Kieler Woche 2014

21. bis 29. Juni 2014
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27.06.2014
Kiels klares Bekenntnis zur Olympiabewerbung

Das traditionelle Regattaessen des Kieler Yacht-Clubs zur Kieler Woche war der inoffizielle Startschuss zur Olympiabewerbung der Landeshauptstadt Kiel für die Segelwettbewerbe 2024 oder 2028. So jedenfalls verkündete es Oberbürgermeister Ulf Kämpfer in Antwort auf eine entflammende Rede des KYC-Vorsitzenden Ulrich W. Ellerbeck, der vor mehr als 200 Honoratioren klar machte, „wenn nicht wir, wer sonst?“ Nachdem der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) eine deutsche Olympiabewerbung offiziell befürwortet und angestoßen hat, ist die Frage nach dem Regattarevier entbrannt.
Ausnahmsweise eine Stunde verspätet, nachdem Deutschland durch ein 1:0 gegen die USA ins Fußball-WM-Viertelfinale eingezogen war, redete Ellerbeck nach abgekürzten formellen Begrüßungen Klartext. „Wir haben eine entsprechende Historie, sind eine ausgesprochene Sportstadt und bieten eine segelbegeisterte Bevölkerung“, nannte der KYC-Vorsitzende die drei entscheidenden Kriterien für Kiel, die bereits zur Olympiabewerbung für 2012 abgefragt wurden.
„Wer an Punkt drei Zweifel hat, fahre mit einem Fördedampfer zur Kieler Woche vom Bahnhof einmal zick-zack bis Schilksee.“ Dort sei der aktuell einzige nationale Olympiastützpunkt zudem ein leuchtendes Beispiel für Nachhaltigkeit, so Ellerbeck weiter, „hier wurden die Anlagen von 1972 modernisiert und auf Top-Niveau gebracht.

Ulf Kämpfer ließ sich nicht lange bitten, legte sein vorbereitetes Manuskript beiseite, und nahm die „von ihnen, Herr Ellerbeck, hoch gelegte Latte“ im ersten Versuch. „Wir können gar nicht früh genug signalisieren, dass an Kiel kein Weg vorbei führt“, so der neue Oberbürgermeister, „das Regatta-Essen sollte der Kick-Start für eine überzeugende, gar unschlagbare Olympiakampagne sein, die alle anderen potentiellen Mitbewerber von vornherein verschreckt.“

Von nationaler Konkurrenz wollte der OB am liebsten gar nicht sprechen, sondern gleich die vermeintliche Partnerstadt als Hauptaustragungsort einnorden. Kämpfer: „Hamburg muss sehr schnell kapieren, wo der Hammer hängt.“

Angesichts einer bereits im Raum stehenden Berliner Bewerbung fragte sich Ellerbeck offen, „ob es überhaupt Sinn macht, wieder fünf Segelstandorte ins Rennen zu schicken.“ Für 2012 hatten neben Kiel auch Cuxhaven, Flensburg, Travemünde und Warnemünde ihre Hüte in den Ring geworfen und waren zumeist an andere Hauptbewerber gekoppelt. „Wir scheuen nicht den Wettbewerb, aber hier trainieren nicht von ungefähr 90 Prozent der deutschen Spitzensegler“, so der KYC-Chef weiter. In Kiel sei auch keinerlei zuweilen scharf kritisierter Gigantismus zu befürchten, „etwaige Betonkraken oder neue Versiegelungen brauchen wir gar nicht.“

Ministerpräsident Torsten Albig, der tagsüber noch mit dem diplomatischen Corps auf seiner Rundreise durch Schleswig-Holstein ausgerechnet in Travemünde Station gemacht hatte, was die meisten Gäste im Kaisersaal kurze Zeit den Atem anhalten ließ, sicherte jedwedem Bewerber aus dem nördlichsten Bundesland seine Unterstützung zu. „Wenn jemand die Menschen jedoch mit solcher Begeisterung ansteckt, wie Uli Ellerbeck in seine Rede, und zwar nicht nur wenige, sondern viele, dann ist die wichtigste Voraussetzung für einen Erfolg bereits gegeben“, so Albig, der sich für sein Land von einer Olympiabewerbung einen enormen Investitionsschub verspricht.

Ulf Kämpfer hatte „angesichts dessen Vorbeschäftigung“ (als Kieler Oberbürgermeister, d. Red.) keinen Zweifel, auch den Ministerpräsidenten auf seine Seite zu bekommen. Das KYC-Neumitglied wäre zu gerne Oberhaupt „der wohl ersten Stadt mit dritten Olympischen Spielen überhaupt in der Neuzeit“. Auf dem „besten Segelrevier überhaupt“, er habe selbst Segler befragt, die nicht wussten, wer er sei, hofft Kämpfer dann sogar auf Goldmedaillen im Segelsport. Auf ihrem Heimatrevier sollen und könnten die Deutschen dann auch gewinnen. Mit seinen achtjährigen Sohn Johann will Kämpfer demnächst einen Segelschein machen, denn „Kiel darf einen Oberbürgermeister haben, der kein Handball spielt, und einen, der nicht segeln kann, aber keinen, der beides nicht macht.“ Ob er dann 2024 oder 2028 noch im Amt sei, „entscheide ich ja nicht alleine“, und ob sein Sohn dabei sein könnte, ganz allein dessen Talent.

Viele Nationen, wie hier im 49er, finden den Weg Jahr für Jahr nach Kiel Foto: Kieler Woche / www.segel-bilder.de

Hermann Hell

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