Kieler Woche 2014

21. bis 29. Juni 2014
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Dienstag, 24. Juni 2014
Belcher: Ein ganz guter Lauf

Ein Mann der Superlative scheint Mathew Belcher nicht zu sein. „Ich hatte zuletzt einen ganz guten Lauf", sagt der Australier mit einem verschmitzten Lächeln. So kann man es wohl ausdrücken, wenn man in kurzer Folge dreimal den WM-Titel bei den 470ern gewinnt, Olympia-Gold holt, zum Weltsegler des Jahres gekürt wird und nun vom australischen America's Cup-Team zum Skipper ernannt wurde.

470er Belcher Mathew
Foto: Kieler Woche / OKpress
Dabei, so der 31-Jährige, sei er ein „langsamer Lerner". Doch das australische Programm sei sehr gut, biete viel Unterstützung, so Belcher bei der Pressekonferenz im Rahmen der Kieler Woche. Seit 15 Jahren werde er gefördert, habe einen sehr guten Trainer. Zehn Jahre habe es dennoch gedauert, bis er erstmals die WM gewinnen konnte. Und zweimal sei er in der Olympia-Qualifikation gescheitert. 2012 wurde dann mit Malcolm Page an der Vorschot ein Traum wahr.
„Gold zu gewinnen bei meinen ersten Spielen, war ein unglaubliches Gefühl. Außerdem konnte ich das Glück mit meiner Frau teilen, die ja auch bei Olympia am Start war." Seine Frau Friederike (geb. Ziegelmayer) startete mit Kathrin Kadelbach für Deutschland bei den Spielen. Und auch die gesamte Familie Ziegelmayer hatte guten Grund mit Mathew zu feiern, führt sie doch den Bootsbaubetrieb, der Belcher mit dem entsprechenden Siegmaterial ausstattet.

Der Idee, gemeinsam mit seiner Frau mal für Deutschland bei Olympia zu starten - immerhin gibt es im Nacra17 eine Mixed-Disziplin, erteilt Belcher aber eine Absage: „Ich bin mit ganzem Herzen Australier, liebe dieses Land." Mit seiner Frau und dem im September geborenen Sohn nutzt er indes die Sonnenseiten beider Länder: Von März bis Oktober lebt die Familie in Hamburg in der anderen Zeit in Australien.

Auch seglerisch steht Belcher auf der Sonnenseite. Die Ernennung 2013 zum Segler des Jahres empfindet er als besondere Ehre: „In diesem Kreis überhaupt registriert zu werden, ist schon toll. Ich kenne die Kriterien der Auswahl nicht genau, aber nach drei Nominierungen sind die Chancen offenbar groß gewesen, es diesmal zu werden", sagt Belcher. Das Timing der Wahl war für ihn im Sinne seines Sports in Australien genau richtig. „Das unterstützt unsere Bemühungen, den Sport noch publikumswirksamer zu machen. 1983, beim Sieg im America's Cup, war es auf einem Top-Niveau. Und jetzt sind wir im olympischen Bereich sehr erfolgreich."

Da schien die erneute Herausforderung im Amercia's Cup eine logische Folge zu sein. „Man muss zunächst die individuellen Fähigkeiten ausbilden, um dann daraus ein Team zu erstellen. Diese Fähigkeiten haben wir. Und natürlich braucht man eine Persönlichkeit, die sagt, es ist an der Zeit. Das gilt sicherlich auch für Deutschland, denn die Talente sind da."

Seine Ernennung zum Skipper des australischen AC-Teams sieht er als sinnvolle Nutzung von Erfahrungen. Im Fokus steht für ihn allerdings eine weitere Olympia-Teilnahme, diesmal allerdings mit Will Ryan. Der 25-Jährige hat sich bei der Crewbesetzung gegen viele Segelkollegen durchgesetzt, die auch gern im Vorschiff von Belcher gesessen hätten. Die Abstimmung Belcher/Ryan funktionierte auf Anhieb. Gleich die erste gemeinsame Regatta bestritten beide siegreich. „Ich bin sehr glücklich, dass ich es an Bord geschafft habe. Da ich vorher Trainingspartner war, konnte ich auch die Vor- und Nachteile einer Olympiakampagne abschätzen", so Ryan.

Und in dieser Kampagne wird von der Öffentlichkeit kaum etwas anderes erwartet als Gold. „Das ist so, und diesen Druck müssen wir aushalten. Aber es ein zweites Mal zu schaffen, ist unglaublich schwer", sagt Belcher. Zu schwer? Belcher lacht: „Das sage ich dir in zwei Jahren."

470er Belcher Mathew Foto: Kieler Woche / OKpress Hermann Hell

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