Sydney/Hobart
Bereits 54 der 117 teilnehmenden Boote gaben das Rennen teils mit schwersten Schäden auf. Auch die neue „Vineta“ des Hamburger Reeders Felix Scheder-Bieschin brach die Regatta nach einem Wassereinbruch ab. Als Erste erreichte die 27 Meter lange Maxiyacht „Nicorette“ des Schweden Ludde Ingvall nach 628 aufreibenden Seemeilen das Ziel in der tasmanischen Hauptstadt. In der Gesamtwertung führte am Mittwoch (29. Dezember) allerdings die britische „Aera“.
Bei idealen Segelbedingungen waren sie am Zweiten Weihnachtstag vor der Traumkulisse von einigen hunderttausend Zuschauern in Sydney gestartet. Doch die Sturmwarnungen der Meteorologen hielt bereits am zweiten Tag, was sie prophezeit hatten. Aus Süden gegen die Fahrtrichtung des Felds rollten die Wasserwalzen auf die Segler zu. „Die Wellen bauten sich sehr schnell auf und brachen oben auf den Kämmen“, schilderte „Aera“-Skipper Jez Fanstone die Szenerie. „Trotzdem waren wir nur unter dem kleinen Trysegel noch neun
Knoten schnell.“ Seine vermeintlich riskante, weil 150 Seemeilen weit
draußen auf hoher See gewählte Route zahlte sich aus. Nach berechneter Zeit war die Ker 55-Aera viereinhalb Stunden schneller als die größere „Nicorette“.
Auch die Marten 49 „Vineta“ lag in der ersten Hälfte gut im Rennen, meist unter den besten 20. Und die notorische Bass-Straße hatte sie fast schon überquert, als die Mannschaft unter Deck ungewöhnlich viel Wasser im Schiff entdeckte. „Da wir nicht feststellen konnten, wo das her kam, und ob es mehr werden könnte, haben wir uns zu Gunsten der Sicherheit entschlossen, aufzugeben“, berichtete der Eigner nach Hause. Das war am Montag Abend deutscher Zeit. Die Crew, die jederzeit wohlauf war, lief mit der „Vineta“ nach Eden ab, wo sie aufgeräumt und repariert wurde. Am Mittwoch war das
Team bereits auf dem Rückweg nach Sydney.
So glimpflich zog der Sturm nicht an allen Yachten vorüber. Am schwersten erwischte es die Maxiyacht „Skandia“, ein Topfavorit für den Gesamtsieg. Als die Hydraulik für den modernen Schwenkkiel in schwerer See ausfiel und der Kiel maximal ausgeschwenkt blieb, verließ die Crew um Skipper Grant Wharington (Australien) die 30-Meter-Yacht und stieg in die Rettungsinseln, aus denen sie aufgelesen wurde. Wenig später brach der Kiel ab, und das Boot kenterte. Es soll jedoch an Land geschleppt werden.
Nach dem Unglück schien die Bahn frei für die „Konica Minolta“ von Stewart Thwaites aus Neuseeland, die der „Skandia“ 2003 nur um 14 Minuten unterlegen war. Doch eine Monsterwelle, doppelt so groß wie die laufenden, warf das 27 Tonnen schwere Schiff so heftig ins Wellental, dass es auseinander zu brechen drohte. „Wir hörten ein lautes Krachen und stellten anschließend Risse im gesamten Kajütdach fest“, so Thwaites, „noch so ein Ding und wir hätten das Boot zerteilt.“
Zu den prominenten Opfern der Jubiläumsregatta gehörte auch ihr Veteran Syd Fisher. 35 Rolex Sydney-Hobarts hat er gesegelt; diesmal brach auf seiner Farr 50 „Ragamuffin“ der Mast. Noch waren am Mittwoch vor allem etliche kleinere Boote auf See, von denen einige zumindest noch theoretische Chancen auf den Gesamtsieg hatten. Der stürmische Wind soll indes zum Jahresende nachlassen.
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