90. Rolex Fastnet Race 2015

Cowes-Fastnet Rock-Plymouth
August 16 - 21, 2015 -
http://fastnet.rorc.org/ - Übersicht

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August 25, 2015
ROLEX FASTNET RACE: AUSDAUER ZAHLT SICH AUS

Ein denkwürdiges Rolex Fastnet Race ist zu Ende gegangen. Die 46. Ausgabe des Hochsee-Klassikers lockte die Rekord-Meldezahl von 356 Yachtcrews an, denen die wechselhaften Wetterbedingungen ein Höchstmaß an Taktik, Seemannschaft, Willenskraft und nicht zuletzt Geduld abverlangten.

Gewonnen hat das Rolex Fastnet Race einer der stillen Helden des Segelsports, ein erfahrener Segler, der ohne viel Aufhebens ein brillantes Rennen segelte: Der Sieg des Franzosen Géry Trentesaux und seiner talentierten Crew auf der 35-Fuß-Yacht Courrier du Léon mag nicht so spektakulär sein wie der Zweimann-Triumph der Loison-Brüder bei der 45. Auflage vor zwei Jahren. Aber er unterstreicht den sportlichen Charakter des Rennens, bei dem auch Amateurcrews die Chance haben, ganz oben auf dem Treppchen zu landen. Trenteseaux und seine Crew sind verdiente Gewinner der Fastnet Trophy: Sie sind Segler, die ihren Sport ebenso als persönliche Herausforderung wie als Wettkampf betrachten. Sie fügen sich hervorragend in die lange und ruhmvolle Reihe der bisherigen Fastnet-Gesamtsieger ein.

Schon vor dem Start stand fest, dass die 46. Ausgabe des Rolex Fastnet Race eine besondere sein würde: Schließlich feiert das ehrwürdige Hochseerennen im Jahr 2015 sein 90. Jubiläum. Auch die Mitglieder des organisierenden Royal Ocean Racing Club (RORC) haben Grund zu feiern: Ihr Club wurde ebenfalls vor 90 Jahren, kurz nach Beendigung des ersten Fastnet Race, mit dem Ziel gegründet, „mehr Yachten zu ermutigen, Langstreckenregatten zu segeln.“ Der beste Beweis für diesen Sportsgeist ist das alle zwei Jahren stattfindende Rolex Fastnet Race: Der internationale Ruhm dieser Regatta zeigt, dass der RORC seinen Statuten treu geblieben ist.
Der RORC-Kommodore Michael Boyd, der dieses Jahr auf der „Quokka 8“ am Fastnet teilnahm, sagte: „Für uns ist die 46. Ausgabe des Rolex Fastnet Race im Jahr unseres 90. Jubiläums etwas ganz Besonderes. Die Meldezahl hat einen neuen Rekord erreicht, und in den verschiedenen Klassen wurden auf dem Wasser großartige Leistungen erbracht. Am Ende steht der unglaubliche Sieg von Géry Trentesaux: Wir wussten, dass die Crew einen guten Job macht, aber wir wussten lange nicht, wie gut diese Leistung am Ende wirklich war. Außerdem bin ich mir sicher, dass beim nächsten Fastnet in zwei Jahren wieder ein neuer Melderekord aufgestellt wird.“

Nicht nur das Rolex Fastnet Race und der RORC begehen 2015 ein wichtiges Jubiläum, auch die Royal Yacht Squadron, von deren Gelände am Solent aus die Regatta traditionell gestartet wird, feiert ihr 200. Jubiläum. Der Start des diesjährigen Rolex Fastnet Race markierte einen der Höhepunkte des Jahres voller Festakte. Rolex ist langjähriger Partner beider Clubs und seit 2001 Sponsor des Rolex Fastnet Race.
Die Fülle der Jubiläen hat die ohnehin große Popularität des Rolex Fastnet Race noch gesteigert. In den vergangenen Jahren ist der Wunsch immer größer geworden, dass Teilnehmerlimit nach oben zu setzen, das nach der Fastnet-Tragödie 1979 auf maximal 300 begrenzt wurde. Nachdem es 2009 erstmals erreicht wurde, fand der RORC Möglichkeiten, das Limit weiter nach oben zu setzen, sodass 2011 und 2013 bereits deutlich mehr als 300 Yachten teilnahmen. In diesem Jahr lag das Limit für die in der IRC-Wertung startenden Yachten – also der Gruppe, die um den Sieg über Alles und somit um die Fastnet Challenge Trophy und eine wertvolle Rolex-Uhr kämpft – bei 340 Startern. 50 Yachtcrews starteten überdies in eigenen Wertungsgruppen, den sogenannten professionellen Klassen: Mehrrumpfboote (Multihulls), IMOCA Open 60, Class 40 und Figaro.

Als sich die elektronischen Tore zur Anmeldung für das Rolex Fastnet Race öffneten, brandete eine Welle an Meldungen hinein. Innerhalb von 24 Minuten war die Meldeliste voll; 2013 war dies erst nach 24 Stunden der Fall. Nach dem harten Qualifikationsprozess, den Yachten und Crews für eine Teilnahme am Rolex Fastnet Race durchlaufen mussten, blieben insgesamt 356 berechtigte Starter übrig, von denen 312 in der IRC-Wertung antraten. Diese hochkarätige Meldeliste, die den Rekord von 2013 noch übertraf, bewies das hohe Niveau der internationalen Offshore-Segelszene.
RORC-Kommodore Michael Boyd: „Im Jahr 1925 starteten sieben Yachten beim Fastnet Race. Erklärtes Ziel der Crews war es, eine gute Zeit zu schaffen. Wer sich die strahlenden Gesichter der diesjährigen Teilnehmer ansieht und ihren Berichten von der Zeit auf See lauscht, ist sicher: Auch sie hatten sehr viel Spaß. Der RORC gibt ihnen exakt die Bedingungen, die sie wollen. Wir legen die Latte hoch für alle, die das Rolex Fastnet Race segeln wollen, und stellen damit sicher, dass alle Teilnehmer optimal vorbereitet sind und alle Sicherheitsbestimmungen erfüllen. Darüber mögen sich einige beschweren, aber auch sie wissen, dass unsere harten Kriterien ihre Berechtigung haben.“

Dass das 46. Fastnet Race nicht als wahrer Klassiker in die Geschichte eingehen mag, ist dem launischen Wettergott geschuldet: Beim Start gab es wenig bis gar keinen Wind. Als die ersehnte Brise vor der Südwestküste Englands endlich einsetzte, wurde sie begleitet von alles durchdringendem Sprühregen. Insgesamt war es kein hartes, aber ein anspruchsvolles Rennen: Der erste Abschnitt war geprägt von schwachem Wind und sengender Sonne, die zweite Hälfte war ein klassischer Schlag zum Fastnet Rock und dann zurück zum Ziel vor Plymouth.
Bei den Trimaranen wurde der Maxi-Tri „Spindrift 2“ als haushoher Favorit gehandelt. Mit 131 Fuß (40 Meter) war er mehr als doppelt so lang wie die Mehrzahl der anderen Mehrrümpfer. Doch die Crew der „Prince de Bretagne“ blieb der „Spindrift 2“ hartnäckig auf den Fersen und kam ihr beim Runden der Scillies auf dem Schlag in Richtung Finish gefährlich nach. Der Schweizer Trimaran mit dem Skipper-Paar Dona Bertarelli und Yann Guichard überquerte die Ziellinie um 21.57 Uhr und 41 Sekunden deutscher Zeit nach zwei Tagen, zehn Stunden, 57 Minuten und 41 Sekunden – mehr als einen Tag langsamer als der eigene, 2011 aufgestellte Streckenrekord.

Im Feld der Einrumpfyachten gab es mit der „Comanche“ ebenfalls einen klaren Favoriten. Die 100-Fuß-Yacht im Besitz von Jim Clark und Kristy Hinze Clark, 2014 vom Stapel gelaufen, gilt aktuell als schnellste Maxiyacht der Welt. Weitere heiße Anwärter auf den Titel „First Ship Home“ in der IRC-Wertung waren die etwas ältere und schwerere, ebenfalls 100 Fuß messende „Leopard“ und die mit 88 Fuß etwas kürzere, aber ebenfalls hochmoderne „Rambler 88“.
Um ihr Geschwindigkeitspotenzial zu entfalten, brauchte die „Comanche“ vor allem eines: Wind. In den ersten zwei Renntagen gelang es Skipper Ken Read und seiner erfahrenen Proficrew daher nicht, die „Rambler 88“ abzuschütteln. Der Kampf der beiden Maxis dauerte bis kurz vor die Mole von Plymouth, wo die „Comanche“ mit einem Vorsprung von lediglich viereinhalb Minuten vor der „Rambler 88“ ins Ziel ging. „Das war eines der verrücktesten Rennen meines Lebens“, sagte Ken Read, „anfahren, wieder stehenbleiben. Mal blieb die Konkurrenz im Flautenloch stecken, und auf einmal war das ganze Feld wieder um uns herum – es war einfach phänomenal.“

George David, der Eigner der „Rambler 88“, zeigte sich hochzufrieden mit der Leistung seines etwas kleineren Bootes. „Es war ein Leichtwindrennen“, sagte David. „Den Fastnet Rock zu runden, dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Dass wir am Ende nur wenige Minuten hinter der ‚Comanche‘ lagen, ist eine bemerkenswerte Leistung.“
Der Kampf um den Sieg über alles in der IRC-Wertung nahm im Rennverlauf eine überraschende Wendung: Lange schien es, als wären die größeren Yachten bei den leichten Windbedingungen bevorteilt. Mit ihren höheren Masten und der größeren Segelfläche war ihre Chance größer, den Windhauch einzufangen und ihn in Geschwindigkeit umzusetzen. Die deutsche Mini-Maxi „Momo“ von Dieter Schön legte ein phänomenales Fastnet-Debüt hin. Obwohl sie eine wesentlich kürzere Wasserlinie und weniger Technik-Features als die Maxi-Yachten mit ihren Schwenkkielen hat, ging die „Momo“ als viertes Boot ins Ziel und erschien für eine Weile als sichere Kandidatin für den Sieg über Alles.

Doch es sollte nicht sein. Der auffrischende Wind am Fastnet Rock setzte sich auf dem Kurs durch und gab den kleineren Yachten neue Hoffnung. Viele von ihnen hatten noch nicht einmal den Felsen gerundet, als die „Momo“ schon im Hafen von Plymouth festgemacht hatte.
Der Start der „Courrier du Léon“ in das Rolex Fastnet Race war alles andere als ruhmreich. Nach einem Frühstart musste sich die Crew gegen die Tide 40 Minuten zurück über die Startlinie quälen, um zu bereinigen. Doch falls Skipper Trentesaux sich über diesen Fauxpas ärgerte, zeigte er es nicht. Stattdessen arbeiteten er und seine Crew bei jeder sich bietenden Gelegenheit daran, den schlechten Start wieder gutzumachen und Seemeilen auf die Konkurrenz zu gewinnen.

Für den 56-jährigen Franzosen war es die 13. Fastnet-Teilnahme seit 1977. Die Erfahrung spielte Trentesaux ebenso in die Karten wie die Tatsache, dass er und fünf seiner sechs Crewmitglieder seit 1999 regelmäßig zusammen segeln. „Das Fastnet Race ist ein Langstreckenrennen, vergleichbar mit den 24 Stunden von Le Mans“, sagte Trentesaux. „Nicht der Start, sondern der Endspurt ist wichtig. Dieses Jahr war die Windvorhersage schlecht und beim Start herrschte nahezu Flaute. Das machte die Dinge etwas komplizierter als in den vergangenen Jahren. Unsere Aufgabe war es, Wind zu finden, uns gut zu positionieren und keine Meile zu verschenken.“
„Mein erstes Fastnet segelte ich 1977 auf einer Nicholson 51. Wir brauchten sieben Tage, um das Rennen zu beenden“, erinnerte sich Trentesaux, „auch 1979 am Orkanrennen nahm ich teil. In meiner Jugend war das Fastnet Race die größte und wichtigste Regatta der Welt, daher war es eine großartige Erfahrung, als ich mit 18 Jahren erstmals daran teilnehmen durfte. In den vergangenen 40 Jahren habe ich viel erlebt, aber ich werde an diesen Moment immer als einen der erhebendsten meiner gesamten Segelkarriere zurückdenken. Dieses sagenhafte Rennen zu gewinnen, ist schlichtweg unglaublich.“

Vielleicht geht das Rolex Fastnet Race 2015 nicht als Klassiker in die Geschichte ein, doch es wird definitiv in Erinnerung bleiben. Es bot anspruchsvolle Bedingungen, wie sie von einem 600-Seemeilen-Hochseerennen erwartet werden. Die Segler nahmen diese Herausforderung an und bewiesen, dass sie das nötige Rüstzeug für die Königsdisziplin des Yachtsports mitbrachten. Nur zehn Yachten gaben auf – diese Zahl allein ist Beweis für die beeindruckende Ausdauer und die Willenskraft der Teilnehmer des Rolex Fastnet Race 2015.
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