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Rolex Fastnet Race 2007 - Cowes 12.-17.August 2007
www.imoca.org - www.sail-world.com/ - Regatta Europa 2007
10. August 2007
Und immer wieder lockt der Fastnet Rock
Hansens „Outsider“ (Kiel) und drei Hamburger Yachten dabei
COWES. Er ist nur ein einsamer Felsen vor der südirischen Küste mit einem
Leuchtturm drauf. Und doch ist der Fastnet Rock ein Mythos. Er ist der
Wendepunkt in der wohl legendärsten Hochseeregatta der Nordhalbkugel, dem
Rolex Fastnet Race. Der Klassiker ist berühmt und berüchtigt für seine oft
gnadenlosen Bedingungen mit schwersten Stürmen – nicht alle Segler kehrten
in der 82-Jährigen Geschichte wieder heim. Das Rennen führt über 608
Seemeilen von Cowes auf der südenglischen Insel Isle of Wight durch den
Ärmelkanal und die Irische See zurück nach Plymouth in der Grafschaft Devon.
Am Sonntag (12. August) startet die 42. Auflage mit einer Rekordbeteiligung
von fast 300 Yachten, darunter auch vier deutsche.
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PRB, first IMOCA Open 60 at the Fastnet Rock
©Rolex/Daniel Forster
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Schon in den Tagen vor dem Start sammeln sich zahlreiche Rolex
Fastnet-Aspiranten im und um den Solent herum an der südenglischen Küste.
Viele der Regatta-Teilnehmer segelten zuvor die Skandia Cowes Week als
Einstimmung auf das lange Rolex Fastnet Race. Andere reisten diese Woche
eigens für den Saisonhöhepunkt in England an. Am Sonntag wird die größte
Flotte seit 1979, dem katastrophalen Orkanrennen, über die Startlinie vor
dem Royal Yacht Squadron in Cowes rauschen. Das erste Startsignal soll um
9.50 Uhr britischer Zeit (10.50 Uhr in Deutschland) ertönen.
„Wir sind voller Vorfreude, aber auch voller Respekt“, sagt der Kieler
Tilmar Hansen, der seine neue „Outsider“ an den Start bringt. Mit der
Elliott 52 hat der Hochseeveteran gerade die Transatlantikregatta HSH
Nordbank blue race nach gesegelter Zeit in der Hauptgruppe gewonnen. „Nach
fast 4.000 Seemeilen erscheinen die gut 600 zwar wie ein Klacks“; so der
Skipper, „aber vor Leichtsinn kann ich jeden nur warnen. Die Reviere, die
wir beim Rolex Fastnet Race passieren, haben allein durch die starken Tiden
ihre Tücken.“
An das Fastnet Race hat Hansen überwiegend gute Erinnerungen, denn bei
seinen beiden bisherigen Auftritten 1983 und 85 gewann er anschließend mit
Deutschland den Admiral’s Cup, seinerzeit die inoffizielle
Mannschaftsweltmeisterschaft der Hochseesegler. Und dieses Jahr will er der
direkten Konkurrenz das Heck zeigen. Hansen: „In unserer Klasse sind etliche
heiße 50- bis 60-Füßer dabei.“ Zur Verstärkung der „Outsider“-Crew kommt der
neuseeländische Weltumsegler („Merit Cup“) Mike Quilter als Navigator an
Bord. „Das gibt uns Sicherheit und garantiert unterwegs gute Laune“, so
Tilmar Hansen.
Die anderen drei deutschen Boote wollen auch gewinnen, und zwar vor allem
die Clubwertung der Illingworth Trophy. Sie starten unter dem Stander des
Norddeutschen Regatta Vereins (NRV) Hamburg. Es sind die „Inschallah VI“ von
Volker Andreae, die „Norddeutsche Vermögen Hamburg“ unter Skipper Georg
Christiansen sowie Christopher Wuttkes „Guts n’Glory“. „Wir haben außerdem
den veranstaltenden Royal Ocean Racing Club, den RORC, zu einer
partnerschaftlichen Friendship Challenge herausgefordert“, berichtet
Teamführer Andreae.
Der Hamburger ist gespannt auf die Leistung seines Schiffes im
internationalen Wettbewerb unter der IRC-Wertung, denn „da fehlen uns noch
die Vergleiche“. Seine 41-Fuß-Yacht, ein Judel/Vrolijk-Design, hat er eigens
für diese Formel mit einen Bugspriet sowie einen neuen, größeren
150-Quadratmeter-Gennaker ausgerüstet. „Damit müsste unsere Vorwindschwäche
passe sein“, glaubt der Eigner und Skipper. Mit der Atlantikerfahrenen
Mannschaft des Hamburgischen Vereins Seefahrt (HVS) auf der „N. V. Hamburg“
sowie der DK 46 „Guts n’ Glory“ glaubt der zweite NRV-Vorsitzende für
Regattasport, ein schlagkräftiges Team zusammen zu haben, um möglicherweise
sogar in die Geschichte der Regatta einzugehen.
Und das Rolex Fastnet Race ist eine Regatta mit langer Historie. Denn den
ersten Wettbewerb gab es schon 1925. Das Rennen wurde anschließend – außer
einer Unterbrechung in den 40er-Jahren – seit den frühen 30ern alle zwei
Jahre veranstaltet. Für viele Segler ist die Teilnahme an dieser reinen
Blauwasser-Regatta eine große Herausforderung – ob das erste, das fünfte
oder das 20. Mal. Da gibt es jene Enthusiasten, die immer wieder
zurückkehren – immer wieder mit dem eisernen Willen, sich erneut mit
zuweilen unvorhersagbaren und unbeständigen Winden sowie den tückischem
Strömungen in den Gewässern entlang der südenglischen Küste zu messen.
Für Piet Vroon und Ken Newman war eine Regatta nie genug. Der Holländer
Vroon ist diesmal mit seiner Lutra 56 „Formidable“ dabei. Es wird sein 23.
Fastnet-Rennen. Nach über 40 Jahren Wettkampf gewann Vroon 2001 die Klassen
IRC und IRM und nahm beide Trophäen, den Fastnet Challenge Cup und die
Fastnet Rock Trophy, sowie ein Rolex Yacht-Master Chronometer mit nach
Hause.
Ken Newman, der mit seiner Swan 51 „Grandee“ teilnimmt, übertrifft Vroon
sogar noch. 24 Teilnahmen kann Newman für sich verbuchen und hat seit seinem
ersten Fastnet 1967 nur eines in den folgenden 40 Jahren verpasst. Was den
unerschrockenen 78-Jährigen Segler immer wieder zurück an die Startlinie
bringt, ist mehr als nur die pure Gewohnheit. Das Rolex Fastnet, anders als
andere Hochseeregatten, bietet einen Kurs mit mehreren Etappen, die ihre
ganz eigenen Anforderungen haben. Newman: „Es ist eine klassische Regatta,
die sehr verschiedene Situationen bereit hält, und jede Etappe ist irgendwie
eine neue Herausforderung. Denke nie, du hast schon gewonnen. Und denke nie,
du hast schon verloren.“
Newman wird oft gefragt, ob er bei dem „schlimmen Rennen“ (gemeint ist das
79er Fastnet) dabei war. Aber für ihn war 1957 das schlimmere Rennen an Bord
der „Bluejacket“. „Es war fruchtbar“, erinnert er sich an Stürme, die die
Flotte heimsuchten. „Zwei Blöcke für unser Genuafall sind zerborsten, und
wir mussten vor Brixham ankern. Es hat fünf Tage gedauert, aber wir haben
das Rennen beendet.“ Von 41 gestarteten Yachten belegte die „Bluejacket“ am
Ende den zwölften und damit letzten Platz, kam aber im Gegensatz zu den 29
anderen Booten, die das Rennen aufgeben mussten, kam sie wenigstens ins
Ziel.
Unterdessen haben sich bei den hart umkämpften IMOCA 60’s, die nach
Klassenregeln segeln, einige Top-Segler zusammen gefunden. So nimmt zum
Beispiel der Brite Alex Thompson auf der „Hugo Boss“ die Hilfe des
Whitbread/Volvo Round the World Race-Veteranen und America’s Cup-Navigators
Andrew Cape aus Australien in Anspruch. Dee Caffari auf der „Aviva“ hat den
Wetterexperten Mike Broughton an Bord, um die richtigen taktischen
Entscheidungen zu treffen. Außerdem steht der Olympische
Goldmedaillengewinner im Rudern, Sir Matthew Pinsent, auf ihrer Crewliste,
der aber als Journalist mitsegelt und daher sicher nicht an den Winschen
kurbeln wird.
Die meisten Segelexperten rechnen mit einem Zweikampf um die Ehre, als
erstes Einrumpfboot die Ziellinie zu erreichen. Die brandneue 30 Meter lange
„ICAP Leopard“ von Mike Slade (Großbritannien), ein Farr-Design mit
Schenkkiel, fordert Neville Crichton’s jüngstes Reichel/Pugh-Design, die
neuseeländische „Alfa Romeo“ heraus. Letztere hat bereits etliche Siege
eingefahren, seit sie vor zwei Jahren zu Wasser gelassen wurde. Die beiden
Yachten werden zuvor erstmals bei einigen Kurzrennen vor der Küste
aufeinander treffen.
Das wieder auflebende Interesse an Hochseeregatten hat den Royal Ocean
Racing Club als Veranstalter des Rolex Fastnet Race dazu veranlasst, die
Teilnehmerzahl in diesem Jahr auf 300 zu begrenzen. Die Registrierungen
kamen schnell, und schon nach zwei Monaten war die Liste nahezu voll. Nach
wie vor werden Zertifikate und Einhaltung des Regattareglements
kontrolliert. Die endgültigen Rennwerte werden erst kurz vorm Start bekannt
gegeben.
Die Rolex Fastnet Race Webseite ist unter http://fastnet.rorc.org online.
Während des Rennens können die Zuschauer zu Hause vor dem PC die Positionen
der 300 Boote verfolgen, die via OC-Tracker, mit dem jede Yacht ausgerüstet
ist, virtuell dokumentiert werden.
Der Fastnet Challenge Cup wird an den Gesamtsieger nach IRC vergeben. Einen
edlen Rolex Chronometer bekommt ebenfalls der Fastnet Challenge Cup-Gewinner
sowie die Einrumpf-Yacht, die als erste die Ziellinie überquert. Neben der
Trophäe für den Gesamtsieg nach IRC gibt es zusätzlich 30 weitere
Auszeichnungen, die bei der Siegerehrung am Freitag, dem 17. August, in der
historischen Royal Citadel – der Heimat des 29. Kommando-Regiments der
Königlichen Artillerie – mit Blick auf den Hafen von Plymouth vergeben
werden.
(Ende)
Andreas Kling
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