Pressemitteilung 3, 24. Juni 2011
High-Speed-Segeln - Wird Kiel Etappen-Ort?
Schnell auf dem Wasser und nachhaltig in der Wirkung. Mit der neuen Trimaran-Einheitsklasse MOD70 wollen die Initiatoren dieser Klasse für Furore sorgen. Bei der Kieler Woche stellte die Multi One Attitude Foundation das Projekt vor, hatte auch ein Schiff mitgebracht, das in der Förde mit Journalisten auf Testfahrt ging.
Die ersten beiden rund 21 Meter langen Trimarane wurden bereits in Frankreich zu Wasser gelassen, zwei weitere sollen bis Oktober folgen. Insgesamt sind bis zu zwölf Schiffsbauten geplant, wovon fünf schon fest und zwei weitere in konkreter Planung sind. Die High-Speed-Geräte mit einem Gewicht von 6,3 Tonnen und einer Am-Wind-Besegelung von 285 qm (Vormwind: 400 qm) sollen ein weiteres Rennen um die Welt bestreiten und dabei als Botschafter für den Schutz der wichtigsten Ressource der Welt dienen - dem Wasser. "Ambassador" heißt daher der Prototyp der Klasse, der von dem Gründer der Klasse, Steve Ravussin aus der Schweiz, gesteuert wird und mit dem Schriftzug "Race for Water" ins Rennen geht.
"Die Idee zu dem Projekt ist 2005 entstanden und wurde vor drei Jahren konkret. Die geplanten Rennen, eine Europa-Tour in 2012 und die Welt-Tour 2013, zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit absolut identischen Schiffen vom Rumpf bis zur Besegelung und damit chancengleich gesegelt werden sollen", sagt Ravussin. Das mache das Geschehen für neue Kampagnen kalkulierbar. Auf 2,2 Millionen Euro pro Jahr bei einer Laufzeit von fünf Jahren inklusive der Teilnahmen an Europa- und Weltrennen taxiert Ravussin die Budgetkosten. Die Schiffe hätten danach ihren Wert aber erhalten, da die maximale Zahl auf zwölf begrenzt und Neuentwicklungen ausgeschlossen seien. Neben Ravussin sind bereits die Franzosen Roland Jourdain mit der "Veolia", Michel Desjoyeaux auf "Foncia" und Sebastien Josse auf "Gitana" dabei. Deustche Kampagnen seien zwar noch nicht entstanden, Potenzial dafür sieht Ravussin aber.
Derzeit plant das Konsortium die Europa-Tour, die ab September 2012 von Finnland aus durch die Ost- und Nordsee in den Atlantik und schließlich in das Mittelmeer bis nach Italien führen soll. Kiel könnte ein Etappen-Ort sein, wenn sich die Stadt auch finanziell einbringen wolle. Gespräche mit den Verantwortlichen würden bereits laufen.
Das Besondere an den Rennen wird sein, dass sie sich aus zwei- bis dreitägigen Offshore- und vier- bis fünftägigen Inshore-Rennen zusammensetzen würden. Damit würde der sportliche Anspruch der Renner gewahrt, aber auch das Zuschauer- und Medieninteresse bedient werden. Ravussin kann sich für Kiel vorstellen, unmittelbar in der Innenförde an den Zuschauern entlang zu fahren. "Wir entwickeln noch den Modus für die Inshore-Races, aber mit reinen Speedrennen ist es möglich, in wenigen Metern Entfernung von der Promenade entlang zu fahren." Spektakulär dürfte es dabei zugehen, denn in der Spitze erwartet Ravussin bis zu 40 Knoten Speed. Gesegelt werden die mächtigen Trimarane bei den Inshore-Races mit einer achtköpfigen Besatzung, auf den Langstreckenrennen von sechs Mann. Ein erster echter Belastungstest steht dem Prototyp im August bevor, wenn er beim Rolex Fastnet Race auf den Kurs gehen soll.
Daten der MOD 70: Länge: 21,2 Meter, Breite: 16,8 Meter, Tiefgang: 4,5 Meter, Masthöhe: 29 Meter. Gewicht: 6,3 Tonnen, Segelfläche Amwind: 285 m², Segelfläche Vormwind: 400 m².
Hermann Hell
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