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7. Juli 2012
Finalsieg in Galway versöhnt „Puma“
In-Port-Trophäe für Read, Müller & Co. / Neue Pläne noch geheim
GALWAY. Mit ihrem einzigen Sieg in zehn Hafenrennen hat die Segelcrew der
„Puma“ mit dem Kieler Vorschiffsmann Michael Müller unter US-Skipper Ken
Read die In-Port-Serie des Volvo Ocean Race gewonnen. Das Finale am
Sonnabend (7. Juli) im irischen Galway versöhnte die Männer auf der
Raubkatze, die in der Gesamtwertung der härtesten Regatta rund um die Welt
hinter der „Groupama“ von Franck Cammas/Frankreich und der „Camper“ (Chris
Nicholson/Neuseeland) Dritte wurden.
„Wenn wir an der Startlinie sind, wollen wir immer gewinnen, völlig
unabhängig von der Bedeutung eines Rennens“, hatte „Michi“ Müller vollen
Einsatz versprochen. Das Discover Ireland In-Port-Race war durch den Ausgang
der letzten Hochseeetappe am Dienstag (3. Juli) praktisch bedeutungslos
geworden. Und Skipper Ken Read hatte es zunächst als Schaulaufen wie bei
einer Parade eingestuft. Doch gekleidet in grünen T-Shirts, der
Nationalfarbe der Gastgeber, zeigte „der Puma“ wieder von Beginn an seine
Zähne. Am Start noch leicht zurück führte die internationale Mannschaft nach
wenigen Minuten das gesamte Rennen souverän an. Ein kleines Trostpflaster
war es, „vielleicht so viel wert wie ein Etappensieg“, meinte Müller. Mit 45
Punkten schlug das „Puma“-Team ausgerechnet die zweitplatzierte „Camper“,
die vorher gleichauf war und mit ihrem Etappensieg auf den letzten
Hochseemeilen vor der irischen Küste „Silber“ klargemacht hatte, um einen
einzigen Zähler. Gesamtsieger „Groupama“ blieb in der Hafenwertung nur Rang
drei.
Die Tage zwischen dem Zieleinlauf der neunten und entscheidenden Etappe von
Lorient in Frankreich nach Galway gaben auch dem einzigen deutschen
Hochseerecken in den sechs Kampagnen Zeit zur Reflexion. „Es war wieder ein
phänomenales Erlebnis mit zahllosen prägenden Momenten für Leben“,
resümierte „Michi“ Müller, der seine zweite Weltumseglung als Vorschiffsmann
absolvierte. 2009 war er auch mit Puma Ocean Racing Zweiter hinter der
„Ericsson 4“ des Brasilianers Torben Grael geworden. Nur ungern erinnert
sich der 29-Jährige an den Auftakt im November vorigen Jahres zurück, der
mit einem Mastbruch mitten auf dem Atlantik jäh endete. Der Zielhafen
Kapstadt mehr als 2000 Seemeilen entfernt und das nächste Land weit genug,
um nicht die Gefahr des vorzeitigen Aus zu sehen. „Das war die
schrecklichste Situation nicht nur für mich persönlich“, sagt Müller
rückblickend.
Den verlorenen Punkten segelte das Puma-Team mehrere Monate hinterher, bis
das Podium in Schlagdistanz kam. Auch der Gesamtsieg war noch in greifbarer
Nähe, doch dem stand eine Leistungsexplosion der „Groupama“ im Weg. „Dass
wir zum Schluss dann auch noch den zweiten Rang verloren haben, war schon
sehr ärgerlich“, so Müller, „aber darüber redet in ein paar Wochen niemand
mehr. The winner takes it all.“ Am liebsten denkt er an die Zielankünfte,
„wo viele Menschen uns zujubelten. Das baut einen sofort wieder auf und
lässt die Entbehrungen auf hoher See vergessen.“ Auch den Sieg in Galway
genoss der junge Veteran, eine Riesenparty mit 2000 Gästen und der finalen
Preisverteilung stand auf dem Programm.
„Das Ende so einer Regatta ist immer ein sehr emotionaler Moment“, sagte
sein Skipper Ken Read, „für die meisten war es eine lange Zeit, viel mehr
als nur die acht Rennmonate. Ich selbst habe das jetzt sechs Jahre
betrieben.“ Als Verlierer fühle er sich nicht, auch wenn der Traum vom
Gesamtsieg auch diesmal unerfüllt blieb. Read: „Das Rennen zu beenden und
die gesamte Crew wohlbehalten nach Hause zu bringen, ist eine großartige
Errungenschaft.“ Vor allem für ihn als Skipper sei die Verantwortung
gewaltig. „Die Boote sind Raketen, es gab jede Menge heikle Momente da
draußen auf hoher See. Ein falscher Tritt und jemand geht über Bord. Dass
wir am Ende keinen dieser schrecklich Anrufe tätigen mussten, um Angehörigen
mitzuteilen, ihr Ehemann oder Sohn kommt nicht mehr nach Hause; allein das
sollte uns stolz, glücklich und zufrieden machen.“
Einer, der wieder nach Hause an die Kieler Förde kommt, ist Deutschlands
Hochseesegler der Stunde. Nach ein paar Tagen Urlaub auf der grünen Insel
kehrt Michael Müller mit seiner Partnerin Meike Stange und den beiden
kleinen Kindern Mia (3) und Max (1) nach Kiel zurück, um sich von den
Strapazen der fast 40.000 Seemeilen durch eisige Kälte, schwerste Stürme und
glühende Hitze zu erholen. Die absoluten Höhepunkte des Extremsegelns sind
in einem Regattavideo im Internet auf YouTube zusammengefasst:
http://www.youtube.com/watch?v=7A7XJLhRVVE. Ob er noch einmal um die Welt
segeln will? „Das ist nicht der richtige Moment, darüber nachzudenken, aber
ausschließen will ich das nicht“, so der Blondzopf. Das nächste, dann
zwölfte Volvo Ocean Race wird 2014/15 auf neuen Booten der Einheitsklasse
Volvo 65 ausgetragen. „Mal sehen, wie das einschlägt, und ob es ein
reizvolles Projekt für mich gibt.“ So lange soll die Segelszene allerdings
nicht auf den nächsten Einsatz Müllers warten. „Ich habe schon Pläne“,
verriet der Profi vom Kieler Yacht-Club, vielleicht gar nicht so weit von
der Haustür entfernt, „aber die sind noch nicht hundertprozentig
spruchreif.“
(Ende)
Ergebnis des zehnten und letzten Hafenrennens von Galway/Irland:
1. Puma (Ken Read/USA) 53 Minuten, 12 Sekunden
6 Punkte
2. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland) 1 Minute, 19 Sekunden zurück
5
3. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien) 1 Minute, 56 Sekunden zurück 4
4. Groupama (Franck Cammas/Frankreich) 2 Minuten, 29 Sek. zurück 3
5. Abu Dhabi (Ian Walker/Abu Dhabi) vier Minuten zurück
2
6. Sanya (Mike Sanderson/China) vier Minuten, 32 Sekunden zurück 1
Endstand der In-Port-Race-Serie
1. Puma 45 Punkte
2. Camper 44
3. Groupama 41
4. Abu Dhabi 37
5. Telefonica 27
6. Sanya 16
Endstand im Volvo Ocean Race 2012-2012
1. Groupama (Franck Cammas/Frankreich) 253 Punkte
2. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland) 231
3. Puma (Ken Read/USA) 226
4. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien) 213
5. Abu Dhabi (Ian Walker) 131
6. Sanya (Mike Sanderson/China) 51
Andreas Kling
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