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Kieler Woche 2015
Kiel, 20.-28.Juni 2015
www.kielerwoche.de - Übersicht
28.06.2015
Kiter Rodwald gewinnt Speed-Rennen
Mit dem Mittelstrecken-Rennen um den Senatspreis rundeten die Seesegler ihre Kieler Woche ab. Nur wenige Stunden, nachdem etliche Crews vom Silbernen Band, der Langstrecke über Nacht, wieder in den Hafen eingelaufen waren, ging es in das letzte Rennen für die Yachten auf der Kieler Woche. Mit den beiden „Halbtrocken“-Crews gab es dabei in den drei Gruppen zwei bekannte Gesichter auf der obersten Stufe des Siegertreppchens. Allerdings setzte sich auch eine frische Mannschaft an die Spitze. Die „X-Day“ von Nils Gauter (Hamburg) schaffte nach Platz zwei zum Welcome-Race nun den Sprung ganz nach oben und holte sich den Sieg in der ORC I vor der „Desna“ von Sven Wackerhagen (Kiel). In den Kategorien der kleineren Yachten wiederholten sowohl die „Halbtrocken Xpress“ von Michael Berghorn (Amrum) in der ORC II vor der „Penta“ (Ulrich Amann, Arnis) als auch das Pendant in der ORC III / IV, die „Halbtrocken“ von Knut Freudenberg (Amrum), vor der „Otago“ von Klaus Born (Mönkeberg) ihre Erfolge von der Langstrecke.
Dr. Wolfgang Schäfer, der Vorsitzende des Seesegel-Ausschusses im Deutschen Segler-Verband, zeigte sich nach der Kieler Woche sehr zufrieden. „Nach dem großen Erfolg der Weltmeisterschaft vor Kiel im vergangenen Jahr mussten wir befürchten, dass viele Crews nun etwas kürzer treten würden, und wir durch ein Tief müssen. Natürlich ist es etwas weniger geworden. Aber die Seesegel-Szene in Deutschland hat sich auf einem guten Niveau gehalten“, sagte Schäfer, der selbst mit seiner Farr40 in Amerika segelt, zum Kieler-Woche-Auftakt aber auf der „Resolute“ von DSV-Präsident Dr. Andreas Lochbrunner angeheuert hatte, um das Geschehen aus nächster Nähe beurteilen zu können. „Jetzt hoffen wir, dass die Internationale Deutsche Meisterschaft vor Flensburg im Herbst ein Erfolg wird. Die Dänen werden mit Blick auf die ORC-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr vor Kopenhagen sicherlich mit einer guten Flotte vertreten sein. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern läuft immer besser.“
Während das Seesegeln den Ursprung der Kieler Woche bildet, zelebrierte am Sonnabendabend eine neue Disziplin im 133. Jahr des größten Segelereignisses der Welt ihre Premiere. Bei der Speed-Challenge vor der Südmole des Olympiazentrums gingen sechs Wettbewerber der unterschiedlichsten Segelklassen auf einer 500-Meter-Strecke auf die Jagd um die Top-Geschwindigkeit. Im Ablauf muss das Rennen zwar noch seine genaue Struktur finden, die Übertragung auf die Leinwand im Hafenvorfeld fand aber großen Anklang. Die Plätze vor der Bühne waren sämtlich besetzt, dahinter standen die Zuschauer in Dreierreihen, um das Spektakel zu beobachten.
Mit fliegendem Start rauschten die Wettbewerber in festgelegter Startreihenfolge bei böigen und drehenden Winden in den Kurs hinein, um die Strecke möglichst schnell zu absolvieren. Während der Zwölfer „Trivia“, ein Klassiker von 1937, mit schäumendem Bug von Eigner und Steuermann Wilfried Beeck durch die Wellen gepeitscht wurde, und mit 1:50 Minuten ein beachtliches Tempo für solche eine betagte Dame vorlegte, war es das Ziel der Konkurrenz, nach Möglichkeit sämtlichen Reibungswiderstand zu überwinden und über das Wasser hinweg zu rauschen. Das schafften bei dem spitzen Windwinkel die Katamarane nicht immer nach Wunsch.
Dem 40-Fuß-Geschoss, der Extreme40 „Landrover“ mit Steuermann Mitch Booth, gelang das noch am besten. Sie legte mit 45,09 Sekunden die Spitzengeschwindigkeit der Segler vor, der der olympische Nacra17-Kat von Stefan Rumpf (56,40 Sekunden) nicht folgen konnte. Mit einer Neuentwicklung hatten sich die Brüder Helge und Christian Sach an den Start gewagt. Erst seit wenigen Wochen proben sie auf dem Nacra20, einem Foiling-Kat. Die Winde vor Schilksee machten es ihnen allerdings unmöglich, ihr Sportgerät durchgängig über die Unterwasserflügel aus dem Wasser zu heben. Immer wieder stürzten sie aus voller Fahrt ab, ernteten für ihren wilden Rodeoritt, der immerhin eine Zeit von 50,18 Sekunden einbrachte, aber den größten Applaus.
Währenddessen verbuchte Roland Gäbler, Olympia-Bronzemedaillengewinner von 2000, die meisten Schmunzler mit einer Neuentwicklung. Er versuchte, einen vom Kite gezogenen Tender an den Start zu bringen, scheiterte aber mit Kenterung und falschem Timing bereits vor der Linie. Der triumphale Schlusspunkt gebührte daher Kiter Roy Rodwald, der die Strecke in 39,69 Sekunden abflog und lediglich beim Sieger-Interview Probleme hatte, als ihn der Kite-Schirm einfach vom Mikrophon wegzog. Beim zweiten Anlauf gelang allerdings auch das bei einer Premiere, die in weiter ausgeklügelter Form nach einer Wiederholung ruft.
Die Kieler –Woche-Regatten enden heute mit dem Abschluss in 16 internationalen Klassen. Gegen 13 bis 14 wird mit den Ergebnisse gerechnet. Um 16 Uhr findet die Siegerehrung auf der Audi-SAP-Bühne statt.
Spektakulär war der Auftritt der Sach-Bürder mit ihrem Foiler-Kat Nacra 20. Foto: Kieler Woche / www.segel-bilder.de
Ansprechpartner für die Presse:
Hermann Hell
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