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Rolex Farr 40 World Championship
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24. Februar 2011
Rolex Farr 40 World Championship http://www.regattanews.com/event.asp?f=email&id=255
Sydney, Australia
SCHADENSBEGRENZUNG SCHWIERIG, AUCH FÜR SCHÄFER
Konstanz und Schadensbegrenzung ist bei den Rolex Farr 40-Weltmeisterschaften schon immer die Losung gewesen. Und so ist es auch in diesem Jahr, nachdem über die Hälfte der 14. Welttitelkämpfe gesegelt ist. Keines der drei führenden Teams hat eine komplett saubere Serie und kassierte mehr Punkte als erhofft. Das deutsche Boot, die „Struntje Light“ von Wolfgang Schäfer (Lüneburg) musste am Donnerstag (24. Februar) sogar eine Disqualifikation verkraften.
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Fotos: Kurt Arrigo
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An der Spitze des Feldes steht nach insgesamt sechs Rennen Guido Belgiorno-Nettis (Australien) mit der „Transfusion“. Nach den Platzierungen 1, 7 und 4 am zweiten Tag hat er allerdings nur einen Vorsprung von drei Punkten vor der „Nerone“ von Massimo Mezzaroma und Antonio Sodo Migliori (Italien), die nach einem schlechten Start in den zweiten Tag den Nachbrenner eingeschaltet und eine Serie von 9, 1, 1 ans Ergebnisbrett genagelt haben. Lisa und Martin Hill (Australien) sind mit der „Estate Master“ und einer etwas enttäuschenden Serie von 6, 9, 10 auf den dritten Gesamtrang zurückgefallen.
Die „Estate Master“ führt ein Verfolgerduo an, das um den Anschluss an die Spitze kämpft. Der Abstand ist zwar etwas größer geworden, aber bei vier noch ausstehenden Rennen ist er durchaus aufzuholen, wenn sich die Verfolger keine weiteren Fehler mehr erlauben. Die Boote des Tages waren sicherlich „Transfusion“ und „Nerone“, aber auch Helmut und Evan Jahn haben sich mit der „Flash Gordon“ (USA) ein Lob verdient. Das Vater/Sohn-Team des in Deutschland geborenen Stararchitekten hat, unterstützt von Taktiker Bill Hardesty, mit drei Top-Ten-Platzierungen die vierte Gesamtposition erobert.
Dahinter schienen sich Wolfgang und Angela Schäfer (Lüneburg) mit der „Struntje Light“ zu etablieren. Mit einem dritten und vierten Platz bewiesen sie ihre gute Performance bevor ein 13. Platz für den ersten Dämpfer des Tages sorgte. Am Abend kam dann aber noch der Niederschlag. Ausgerechnet der dritte Rang wurde nach einem Protest in eine Disqualifikation umgewandelt. „Es war eine Situation an der Luvtonne. Wir mussten ausweichen, konnten aber nicht, da uns ein anderes ausweichpflichtiges Boot keinen Platz gemacht hat. Am Ende sind wir beide rausgeflogen. Uns wurde vorgeworfen, wir hätten unseren Anspruch auf Wegerecht zu spät geltend gemacht“, ärgerte sich Wolfgang Schäfer.
„Das wirft natürlich einen Schatten auf unser gesamtes Ergebnis, denn wir sind mit der jungen Amateur-Crew gut im Feld der Profis dabei, fahren sehr gute Starts.“ Zwar führt die „Struntje Light“ weiterhin die Corinthian-Wertung der Amateure an, das Podium in der Gesamtwertung ist allerdings von Platz acht aus erst einmal in weite Ferne gerückt, da es bei den Rolex Farr 40-Weltmeisterschaften kein Streichergebnis gibt. „Wir werden dennoch in den nächsten beiden Tagen voll angreifen und versuchen noch ein wenig vorzurücken“, so Schäfer.
Am Kurs
Wenn dieser Donnerstag auch ein langer Tag für die Segler war, dann war es ebenso ein Test für die Ausdauer und das Geschick von Wettfahrtleiter Peter „Luigi“ Reggio, der bei den Rolex Farr 40-Weltmeisterschaften 2011 auf der Regattabahn die Kurse setzen muss. Reggio ist ein gesuchter Manager für die besten Grand-Prix-Events im Segelsport und damit seit 2004 auch ein Muss für diese Meisterschaften.
Üblicherweise startet sein Tag sehr früh. Besonders wenn der Wind nur schwach weht, kommt schnell eine Entscheidungsfindung auf ihn zu. „Ich bin etwa um 8 Uhr im Regattabüro und denke darüber nach, was wir machen wollen und wie wir die Sache angehen. Diesen Morgen haben wir uns mit den Wetterexperten besprochen und entschieden, dass wir eine Stunde warten, da die Rennsituation dann besser werden würde.“ Eine sehr gute Entscheidung, wie sich zeigte. Zwar war das Rennen nicht perfekt, aber es wäre um einiges schlechter gewesen, wenn Reggio nicht gewartet hätte.
Wegen des nordöstlichen Windes, der sich bei acht bis zehn Knoten stabilisierte, und einer starken Strömung aus Süden wurde das Regattagebiet im Vergleich zum Vortag nach Norden vor den Manly Strand verschoben, was Zuschauern und Crews eine außerordentliche Kulisse bescherte. Zum letzten Rennen des Tages hatte der Wind auf zwölf bis 15 Knoten zugenommen, und durch eine kabbelige Welle wurden alle auf Trab gehalten.
Entgegen der landläufigen Meinung behauptet Reggio, dass er nach dem Start härter arbeitet als zuvor. Aktives Management der Regattabahn ist aus seiner Sicht wichtig: „Ich muss an der Spitze des Feldes sein, um den Winkel der Boote zum Wind zu sehen. Dadurch sehe ich die Winddreher, bevor die Tonnenboote sie bemerken. Da der Wind am Nachmittag in der Richtung zwischen 70 Grad und 35 Grad schwankte, waren Reggio und sein Team mehr als einmal gezwungen, den Kurs zu verkürzen oder die Bahnmarken zu verlegen.
Das Resultat dieser Anstrengungen waren zwar einige müde Segler, aber so konnten drei Rennen über die Bahn gebracht werden. Es ist ein Job, der in dem Bewusstsein getan werden muss, dass die Eigner und Crews es einen lediglich wissen lassen, wenn sie nicht zufrieden sind. Aber am Ende des Tages wurden keine Beschwerden notiert, als die Crews an Land kamen. Allerdings waren einige Proteste bis in den späten Abend zu verhandeln.
Geschichtliches
Auf zwei Booten sind bei dieser WM Taktiker aktiv, die mit der Klasse seit ihren ersten Tagen verbunden sind. Adrian Stead ist dreimaliger Rolex Farr 40-Weltmeister. Seine beiden vorigen Titel gewann er mit der „Mascalzone Latino“ 2006 und 2007. Seinen ersten Erfolg aber feierte er bei der allerersten WM im Jahr 1998 mit Jim Richardsons „Barking Mad“ (USA). John Kostecki ist zweimaliger WM-Gewinner. 2008 folgte er Stead auf der „Mascalzone Latino“, als der wegen der Geburt seines ersten Kindes nach Hause zurückkehrte. Kosteckis erster Erfolg war aber auch schon deutlich früher. 1999 siegte er in San Francisco mit Jim Kilroys „Samba Pa Ti“ (ebenfalls USA). Beide haben dann die Entwicklung der Farr 40-Klasse aus erster Hand miterlebt, und beide haben ähnliche Ansichten über die Art der Veränderung.
„Es ist eine wesentlich größere Konkurrenz heutzutage. Wenn du in das Feld zurückfällst, ist es schwer, von dort wieder nach vorn zu kommen. Der Level der Segler ist sehr hoch“, sagt Kostecki. Stead sieht es ähnlich: „Das seglerische Niveau ist außerordentlich. Das Können der Eigner und damit der Steuerleute, die Fertigkeiten der Amateure und der Level der Profis sind wirklich sehr, sehr gut.“
Beide genießen die Rennen enorm – aus identischen Gründen. Stead empfindet es als „einen großen Spielplatz“. „Die Klasse belohnt Teamwork. Ich habe eine Menge sehr gute Mannschaften in meiner Zeit gesehen, und sie waren immer da oben, weil sie sich durchgekämpft haben. Leute, die die Zeit opfern, wie wir auf der ,Barking Mad‘, der ,Flash Gordon‘, der ,Transfusion‘ oder der ,Nerone‘ ernten irgendwann die Früchte.“ Kostecki bestätigt diese Ansicht: „Es ist alles sehr eng und sehr gut organisiert. Am Ende gewinnt das beste Team, und das erfordert viel Teamwork. Es ist immer viel Action, und das ergibt eine großartige Regatta.“
Rückblick
2007, kurz nach dem Gewinn seiner zweiten Rolex Farr 40-Weltmeisterschaft, bemerkte Vincenzo Onorato im typisch neapolitanischen Stil: „Ich fühle mich wunderbar. ,Mascalzone‘ Erster und ,Alinghi' Zweiter! Das ist mein Traum. Ein weiterer Traum ist es, das auch beim America’s Cup zu wiederholen.“
Onorato war darauf erpicht, die Gründe für seinen Erfolg preiszugeben: „Das Geheimnis: sich einfach zu entspannen. Es ist nur ein Segel-Rennen, und man muss einfach die ganze Zeit entspannt bleiben. Wenn die Dinge gut laufen, darf man nicht euphorisch werden. Und wenn sie falsch laufen, darf man nicht unglücklich werden. Das ist das Geheimnis, um am Ende erfolgreich zu sein.“
„Barking Mad“-Eigner Jim Richardson ordnete Onoratos Sieg 2007 folgendermaßen ein: „Die Rolex Farr 40-Weltmeisterschaft zu gewinnen, ist immer eine sehr, sehr schwierige Aufgabe. Sie zweimal in Folge zu gewinnen ist fantastisch. Wir ziehen unsere Hüte vor Vincenzo Onorato und seinem Team. Es ist wirklich eine großartige Leistung.“ Danach gewann der Italiener noch ein drittes Mal.
(Ende)
Tag 2 –Zwischenergebnis der Top 10
Platz, Bootsname, Land, Eigner-Steuermann, R1-R2-R3-R4-R5-R6, Gesamtpunkte
1. Transfusion, Australien, Guido Belgiorno-Nettis, 4-4-2-1-7-4, 22
2. Nerone , Italien, Antonio Sodo Migliori & Massimo Mezzaroma, 2-1-10-9-1-1, 24
3. Estate Master, Australien, Lisa & Martin Hill, 1-8-1-6-9-10, 35
4. Flash Gordon, USA, Helmut & Evan Jahn, 11-2-9-2-8-5, 37
5. Voodoo Chile, Australien, Andrew Hunn & Lloyd Clark, 5-9-8-16-3-2, 43
6. Barking Mad, USA, Jim Richardson, 15-10-5-10-2-3, 45
7. Kokomo, Australien, Lang Walker, 19-5-4-8-5-9, 56
8. Struntje Light, Deutschland, Wolfgang & Angela Schaefer, 3-13-3-DSQ-4-13, 56
9. Hooligan, Australien, Marcus Blackmore, 13-3-6-4-16-14, 56
10. Plenty, USA, Alex Roepers, 10-7-13-3-13-11, 57
Die Rolex Farr 40-Weltmeisterschaft 2011 wird vom Royal Sydney Yacht Squadron und der internationalen Farr 40-Klassenvereinigung organisiert. Die Wettfahrten werden vom 23. bis 26. Februar gesegelt.
Um für die Berichterstattung hoch auflösende Bilder herunterladen zu können, die für den redaktionellen Gebrauch freier Medien von allgemeinem Interesse honorarfrei sind, registrieren Sie sich bitte unter www.regattanews.com http://www.regattanews.com/, der offiziellen Website für alle Rolex-Regatten. Dort sowie auf der Eventwebsite www.farr40worlds.com http://www.farr40worlds.com/ erhalten Sie auch etliche weitere Informationen wie die detaillierte Teilnehmerliste, Crewlisten und aktuelle Tagesergebnisse.
Andreas Kling
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