

|
Volvo Ocean Race 2011/2012 - Leg 9 - Lorient - Galway - Start 01.07.2012
www.volvooceanrace.com - Übersicht
Tagesberichte siehe Menu unten
Fotogalerie Leg9
Pressemitteilung vom Zieleinlauf der letzten Etappe des Volvo Ocean Race
3. Juli 2012
„Groupama“ gewinnt das Volvo Ocean Race
„Camper“ siegt im Finale und wird 2.
/ Nur „Bronze“ für „Puma“
GALWAY. Die besten Hochseesegler der Welt kommen aus Frankreich. Mit einem
zweiten Platz auf der letzten Etappe gewannen Skipper Franck Cammas und
seine Crew der „Groupama“ um exakt 2.49 Uhr und elf Sekunden am frühen
Dienstagmorgen (3. Juli) das Volvo Ocean Race 2011-2012. Nach acht Monaten,
fast 40.000 Seemeilen und extremen Strapazen wurde das Team von mehreren
zehntausend Menschen im irischen Hafen von Galway trotz nachtschlafender
Zeit frenetisch gefeiert.
|

Foto: Yvann Zedda
|
Es ist der dritte französische Sieg im elften
Rennen um den Globus seit 1973/74. 2001-02 hatte die Leverkusener Yacht
„illbruck“ gewonnen. Diesmal war der Kieler Michael Müller an Bord der
„Puma“ als einziger Deutscher dabei. Nach Rang zwei in 2009 blieb ihm der
erhoffte Triumpf versagt. Das US-Team von Skipper Ken Read musste sogar noch
den neuseeländischen Etappensieger „Camper“/Chris Nicholson passieren lassen
und sich sechs Punkte zurück mit „Bronze“ begnügen. Der sechs Monate
führenden „Telefoníca“ des Olympiasiegers Iker Martínez blieb in Galway und
insgesamt nur der undankbare vierte Platz. Das letzte Hafenrennen am
Sonnabend (7. Juli) wird durch diesen Ausgang für die Gesamtwertung
bedeutungslos, solange die „Camper“ dabei ins Ziel kommt.
Die pechschwarze Nacht von Galway wurde durch Blitzlichtgewitter,
Handfackeln und Scheinwerferspots erhellt, die einen grün-orangen
Freudentaumel ins rechte Licht rückten. Überglücklich lag sich die
elfköpfige „Groupama“-Crew in den Armen, reckte die Fäuste beider Arme in
den Himmel. Champagner schäumte die Sieger in Glücksseligkeit. „Ein Traum
geht in Erfüllung“, jubelte Franck Cammas, „ich hatte es vor der Regatta
nicht für möglich gehalten, dass wir sie gewinnen können. Das ist ein
großer, sehr bewegender Moment für das ganze Team.“
Der 38-Stunden-Sprint entlang der Atlantikküste war ein Spiegelbild des
spannendsten Rennverlaufs in der 39-jährigen Geschichte der härtesten
Regatta rund um die Welt für Yachten mit voller Crew. Nie zuvor hatte es so
knappe Zieleinläufe gegeben, bei denen die Gegner nach mehreren Tagen im
Ziel teils nur Minuten oder gar Sekunden, wenige hundert Meter und manchmal
sogar nur Bootslängen auseinander lagen. Die drei Verfolger der „Groupama“
wechselten sich seit Sonntagmittag (1. Juli) permanent in der Führungsrolle
ab. Über die gesamte Strecke von 550 Seemeilen blieb das Quartett
untereinander in Sichtweite, rundete den berühmten Felsen Fastnet Rock als
Bahnmarke innerhalb von sechs Minuten. Nur die „Groupama“ schien kein
unnötiges Risiko mehr einzugehen, reizte den Trimm nicht immer voll aus, da
selbst ein vierter Platz sie rechnerisch uneinholbar gemacht hätte.
Die Widersacher hofften vergeblich sowohl auf einen kapitalen Fehler der
Franzosen, als auch auf Schützenhilfe der beiden abgeschlagenen Teams von
„Abu Dhabi“ mit Skipper Ian Walker und der chinesischen „Sanya“ unter dem
zweimaligen Gesamtsieger Mike Sanderson, die 30 Seemeilen zurück lagen.
Walker hatte immerhin überraschend die Transatlantiketappe nach Lissabon
gewonnen, kämpfte aber trotz des größten Entwicklungsaufwands mit dem
mangelnden Geschwindigkeitspotential des Boots. Die „Sanya“ stand als
einziges Schiff aus dem vorigen Rennen (Ex-„Telefoníca Blue“) von vornherein
auf verlorenem Posten.
Auch die „Groupama“ war nur mäßig in die Regatta gestartet. Ein
strategischer Fehler auf der ersten Etappe brachte sie als letztes Boot ins
Ziel, was jedoch ein Podiumsplatz war, denn drei andere fielen durch Bruch
komplett aus. Trotz eigener Rumpfschäden gelang ein Sprintsieg im zweiten
Teil der zweiten Etappe nach Abu Dhabi, die – auch ein Novum bei
Hochseerennen – wegen der Piratengefahr vor der Küste Somalias durch eine
Frachterpassage von den Malediven nach Sharjah unterbrochen worden war. Erst
beim Etappensieg in Auckland/Neuseeland nach dem vierten Teilstück – erneut
trotz eines Risses im Rumpf erzielt – blitzte das Können des Mannes richtig
auf, der schon den Designprozess mit dem argentinischen Starkonstrukteur
Juan Kouyoumdjian eng begleitet hatte, „um das Boot besser zu verstehen“, so
Cammas. Heraus kam die schnellste Yacht bei Halbwindbedingungen mit
achtbarem Potential am und vor dem Wind.
„Highway to hell“ dröhnte es aus den Lautsprecherboxen im Hafenvorfeld, wenn
die „Groupama“ bei ihrer Volvo Ocean Race-Premiere wieder in See stach und
wenn die Mannschaft nach harter Arbeit wieder anlegte. Der Hardrock von
AC/DC war ihr Teamsong und sprach die mentale Einstellung aus, mit der die
Segler zu Werke gingen. Geradezu furchtlos zeigten Cammas und seine
handverlesene Mannschaft beschlagener Hochseerecken, was in ihrem VO70
steckte. Manches Mal musste die Konkurrenz wehrlos zuschauen, wie der
giftgrüne Racer an ihnen vorbeizog. Beeindruckend war Platz drei unter
Notrigg in Itajaí/Brasilien nach einer knüppelharten Tour rund Kap Horn,
vorentscheidend der Heimsieg auf der vorletzten Etappe von
Lissabon/Portugal, wo die Franzosen erstmals die Gesamtführung übernommen
hatten, nach Lorient. Aber auch die starke Leistung in den einfach
gewerteten Hafenrennen half dem Team nach vorn.
Ähnlich erging es der „Puma“, doch die fehlenden Punkte nach einem Mastbruch
in der Auftaktetappe holte sie am Ende nicht mehr auf. Zu keiner Zeit hatten
Read & Co. die Gesamtführung inne, aber im Finale immerhin lange Zeit
„Silber“ fest im Visier. Doch die entscheidende Halse in die Bucht von
Galway hinein kam etwas zu spät. Die „Camper“ nutzte die Gunst der Stunde
zum ersten Etappensieg überhaupt. Entsprechend verhalten war die Stimmung an
Bord. „Wir haben alles gegeben und uns nichts vorzuwerfen“, meinte „Michi“
Müller nach dem Rennen etwas enttäuscht, „auch wenn vielleicht nicht alle
Entscheidungen ganz glücklich waren. Hinterher sind immer alle schlauer.“
Den steilsten Absturz musste die spanische „Telefoníca“ mit dem
49er-Goldmedaillengewinner von 2004 in Athen, Iker Martínez, verkraften.
Seit Kapstadt in Südafrika Ende November bis nach Miami/USA hatten sie ein
halbes Jahr Platz eins beansprucht. Sehr schlechte Hafenrennen und ein
doppelter Ruderbruch auf der Transatlantiketappe machten jedoch alle
Hoffnungen zunichte. Auch die Top-Favoriten führten das letzte Teilstück
einige Stunden an, wurden am Ende aber vom Spitzentrio abgehängt.
Mit dem abschließenden Hafenrennen am Sonnabend (7. Juli), bei dem noch die
In-Port-Trophäe ausgesegelt wird, geht die Ära der Volvo Open 70 zu Ende.
Jene 21,50 Meter langen Rennziegen halten den 24-Stunden-Weltrekord (Torben
Grael/„Ericsson 4“/2008/596,6 Seemeilen) und den Streckenrekord beim Rolex
Fastnet Race (Ian Walker/„Abu Dhabi“/2011). Ab 2014/15 wird das Volvo Ocean
Race jedoch in einer Einheitsklasse gesegelt, die nicht nur zuverlässiger
und sicherer, sondern auch noch etwas schneller sein soll. Im laufenden
Rennen hatte es zahlreiche Ausfälle durch Mastbrüche und schwere
Rumpfschäden gegeben. Die neuen Boote heißen Volvo 65 und werden im Auftrag
der Veranstalter gebaut, der sie an die Syndikate weiterverkauft. Außerdem
sind nur noch acht Crewmitglieder und sieben verschiedene Segel erlaubt. Das
soll die Kosten für eine Kampagne auf 12 bis 15 Millionen Euro senken und
nach diesmal sechs zukünftig wieder mindestens acht bis zehn Teilnehmer
anziehen. Die neue Route um die Welt wird im Dezember bekanntgegeben.
(Ende)
Ergebnis der neunten und letzten Etappe von Lorient/Frankreich nach
Galway/Irland:
1. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland) 37 Stunden, 42 Min., 13 Sek. 30
Punkte
2. Groupama (Franck Cammas/Frankreich) sechs Min., 58 Sek. zurück 25
3. Puma (Ken Read/USA) zwölf Minuten, 48 Sekunden zurück 20
4. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien) 17 Minuten, 20 Sek. zurück
15
5. Sanya (Mike Sanderson/China) um 4 Uhr noch nicht im Ziel
(10)
6. Abu Dhabi (Ian Walker/Abu Dhabi) um 4 Uhr noch nicht im Ziel
(5)
Zwischenstand vor dem letzten Hafenrennen am 7. Juli:
1. Groupama (Franck Cammas/Frankreich) 250 Punkte
2. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland) 226
3. Puma (Ken Read/USA) 220
4. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien) 209
5. Abu Dhabi (Ian Walker) (129)
6. Sanya (Mike Sanderson/China) ( 50)
|
|
|