ORC Weltmeisterschaft, Kiel 2014

1. bis 9. August 2014
www.orcworlds2014.com
Übersicht

06.08.2014
ORC WM:
Flaute und Wind trieben ein wildes Spiel

Am Morgen des dritten Tags der ORC-Weltmeisterschaft vor Kiel mussten die 151 Crews erst einmal noch die Erlebnisse der Langstrecke vom Vortag verarbeiten. Denn der Wind trieb am Dienstag ein wildes Spiel mit den Yachten in den drei Wertungsgruppen.

Nach gutem Start blieb das Feld zwischenzeitlich über Stunden in der spiegelglatten Ostsee hängen, bevor sich wieder ein leichter Hauch aufbaute, der sich in einigen Böen sogar auf über 20 Knoten steigerte. Nicht alle Mannschaften indes profitierten davon, denn die schnellen Yachten fuhren bis zum Ziel vor der Windfront her und mussten so schließlich mitansehen, wie ihnen die kleinere Schiffe wertvolle Minuten raubten. Am Ende wurde das Feld in den berechneten Ergebnissen kräftig durchgemischt. Unbeeindruckt zeigte sich die norwegische „Santa“, eine Landmark 43 von Claus Landmark, in der Gruppe A, die nach einer Kurz- und einer Langstrecke mit zwei Siegen das Feld anführt. In B steht die estländische „Forte“ (X-41) mit zwei dritten Rängen an der Spitze, und in der Gruppe C gibt es ein punktgleiches Führungstrio, zu dem neben der estländischen „Sugar 2“ (NM38S, Erik Melts) auch zwei deutsche Mannschaften auf ihren X-332 Sport gehören. Die „Sportsfreund“ von Axel Seehafer (Heiligenhafen) führt vor der „patent³“ mit Jens Tschentscher (Hamburg) am Steuer.

Heute sind drei weitere Up-and-down-Wettfahrten angesetzt. Nach einer frühen Startverschiebung baute sich am späten Vormittag eine Seebrise auf, so dass die Crews auf das Wasser geschickt wurden.

Die Stimmungslage der Mannschaften, die am Dienstag bis in die einbrechende Dunkelheit hinein segelten, entsprach nach der Ankunft dem Glück und Pech, auf der Bahn die richtige Seite und den Wind gefunden zu haben oder in der Flaute stecken geblieben zu sein. Die Crew der „Cala Ventinove“, eine Dehler 29 von Uwe Wenzel (Bremen), zählte als eine der kleinsten Yachten im Feld zu den Glücklichen. Die WM-Dritte von 2007 war lange auf der Bahn, kostete den späten Wind weidlich aus, um sich mit einem Tagessieg in der Gruppe C auf Gesamtrang sechs vorzuschieben. An der Spitze dieser Gruppe durften sich aber vor allem die aktuellen deutschen Vizemeister der „Sportsfreund“ und die Weltmeister von 2010 auf der „patent³“ freuen, dass sie ihren guten WM-Auftakt am Montag nun mit weiteren Top-Ergebnissen veredelten.

In der Gruppe B punkteten auf der Langstrecke vor allem Crews, die zum Auftakt im Mittelfeld lagen. Daher war die Zufriedenheit auf der XP-38 „Veolia“ von Torsten Bastiansen (Flensburg) besonders hoch. Ihr zweiter Rang auf dem langen Kurs spülte sie nach einem soliden sechsten Platz auf der Kurzstrecke auf Gesamtrang drei. „Wir haben im Laufe des Rennens zweimal schlechte und zweimal gute Entscheidungen getroffen, am Ende lagen wir aber richtig und hatten zum Schluss mit Böen über 20 Knoten auch tollen Wind“, freute sich Taktiker Sven Christensen. Wie lange die Freude halten wird, entscheidet sich aber erst nach dem dritten Tag. Denn die „Veolia“ gehört zu einer Gruppe von 26 Crews aus den Gruppen B und C, gegen die ein Protest anhängig ist.

Überhaupt nicht glücklich mit dem bisherigen WM-Verlauf ist die „Platoon“ von Harm Müller-Spreer (Hamburg). Die neue Carkeek 47 wurde nach dem Gewinn des deutschen Meistertitels hoch gewettet, um den TP52 aus Italien und Norwegen die Stirn zu bieten. Doch die großen Yachten leiden unter den Windbedingungen und sind allesamt nicht im Vorderfeld zu finden. „Das läuft überhaupt nicht für uns. Wir sind die ganze Zeit vor der Windfront hergefahren, und das Feld schob sich von hinten ran. Erst als wir im Ziel waren, kamen wir in den Wind. Zudem müssen wir feststellen, dass wir das Handicap im Vergleich zu den TP52 nicht rausfahren können. Wir haben fast den gleichen Rennwert, haben aber bei fast gleichem Gewicht weniger Segelfläche. Da merkt man, dass die TP52 als etablierte Klasse schon sehr optimiert ist“, sagte „Platoon“-Crewmitglied Matti Paschen. Von Gesamtrang 22 sind die WM-Chancen der „Platoon“ nur noch sehr minimal.

Für WM-Organisationsleiter H.-Eckhard von der Mosel war der Tag der Langstrecke trotz der schwierigen Rahmenbedingungen ein guter aus Sicht der Wettfahrtleitung. „Wir haben sehr individuell für die einzelnen Klassen auf den Wind reagiert und hatten statt des einen geplanten Ziels schließlich drei – für jede Klasse ein eigenes. Die Wettfahrtleitungen haben da wirklich einen sehr guten Job gemacht.“

Ergebnisse, Bilder und Nachrichten zur WM sind unter www.orcworlds.com zu finden.

Der aktuelle deutsche Vizemeister „Sportsfreund“ führt nach zwei Tagen in der Klasse C gemeinsam mit dem Weltmeister von 2010 „patent³“. Foto: ORC/C.Beeck

Die XP-38 „Veolia“ von Torsten Bastiansen (Flensburg) schob sich mit dem zweiten Platz auf der Langstrecke in der Gesamtwertung auf Platz 3. Foto: Pavel Nesvadba/Ranchi

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Martin Sobiella


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