 2012
Müller auf dem Weg zu „Silber“
Defensive „Groupama“ vor Gesamtsieg / Heute Nacht Zieleinlauf
GALWAY. Das Volvo Ocean Race 2011-2012 steht vor der Entscheidung. Seit
Sonntagmittag (1. Juli) läuft die letzte von neun Hochseeetappen, die sechs
Yachten über fast 40.000 Seemeilen (rund 72.500 Kilometer) um die Welt
geführt haben. Nach ihrem Heimsieg im Hafenrennen von Lorient/Frankreich am
Sonnabend segelt die „Groupama“ von Skipper Franck Cammas mit 25 Punkten
Vorsprung einem scheinbar ungefährdeten Gesamtgewinn entgegen. Die
zweitplatzierte „Puma“ von Ken Read (USA) mit dem Kieler Vorschiffsmann
Michael Müller als einzigem Deutschen im Rennen hat nur noch theoretische
Chancen und kämpft um „Silber“. Die Boote werden in der Nacht zu Dienstag
(3. Juli) im irischen Zielhafen von Galway erwartet, wo es am kommenden
Sonnabend (7. Juli) noch ein letztes Hafenrennen gibt. Das könnte bei der
Vergabe der weiteren Podiumsplätze zum Zünglein an der Waage werden.
Die ersten 24 Stunden des Finales waren an Spannung kaum zu überbieten. Bug
an Bug rasten die Yachten über den Atlantik Richtung Fastnet Rock, einem
Felsen an der Südküste Irlands als Bahnmarke auf dem 550-Seemeilen-Kurs. Die
meiste Zeit führte die spanische „Telefoníca“ des ehemaligen
49er-Olympiasiegers Iker Martínez; so hart gesegelt, als wolle sie für die
vielen Punkte wieder gutmachen, die das Team vor allem in den Hafenrennen
liegengelassen hatte, wodurch es auf den vierten Gesamtrang zurückgefallen
war. Auch beim Bretagne In-Port-Race hatte es wieder nur zum vierten Platz
gereicht, während die „Camper“ von Chris Nicholson aus Neuseeland ihre
Führung kurz vor dem Ziel noch verlor, weil sich die Mannschaft mit der
Anliegelinie verschätzt hatte. Die „Puma“ wurde durch einen fatalen
Manöverfehler nur Dritte. Das Vorsegel flatterte mehr als eine Minute im
Wind, weil die Genuaschot ausgerauscht war.
„Alle Verfolger hoffen auf so ein Missgeschick bei den Franzosen, machen die
Fehler dann aber selbst“, sagte ein enttäuschter Ken Read. Beim Start der
letzten Etappe wurde die „Camper“ nach einer Behinderung der Spanier mit
einer 360-Grad-Drehung bestraft, erholte sich aber schnell davon. Als das
Feld Lorient achteraus ließ, entwickelte sich ein beinharter Kampf um die
Plätze auf dem Treppchen. Die Konkurrenz schenkte keinen Meter her. Einzig
die „Groupama“ schien nicht mehr als nötig zu geben und zog als Vierte in
kleinem Abstand hinterher. Denn das wäre das Etappenergebnis, welches sie
uneinholbar machen würde.
Viele tausend Segelfans verfolgten die Schlussetappe im Internet unter
www.volvooceanrace.com, wo ein 3D-Livetracker jeden Positionswechsel auf
hoher See abbildete. Am Fastnet-Felsen war ein Hubschrauber mit
Livevideoübertragung dabei. Sie sahen die „Mar Mostro“ von Puma Ocean Racing
nach einem taktisch cleveren Kniff mit etwas besserem Windeinfallswinkel um
12.31 Uhr und sechs Sekunden als den berühmten Leuchtturm runden. Es folgte
die „Telefoníca“ eine Minute und 19 Sekunden zurück. Um 12.36 Uhr und 20
Sekunden passierte die „Groupama“, wenige Bootslängen (45 Sekunden) vor der
„Camper“. Die „Abu Dhabi“ von Ian Walker lag 14 Seemeilen zurück vor der
abgeschlagenen „Sanya“ aus China (Mike Sanderson). Bis nach Galway waren es
von dort noch 160 Seemeilen. Abnehmender Wind, Tidenströmung und
Kreuzstrecken garantierten Hochspannung bis zuletzt.
(Ende)
Ergebnis des Hafenrennens von Lorient/Frankreich:
1. Groupama (Franck Cammas/Frankreich) 56 Minuten, 12 Sekunden 6 Punkte
2. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland) 13 Sekunden zurück 5
3. Puma (Ken Read/USA) 24 Sekunden zurück 4
4. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien) eine Minute, 34 Sekunden zurück 3
5. Abu Dhabi (Ian Walker/Abu Dhabi) eine Minute, 48 Sekunden zurück 2
6. Sanya (Mike Sanderson/China) vier Minuten, 45 Sekunden zurück 1
Zwischenstand vor der neunten und letzten Etappe
1. Groupama (Franck Cammas/Frankreich) 225 Punkte
2. Puma (Ken Read/USA) 200
3. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland) 196
4. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien) 194
5. Abu Dhabi (Ian Walker) 124
6. Sanya (Mike Sanderson/China) 40
Andreas Kling
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