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Kieler Woche 2015
Kiel, 20.-28.Juni 2015
www.kielerwoche.de- Übersicht
21.06.2015
Kiel, Aarhus und dann Rio - Zunächst Geduldsprobe in Kiel
Der Weg nach Rio ist kurz und steil. Das Team Paul Kohlhoff/Carolina Werner, das bei der Kieler Woche (20. bis 28. Juni) im Nacra 17 am Start ist, wusste, dass es kein einfaches Spiel werden würde, um sich in der neuen Segeldisziplin Mixed-Katamaran für die Olympischen Spiele 2016 zu qualifizieren. Seit gut einem Jahr steht das Ziel, Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio, ganz oben an. Bis zum Abitur von Steuermann Paul im vergangenen Frühjahr konnte das Duo, das bereits im 29er eine starke Einheit bildete, nur sporadisch an der Performance in der rasanten Kat-Klasse Nacra 17 arbeiten. Selbst zur Kieler Woche 2014 steckte Paul Kohlhoff noch im Schul-Abschluss-Stress, den Vorschoterin Carolina Werner ein Jahr zuvor bewältigt hatte.
Doch vom festen Vorhaben einer Aufholjagd bis zur Weltspitze ließ sich das junge Kieler Team nicht abbringen, steckte auch vermeintliche Rückschläge bei der WM in Santander und dem Worldcup in Miami weg und baute auf den Erfolgen in einzelnen Wettfahrten auf. In Hyères/Frankreich gelang mit Platz zehn im Worldcup dann das, was sich das Team erhofft hatte und was auf der Straße nach Rio ein wichtiger Meilenstein sein dürfte: Mit dem Erreichen des Finals ist die Weltspitze in Sichtweite, das Selbstbewusstsein da und ein Ticket zu den Spielen möglich.
„Natürlich ist das erst einmal nur eine Momentaufnahme. Und wir wissen, dass wir nicht dort bleiben werden, wenn wir nicht konsequent weiterarbeiten. Aber wir wissen auch, dass wir vom Bootshandling schon vorher gut dabei waren. Nur wollten wir manchmal zu viel“, sagt Paul Kohlhoff und betont, dass das „Risiko-Management“ während der Rennen nun besser ist: „In Hyères wussten wir, wann wir pushen müssen und wann man auch mal einen Gang zurückschalten sollte.“ Ein wichtiger Stein der Erkenntnis war ausgerechnet das mäßige Abschneiden beim Worldcup-Qualifier vor Mallorca: Eine Kenterung zu viel, und schon war das Erreichen der Goldflotte weg. „So etwas gilt es, künftig zu vermeiden. Aber mit den Ergebnissen in der Silberflotte von Palma wussten wir, dass wir auch mit der Goldflotte mithalten können“, so Kohlhoff.
Nun ist der Fokus schon auf die Weltmeisterschaft (2. bis 10. Juli) der Nacra 17 in Aarhus/Dänemark eingestellt. Gemeinsam mit den Flensburger Kat-Kollegen Jan Hauke Erichsen/Lea Spitzmann sowie dänischen Trainingspartnern sind mehrere Trainingseinheiten auf dem künftigen WM-Revier eingeplant. Dazwischen wird die Kieler Woche eingebaut. Gegen die Konkurrenz aus zehn Nationen gilt es zu zeigen, dass die Kieler das Zeug haben, vorn zu segeln. Drei Siege zum Auftakt unterstreichen das. Und neben dem Titel des Kieler-Woche-Siegers lockt das Preisgeld des Landes Schleswig-Holstein, das intgesamt 60.000 Euro ausgelobt hat. 3000 Euro erhält der Sieger in jeder olympischen und paralympischen Bootsklasse, 2000 gehen an den Zweitplatzierten, 1000 Euro an den Dritten.
"Aber die Ergebnisse sehen besser aus als unsere Leitsung", bleibt Paul Kohlhoff selbstkritisch. In einem Rennen wären wir beinahe gekentert, und das darf bei diesen Bedingungen nicht passieren", ergänzt der Kieler, der mit seiner Vorschoterin deutlich mehr Speed hat als die Konkurrenz vor Kiel. "Das wird vor Aarhus sicher ganz anders. Insgesamt 15 Nationen kämpfen bei der WM um die drei Nationen-Plätze, die dort vergeben werden, und wir gehören nicht unbedingt zu den sechs Favoriten", zeigt sich Kohlhoff bedeckt. Möglichst alle Fehler vermeiden und keine Materialprobleme, dann ist alles möglich.
Die Position des Trainers teilen sich Rigo de Nijs, der nach seinem Wechsel zum Kieler YC noch ein paar Tage in Diensten des Deutschen Segler-Verbandes übrig hat, und der Brite Mark Bulkeley, der für de Nijs als Honorartrainer nachrückt. Die Konkurrenz-Situation mit dem frisch zusammen gestellten Flensburger Team Erichsen/Spitzmann sehen Kohlhoff/Werner dabei als durchaus fruchtbar an: „Wir mussten uns allerdings erst an die Situation gewöhnen. Jetzt wissen wir aber, dass wir alle davon profitieren und dass es die Chance erhöht, tatsächlich das Nationen-Ticket für Olympia zu lösen. Und das ist das klare Ziel bei der WM.“
Olympia ist tatsächlich und entgegen der Annahme vieler Skeptiker für die deutschen Katamarane in Sichtweite. Kohlhoff: „Der Optimismus ist gestiegen und wir haben gezeigt, dass unsere Ansprüche durchaus gerechtfertigt sind. Aber wir haben gerade erst angefangen mitzuspielen. Jetzt wollen wir gern dabei bleiben.“
Vor Kiel entwickelt sich derweilen der zweite Tag zu einer Geduldprobe. Seit 13 Uhr sind die Segler/innen auf Standby. "Notfalls warten wir bis 18 Uhr", so Organisationsleiter Dirk Ramhorst. Danach würde auf Montag verschoben. "Wir sind zum Segeln hier und dann gehört auch das Warten auf den Wind dazu", so Tobias Schadewaldt zu der Entscheidung. Der Führende in der Laserklasse nach dem ersten Tag ist Favorit auf den Kieler-Woche-Sieg 2015.
Auf Mallorca lief es noch nicht rund, aber in Hyères schafften Paul Kohlhoff und Carolina Werner den Sprung ins Worldcup-Finale. Auf dem Heimatrevier Kiel möchte die deutsche Nacra 17 Hoffnung aufs Podest. Nach dem ersten Tag führen die Kieler mit drei Siegen. Der Sonntag entwickelt sich derzeit zur Geduldprobe: Startverschiebung. Foto okpress
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