Pressemitteilung, 14. Juni 2011
Deutsche Elite kämpft um Olympiatickets: Vorentscheidung in Kiel?
Kieler Woche hautnah oder weltweit erleben- ISAF-Präsident Göran Petersson kommt zur Sailing World Cup Entscheidung
Wer vertritt Deutschland bei den Olympischen Spielen 2012 in England? Bei den deutschen Seglern könnte diese Entscheidung schon im Rahmen der Kieler Woche (18. bis 26. Juni) fallen. Denn die Kieler Woche ist Mittelteil der deutschen Olympiaausscheidung, die der Deutsche Segler-Verband festgelegt hat. In der dreiteiligen Qualifikationsserie, Weymouth (bereits abgeschlossen), Kieler Woche und Weltmeisterschaften aller zehn olympischen Disziplinen in Perth (Australien/3. bis 18. Dezember), werden die deutschen Tickets verteilt. Kein Wunder also, dass der gesamte deutsche Nationalkader in Kiel am Start ist und sich mit der internationalen Spitze misst. Der Großteil des Audi Sailing Teams Germany reist dazu direkt von Weymouth (5. bis 11. Juni) nach Kiel, um hier eventuell schon eine Vorentscheidung zu erzwingen.
Die Olympischen Spiele sind das höchste Ziel aller Sportler/innen in den olympischen Sportarten. So steht der Wettstreit um das eine Ticket in jeder Segeldisziplin im Fokus der Kieler Woche, die aber noch viel mehr Segelsport zu bieten hat. Und dabei zeigt sich die 129 Jahre alte Kieler Woche erneut innovativ. Jahr für Jahr werden richtungsweisende Neuerungen eingebaut und Maßstäbe für den Segelsport gesetzt. Nach der Aufnahme der Handicap-Klasse 2.4.mR für behinderte Segler/innen (2002), der Einführung des Medalraces (2007), des Gelben Trikots (2008), des ersten Auftritts der olympischen Bootsklasse Elliot 6M als Frauen Match Race Klasse (2009) folgt 2011 die Erweiterung auf insgesamt vier Kat- und vier Skiff-Klassen sowie die Einführung der "Audi Sailing Arena" direkt vor dem Hindenburgufer. Hier sollen mit dem Tornado Speedsailing direkt in der Innenförde neue Wege aufgezeigt werden, Segeln dem Zuschauer näher zu bringen. Und das nicht nur für diejenigen, die Kiel besuchen, sondern durch die umfangreiche Medialisierung für alle Segelinteressierten weltweit.
International wird der Abschluss des ISAF Sailing World Cups beobachtet. Dazu wird der Präsident des Weltsegler-Verbandes (ISAF), Göran Petersson (Schweden), zur Siegehrung nach Kiel reisen. Insgesamt erwartet Kiel.Sailing City 5000 Sportlerinnen und Sportler. Über drei Millionen Besucher, 10.000 Masten auf der Kieler Förde, 5000 Regattateilnehmer mit 2000 Booten, rund 400 Starts, über 60 Nationen, 45 Klassen/Disziplinen auf zehn Bahnen: Das sind die Eckdaten der neuntägigen Kieler Woche 2011.
Möglich wird dieser erneute Kraftakt, den Segelsport voranzutreiben, den olympischen Ansprüchen gerecht zu werden und einem breiten Publikum nahe zu bringen, durch die Bindung starker Partner aus der Wirtschaft. Mit der AUDI AG, SAP AG, Veolia Umweltservice, der HSH Nordbank und der boot Düsseldorf engagieren sich fünf Partner neben der finanziellen Unterstützung auch mit eigenen Ideen und Programmpunkten.
"Wir erinnern uns noch gut an die Begeisterung der Zuschauer und Segler vor einem Jahr. 2011 werden wir uns mit einem noch größeren und attraktiveren Programm präsentieren", so Dr. Hans-Peter Kleebinder, Leiter Marketing Deutschland der AUDI AG.
Auch SAP baut sein Engagement rund um die Kieler Woche aus und ist in diesem Jahr Premiumsponsor. "Als langjähriger Sponsor im Segelsport zeigt SAP bei der diesjährigen Kieler Woche, wie Software bei einem Live-Event sowohl den Zuschauern als auch den Teams Einblicke in das Geschehen auf dem Wasser bieten kann", sagt Stefan Holland, Marketingdirektor für den Mittelstand bei SAP Deutschland AG & Co. KG. "Vor dem Start wird ein Großteil der Boote mit GPS-Sendern ausgerüstet, die alle 1,8 Sekunden die Geo-Positionen der Schiffe übermitteln; zusätzlich erfassen wir Winddaten mittels Sensoren auf Begleitbooten. Eine individuell angepasste Software analysiert diese Daten, sodass die Positionen der Boote mittels einer 3-D-Visualisierung auf Bildschirmen in Echtzeit präsentiert werden können. Segeln wird so auch für die Zuschauer an Land und auf dem Wasser direkt erlebbar. Des Weiteren hilft unsere Analysesoftware aus dem SAP-BusinessObjects-Portfolio dem Sailing Team Germany bei der Analyse des Rennverlaufs und unterstützt dabei, die Strategie für kommende Rennen zu optimieren."
"Im Mittelpunkt steht für uns das Vorausdenken - sowohl bei der Ressourcenpolitik wie auch beim Segeln", erklärt Dr. Thorsten Grenz, CEO von Veolia Umweltservice sein Kieler Woche-Engagement. Neben dem hochkarätig besetzten Ressourcen-Gipfel, an dem u.a. der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer teilnimmt, ist Veolia auch mit eigenem Team der IMX40 bei den Regatten aktiv und unterstützt Philipp Buhl, der bei der ersten Qualifikationsrunde vor Weymouth Rang sieben belegte.
Die HSH Nordbank bietet mit dem "HSH blue repair service" direkte Hilfe für die Segler/innen auf dem Wasser und setzt sich mit der Aktion "Gut für Kids" für den Nachwuchs ein.
Am längsten im Kieler-Woche-Boot sitzt die boot Düsseldorf. "Der internationale Spitzenevent des Segelsports und die weltgrößte Yacht- und Wassersportmesse sind ein super Team. In Kiel stimmt einfach alles", so Goetz-Ulf Jungmichel, Director der boot Düsseldorf. Bereits im zweiten Jahr präsentiert die boot das Wetter. "Wo immer die Flagge der boot weht, dürfen die Aktiven mit umfassenden und kompetenten Wetterinformationen rechnen. Für diese Aufgabe konnten wir mit wetterwelt.de und seinem Chefmeteorologen Dr. Meeno Schrader einen anerkannt sachverständigen Partner gewinnen", so Jungmichel.
Olympiaausscheidung im Brennpunkt
Im Brennpunkt der Kieler Woche steht in diesem Jahr die Olympiaausscheidung, denn die deutschen Olympiafahrkarten werden am Ende der dreiteiligen nationalen Ausscheidungsserie (Weymouth/Kiel/Perth) vergeben. Wesentliche Grundlage dazu ist die Norm des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB): Der Nachweis der so genannten Endkampfchance muss erbracht sein. Dabei werden aus deutscher Sicht alle internationalen und nationalen Teilnehmer der drei oben genannten ISAF-Regatten nach einem festgelegten Punktesystem in einer speziellen DSV-Wertung erfasst. Jeder deutsche Teilnehmer muss nach Abschluss der ISAF Weltmeisterschaft im Dezember in der internen DSV-Wertung unter den besten zehn Nationen platziert sein und mindestens sechs Punkte (entspricht einmal Rang 15) bei einer der drei genannten Regatten ersegelt haben.
Da nicht alle Nationalmannschaften in Kiel (so ist aus der stärksten Segelnation Großbritannien kein Nationalsegler am Start) antreten, gewinnt die Kieler Woche für die deutschen Segler/innen an taktischer Bedeutung. Vielleicht kann hier die geforderte Endkampfchance eher ersegelt werden. 30 Punkte für den Sieg in Kiel wiegen fast dreimal den elften Platz (zehn Punkte) von Weymouth, Kiel und Perth auf.
"Mag sein, dass einige anfangen zu rechnen, aber ich will einfach gut segeln, dann klappt das schon", weist Simon Grotelüschen (Kiel) Rechenspiele von sich und konzentriert sich aufs Segeln. Der 24-jährige Lasersegler gehört zu den deutschen Hoffnungen für die Olympischen Spiele und zeigte sich bei der Vorab-Pressekonfrenz in Kiel selbstbewusst. Und das zu Recht. Bei der ersten Qualifikationsserie in Weymouth belegte Grotelüschen Rang vier. Mit dem Sieg im Medal Race katapultierte sich der Lübecker noch einmal um drei Plätze nach vorn. Sein deutscher Mitstreiter Philipp Buhl (Sonthofen) belegte Rang sieben. Der neunte Rang der 470er-Seglerinnen Kathrin Kadelbach/Friederike Belcher (Berlin/Hamburg) und der zehnte von Franziska Goltz (Kiel) im Laser Radial komplettieren den Erfolg der deutschen Flotte in England. Auch das Match Race-Team um Silke Halbrock (Hamburg) belegte nach dem Aus vor dem Viertelfinale als Neunte einen Platz unter den Top Ten.
Und Silke Hahlbrock braucht wirklich keine Rechenspiele über unterschiedlich starke Felder anzustellen, denn beim Damen Match Race in Kiel sind neun der zehn Topcrews am Start. Allein die Britin Lucy Macgregor (GBR) fehlt. Die deutsche Europameisterin von 2009 hat zwar keine innerdeutsche Konkurrenz, aber die DOSB-Norm der Endkampfchance zu erfüllen, ist schwer für die Hamburger Crew, die zur Zeit auf Platz 16 in der Weltrangliste liegt. In der gemeinsamen Nationenwertung Weymouth/Kiel/Perth muss Platz zehn reichen.
Taktische Spiele bieten sich eher im Surfbereich an. Hier ist die internationale Elite aus der Weltrangliste und der ISAF Sailing World Cup Wertung in Kiel kaum vertreten. Toni Wilhelm hat es in Kiel mit keinem der Top Ten zu tun. Bei den Damen dürften vor allem Agata Brygola (Polen) und Jessica Crisp (Australien) den deutschen Surferinnen das Leben schwer machen. Mit den Plätzen eins und drei waren beide schon 2010 bei der Kieler Woche auf dem Siegerpodest. Doch Moana Delle (Kiel/Kieler-Woche-Siegerin 2009) bekommt es auf ihrem Heimatrevier nicht nur mit der internationalen Konkurrenz zu tun. Die Silbermedaillengewinnerin von Sydney, Amelie Lux, greift wieder ins Geschehen ein. Die 34-jährige Kielerin, die 2000 deutsche Surfgeschichte schrieb, hat ihre Kraft nach der Babypause eingeteilt und auf Weymouth verzichtet, um in Kiel konzentriert anzugreifen. Ob es gelingt, mit der favorisierten, zwölf Jahre jüngeren Moana Delle auf Augenhöhe zu konkurrieren, dürfte nach der Kieler Woche feststehen.
Der härteste innerdeutsche Kampf wird im Star erwartet, wo gleich vier Crews um das eine Ticket kämpfen. Und der Kampf dürfte noch härter geführt werden, da es für den Star zunächst der letzte olympische Auftritt sein wird, nachdem die ISAF die Kielboote für 2016 aus dem olympischen Programm gestrichen hat.
Dafür wurden mit einer Katamaran-Klasse (gemischt) und einer Skiff-Klasse für Frauen zwei neue Disziplinen ins Olympia-Programm aufgenommen. Ganz im Sinne der Kieler Zwillinge Jule und Lotta Görge. Die 18-Jährigen gehören seit Jahren zu den besten 29er-Seglerinnen und mischen auch die Männerfelder auf. Bei den ISAF-Youth Worlds belegten sie als beste Frauencrew im gemischten Feld den siebenten Rang. Nach dem Auftritt im 29er zu Pfingsten starten die Blondinen zur Kieler Woche im 29erXX und hoffen, dass dieses Doppeltrapez-Skiff von der ISAF olympische Weihen erhält, denn die ambitionierten Seglerinnen haben ein großes Ziel, "die Olympischen Spiele 2016 vor Brasilien", so Lotta Görge.
Neben den zehn olympischen und 17 internationalen Klassen trumpft die ehemalige olympische Tornadoklasse in Kiel groß auf. In der Audi Sailing Arena verspricht der viermalige Tornado-Weltmeister Roland Gäbler Hochleistungssport und Entertainment. "Segeln muss ran ans Publikum. Wir werden in Kiel zeigen, dass spektakuläre Rennen und Rockbands am Ufer zusammen passen. Wir möchten einen möglichst großen Teil der drei Millionen Besucher erreichen", so Gäbler in Kiel. Dazu verspricht der internationale Klassen-Boss pünktliche Starts bei jedem Wind, um so Zuschauer und Medien Verlässlichkeit zu bieten. "Wir müssen die Jugend ansprechen und zeigen, dass Spitzensport und Unterhaltung zusammen passen", erklärt der Bronzemedaillengewinner von 2000. Daneben ist es das Ziel, Segeln auch den Besuchern nahe zu bringen, die leider nicht nach Kiel reisen können, sowie das Geschehen auf dem Wasser auf Großbildleinwände in der Stadt zu übertragen, um Segeln den Besuchern der Kieler Woche an Land zu vermitteln.
Das Geschehen wird über TV-Bilder, 3D-Animationen, Tracking der Teilnehmer auf den Regattabahnen und eine Live-Moderation so aufbereitet, dass es weltweit zu Hause am Computer, in der Kieler Region im Offenen Kanal aber auch auf den Bühnen in Schilksee und an anderen Orten der Stadt mitverfolgt werden kann. Dafür stellt SAP technisches Knowhow und Analysewerkzeuge zur Verfügung. Die Fernsehbilder werden dank Audi realisiert, denn der Ingolstädter Kieler-Woche-Partner präsentiert das Kieler-Woche-TV. Nils Kaben vom ZDF und der zweimalige Olympia-Teilnehmer Marcus Baur werden die Moderation von einem gläsernen Studio aus übernehmen. Von 11.30 bis 17.45 Uhr sind täglich Fernsehbilder geplant, die über den Kieler Offenen Kanal die Region versorgen und über das Internet (www.kieler-woche.de) weltweit abrufbar sind.
Weitere Highlights:
Pre-Olympics: Wer Deutschland bei den Pre-Olympics (1. bis 14. August vor Weymouth/England) vertritt, entscheidet sich in Kiel. Der Punktbeste jeder Disziplin aus den Serien "Sail for Gold" vor Weymouth und der Kieler Woche wird vom Deutschen Segler-Verband nominiert.
Gelingt Hunger der 19. Streich?
Die zweimaligen und amtierenden Weltmeister im 505er, Wolfgang Hunger/Julien Kleiner, peilen für den Steuermann die Verbesserung des eigenen Rekords an, denn auf dem Heimatrevier siegt der siebenmalige Weltmeister Hunger besonders gern, führt er doch die ewige Kieler-Woche-Siegerliste mit 18 Erfolgen an. Nummer 19 ist angepeilt.
Deutsche Seesegelmeisterschaft: Zum sechsten Mal ermitteln die deutschen Seesegler ihre Meister während der Kieler Woche. Dabei geht es erstmalig vor Kiel um die zum dritten Mal eigenständig ausgetragenen Offshore-Meisterschaften der Vermessungsklassen nach ORCinternational.
Meisterschaften: Die X-99-Klasse hat das Event zur German-Open und zum X99-Goldcup aufgewertet. Zu den Favoriten zählt der viermalige Weltmeister Christian Soyka (Itzehoe). Die Farr 30 (früher Mumm 30) segeln ihre Europameisterschaft im Rahmen der Kieler Woche aus. Die Melges 24 segeln im Rahmen des Kiel-Cups parallel um die German Open.
Regattatermine der Kieler Woche 2011
18. - 22. Juni: Olympische Klassen/ISAF Sailing World Cup
(470er, 49er, Damen Matchrace/Elliott 6m, Finn-Dinghy, Laser, Laser radial W,
Neil Pryde RS:X, Starboot) und die paralympische Klasse 2.4 mR open
23. - 26. Juni: Internationale Klassen
(29er, 29erXX, 420er, 505er, A-Cat, Contender, Drachen, Europe, Flying
Dutchman, Folkeboot, Formula 18, H-Boot, Hobie 16, J 24, Musto
Performance Skiff, OK-Jolle, Platu 25)
Seebahn
1. 18. - 19. Juni: Welcome Race von Kiel nach Eckernförde und zurück (ORCi, ORC-Club)
Bestandteil der Offshore-IDM Seesegeln
2. 20. - 22. Juni: Kiel-Cup Alpha (ORCi), Farr 30 Pre-Europeans, X-99 (German Open).
3. 23. - 24. Juni: Silbernes Band, Langstrecke (ORCi, ORC-Club), Offshore-IDM
4. 25. Juni: Senatspreis, Mittelstrecke (ORCi, ORC-Club), Offshore-IDM
5. 18. - 22. Juni: Kiel-Cup Foxtrott mit Albin Express, CB 66, J-80 (German Open),
LaserSB3, Melges 24 (German Open), Streamline.
6. 22. Juni: Kaiserpokal (Finalwettfahrt aller Kiel-Cup Klassen)
7. Meisterschaften auf den Seebahnen
23. bis 26. Juni: Farr 30 Europameisterschaft (Sonntag ist der Reservetag)
23. bis 26. Juni: X-99 World-Cup
18. bis 25. Juni: IDM Seesegeln Offshore (Welcome Race, Silbernes Band und
Senatspreis.
20. bis 22. Juni: X-99 German-Open im Kiel-Cup Alpha
20. bis 22. Juni: Farr 30 Pre-Europeans im Kiel-Cup Alpha
18. bis 22. Juni: Melges 24 German Open im Kiel-Cup Foxtrott
Weitere Informationen unter www.kieler-woche.de
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Hermann Hell
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