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Rolex Baltic Week 2006
Regatta 2006 -
13. August 2006
Russen, Amerikaner und Deutsche Arm in Arm
Star-EM-Titel nach Übersee / IMS-Weltmeister aus Europa
Neustadt. Mit einer rauschenden Rolex Baltic Week Night feierten 750
Seglerinnen und Segler am Sonnabendabend (12. August) in Neustadt/Holstein
den erfolgreichen Abschluss der dritten Regattawoche des Norddeutschen
Regatta Vereins (NRV) Hamburg. Im Mittelpunkt standen dabei die neuen Welt-
und Europameister. Bei den Hochseeseglern nach IMS-Wertung (International
Measurement System) gingen die WM-Titel in der Division 1 nach Russland an
die „Yugtranzit“ von Kirill Podolskiy und Detlef Amlong aus Schwedeneck mit
seiner „Froschkönig“ (Division 2). Bei der offenen EM der olympischen
Starboote wanderte der Titel in die USA zu Mark Mendelbach und Mark Strube.
Aus den Händen von Peter Streit, dem Geschäftsführer von Rolex Deutschland
aus Köln, erhielten die Sieger der Rolex Baltic Week 2006 jeweils eine edle
Armbanduhr des Modells Rolex Submariner. Dazu erklangen die Nationalhymnen
aus Deutschland, Russland und den USA. Für alle Platzierten gab es Pokale
und guten Rotwein. „Mit 80 Starbooten und 49 Hochseeyachten war ein
erstklassiges Regattafeld am Start“, so Streit, „und alle haben
ausgezeichneten Segelsport auf höchstem Niveau geboten.“
Bei Flusskrebsen, überbackenen Jakobsmuscheln und Sushi ließen die Aktiven
die Rolex Baltic Week noch einmal Revue passieren. In ihrer dritten Auflage
avancierte die Regatta zu einem exklusiven Event in der ancora Marina mit
Blick über die Lübecker Bucht. Allein der Wind meinte es in sechs Tagen
nicht allzu gut mit den Wassersportlern. Die Teilnehmer der
Starboot-Europameisterschaft schafften schon bis zur Halbzeit fünf
Wettfahrten und musste sich über die drei folgenden Flautentage ohne Rennen
nicht mehr zu sehr grämen. Am Finaltag wehte dann auch für die IMS-Yachten
eine zu schwache Brise. Um 15.32 Uhr wurde der sportliche Zeit der
Regattawoche beendet, der unter der Leitung von Hans-Herbert Hoffmann (NRV)
stand.
„Es waren schwierige Bedingungen besonders für die Wettfahrtleiter“, sagte
NRV-Kommodore Gunter Persiehl in seiner Dankesrede. Von daher sei es umso
höher zu bewerten, dass letztlich für alle Meisterschaften genügend Rennen
zustande kamen, auch wenn sicher nicht alle Teilnehmer mit den Ergebnissen
bei den leichten und stark drehenden Winden glücklich seien.
Ob Schwachwind oder Starkwind, eine Yacht war bei der IMS-WM vor Neustadt
ohnehin kaum zu schlagen.
Die russische Grand Soleil 42 R „Yugtranzit“
präsentierte sich von Beginn an in Bestform. „Wir haben viel für den
Saisonhöhepunkt trainiert und sind umso glücklicher, dass es für uns so
sensationell gut gelaufen ist“, bilanzierte der olympiaerfahrene Skipper
Sergey Shevtsov. Mit einem Sieg bei der Kieler Woche hatte sich das
Segelteam des Sportclubs „UTS“ aus Taganrog, einer 270.000 Einwohner
zählenden Stadt am Asowschen Meer, bereits empfohlen. Und schon bei der
WM-Langstrecke lag die Mannschaft vorn. Am Ende hatte sie drei Tagessiege
verbucht und einen achten Platz als schlechtestes Einzelresultat überhaupt
erzielt.
Im Feiern stand der „Yugtranzit“ abends aber vor allem das beste deutsche
Team in nichts nach. Die IMX-40 „Moonshine“ von Matthias Müller von
Blumencron war nach einer späten Juryentscheidung noch aufs Podium
vorgerückt. Hinter der schwedischen „Data Communication“ von Ralf Aspholm
gewannen die Hamburger „Bronze“ und wiederholten damit ihren Erfolg von der
IMS-Europameisterschaft im Vorjahr.
„Ein Platz auf dem Treppchen war unser Ziel“, so Blumencron, „und dafür
haben wir gekämpft – auf dem Wasser und an Land.“ Dass die Entscheidung
letztlich erst drei Stunden nach Abbruch aller Wettfahrten am grünen Tisch
fiel, bedauerte auch der Skipper und Eigner, stimmte aber dem finalen Urteil
zu: „Es war schlicht ungerechtfertigt, die erste Etappe der Langstrecke aus
der Wertung zu nehmen.“ Hier hatten es Proteste einiger Teilnehmer wegen der
Zeitnahme am sogenannten Scoring Gate gegeben, denen zunächst stattgegeben
worden war.
Auch Detlef Amlong hatte zu den Protestführern gehört, das erste Urteil
aufzuheben. Dabei war der Glasermeister aus dem schleswig-holsteinischen
Schwedeneck so oder so Weltmeister, weil keine weitere Wettfahrt mehr
gestartet wurde. „Das ist unglaublich. Wir wollten hier unter die besten
Zehn kommen, und jetzt haben wir den Titel“, freute sich der Eigner der
„Froschkönig“. Mit der 20 Jahre alten Optima 101/106 war Amlong schon
zweimal deutscher Meister und vor zwei Jahren bei der ersten Rolex Baltic
Week in Neustadt Zweiter geworden.
„Silber“ ging an die Flensburger Brüder Lars und Sven Christensen mit ihrer
X-332 „No Limits“, die 2004 noch vor der „Froschkönig“ gelegen hatte. „Wir
hätten gerne noch zwei Rennen gehabt, und die möglichst bei steten Winden“,
so die Vizeweltmeister, „wir waren angriffslustig und wollten der
‚Froschkönig’ die Meisterschaft noch abjagen.“ Rang drei ging an die X-332
„Patent3“ von Jürgen Klinghardt aus Bremen.
In einem WM-reifen Feld der Starboote diktierten Segler aus Übersee das
Geschehen. Die älteste olympische Klasse (seit 1932) schreibt seine
Meisterschaften grundsätzlich weltoffen aus. So wurden die US-Boys Mark
Mendelbach und Mark Strube Europameister und die Italiener Diego Negri und
Luigi Viale als Vierte beste Europäer. Die Silbermedaillen gingen an den
zweimaligen Laserolympiasieger Robert Scheidt und seinen Vorschoter Bruno
Prada aus Brasilien. Dritte wurden Andrew Horton und Brad Nichol (ebenfalls
USA).
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Fotos: Daniel Forster

IMS World and Star Class European Champions

YUGTRANZIT from Kirill Podolskiy, Russia, winner IMS 1

FROSCHKOENIG
Photo by: Daniel Forster/ Rolex

ROBERT SCHEIDT, BRUNO PRADA
Photo by: Daniel Forster/ Rolex






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Auch im deutschen Lager gab es strahlende Gesichter und zwar vor allem bei
der Nachwuchsmannschaft Matthias Miller und Manuel Voigt. Die 24-Jährigen
landeten auf dem achten EM-Rang und qualifizierten sich durch Platz vier in
der innereuropäischen Wertung sogar direkt für den A-Kader des Deutschen
Segler-Verbands (DSV) im nächsten Jahr. „Wir waren ohne Leistungsdruck hier
angetreten“, so die Neu-Rostocker vom dortigen Olympiastützpunkt,
„vielleicht hat es auch deshalb so gut funktioniert.“
Miller und Voigt verzichten nun auf einen Start bei der kommenden
Weltmeisterschaft in San Franzisko in Kalifornien/USA. Denn dort würden sie
ihren A-Kader-Platz wieder aufs Spiel setzen, wenn sie nicht unter die
ersten Zehn kämen. Hintergrund ist eine umstrittene Vorgabe der
Sportförderung von Innenministerium und DOSB (Deutscher Olympischer
Sportbund). Sie betrifft auch die WM-Zehnten Robert Stanjek und Frithjof
Kleen (ebenfalls Rostock) vom NRV Olympic Team, die als sechstbeste Europäer
in der WM-Endergebnisliste laut DSV ebenfalls A-Kader-Kriterien erfüllt
haben. „Wir hatten die Flüge gebucht und alles vorbereitet“, so Stanjek,
„wir wären gerne zur WM gefahren.“ Die A-Kaderförderung indes will er lieber
nicht riskieren.
Noch verworrener liegt der Fall bei Marc Pickel und Ingo Borkowski
(Kiel/Potsdam). In der WM-Wertung waren sie zwar nur Elfte und damit
siebtbeste Europäer. Würden jedoch die Nicht-Europäer von Beginn an Rennen
für Rennen aus der Wertung genommen so wie zum Beispiel in der olympischen
Katamaranklasse Tornado, lägen Pickel/Borkowski ihrerseits auf Rang sechs
vor Stanjek/Kleen.
Darauf hatte DSV-Sportdirektor Hans Sendes spontan auch
keine Antwort, aber eine ausgleichende Idee: „Ich würde mich beim DOSB dafür
einsetzen, dass alle drei Teams in den A-Kader kommen.“ Vom Saisonhöhepunkt
in San Franzisko wollen sich Pickel und Borkowski aber keineswegs abmelden:
„Das macht doch sportlich überhaupt keinen Sinn.“
Segeln in Zahlen
Endergebnisse von der Rolex Baltic Week
IMS-Weltmeisterschaft
Endstand nach sieben Wettfahrten
Division 1:
1. "Yugtranzit" (Sergey Shevtsov/Russland) 19,13 Punkte
2. "Data Communication" (Ralf Aspholm/Schweden) 54,5
3. "Moonshine" (Matthias Müller von Blumencron/Hamburg) 65,5
4. "Imagine" (Peter Rudbäck/Schweden) 66,5
5. "Al Cap One" (Peer Moberg/Norwegen) 67,5
6. "Ocean Warrior" (Sverre N. Valeur/Norwegen) 68
7. "Hanseatic Lloyd" (Christian Plump/Bremen) 77,75
Division 2:
1. "Froschkönig" (Detlef Amlong/Schwedeneck) 33 Punkte
2. "No Limits" (Lars und Sven Christensen/Flensburg) 39
3. "Patent3" (Jürgen Klinghardt/Bremen) 46,5
4. "Cala Ventinove" (Uwe Wenzel/Bremen) 52,25
5. "Chinook" (Johann Friedrichsen/Flensburg) 55,75
6. "Static Electric" (Heiko Päsler/Cuxhaven) 59
Starboot-Europameisterschaft
Endstand nach fünf Wettfahrten:
1. Mark Mendelblatt/Mark Strube (USA) 10 Punkte
2. Robert Scheidt/Bruno Prada (Brasilien) 25
3. Andrew Horton/Brad Nichol (USA) 27
4. Hamish Pepper/Carl Williams (Neuseeland) 27
5. Diego Negri/Lugi Viale (Italien) 29
6. Xavier Rohart/Pascal Rambeau (Frankreich) 31
7. Hans Spitzauer/Christian Nehammer (Österreich) 33
8. Matthias Miller/Manuel Voigt (Rostock) 39
9. Mateusz Kusznierewicz/Dominik Zycki (Polen) 44
10. Robert Stanjek/Frithjof Kleen (Rostock) 45
11. Marc Pickel/Ingo Borkowski (Kiel/Potsdam) 46
Andreas Kling
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