Star Sailors League Finals 2014

www.starsailors.com - Übersicht


Nassau (Bahamas), 12-12-2014
Robert Stanjek: Ich hoffe, die SSL entwickelt sich zum Top-Event unter allen Regatten weltweit

Wir sprachen mit Robert Stanjek, dem Starbootweltmeister 2014 und Zehnten der SSL Finals 2014.
Robert, du warst einer der ersten, der von einem der besten Startfelder aller Zeiten gesprochen hat. Bleibst Du dabei? Ja. Wenn man sich weltweit die besten Segler unter 40 Jahren ansieht, waren wahrscheinlich 80 Prozent von denen hier. Das ist beeindruckend. Abgesehen von zwei, drei großen Namen waren sie alle hier. Man muss sich nicht schämen, wenn man da eine Gänsehaut bekommt.

Warst du überrascht, dass es drei Finn-Segler unter die Top 10 geschafft haben? Ich denke, Finn-Segler sind heutzutage sehr gut vorbereitet auf das, was hier verlangt wird. Seit acht Jahren dürfen sie in der Finn-Klasse mit vollem Körpereinsatz pumpen. von daher sind sie sehr fit. Als olympische Starbootsegler haben wir das zuvor nie praktiziert. Da hatten sie also sogar einen Vorsprung. Sie sind vor dem Wind sehr, sehr schnell. Und dann nehmen sie sicherlich zweimal im Monat an Wettfahrten auf höchstem Niveau teil. Sie sind nicht nur austrainiert, sondern auch sehr clevere Segler. Und alle hatten gute Starboot-Vorschoter. Die alten olympischen Starboot-Crews haben in den vergangenen zwei Jahren sicherlich nicht so viele Regatten absolviert. Insgesamt dürften sich die Vor- und Nachteile ungefähr die Balance halten, so dass jeder die Chance hat, diese Regatta zu gewinnen.

Standst Du als amtierender Weltmeister besonders unter Druck? Hattest du den Eindruck, dass die Konkurrenz es deswegen besonders auf dich abgesehen hatte?
Nein, den Eindruck hatte ich nicht. Es gab keinen Druck. Ich habe diese Veranstaltung von Tag eins an genossen. Natürlich waren wir mit unserem Auftakt nicht zufrieden. Aber ich habe in diesem Jahr die Starboot-Weltmeisterschaft gewonnen, und das ist für mich noch wichtiger als ein Sieg bei der Star Sailors League. Trotzdem: Unser Ziel war es, unter die besten Vier zu kommen, und das habe wir nicht geschafft. Wir haben immerhin die Qualifikation für den Finaltag geschafft. Man kann eben nicht immer gewinnen, oder?!

Wie sehr hat Dir dein verletzter Vorschoter Frithjof Kleen gefehlt?
Es ist natürlich immer von Vorteil, wenn man mit seinem Vorschoter schon lange zusammensegelt. Auf dem Star ist nicht der Skipper oder der Vorschoter entscheidend. Es zählt das Team. Frithjof und ich sind viel zusammen gesegelt und haben einige Erfolge erzielt. Hier bin ich nun mit Claus Olesen angetreten. Er ist ein super Vorschoter. Aber es braucht einige Zeit, bis man sich perfekt aufeinander abgestimmt hat, bis die Bewegungen synchronisiert sind, die Kommunikation sich eingespielt hat und so weiter. Wenn dir bei diesen Wettfahrten auch nur ein paar Prozente fehlen, bekommst du das sehr schnell zu spüren.

War das also die größte Herausforderung für euch?
Ich möchte nicht nach Entschuldigungen suchen, aber ich war nicht sehr glücklich mit unserem Mast. Bei den mittleren Winden war unser Mast zu weich, deswegen hatten wir Speed-Probleme. Wenn du dich vorne nicht absetzen kannst, musst du hinter den folgenden ein, zwei Booten durchsegeln. Und wenn du dann erst einmal in der Mitte des Feldes gelandet bist, wird es sehr hart, wieder nach vorne zu kommen. Immer wenn der Wind auf mehr als 20 Knoten auffrischte, waren wir gut. Wir haben die eine oder andere Kreuz für uns entschieden, aber insgesamt waren wir etwas zu langsam.

Was nimmst du aus dieser Woche mit für die Zukunft? Und was ist deine angenehmste Erinnerung?
Ich habe viel dazu gelernt. Ich habe in diesem Jahr nicht so oft kleinere Kielboote gesteuert. Das spürt man. Dieses schnelle Denken, schnelle Entscheiden und präzise Manövrieren geht ein bisschen verloren. Ich bin in diesem Jahr sicherlich an 200 Tagen gesegelt, aber man muss einfach auch Zeit auf kleinen Booten verbringen, um im Kopf schnell und am Steuer präzise zu bleiben. Das hat mir hier ein bisschen gefehlt. Es kam dann aber nach und nach zurück, und wir wurden ja auch immer besser.

Du besitzt immer noch genügend Ranglistenpunkte, um auch im kommenden Jahr in der Top-Gruppe dabei zu sein. Aber hat dich dieses Event auch dazu angespornt, wieder mehr Rennen zu fahren?
Ja, ich möchte unbedingt ein paar mehr Wettfahrten im Star absolvieren. Ich werde bei einigen kleineren Wettfahrten in Berlin, anderswo in Deutschland und wahrscheinlich auch in Nordeuropa an den Start gehen. Wir werden sehen. Im jeden Fall macht es sehr viel Spaß, Starboot zu segeln – und es macht dich zu einem besseren Segler.

Was sind Deine Pläne und Ziele für 2015?
Ich werde im kommenden Jahr voraussichtlich mindestens drei Regatten segeln. Ich hoffe, ich bin bei der WM in Argentinien dabei. Es wird aber sehr teuer, das Boot dorthin zu transportieren. Dann gibt es noch zwei SSL-Regatten und einige kleinere Veranstaltungen. Daneben bin ich noch in einem sehr großen Drachen-Projekt engagiert. Zusätzlich bin ich Steuermann der Esimit Europa. Ich teile meine Zeit also auf zwischen dem Segeln auf kleinen und großen Kielboote sowie einigen Hochseerennen. Damit ist die kommende Saison eigentlich schon fast augebucht.

Was ist Dir in diesem Jahr an der SSL besonders aufgefallen?
Ich hoffe, dass die SSL ihr Momentum behält und dass das Team zusammenbleibt. Es hat absolut fantastische Arbeit geleistet! Ich bin sehr zufrieden damit und sehr beeindruckt. Ich hoffe, dass die weitermachen und dass die Star Sailors League weiter wächst und sich zu dem Top-Event unter allen Regatten weltweit entwickelt.

Pictures of Freddy Loof and Anders Ekstrom
© SSL/Gilles-Martin Raget © SSL/Marc Rouiller © SSL/Marc Rouiller


Copyright © 1996-2016 - SEGEL.DE
Segeln blindes gif