Rolex Farr 40 World Championship

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25. Februar 2011
Rolex Farr 40 World Championship http://www.regattanews.com/event.asp?f=email&id=255
Sydney, Australia
AUF DES MESSERS SCHNEIDE>BR>
Ein neuer faszinierender Tag im Kampf jeder gegen jeden bei der 14. Rolex Farr 40-Weltmeisterschaft: Zwei Rennen, faszinierende Geschichten und Gedränge an der Spitze, das waren die Kennzeichen des dritten Regattatags am Freitag (26. Februar) in Sydney/Australien. Gibt es ein besseres Drehbuch vor dem finalen Tag einer Weltmeisterschaft? Auch Alfred Hitchcock, der Meister der Spannung, könnte es nicht besser inszenieren. Die Titelverteidiger Massimo Mezzaroma und Antonio Sodo Migliori (Italien) halten mit ihrer „Nerone“ einen Ein-Punkt-Vorsprung auf die australischen Lokalmatadore um Guido Belgiorno-Nettis auf der „Transfusion“. Und kein weiteres Boot ist in Sicht! Unterdessen haben sich Wolfgang und Angela Schäfer (Lüneburg) von ihrer Disqualifikation am Vortag erholt und am dritten Wettfahrttag mit zwei Top-Ten-Platzierungen wieder etwas Boden gut gemacht.

Rückblende WM 2010: „Nerone“ musste zum Finale einen Zwei-Punkte-Rückstand auf die „Transfusion“ aufholen, schaffte das und gewann den Titel. Wird „Transfusion“ diesmal die Enttäuschung des Vorjahres wiedergutmachen und die scheinbar Unaufhaltsamen stoppen?
Tanz um die Tonne

Start am 2.Tag

Fotos: Kurt Arrigo
„Transfusion“ hatte dazu bereits am vorletzten Wettfahrttag eine gute Chance. Im Rennen sieben führte sie bis zur Hälfte, musste dann aber bis zum Ziel noch drei Boote passieren lassen, während Vasco Vascottos unerbittlichen taktischen Bemühungen die „Nerone“ noch drei Ränge nach vorn auf Platz sechs brachten.

Eine letztlich unbedeutende Niederlage für die Italiener, denn im achten Rennen jagte die „Nerone“ durch das Feld und erkämpfte sich auf dem ersten Vorwind-Gang einen uneinholbaren Vorsprung. Die „Transfusion“ stolperte dagegen im Windschatten als Fünfte ins Ziel. Wird dieses Comeback der „Nerone“-Mannschaft den entscheidenden psychologischen Vorteil bringen? Immerhin hat die „Transfusion“-Crew noch einen Renntag mit zwei geplanten Wettfahrten, um die Niederlage wieder wettzumachen und ihre erste Rolex Farr 40-Weltmeisterschaft zu gewinnen.

Während die Führenden ihr eigenes Spiel spielten, wurde dahinter das Feld ordentlich durchgemischt. William Douglass (USA) mit der Allzweckwaffe James Spithill, aktueller America’s Cup-Sieger, erwischte mit der „Goombay Smash“ seinen besten Tag mit zwei Ausreißern nach oben. Dem Sieg im siebten Rennen ließen sie einen sechsten Rang folgen. Wolfgang und Angelika Schäfer schüttelten mit ihrer Crew auf der „Struntje Light“ die Disqualifikation von Rennen vier an Vortag ab und landeten einen zweiten und einen achten Rang. „Wir haben uns gesagt, von der Disqualifikation lässt sich eine gute Crew nicht erschüttern, und sind auf Angriff gefahren“, berichtete Wolfgang Schäfer.

Dabei waren sie sogar dicht davor, ein Rennen zu gewinnen, wurden aber auf der Ziellinie noch abgefangen, als „Goombay Smash“ den Spinnaker 20 Zentimeter vor der „Struntje Light“ ins Ziel schob. „Insgesamt war es aber ein sehr guter Tag. Wir waren schnell unterwegs und im zweiten Rennen trotz eines schlechten Starts noch auf Rang acht vorgefahren. Natürlich schmerzt die Disqualifikation sehr, denn ohne lägen wir auf Rang drei. Aber mit einem ,Wenn und Aber‘ gewinnt man keine Rennen“, so Schäfer, der auch am Finaltag noch auf Angriff fahren will. „Den Sieg in der Amateur-Wertung wollen wir auf jeden Fall einfahren und auch Platz fünf haben wir noch im Blick, denn dort liegt die ,Estate Master‘, die uns die Disqualifikation eingebrockt hat.“

Auch Helmut und Evan Jahn auf der „Flash Gordon“ (USA) arbeiteten hart unter der Führung von Bill Hardesty und nutzten einen unterdurchschnittlichen Tag von Martin und Lisa Hill auf der „Estate Master“ (Australien), um auf den dritten Gesamtrang vorzurücken. Außerdem musste die ehemalige Führende „Estate Master“ auch noch die „Barking Mad“ von Jim Richardson (USA) auf Rang vier passieren lassen.

Am Kurs
Die Rolex Farr 40-WM ist ein harter Event: vier Tage, bis zu zehn Rennen und kein Streicher. Am zweiten Tag kamen die Mannschaften erst um 19 Uhr zurück in den Hafen des Royal Sydney Yacht Squadron. Der Event bietet also keinen Platz für Zaghafte. Umso erstaunlicher bildeten in der Vergangenheit immer wieder Ehepaare erfolgreiche Teams. Die US-Amerikaner Steve und Maxine Phillips haben auf ihrer „Le Renard“ 2002 sogar den WM-Titel gewonnen. Die Schäfers auf der „Struntje Light“ haben zwar noch keinen WM-Titel auf ihrem Konto, aber eine Reihe von Top-Ergebnissen, darunter die EM-Krone. Und die Hills gingen mit ihrer jungen Mannschaft auf der „Estate Master“ mit großen Hoffnungen in diese Meisterschaft. Auch wenn sich diese kaum mehr realisieren lassen, so haben sie ihre Spuren bei diesen Titelkämpfen hinterlassen.

Die Schäfers trafen sich bei der Kieler Woche vor vierzig Jahren und segeln seitdem gemeinsam. Auch für die Phillips ist der Segelsport zu einer gemeinsamen Leidenschaft geworden, nachdem sie sich bei einer Regatta in den USA getroffen haben. Maxine erklärt: „Steve und ich sind sehr beschäftigte Leute. Sein Unternehmen zu führen, verbraucht den Großteil seiner Zeit, und der kleine Rest ist für das Segeln reserviert. Mit Segeln als unser gemeinsamen Leidenschaft funktioniert es perfekt.“ Steve erklärt, dass er unter der Kritik nach jedem Rennen leidet, aber er akzeptiert das, denn „Maxine ist eine sehr gute Seglerin. Sie hält das Team zusammen, managt das gesamte Programm. Sie ist sehr positiv und motiviert die Mannschaft“.

Die Hills haben eine ähnliche Ansicht. Zeit zu zweit, auch bei den Rennen, ist eine gute Sache, stellt Martin fest: „Vor vielen Jahren war ich segeln, und Lisa hat auf die Kinder aufgepasst. Wenn ich dann nach Hause kam, fragte sie mich, wie der Tag gewesen sei, und ich war einfach erschöpft. Wenn wir nun nach Hause kommen, sind wir beide erschöpft, und das schweißt uns zusammen.“ Und Martin empfindet ihre Anwesenheit als eine Oase in einem ansonsten hoch professionellen Umfeld: „Segeln mit Leuten wie Tom Slingsby, Michael Blackburn und Malcolm Page findet auf einem sehr hohen Niveau statt und ist jenseits meiner eigenen Fähigkeiten. Lisa ist mir eine große Ermutigung. Das Boot läuft nicht ohne sie. Ich würde allen Familien empfehlen, zusammen zu segeln.“

Geschichtliches
2009 kam Jim Richardson mit seiner „Barking Mad“ zum zweiten Mal nach Sardinien. Bis dahin war es keiner amerikanischen Crew gelungen, außerhalb der heimischen Gewässer die Rolex Farr 40-WM zu gewinnen, wenn die Bahamas quasi als US-Revier bezeichnet werden. Richardson und seine Crew mit Taktiker Terry Hutchinson gaben alles, um dieses Bild zurecht zu rücken. Umso mehr, da Erzrivale Vincenzo Onorato im Jahr zuvor seinen dritten Titel in Folge gewonnen hatte.

Die „Barking Mad“ drückte von Beginn an aufs Gaspedal. Linda Lindquist-Bischof, eine ehemalige America’s Cup-Seglerin und eine von zwei Frauen im Team, erklärt die Strategie: „Mit den Worten meines großen Segelmentors Buddy Melges ist es das Beste, nach vorn zu segeln und dort zu bleiben.“

Und die „Barking Mad“ tat genau das. Sie war von Anfang bis zum Ende an der Spitze und gewann ihren dritten Titel mit einem Punkte-Durchschnitt von 3,8 über die zehn Rennen. Es war eine beeindruckende Darstellung der Ruhe unter Druck, denn die „Nerone“ verfolgte sie hart. Vor dem letzten WM-Rennen trennte nur ein Punkt die beiden Boote, und nur die Nerven mussten die WM entscheiden. Laut Richardson sah sich die Crew unmittelbar vor dem Start an und sagte sich: „Dafür sind wir hier. Wir haben die Möglichkeit, die Regatta im letzten Rennen zu gewinnen. Was wollen wir mehr.“

Mit einem Sieben-Punkte-Vorsprung sah es am Ende einfacher aus als es gewesen war. Für Richardson wurde ein Traum wahr: „Wir sind sehr, sehr glücklich. Nach Italien zu kommen und vor Porto Cervo die Rolex Farr 40-Weltmeisterschaft zu gewinnen, ist ein unglaubliches Gefühl. Es gibt so viele gute Mannschaften, besonders bei den Italienern. Die WM in ihrem Heimatrevier zu gewinnen, ist etwas ganz Besonderes für uns.“

Randnotiz
Nach dem packenden Finish zur Rolex Farr 40-WM 2009 war Terry Hutchinson, der Mann an der Spitze des Feldes, voll des Lobes für sein Gegenüber Vasco Vascotto: „Gegen jemanden wie Vasco zu segeln, macht dich zu einem besseren Segler. Wir haben den höchsten Respekt vor dieser Mannschaft.“ Unterdessen blieb Vascotto seiner gewohnten Art bei der Analyse seiner Leistung treu: „Es ist ziemlich schwierig, die ganze Zeit konstant zu bleiben. Aber ich denke, dass wir mit Ausnahme des dritten Rennens am ersten Tages und das dritten Rennens am letzten Tag eine tolle Meisterschaft hatten. Mit ein wenig mehr konservativer Taktik hätten wir es vielleicht schaffen können.“ Doch auch die Frage, ob er glücklicher gewesen wäre, wenn er konservativer gesegelt wäre, antwortete er: „Ich bin nicht in der Lage, konservativ segeln!“
(Ende)

Tag 3 –Zwischenergebnis der Top 10
Platz, Bootsname, Land, Eigner-Steuermann, R1-R2-R3-R4-R5-R6-R7-R8, Gesamtpunkte 1. Nerone, Italien, Antonio Sodo Migliori & Massimo Mezzaroma, 2-1-10-8-1-1-6-1, 30 Punkte 2. Transfusion, Australien, Guido Belgiorno-Nettis, 4-4-2-1-7-4-4-5, 31 3. Flash Gordon, USA, Helmut & Evan Jahn, 11-2-9-2-8-5-11-3, 51 4. Barking Mad, USA, Jim Richardson, 15-10-5-9-2-3-10-2, 56 5. Estate Master, Australien, Lisa & Martin Hill, 1-8-1-5-9-10-12-12, 58 6. Kokomo, Australien, Lang Walker, 19-5-4-7-5-9-3-7, 59 7. Struntje Light, Lüneburg, Wolfgang & Angela Schäfer, 3-13-3-21-4-13-2-8, 67 8. Hooligan, Australien, Marcus Blackmore, 13-3-6-4-16-14-8-4, 68 9. Voodoo Chile, Australien, Andrew Hunn & Lloyd Clark, 5-9-8-15-3-2-16-16, 74 10. Goombay Smash, USA, William Douglass, 9-6-17-10-11-16-1-6, 76

Die Rolex Farr 40-Weltmeisterschaft 2011 wird vom Royal Sydney Yacht Squadron und der internationalen Farr 40-Klassenvereinigung organisiert. Die Wettfahrten werden vom 23. bis 26. Februar gesegelt.

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Andreas Kling http://www.regattanews.com/photo_enlarge.asp?f=email&id=15837&eid=255 http://www.regattanews.com/photo_enlarge.asp?f=email&id=15822&eid=255 http://www.regattanews.com/photo_enlarge.asp?f=email&id=15823&eid=255 http://www.regattanews.com/photo_enlarge.asp?f=email&id=15828&eid=255


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