Nassau (Bahamas), 1-12-2014
Im Interview: Torben Grael
erfolgreichster Starbootsegler in Nassau, und Diego Negri, Führender der SSL-Rangliste
In nur 48 Stunden beginnen die zweiten Star Sailors League Finals, und im Nassau Yacht Club ist die Vorfreude überall spürbar. Vor einer Regatta, die nicht nur in die Annalen der Klasse, sondern in die Geschichte der Bahamas und des Segelsports eingehen dürfte, wächst bei den Sportlern die Anspannung. Der gute, frische Wind dürfte die nächsten Tage anhalten. Nach und nach treffen die Champions in Nassau ein. Ein einzigartiges und unvergessliches Event steht ihnen bevor. Wohl noch nie haben sich so viele Top-Segler zu einem solchen Event getroffen. Allein diese Tatsache verspricht eine großartige Show, die während der viertägigen Veranstaltung live und ergänzt durch Virtual Eye ins Internet gestreamt wird.
Nach den ersten, noch entspannten Tagen des Aufbauens und Testens sprachen wir mit zweien der Wettkämpfer über ihre Gefühle vor dem Start: Torben Grael (Brasilien), fünffacher Olympiamedaillengewinner, mit Erfolgen im Volvo Ocean Race mit Ericsson 4 und im Louis Vuitton Cup mit Luna Rossa, sowie Diego Negri, dem Starboot-Spezialisten, Vize-Weltmeister von 2014 und Nummer eins der Star Sailors League Rangliste.
Interview mit Torben Grael:
Nach einer Pause sind wir 2013 wieder mehr miteinander gesegelt. Dieses Jahr haben wir das noch einmal gesteigert und auch an der Nordamerikanischen Meisterschaft teilgenommen. Wir sind mehrere Regatten in Brasilien gesegelt und haben an der Weltmeisterschaft im italienischen Malcesine teilgenommen.
Wie fühlt es sich an, hier bei den Finals dabei zu sein?
Es ist großartig, auf diesem Niveau Wettkämpfe auszutragen, auch wenn es diesmal aus naheliegenden Gründen sicherlich sehr schwer für uns wird. Wir werden mehr Tage Rennen segeln als wir trainieren konnten. Es dürfte aber reichen, um hier viel Spaß zu haben.
Wie war euer erster Ausflug auf das Wasser?
Guter Wind, gute Wellen. Fast vier Stunden. Viel Spaß. Wir sind schon lange nicht mehr bei solchen Bedingungen gesegelt. In Brasilien, wo wir leben, bläst der Wind meist schwächer. Wir werden in den kommenden Tagen damit beschäftigt sein, das Boot einzustellen und diese Dinge in den Griff zu bekommen.
Eure Erwartungen?
Wir haben hier ein Feld voller echter Champions. Das wird also eine große Herausforderung. Wenn das Niveau so hoch ist, ist das immer fantastisch, aber eben auch schwieriger. Ich kann wirklich noch nicht sagen, wo wir stehen werden, wenn der Wind weiter so stark bläst. Wir werden es erleben.
Brasilien bringt Robert Scheidt, Torben Grael und einen weiteren, vielversprechenden Nachwuchssegler an den Start …
Jorge Zarif ist ein fantastischer Finn-Segler, aber er wird sich auch hier sehr gut schlagen. Er hat einen sehr erfahrenen Vorschoter. Er wird sicherlich um die vorderen Plätze mitkämpfen.
Brasilien bringt viele Meistersegler hervor
Wir hatten in Brasilien in der Starboot-Klasse immer ein sehr hohes Niveau. Deswegen war es auch immer so interessant und hat so viel Spaß gemacht. Der Star ist ein sehr technisches Boot und die erfahrenen Segler können ihre Kenntnisse wirklich gut zur Geltung bringen. Ich denke, deswegen ist die Klasse bei vielen so beliebt.
Interview mit Diego Negri
Wie gefallen dir in diesem Jahr die Bahamas?
Ausgezeichnet. Dass wir schon im vergangenen Jahr hier waren, ist sicher ein Vorteil. Wir kennen noch das Regattagebiet – und abends haben wir auch sofort die besten Restaurants wiedergefunden!
Wie sieht euer Plan bis zum Startschuss aus?
Wir werden in den kommenden Tagen in erster Linie das Boot einstellen. Es ist nicht dasselbe wie in den vergangenen zwei Jahren, aber ein sehr ähnliches von Folli. Im Augenblick läuft das Boot sehr gut, und wir haben auch gleich die richtigen Einstellungen gefunden.
Irgendwelche Sorgen?
Wir müssen die Bedingungen in den Griff bekommen. Für die ganze Woche sind mindestens 18 bis 20 Knoten Wind vorhergesagt. Man hat nicht oft so lange so viel Wind. Aber wir haben gegenüber vielen Konkurrenten den Vorteil, dass wir das ganze Jahr lang im Star gesegelt sind. Aber wir brauchen noch etwas Zeit, um uns hier zurecht zu finden.
Erwartungen?
Jede Regatta erzählt ihre eigene Geschichte. Wir haben uns auf dieses Event so gut wie möglich vorbereitet. Wegen anderer Verpflichtungen konnten wir uns natürlich nicht Vollzeit vorbereiten, aber wir haben alles getan, um in Form zu kommen. Und unser Material ist auch ziemlich gut.
Was hältst du von diesem Event?
Am wichtigsten ist: Es bringt das olympische Feld wieder zusammen, plus ein paar ausgezeichnete Wildcard-Starter: alles junge Leute, größtenteils aus dem Finn. Alle in super Verfassung, da sie sich auf Olympiakampagnen vorbereiten. Selbst die Spätberufenen haben herausragende technische Fähigkeiten und werden keine größeren Schwierigkeiten haben, das Boot in den Griff zu bekommen. Jeder von ihnen ist eine besondere Erwähnung wert. Grael hat immer ein Ass im Ärmel und könnte alle überraschen. Ebenso Scheidt. Auch wenn der sich jetzt auf den Laser konzentriert, ist er immerhin der amtierende SSL-Champion. Kusnierewicz ist wiederum eine ganz eigene Gestalt: Je weniger er segelt, desto besser sind seine Ergebnisse.
Wie schätzt du deine Position auf der Rangliste ein?
Dafür musste ich wirklich viel schwitzen. 2013 bin ich langsam gestartet und hatte Schwierigkeiten, mich überhaupt für das Feld zu qualifizieren, dass dann im Finale segelte. Dann sind wir aber bei diesem Event vor genau einem Jahr brillant gestartet und haben unsere ersten Wettfahrten gewonnen. So haben wir auch das Finale der letzten Vier erreicht und damit viele Punkte für die Rangliste kassiert.
Seitdem fühlen wir uns verpflichtet. Wir sind weiter gesegelt und haben gute Resultate erzielt und viel Spaß gehabt. Wie auch immer, die Startnummer eins kann ein Vorteil sein, denn die anderen beobachten dich natürlich. Sie fokussieren sich mehr auf uns, und jeder weiß, dass wir schnell sind. Ein Grund mehr, alles zu geben.
Du und dein Vorschoter – ihr seid zusammen gewachsen.
Sergio (Lambertenghi) musste gar nicht viel wachsen, ehrlich. Er hatte ja schon immens viel Erfahrung. Aber vielleicht hatte er davor noch nie den richtigen Steuermann, um ihn auf dieses Niveau zu bringen. Er war eine Art hässliches Entlein, das sich in einen wunderschönen Schwan verwandelte. Er hat wirklich viel Arbeit übernommen und sich reingekniet, damit wir im Ranking nach oben steigen und an den Finals teilnehmen konnten. Zurückblickend muss ich sagen, dass sich unsere Erwartungen mehr als erfüllt haben. Wir sind in diesem Jahr nur um Haaresbreite am WM-Titel vorbei gesegelt. Wir haben die Eastern Hemisphere Championship in der Schweiz gewonnen. Und jetzt sind wir wieder hier, genauso ehrgeizig und hungrig wie zuvor…
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Alex D'Agosta
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Picture: © Alex D'Agosta/SSL
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