Nassau (Bahamas), 07-12-2014
Amerikaner Mendelblatt und Fatih gewinnen SSL Finals. Aus für Deutsche im Viertelfinale
Der letzte Tag der zweiten Star Sailors League Finals in den tropischen Gewässern der Bahamas hielt noch einmal eine Vielzahl von Überraschungen bereit. Der Eliminations-Modus und die drehenden Winde gestalteten die Rennen am Samstag taktisch extrem anspruchsvoll. Der Titelverteidiger und brasilianische Segel-Maestro Robert Scheidt zahlte dafür ebenso wie der SSL-Ranglisten-Erste Diego Negri einen hohen Preis: Keiner der beiden erreichte den Finallauf, für den sich nur die vier Besten des Halbfinales qualifizierten. Es siegte schleißlich Mark Mendelblatt vor Freddy Lööf, Mateusz Kuznierewicz und Jorge Zarif. Die Deutschen Johannes Polgar/Markus Koy sowie Robert Stanjek mit seinem dänischen Vorschoter Claus Olesen scheiterten im Viertelfinale.
In diesem traten zunächst noch zehn Teams an. Die sechs Besten qualifizierten sich neben Freddy Lööf und Anders Ekström, die als Qualifikationssieger gesetzt waren, für das Halbfinale. Erst nach zwei Fehlstarts konnte dieses Rennen beginnen. Auf den ersten Metern dieses unvergesslichen Tages schien die rechte Seite vorteilhaft zu sein. Negri/Lambertenghi und Gaspic/Sitic erwischten einen schlechten Start. Die Kroaten entschieden sich dann für einen extremen Schlag auf die rechte Seite, während der größte Teil des Feldes jetzt nach links segelte. Auf dem zweiten Schenkel der Bahn sah es zunächst so aus, als sollten Kusznierewicz, Scheidt und der wiedererstarkte Negri das Rennen kontrollieren können. Auf dem dritten Schenkel wurde der Italiener dann aber von Scott und Rohart überholt. Die Polen kontrollierten dann das Feld von der Spitze, vor Mendelblatt, Scheidt, Rohart und Scott. Der letzte Schenkel bot dann noch einmal Hochspannung pur. Es ging um den Sieg, aber auch darum, als einer der besten Sechs in das Halbfinale einziehen zu dürfen. Negri/Lambertenghi hielten in der Mitte lange den sechsten Rang. Auf der linken Seite versuchten die Deutschen Polgar/Koy, diese Position den Italiener abzujagen. Zarif, Polgar und Negri lieferten sich einen auch für die Zuschauer äußerst packenden Kampf. In den letzten zehn Minuten waren diese drei nie weiter als zwei Bootslängen auseinander. In dieser Gruppe wechselte der wichtige sechste Platz kontinuierlich, so dass selbst mit Hilfe von Virtual Eye kaum auszumachen war, wer gerade die Nase vorne hatte. Dies gelang schließlich dem jungen brasilianischen Finn-Segler Zarif mit seinem Vorschoter Böning, der damit Polgar, Negri, Stanjek und Gaspic zurück in den Nassau Yacht Clubs schickte. Ein unglaubliches Rennen war damit entschieden, bei dem auf dem italienischen Boot wenige Meter vor dem Zieleinlauf auch noch der Fockbaum brach.
Im Halbfinale erwischten dann Rohart und Ponsot den schlechtesten Start. Auf der ersten Kreuz schlugen sich Mendelblatt, Scheidt und Zarif am besten. Kurz vor dem ersten Luv-Fass segelte Mendelblatt in der Mitte, wie er es schon die ganze Woche über getan hatte. Zarif segelt links von ihm, Scheidt und Scott auf der anderen Seite. Die Amerikaner rundeten die Bahnmarke als Erste, dicht gefolgt von Lööf, Scott, Zarif und Kusznierewicz, die sich an der Spitze des Verfolgerfeldes ablösten. auf dem dritten Schenkel griff Zarif, der die Winddreher geschickt nutze, an. Mark Mendelblatt, einer der erfahrensten und härtesten Segler im Feld, blieb aber in Kontrolle. Auch Kusznierewicz und Rohart attackierten. Ein Protest der beiden gegen Scott an der letzten Bahnmarke brachte diesem eine rote Flagge und den Verlust wertvoller Meter ein. Auf dem letzten Schenkel nahm der Kampf noch an Härte zu. Diese Schlacht dürfte in die Annalen dieser Sportart eingehen und ist es sicherlich wert, immer wieder angesehen zu werden. Die neue Regel, die das körperlich extrem anstrengende Pumpen erlaubt, trug dazu bei, dass es für alle Segler sehr hart wurde. Ausgerechnet die großen Namen traf es dann: Scheidt/Prada, Rohart/Ponsot und Scott Milnes, die alle die Star Sailors League gewinnen wollten, mussten im Ziel zu ihrem Entsetzen feststellen, dass sie den Cut nicht überstanden hatten.
Im mit Spannung erwarteten Finale sollten nun die vier Besten antreten: Unter ihnen zwei europäische Teams, ein amerikanisches und eins aus Brasilien. Zarif startete am besten, aber schon an der ersten Bahnmarke hatte sich Mendelblatt nach vorne geschoben. Lööf und Kusznierewicz lagen auf den Plätzen drei und vier. Der Amerikaner zeigte in der Folge, wie man eine Führung verteidigt, immer verfolgt von dem Brasilianer. Die drei Verfolger standen vor einer schwierigen Aufgabe: Sie mussten ihren Platz auf dem Siegertreppchen nach hinten absichern, wollten zugleich aber den Führenden angreifen, der die ganze Woche über ausnahmslos sehr stark gesegelt war. Gerade, als das Rennen gelaufen schien, verändert ein Winddreher um 20 Grad noch einmal alles und stellte den bisherigen Rennverlauf auf den Kopf. Lööf ging jetzt in Führung, Mendelblatt fiel auf Platz vier zurück. Auf dem fünften Schenkel – der dritten und letzten Kreuz – konnte Mendelblatt dann aber wieder an Lööf vorbeiziehen. Mit chirurgischer Präzision gelang es Kurznierewciz sich mit einem geschickten Manöver weniger Meter vor dem Amerikaner zu positionieren. Allerdings konnte er die Führung nur für wenige Minuten verteidigen.
Der letzte Vorwindkurs musste also die Entscheidung bringen. Alles lief auf das erhoffe Wimpernschlagfinale hinaus. Auf dem letzten Kilometer segelte Mendelblatt wieder in der Mitte, Kusznierewicz zog nach rechts und Lööf auf die linke Seite. Zarif war mittlerweile etwas zurückgefallen. Trotz aller Anstrengungen seiner Gegner konnte Mendelblatt, der Amerikaner aus Tampa Bay, die Führung behaupten. Gemeinsam mit Vorschoter Brian Fatih gewann er eines der wohl besten Rennen seines Lebens, zweieinhalb Bootslängen vor Freddy Lööf und Anders Ekström, den Olympiasiegern von 2012. Den dritten Platz auf dem Siegertreppchen nahmen die Polen ein, die sich ganz knapp gegen den erst 22 Jahre alten Finn-Segler Jorge Zarif durchsetzten, dem stärksten Neueinsteiger dieser Woche.
Die SSL Finals, die einige der großartigsten Segler der Welt an den Start brachten, haben damit abermals Wettfahrten der Extraklasse geliefert. Dank der vielen Innovationen in diesem Jahr, zu denen nicht zuletzt die 3D-Darstellungen von Virtual Eye zählten, wurde ein neues Kapitel in der Geschichte dieses Sports aufgeschlagen. Dank für dies spektakuläre Veranstaltung gebührt den Organisatoren für ihr großartiges Engagement, dem Nassau Yacht Club für seine Gastfreundschaft, mit den Bahamas als großartiger Szenerie.
Star Sailors League Finals 2014 – Endergebnis:
1) Mark Mendelblatt – Brian Fatih
2) Freddy Loof – Anders Ekstrom
3) Mateusz Kusznierewicz – Dominik Zycki
4) Jorge Zarif – Henry Boening
5) Robert Scheidt – Bruno Prada
6) Xavier Rohart – Pierre-Alexis Ponsot
7) Giles Scott – Stephen Milne
8) Johannes Polgar – Markus Koy
9) Diego Negri – Sergio Lambertenghi
10) Robert Stanjek – Claus Olesen
11) Ivan Kliakovic Gaspic – Ante Sitic
12) Eivind Melleby – Mark Strube
13) Torben Grael – Guillerme De Almeida
14) Josh Junior – Myles Pritchard
15) George Szabo – Edoardo Natucci
16) Emilios Papathanasiou – Antonis Tsotras
17) Luke Lawrence – Joshua Revkin
18) Augie Diaz – Arnis Baltins
19) Luke Patience – Jamie Buchan
20) Marcelo Fuchs – Ronald Seifert
Pictures: © SSL/Giles-Martin Raget
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