Kieler Woche 2014

21. bis 29. Juni 2014
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25.06.2014
Fünfmal Gold für Deutschland: Buhl macht den Hattrick klar

Die deutschen Spitzensegler haben sich in den Finals der Top-Ten in den olympischen Klassen als fleißige Medaillensammler betätigt. Inklusive der paralympischen Segler, die in normalen Flotten - statt in kurzen Finalrennen segelten, gab es fünfmal Gold für den Deutschen Segler-Verband. Laser-Segler Philipp Buhl (Kiel) machte seine Ankündigung wahr, die Kieler Woche ein drittes Mal in Folge zu gewinnen, die 470er-Frauen Annina Wagner/Elisabeth Panuschka (Berlin) eroberten die am Vortag verlorene Spitzenposition zurück, und Erik Heil/Thomas Plößel (Kiel) feierten mit einem Salto rückwärts vom Boot ins Wasser den Sieg im 49er. Dazu triumphierten die paralympischen Medaillengaranten Heiko Kröger (Ammersbek) im 2.4mR und die Crew von Jens Kroker (Mannheim) im Sonar.

Für Organisationsleiter Peter Ramcke waren die Finalrennen unter strahlend blauem Himmel, bei leichten, aber noch segelbaren Bedingungen der „krönende Abschluss" der Wettfahrten in den olympischen Klassen. „Die Kieler Woche von ihrer besten Seite", so Ramcke.

Das sahen auch die Kieler Heil/Plößel so. In souveräner Manier gelang ihnen der erste Sieg auf ihrem Heimatrevier. Als Führende waren sie nach der Qualifikation und den Wettfahrten in der Goldflotte in die Finalrunde gegangen, die bei den Skiffs über drei Kurzrennen ging. Hier kontrollierten die deutschen Medaillen-Hoffnungen für die Olympischen Spiele 2016 die direkten Konkurrenten und konnten nach den Plätzen 4 und 3 bereits nach zwei Medal Races feiern. Uneinholbar in Front genossen sie die Abschlusswettfahrt und feierten noch auf dem Wasser mit Deutschland-Fahne und den Freunden auf den Begleitbooten den Triumph. „Wir sind konservativ in die Serie gestartet und haben versucht, uns auf dem engen Kurs aus allem herauszuhalten. Das hat sehr gut funktioniert und wir sind mega happy", sagte Heil, nachdem die Saison bisher eher durchschnittlich verlaufen war. Die Konkurrenz vor Kiel sei sehr stark gewesen, sagte Heil, da viele Spitzencrews hier einen Zwischenstopp auf dem Weg zur Europameisterschaft einlegten.

Heil/Plößel blieben nach ihrem Sieg auch gleich noch auf dem Wasser, um ihrem Kumpel Philipp Buhl bei seinem Finale zuzuschauen. Der Bayer hatte sich nach einem schweren Start in die Serie, als ihn die Jury im zweiten Rennen des Feldes verwies, mühsam an die Spitze gekämpft und erst am vorletzten Tag der Wettbewerbe die Führung übernommen. Die ließ er sich nicht mehr nehmen, kontrollierte den direkten Verfolger Karl-Martin Rammo (Estland) und atmete nach dem dritten Platz im einzigen Finalrennen, der ihm den Gesamtsieg sicherte, hörbar durch: „Das war ein sehr taktisches Rennen. Auf dem ersten Vorm-Wind-Kurs war fast kein Wind mehr. Aber ich bin erstaunlich cool geblieben. Das war bei der Europameisterschaft vor einer Woche nicht immer so. Dass ich es mal wieder umgesetzt habe und das zur Kieler Woche, ist cool. „Für eine weitere Laser-Medaille sorgte Tobias Schadewaldt (Oldenburg), der aber trotz eines zweiten Platzes im Finale nicht mehr an Rammo vorbeiziehen konnte.

Eine extrem spannende Kieler Woche lieferten die 470er-Frauen. Die deutsche Crew Annina Wagner/Elisabeth Panuschka wechselte sich ständig an der Spitze mit Lara Vadlau/Jolanta Ogar ab. Und nachdem sich die Östereicherinnen am vorletzten Tag wieder in die Spitzenposition geschoben hatten, waren nun wieder die Deutschen dran. Mit dem Sieg im Finale zogen sie nach Punkten mit Vadlau/Ogar gleich. Und das bessere Resultat zum Abschluss entschied schließlich zugunsten der Deutschen. Auch hier gab es noch einmal Bronze dazu. Mit einem starken Finish in der Serie holten Nadine Böhme/Ann-Christin Goliaß (München) Platz drei. „Das Finale war am Anfang sehr kritisch. Wir dachten, wir hätten einen Frühstart und sind noch einmal zurück", berichtete Siegerin Annina Wagner. Danach arbeiteten sie sich aber durch das Feld und verteidigten schließlich die Spitzenposition. „Das war eng und spannend, am Ende haben wir uns belohnt", freute sich Elisabeth Panuschka. Von beiden kam schon mal eine Kampfansage für die WM: „Da werden wir den Kaderplatz einsegeln", so Wagner. Soll heißen: Ein Platz in den Top-Ten muss es sein.

Überraschend Silber holten die 470er-Männer Jasper Wagner/Dustin Baldewein (Berlin). Nachdem sie die Woche über im Schatten des Zweikampfes von Olympia-Goldmedaillen-Gewinner Mathew Belcher/Will Ryan (Australien) und dessen griechischen Kontrahenten Panagiotis Mantis/Pavlos Kagialis standen, nutzten sie die Gelegenheit, um im Finale als Erste über die Linie zu gehen und sich damit noch an Belcher/Ryan vorbeizuschieben. Die Goldmedaille sicherten sich aber die Griechen.

Alles andere als wunschgemäß verlief das finale Rennen für Lisa Fasselt (Essen). Mit dem letzten Platz in der Wettfahrt der Top-Ten musste sie ihre Führung an Tatiana Drozdovskaya (Weißrussland) abgeben, konnte aber knapp den zweiten Platz gegen die junge deutsche Kollegin Pauline Liebig (Kiel) verteidigen. „Ich bin heute einfach nicht gut gesegelt, habe taktische Fehler gemacht. Darüber bin ich enttäuscht, aber nicht darüber, dass es nicht mehr zum Sieg gereicht hat", sagte Fasselt.

Und in einer weiteren Olympiaklasse reichte es noch zu Bronze. Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Kiel) reihten sich im 49erFX hinter den Spanierinnen Tamara Echegayen/Berta Betanzos sowie Jena Mai Hansen/Katja Salskov-Iversen (Dänemark) ein. „Das haben wir nicht erwartet. Die Kieler Woche ist eine sehr wichtige Regatta und die Bedingungen waren in den vergangenen Tagen mit den wechselnden Winden sehr schwierig", sagte Siegerin Echegayen.

Ohne deutsche Medaillen blieben die weiteren beiden Olympiaklassen vor Kiel. Im Nacra17 holten sich Vittorio Bissario/Silvia Sicouri (Italien) Gold, im Finn der Este Deniss Karpak.

Flecken auf eine bis dahin reine Weste gab es beim Paralympics-Sieger von 2000 im 2.4mR, Heiko Kröger. Nach fünf Siegen reichten ihm aber die zwei zweiten Ränge zum Abschluss zum souveränen Gesamtsieg vor der britischen Paralympics-Siegerin von 2012, Helena Lucas. Ohne irgendwelche Abzüge in der B-Note agierten dagegen Jens Kroker/Robert Prem/Siegmund Mainka im Sonar. Die erstmals zur Kieler Woche vertretene Disziplin war nur mit vier Booten besetzt und wurde mit sieben Siegen in sieben Rennen von den Paralympics-Siegern von 2008 dominiert.

Mit der Europameisterschaft der 29er begann heute der Wechsel zu den Internationalen Klassen. Ab Donnerstag geht es in 15 Klassen um Kieler-Woche-Siege.

Endergebnisse Olympischer und Paralympischer Teil der Kieler Woche
2.4mR: (7) 1. Heiko Kröger (Ammersbek,1/1/1/1/1(2)2) Punkte 7; 2. Helena Lucas (GBR,4/3/3(5)5/1/3) 19; 3. Henrik Johnsson (SWE,(26)6/6/4/3/3/1) 23; 4. Barend Kol (NED,2/2/2/3(12)4/10) 23; 5. Lasse Klötzing (Berlin,3/7/4/2/11(15)11) 38; 6. Kevin Cantin (FRA,8/5/7(10)8/5/6) 39;

Sonar: (7) 1. Jens Kroker / Robert Prem, Siggy Mainka (Mannheim,(1)1/1/1/1/1/1) Punkte 6; 2. Thomas Beer / Jörg Meierdiercks, Oliver Utrata (Traunwalchen,(3)3/3/3/2/2/2) 15; 3. Sören Werner / Christian Bauer, Lutz Rewa (Wismar,2/2/2/2(4)4/4) 16; 4. Michael Kern / Claudia Wegner (Metzingen,4(5)4/4/3/3/3) 21;

470 M: (7) 1. Panagiotis Mantis / Pavlos Kagialis (GRE,4/4/1/2/2(9)6) Punkte 19; 2. Jasper Wagner / Dustin Baldewein (Mannheim,3/2/7(10)8/2/2) 24; 3. Mathew Belcher / Will Ryan (AUS,1/1(5)5/5/5/16) 33; 4. Matthias Schmid / Florian Reichstädter (AUT,7/6/2/4/3(8)14) 36; 5. Asenathi Jim / Alex Burger (RSA,(11)5/6/6/6/10/4) 37; 6. Ferdinand Gerz / Oliver Szymanski (München,2/7/3/3(9)3/20) 38;

470 W: (7) 1. Annina Wagner / Elisabeth Panuschka (Mannheim,2/2/1/1(6)6/2) Punkte 14; 2. Lara Vadlau / Jolanta Ogar (AUT,1/3/2(13)1/3/4) 14; 3. Nadine Böhm / Ann- Christin Goliaß (Buchloe,6(7)6/7/2/1/6) 28; 4. Alisa Kirilyuk / Liudmila Dmitrieva (RUS,(8)1/3/5/7/2/10) 28; 5. Marjaliisa Umb / Elise Umb (EST,7/8(10)6/4/4/8) 37; 6. Annika Bochmann / Karoline Göltzer (Kiel,5/5/5/3(8)8/14) 40;

49er: (10) 1. Erik Heil / Thomas Ploessel (Kiel,8/4/1/1/1/1(21)4/3/6) Punkte 29; 2. David Evans / Ed Powys (GBR,4/1/2/2/9/8(20)7/2/4) 39; 3. Tomasz Januszewski / Jacek Nowak (POL,1/1(37)11/8/5/5/3/6/5) 45; 4. Will Phillips / Fang Warren (AUS,5/9/4/4/7(23)7/2/8/1) 47; 5. Federico Alonso / Arturo Alonso (ESP,9/2/4(36)3/15/1/1/10/2) 47; 6. Jacopo Plazzi / Umberto Molineris (ITA,2/7/1/4(11)3/9/9/5/7) 47;

49er FX: (8) 1. Tamara Echegayen / Berta Betanzos (ESP,4(7)3/3/5/3/2/7) Punkte 27; 2. Jena Mai Hansen / Katja Salskov-Iversen (DEN,1/2(5)5/3/5/4/9) 29; 3. Victoria Jurczok / Anika Lorenz (Kiel,3/3(10)7/2/8/5/3) 31; 4. Annemiek Bekkering / Annette Duetz (NED,(9)5/4/9/7/7/3/1) 36; 5. Ida Marie Baad Nielsen / Marie Thusgaard Olsen (DEN,2(37)6/1/15/11/1/6) 42; 6. Leonie Meyer / Elena Stoffers (Hamburg,(19)12/2/4/18/1/8/2) 47;

Finn: (6) 1. Deniss Karpak (EST,1/10/6(11)1/2) Punkte 20; 2. Björn Allansson (SWE,6(8)5/1/4/4) 20; 3. Giorgio Poggi (ITA,7/5/2/2(8)10) 26; 4. Tomas Vika (CZE,4/2/7/4.3 (12)12) 29.35. Piotr Kula (POL,(11)11/1/6/11/6) 35; 6. Filippo Baldassari (ITA,2/4(19)12/13/8) 39;

Laser Standard: (10) 1. Philipp Buhl (Sonthofen,3(45)5/3/7/1/2/5/3/6) Punkte 35; 2. Karl-Martin Rammo (EST,(45)1/1/1/3/3/6/2/15/10) 42; 3. Tobias Schadewaldt (Oldenburg,5/2/7/2/4/13(25)6/1/4) 44; 4. Jack Wetherell (GBR,11/10/3/6/5/6/3/3(12)18) 65; 5. Lorenzo Brando Chiavarini (GBR,(45)6/3/1/5/10/13/12/8/8) 66; 6. Mike Bullot (NZL,4/12/4/10/1(15)5/9/7/14) 66;

Laser Radial: (5) 1. Tatiana Drozdovskaya (BLR,2/1/2/5/2) Punkte 12; 2. Lisa Fasselt (Elmenhorst,1/2/1/6/20) 30; 3. Pauline Liebig (Kiel,5/3/3/10/10) 31; 4. Viktorija Andrulyte (LTU,3/6/15/1/8) 33; 5. Svenja Weger (Kiel,12/5/7/14/4) 42; 6. Ania Weinzieher (POL,6/4/12/2/18) 42;

Nacra 17: (7) 1. Allan Nørregaard / Line Just (DEN,3/4/2/1(7)5) Punkte 15; 2. Vittorio Bissaro / Silvia Sicouri (ITA,1/2(31)10/1/4) 18; 3. Lorenzo Bressani / Micol Giovanna (ITA,2/3/5/3(31)10) 23; 4. Thomas Zajac / Tanja Chiara Frank (AUT,(31)1/1/2/5/17) 26; 5. Paul Kohlhoff / Carolina Werner (Strande,8(31)11/5/2/1) 27; 6. Federica Salvà / Francesco Bianchi (ITA,9(31)8/4/6/2) 29;

Erik Heil/Thomas Plößel (Kiel) holten im dritten Anlauf Gold. Nach 2012 (3.) und 2013 (2.) gelang den 49er-Segler 2014 der Kieler-Woche-Sieg Foto: Kieler Woche / OKpress

Thobias Schadewald (pink) gratuliert Philipp Buhl zu seinem Kieler Woche Sieg Foto Kieler Woche /OKpress

Hermann Hell

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